Firmenauftritt

Zu viel Professionalität schadet Ihrem Business

Ralf Senftleben • 28.01.2008 • email Weiterempfehlen

Wenn wir uns selbstständig machen, dann legen sich die meisten von uns erst einmal eine komplette Geschäftsausstattung zu. Ein Logo wird gestaltet, wir lassen Briefpapier drucken und ein paar Visitenkarten, vielleicht gibt es auch noch einen Stempel obendrauf.

Ich habe mich schon immer gefragt, warum Existenzgründer das eigentlich tun. Kann es sein, dass dahinter das Bedürfnis steckt, das eigene Business nach außen offiziell zu machen? Nach außen sichtbar zu zeigen, dass wir nun mitspielen und um professionell und business-like auszusehen?

Es soll sogar Existenzgründer geben, die tun am Telefon mit verstellter Stimme so, als wären sie ihre eigene Sekretärin. Nur um sich dann an sich selbst durchzustellen. Auch ein Versuch, grer, erfolgreicher und professioneller zu wirken, als man eigentlich ist.

Und soll ich Ihnen etwas sagen: Ich glaube, dass das alles für uns kleineren Unternehmer kontraproduktiv ist.

Wir sind keine großen Unternehmen und das ist auch gut so. Denn wir schleppen nicht den Ballast mit uns herum, den ein großes Unternehmen mit sich bringt. Wir sind klein, flexibel und schlagkräftig. Wir können selbst entscheiden, ohne 7 Unterschriften einzuholen. Und was noch wichtiger ist: Bei uns hat man es immer mit Menschen zu tun und nicht mit einem Apparat.

Jeder, der in letzter Zeit mal ein Problem mit seinem Telefon oder mit seinem Internetanschluss hatte, weiß, wovon ich rede. Rufen Sie bei Ihrem Telefonunternehmen an, haben Sie nicht mit Menschen zu tun, sondern mit einem großen Apparat. Selbst wenn Sie mit einem freundlichen Mitarbeiter sprechen, der Ihnen aber leider in 90 % aller Fälle auch nicht weiterhelfen kann. Wäre es hier nicht schön, wenn Sie immer mit dem gleichen Menschen zu tun hätten und sich auch noch sicher sein könnten, dass dieser auch wirklich daran interessiert ist, Ihre Probleme zu lösen? Das wäre doch etwas, oder?

Fragen Sie sich doch mal selbst: Machen Sie lieber Geschäfte mit einem anderen Menschen oder lieber mit einer wenig fassbaren Organisation, mit der man nur über eine Hotline kommunizieren kann? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe lieber mit Menschen zu tun und nicht mit einem austauschbaren Mitarbeiter, der nichts selbst entscheiden kann und teilweise durch eine absurde Firmenpolitik geknebelt ist.

Und doch versuchen wir manchmal genau dieses "große Business" zu imitieren. Wir fangen an, uns hinter Logos und professionellem Business-Verhalten zu verstecken. Und nehmen uns dabei die große Stärke, die wir als kleine Unternehmer haben.

Teilweise imitieren wir sogar in unseren Werbematerialien die inhaltsleeren Marketingblasen, mit denen große Unternehmen um sich werfen. Nach dem Motto: Wenn es für die großen, erfolgreichen Unternehmen klappt, dann muss das auch das Richtige für mich sein. Wissen Sie, was ich glaube? Ich glaube, dass die meisten greren Unternehmen nicht wegen Ihres professionellen Aufretens erfolgreich sind, sondern eher trotzdem.

Mein Tipp an Sie heute ist: Versuchen Sie nicht so aufzutreten wie ein großes Unternehmen. Stehen Sie dazu, klein zu sein, und spielen Sie alle Vorteile aus, die Sie als Einzelunternehmer/in oder als kleines Unternehmen haben.

Versuchen Sie nicht, "zu professionell" und business-like aufzutreten, sei es im direkten Kontakt oder in Ihren Werbematerialien. Treten Sie menschlich auf und kommunizieren Sie Ihre Menschlichkeit. Denn das ist mit der größte Vorteil, den Sie gegenüber großen Unternehmen haben, die durch ihr Wachstum genau diese Menschlichkeit oft verloren haben.

Die meisten Menschen machen in vielen Bereichen lieber Geschäfte mit anderen Menschen, die sie verstehen und denen sie vertrauen. Und diese Chance zerstören Sie durch ein zu professionelles Auftreten.

Zu viel Professionalität schadet Ihrem Business. Seien Sie lieber menschlich. Ihre Kunden werden es Ihnen danken.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Gabriele Kuhlemann am 03.02.2008
Lieber Ralf,

dem ersten Absatz kann ich nicht zustimmen, gerade im Zeitpunkt der Existenzgründung ist ein professioneller Auftritt, also Visitenkarten, Flyer und Geschäftsausstattung, enorm wichtig, weil Du sonst nicht als leistungsfähig anerkannt wirst. Ich veranstalte selbst seit 4 Jahren Existenzgründungsseminare und werde immer wieder von den Teilnehmern angesprochen auf ihre meist selbst entworfenen Flyer, Visitenkarten etc. Da hat jemand bei Word die ClipArts entdeckt und bewirbt sein Geschäft mit bunten Bildchen und schrägen Schrifttypen, kostenlosen Visitenkarten mit rückseitigem Werbeaufdruck des Herstellers etc.
Es sieht häufig einfach aus wie selbst gebastelt, ist schade um Zeit und Geld und erweckt beim potentiellen Auftraggeber den Eindruck, dass derjenige seinen Auftrag nicht professionell abwickeln wird. Gerade als Unternehmer ist es immens wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen und stümperhafte Auftritte zu vermeiden. Die Geschäftsausstattung muss nicht überkandidelt sein, aber von einem Profi gestaltet.

Viele Grüße,

Gabriele Kuhlemann
Coach und Karriereberaterin
Von: Brigitte Kirschke am 03.02.2008
Was sie beschreiben trifft genau auf mich zu. Inzwischen weiß ich, dass das mit dem Business- like, ein Trugschluss war. Es kommt noch bsser, es stimmen nun auch die Telefonnummern und bald die Adresse auf Visitenkarten, Stempel und Briefpapier nicht mehr. Jetzt möchte ich ganz klein noch mal von vorne anfangen. Und ich glaube, da fühle ich mich auch sicherer bei. Schlimmsten Falls muss ich erkennen, dass es nicht mein Weg ist. Aber die vergeudete Investition tut noch immer weh.
Von: Ralf Senftleben am 03.02.2008
Liebe Gabriele,

ist es wirklich so, dass man ohne eine tolle Geschäftsausstattung nicht als leistungsfähig anerkannt wird? Immer?

Ich meine, das kann in manchen Fällen passieren. Auf jeden Fall.

In anderen Fällen (z.B. wenn man eher Privatpersonen als Kunden hat) wirkt eine nicht perfekte Geschäftsausstattung sympathisch und sichert vielleicht einen Auftrag.

Im Direktmarketing ist es z.B. so, dass "hässliche" Werbebriefe mehr Verkäufe erzielen, als toll gestaltete. Erstaunlich...

Aber ich denke, es gibt 1001 Dinge, die mehr zum Erfolg eines Existenzgründers beitragen. Nicht, dass ich die Wahrheit kennen würde grin Das ist nur meine Erfahrung.

Herzliche Grüße,
Ralf
Von: Ralf Senftleben am 03.02.2008
Liebe Brigitte,

danke für Ihre Erfahrung. Ja, das kann ich nachvollziehen. Gerade am Anfang ändert sich noch so viel...

Beste Grüße,
Ralf
Von: Birgit Radermacher am 03.02.2008
Lieber Ralf,

Ich finde mich hier bei beiden Beiträgen wieder. Ich glaube auch, dass man einen guten Auftritt braucht, aber es kommt immer auf den Kontext an.

Ich habe zum einen die Erfahrung gemacht, dass ich trotz einem professionellen Auftritt, schwer die Möglichkeit hatte z.B. meine wirklich sehr schönen Flyer abzusetzten. Ich habe zu wenig Stellen gefunden, wo ich diese auslegenkonnte. Nun liegen viele bereits im Papierkorb.

Auf der anderen Seite habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass ich bei wünschenswerten Unternehmen keine Kunden anwerben konnte, weil mir (aus kostengründen)u.a. Businessmappen fehlten.

Aber ich habe ebenso bei der Konkurenz feststellen können, dass die Seminare voll sind, selbst mit ganz einfachen Mitteln.

Es muss also noch an etwas anderem liegen.

Herzliche Grüße

Birgit Radermacher
Von: Manuela Ludwig am 03.02.2008
Hallo Ralf,

wir haben die Erfahrung gemacht, dass es genau so ist, wie du gesagt hast. Wir haben einen Verkaufsladen in den USA und hatten über 1 Jahr lang weder Visitenkarten noch Flyer. Und TROTZDEM haben wir alle Kontakte und Kundenbeziehungen auch so aufgebaut ... nämlich durch persönliche Ansprache. Gerade hier wird ja viel mit Visitenkarten um sich geschmissen ... wir sagten dann immer, dass wir noch keine haben und keiner fand das merkwürdig. Ein Zettel mit der Telefon-Nummer hat ebenso ausgereicht.

Gerade im Umgang mit Kunden wirkt es sich nur positiv aus, wenn man seine kleinen Schwächen zugibt - wichtiger ist es, persönlich auf die Bedürfnisse des Kunden einzugehen und ihm das Gefühl zu geben, dass er von uns gut betreut wird. Wir setzen dieses Erfolgskonzept jeden Tag um und dadurch besteht bei uns im Laden auch eine entsprechend gute Stimmung, die sich auf die Kunden auswirkt.

Viele Grüße
Manu
Von: Ralf Senftleben am 03.02.2008
Birgit, danke für deinen Erfahrungsbericht. Die gleichen Erfahrungen haben wir wieder und immer wieder gemacht.

Schaut z.B. mal unter http://hpz.com - nach gestalterischen Grundsätzen ist die Homepage eine Katastrophe (Sorry Hans-Peter). Aber seine Seminare sind immer ausgebucht.

Im Seminarbereich (und in vielen anderen Bereichen genauso) geht es nach meiner Erfahrung z.B. viel mehr um Profilierung und darum, sich als Person zu zeigen, mit allen Ecken und Kanten.

Genau zu diesem Thema wird Gitte morgen einen sehr gehaltvollen Beitrag veröffentlichen.
Von: Ralf Senftleben am 03.02.2008
Manu, ganz genau. Sich als Mensch zeigen. Schwächen zeigen. Das macht sympatisch und wir erwarten von unseren Geschäftspartnern doch nicht, dass sie perfekt sind.
Von: Franka am 03.02.2008
Hallo Ralf,
ich stimme Deiner Aussage zu, dass ein ehrlicher Auftritt wichtig ist. Zu seiner Unternehmensgröße zu stehen und Menschlichkeit zu vermitteln, ist sicher richtig. Ich arbeite als Texterin in der und bemerke manchmal, wie auch ich versucht bin, leere Worthülsen zu benutzen ...
Trotzdem finde ich einen ästhetischen Auftritt bei den Werbematerialien sehr wichtig. Er gibt mir ein Bild von der Person/dem Unternehmen. Wenn dieses, bei mir entstandene Bild, im Gespräch oder Geschäftsverhalten nicht erfüllt wird, bin ich natürlich enttäuscht. Aber auf einen unschönen Flyer oder auf eine Webseite (wie hpz.com)würde ich niemals reagieren. Es geht eben um Authentizität.
Von: Ralf Senftleben am 03.02.2008
Hallo Franka, danke für deine Gedanken. Das meine ich... manchen ist Gestaltung wichtig, anderen nicht. Oder sie fühlen sich sogar von "zu sehr" gestalteten Werbematerialien angestossen (Vielleicht ein "schon zu oft von Hochglanz enttäuscht"-Effekt?).

Genauso, wie ich persönlich schon aufhöre, einen Brief zu lesen, wenn jemand so etwas schreibt:

"Sie sind ein erfolgreicher Unternehmer..."

Da weiß ich sofort: Typische Direktmarketing-Ansprache aus dem Leerbuch, ist "nur" ein Werbebrief => Papierkorb.

Und genau um Authentizität geht es mir hier: Sich so zu zeigen, wie man ist und sich nicht hinter einer Fassade aus vermeintlicher Professionalität zu verstecken.
Von: Elisabeth Bardenhagen am 03.02.2008
Hallo Ralph,

ich habe schon lange (ca.17 Jahre) eine spirituelle NLP-Praxis. Bis vor drei Jahren hatte ich großen Zuspruch - auch viele Seminare und bekomme von meinen Klienten immer gutes Feedback und werde auch weiterempfohlen. Vor zwei Jahren hatte ich eine OP (neue Hüfte) und die Praxis wird seit damals (auch schon früher) ruhiger und ruhiger. Weder habe ich mich verändert noch meine Praxis - außer das ich im letzten Jahr auch eine Webside habe. Vorher keine Werbung - die Menschen kamen und jetzt Flaute trotz kleiner Werbung - wie Flyer usw. Eine Idee dazu?
Liebe Grüße
Elisabeth
Von: Ralf Senftleben am 03.02.2008
Elisabeth, ne, da kann ich leider nichts zu sagen. Da gibt es ja 1001 Möglichkeiten, woran so etwas liegen kann. Alles ändert sich heutzutage so wunderbar schnell. Plötzlich wollen Menschen etwas anderes, es gibt andere Trends und Moden - auch in der "spirituellen Szene". Und man muss ja auch sagen, dass NLP ein bisschen aus der Mode gekommen ist.
Die Frage ist, ob hier eine Ursachensuche etwas bringt oder ob es nicht nützlicher ist, dein Angebot auf neue Füße zu stellen.
Schau doch mal hier:
http://unternehmenskick.de/0/tipps/entry/58/
da ist das Grundprinzip drin.
Zu diesem Thema "Attraktive Angebote gestalten" werde ich demnächst übrigens hier auch einen kostenlosen Online-Kurs halten.
Von: Christian am 04.02.2008
Ein "sauberer" Auftritt sollte schon sein, d.h. aber nicht, eine übertriebene Professionalität. 27 Jahre war ich selbständig und habe vieles ausprobiert. ich bin Ihrer Meinung: Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht und hat was mit Verantwortung und Selbstverantwortung zu tun. Dem Kunden Lösungen anbieten, das ist es doch, was auch ich als Kunde wünsche. Jeder Fall ist ein "Individual-Fall".
Und auch mal sagen, wenn ich keine Lösung anbieten kann, Kollegen empfehlen etc.
Von: Monika Walter am 04.02.2008
Hallo Herr Senftleben,

ich habe auch ein kleines Unternehmen und versuche nicht mit Werbung, sondern mit "Mensch" sein meinen Kunden zur Seite zu stehen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viele Unternehmen mit toller Werbung und mit absoluter Korrektheit nach aussen auftreten und in Wirklichkeit (ich berate kleine Unternehmen und Privatpersonen) bei sich selbst den größten Chaoshaufen haben und ihrer Werbung in keinster Weise entsprechen. Lieber stimmt es in der Menschlichkeit und die Werbung ist nicht so perfekt und villeicht spiegeln sich sogar die kleinen Macken des Unternehmers wieder -gebe ich ihnen vollkommen recht. Ich bin Ihnen sehr dankbar für diesen Beitrag, da ich zur Zeit an mir zweifelte ob es an meiner "nicht so Professionellen Werbung liegt". Dicken Kuss dafür.

Liebe Grüsse

Monika Walter
Von: Ralf am 04.02.2008
Christian, Lösungen... das genau ist es. Menschen wollen keine Produkte... sie wollen Lösungen für ihre Probleme und Lösungen, die ihnen dabei helfen das zu erreichen, was sie eben erreichen wollen. Danke für das Stichwort.
Von: Ralf am 04.02.2008
Monika, danke schön für Ihren Beitrag. Da sind wir wieder beim Thema "Authentizität". Sich so zeigen, wie man ist, auch mit allen Ecken und Kanten. Das erzeugt Vertrauen.

Und Vertrauen ist nach meiner Auffassung im Geschäftsleben eine der wichtigsten Faktoren überhaupt.
Von: Edeltraud am 04.02.2008
Seit 29 Jahren bin ich selbständig, davon seit 15 Jahren mit einer Seminar-Organisation, die sich sehr "zufällig" ergeben hat. Ich machte Seminare, da ich selbst gesundheitlich sehr angeschlagen war. Referenten, die mich total begeisterten, "nahm" ich mit nach Hause und "trommelte" Leute zusammen, weil ich der Meinung war, das Gelernte müssen einfach mehr Menschen wissen.
Jahrelang bestand unser Programm aus einem gewöhnlichen lila A 4 Blatt.
Doch es gab kaum jemanden, dem ich nicht von "meinem tollen Referenten" und den Kursen erzählte. Heute mache ich eine schöne Kundenzeitung, einfach weil es mir Spaß macht und ich den Menschen Infos zukommen lassen möchte. Und dazu einen fast so regelmäßigen Mail-Newsletter wie Ralf und Team.
Heute hab ich ca. 3500 Seminarkunden. Die Werbung war mehr als unprofessionell.
Ganz wichtig war, dass wir immer unsere Adressen pflegten. Im Jänner hab ich 3000 Kundenzeitungen versandt, davon hab ich genau 29 Stück zurück bekommen.
Es macht viel Arbeit, aber selb-ständig heißt eben, sebst ständig arbeiten.
Ich finde immer noch die Mundpropaganda die Beste. Und da muss halt dann das rundherum, die Betreuung, die Freundlichkeit, das Service usw. stimmen. Natürlich auch die Ware, bei mir eben die Referenten.
Ich hab z.B. nie einen Referenten engagiert, den ich nicht selbst im Seminar erlebt habe. Wie sonst hätte ich ihn verkaufen sollen?
Ich war und bin eine begeisterte SELBSTÄNDIGE.
Edeltraud
Von: Ralf Senftleben am 05.02.2008
Edeltraud, danke schön für den Kommentar. Ein wunderbarer Erfahrungsbericht, der meinen Punkt von oben sehr schön unterstreicht.

Und du bist ja auch genau in einem Bereich unterwegs, wo "zu professionelles Auftreten" eher abschreckt und das Geschäft von Persönlichkeit und Vertrauen lebt.
Von: Ursula Kruck-Hantschel am 11.03.2008
Hallo & Guten Tag,

zunächst einmal möchte ich hier meine Hochachtung aussprechen, welch mühevolle Arbeit hinter dieser Idee steckt. Ich wünsche dem Team und allen, die Ihre Arbeit mit hier hineinlegen viel Erfolg & Gutes Gelingen!
*****

Jungunternehmen sollten sich und ihrem unternehmen die Chance geben, das Unternehmen mit sich wachsen zu lassen (und nicht nur Jungunternehmer).
Das bedeutet für mich, dass Visitenkarten und Briefbögen sich im Laufe der Zeit entwickeln und verändern können und dürfen.

Im Kundenkontakt konnte ich häufig erleben, dass sicherlich die eine oder andere Visitenkarte - etwas mehr auf den Punkt gebracht – anders gestaltet werden kann, jedoch, in ihrer Art & Weise eine Grundlage bildet die Individualität der Person wahrzunehmen und sie bei Ihrem Wachstum zu unterstützen.

Ich meine – es ist wichtig, dass sich ein/e Unternehme/in mit ihrem/seinem Unternehmen und allem drum und dran identifizieren können sollte und sich in dem „Outfit“ wohl fühlt.

Eine Visitenkarte ist für mich, als Pragmatikerin, in erster Linie eine Möglichkeit die Kontaktdaten zu erhalten und ich persönlich habe nichts gegen Farbenpracht und kreative Ideen, sie sind besonders wertvoll und machen den Menschen aus.

Ein Mensch der auf eine Fülle von innerem Reichtum blicken kann, strahlt das besser aus, als die perfekteste Visitenkarte!

Herzlichst Ursula
Von: Ralf Senftleben am 12.03.2008
Ursula, danke schön für Ihre Anregung. Beim Thema Visitenkarten muss ich immer schmunzeln, weil ich als Selbstständiger noch nie welche hatte.

Früher als Angestellter hat man mir auch einen Stapel von 1000 Stück auf den Tisch gelegt. Als ich nach 2 Jahren gegangen bin, waren immer noch 990 übrig grin

Deswegen habe ich mir für unser Unternehmen nie die Mühe gemacht.
Von: Gitte Härter am 12.03.2008
... und ich finde (auch - wie Ursula das andeutet), dass die Visitenkarte das wichtigste Akquisewerkzeug ist - für neue Kontakte, um präsent zu bleiben und fürs Netzwerken.

Kommt immer drauf an, was man tut, wie sehr man in der "Außenwelt" aktiv wird, um Kunden und Geschäftspartner zu finden. Du als alter Internetbusinessman hattest als Visitenkarte sozusagen immer Deine Website.

Das musste ich schnell mal loswerden, nicht dass der Eindruck entsteht "die von unternehmenskick finden, man braucht keine Visitenkarte". Es lebe die Visitenkarte wink
Von: Ralf Senftleben am 12.03.2008
Gitte, da hast du natürlich absolut Recht. Danke für´s "Zurechtrücken". Wenn ich regelmäßigen persönlichen Kundenkontakt habe, ist eine Visitenkarte wichtig und nützlich.

Wobei ich dann wieder sagen würde: Wenn schon Visitenkarte, dann eine, die nicht nur Kontaktdaten enthält, sondern dem Kunden auch noch einen Nutzen bringt (vielleicht ein inspirierendes Zitat oder etwas ähnliches).

Wir haben z.B. für die Buchmesse mal ein Lesezeichen produziert, da waren auch gleich Kurztipps drauf, wie man schneller lesen kann.

Die Idee dahinter: Jede Marketing-Aktion muss unseren Kunden einen Nutzen bringen, egal ob er etwas bei uns kauft oder nicht.
Von: Ursula Kruck-Hantschel am 12.03.2008
Hallo Ralf,

mein Augenmerk in meinen Worten lag auf dem Schwerpunkt "Perfektion" und, wie es so mit mir ist, "ein kleiner Perspektivenwechsel" als Anregung. wink


Die Visitenkarte selbst ist ein interessantes Thema!

Schönen Tag wünsche ich grin
Von: Slo am 20.03.2008
Lieber Ralf,

danke für die Anregungen -
Einschränkend möchte ich dazu sagen, dass mir persönlich Ästhetik sehr wichtig ist und mich persönlich an zu WENIG Professionalität störe, vor allem wenn es um Dienstleistungen geht, denn hier ist das was ich vor mir habe, eine erste Arbeitsprobe und ich muss dann immer bei Rechtschreibfehlern/Grammatikfehlern, Privat-zu-Privat-Fotos etc. denken, dass hier mangelnde Sorgfalt vorgelebt wird. Und der erste Eindruck zählt halt doch...

Vor allem bin ich nicht allein unterwegs in dieser Welt und wenn ich bspw. ein teures Seminar verkaufen will, dann muss ich mich so verkaufen, als ob das was ich verkaufen will, auch "drin" ist und das ist es nicht, wenn ich viel Geld für mein Seminar verlange und dann einen Freund bitte, ein Foto von mir zu machen und wenn ich billige, selbstgebastelte Visitenkarten vorzuweisen habe und wenn ich mir selbst keinen Webmaster etc. leisten kann und dann finde ich störend, dass sich einmal etablierte Unternehmen nicht um ihren Außenauftritt kümmern und noch immer die gleichen Materialien wie zur Unternehmensgründung verwenden, da frage ich mich dann, was macht man da mit dem ganzen Geld?
Von: Ralf Senftleben am 20.03.2008
Sio, das ist ja auch nichts dran auszusetzen, wenn einem Ästethik wichtig ist. Wir bemühen uns ja auch, dass unsere Seite hier z.B. ordentlich aussieht.

Aber es gibt sehr viele andere Bereiche, die wesentlich wichtiger sind und um die wir uns in meinen Augen lieber zuerst kümmern sollten, wenn wir im Business erfolgreich sein wollen.

Gutes Beispiel ist Google. Die gewinnen wirklich keine Designpreise, werden aber von allem geliebt, weil die Inhalte und der Nutzen stimmen.

Wenn einem selbst Design und Äußereres wichtig ist... wunderbar. Aber das man deswegen mehr Produkte verkauft, halte ich persönlich für eine Illusion.

Ok, vielleicht ist es manchmal die Eintrittskarte oder man braucht ein bestimmtes Äußeres, um nicht negativ aufzufallen. Aber selbst das muss nicht so sein.

Ein Beispiel ist ein guter Freund von mir, der jetzt gerade ein Online-Marketing-Seminar bei einem der ganz großen deutschen Bekleidungs-Marken durchführt für einen Tagessatz, von dem viele nur träumen und selber rumläuft, wie ein Alt-Hippie.
Von: Slo am 20.03.2008
Hallo Ralf,
mein erster Gedanke ist, dass Dein Freund etwas ganz Besonderes bietet und ein Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen hat oder sich ganz besonders gut verkauft hat oder die richtigen Kontakte hat.

Sobald jedoch Produkte und Dienstleistungen austauschbar sind, finde ich, dass das Äußere das Zünglein an der Waage darstellen kann. Denn bei identischen Produkten und
Dienstleistungen würde ich mich IMMER für das schönere Design entscheiden!

Lieber Gruss, Slo
Von: Gitte Härter am 20.03.2008
... und nun mische ich ergänzend auch noch mit

Guten Morgen die Herren grin

Slo, ZU WENIG Professionalität - wie von Ihnen angesprochen: Schreibfehler, schlechtgeknipste Fotos, mangelnde Sorgfalt, selbstdesignte schlechtgedruckte Visitenkarten mit Perforationsrand und und und - ist natürlich eine Katastrophe! Ich schlage da auch oft die Hände über dem Kopf zusammen, weil das ja gar nicht geht.

Andererseits ist das natürlich der krasse Gegenpol.

Ich hoffe nicht, dass der Tipp, sich nicht auf ZUVIEL Professionalität zu versteifen (also zu glatt und un"greifbar" von der Persönlichkeit - siehe mein anderer Artikel dazu - und wie Ralf eben nochmal betont hat, sich zu sehr auf Logos & Co. zu stürzen als an die wichtigeren Dinge wie Akquise etc. zu gehen) falsch verstanden wird.

Der Tipp, dass zuviel Professionalität auch schaden kann heißt nicht: stümpern und schlampern Sie sich durch Ihren Unternehmensauftritt, aber ich hooooffffeee, dass das eh klar ist.

Allen schöne Feiertage grin
Von: Ralf Senftleben am 20.03.2008
Sio, zuerst muss ich noch mal sagen, dass Gitte hier oben recht hat. Es ist wichtig, dass die Grundlinie der eigenen Präsentation ordentlich und sauber ist. Und es ist auch richtig, dass viele hier schlampen.

Aber ein sauberer Auftritt ist für mich nicht mehr als die Eintrittskarte. Das braucht man um am Anfang mitzuspielen. Ist man erst einmal im Spiel, macht das nach meiner Erfahrung keinen so großen Unterschied mehr.

Um erfolgreich im Spiel zu sein, braucht man andere Dinge, z.B. das von dir angesprochene Alleinstellungsmerkmal, eine gute Positionierung, ein gutes Profil, einen wirksamen Marketingkanal, Produkte aus denen meine Kunden wirklichen Vorteil ziehen und Kontakte.
Von: Alitschka am 27.03.2008
Hallo Allerseits,

jetzt muss ich mich mal einmischen:

Ralf - du hast sicher recht, dass das Wichtigste bei einer Kleinunternehmerin die Authentizität ist, keine Frage. Aber was bisher wenig zur Sprache kam ist der Aspekt der Seriosität: Wenn eine Website so gestaltet ist, wie die von dem erfolgreichen Hypnose-Trainer, die Du ja kurz vorgestellt hast, dann kommt mir (ganz persönlich) einfach der Verdacht auf, dass das ganze nicht so wirklich "seriös" ist. Mag sein, dass es anderen anders geht. Möglicherweise gehört der besagte Herr ja auch zu jenen Unternehmern, die eh schon einen Stammkundenkreis haben und die Website nur noch als "Litfaßsäule" für die Kursangebote nutzen. In diesem Fall "kennen" die Kunden den Anbieter bereits und gehen auf sie Website um Neues zu erfahren.

Analog dazu sehe ich die Situation mit der Dame, die nur einen kleinen Flyer mit den Seminarangeboten hatte - sie hat darauf gesetzt persönlich von den tollen Referenten zu berichten und den Flyer nur als Gedächtnisstütze verwendet - also als zweites Medium neben der persönlichen Ansprache.

Ich glaube jedoch, dass die Lage völlig anders ist, wenn man sich mit seiner Website erstmal einem potentiellen Kundenkreis vorstellen muss. Da wirkt dann eine schlecht gemachte Website m.E. oft unseriös und nicht unbedingt "authentisch" - selbst wenn man tatsächlich "authentischerweise" ein chaotischer Mensch sein mag, oder jemand, der wenig auf neue Medien gibt wink

Nicht zuletzt hat für mich ein guter Webauftritt und ein durchdachter Flyer auch etwas mit Selbstachtung zu tun: Wenn ich eine gute Marmelade produziere und da Liebe reinstecke (was ja die Stärke des Kleinunternehmers ist), dann widerstrebt es mir auch sie in einem Pappbecher zu verkaufen - dann soll sie in ein schönes Glas mit hübschem Etikett. Das ist mir mein Produkt - und das bin ich mir auch selber wert ...
Von: Ralf Senftleben am 28.03.2008
Alitschka, ja, das ist spannend. Was der eine als seriös empfindet, findet der andere als fadenscheinig.

Ich finde die Seite von der du sprichst zum Beispiel seriös, nicht wegen dem Design (das ist nach meinem Geschmack wirklich nicht schön), sondern weil er ehrlich und eben authentisch rüberkommt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt, was er denkt. D.h. ich kann seine Art mögen oder nicht, aber ich weiß wenigstens vorher, was ich bekomme.

Dagegen finde ich persönlich Hochglanz-Werbungen/Auftritte mit professioneller Marketingsprache und Selbstüberhöhung abschreckend und ich unterstelle da schon beinahe gewohnheitsmäßig, dass die Packung und der Inhalt auseinander fallen.

Wie auch immer, das Wichtigste ist in meinen Augen, dass die eigene Webseite tatsächlich zu den Erwartungen und dem typischen Geschmack der eigenen Zielgruppe passt. Und nicht jede Zielgruppe erwartet stylisch gemachte Webseiten, da kann bei manchen Zielgruppen eine hemdsärmelig gemachte Webseite sogar zielführend sein und letztlich mehr Aufträge bringen. In anderen Fällen kann unaufgeräumtes oder fehlendes Design natürlich das Aus bedeuten, weil die Zielgruppe das wirklich mit Unseriösität verbindet.

Aber ich wage zu behaupten, dass Design gerade im Internetbereich deutlich überschätzt wird. Schließlich gehören Interauftritte am ehesten noch zum Bereich schriftlichen Direkt-Marketing und da verkauft schon immer in errster Linie der Text und die Information und nicht das Aussehen.

Ich persönlich mag es auch, wenn meine Webseiten schön aussehen. Aber ich mache das eher für mich, als für andere. Nach einer grafischen Professionalisierung unseres http://www.zeitzuleben.de haben wir sogar Feedback bekommen, dass unsere Seite ein bisschen ihre Seele verloren hat.

Und das mit der Selbstachtung halte ich übrigens für einen wichtigen Punkt. Das gilt für mich für den ganzen Akquise-Bereich. Aber auch hier gilt, nicht jedem ist Design wichtig und ich habe schon viele Leute erlebt, die stolz wie Bolle auf eine Webseite waren, auf der es nur so blinkte und zischte grin
Von: Alitschka am 29.03.2008
Hallo Ralf,

so wird es wohl sein - der eine mag Hochglanz, der andere das Hemdsärmelige. Und damit sind wir ja auch schon bei der Analogie: Der eine Job braucht den Anzug (Bank) im anderen (Straßenbau) wäre selbiger unpassend. Manch eine Unternehmerin kommt im Kostüm prima rüber, die andere wirkt darin gekünstelt ...

Vielleicht kann man es auf die Formel bringen:
Umgebung + persönlicher Stil --> passender Kleidung / Website

Und zu manch einem Menschen passt halt auch Glitzer, Glamour und Knalleffekte wink

Letztendlich finde ich es einfach wichtig, dass man sich immer beide Fragen stellt:

1) Wer bin ich? und
2) Wer ist mein Gegenüber?

Das eigene Auftreten sollte dann so sein, dass sich beide Kommunikationspartner damit wohl fühlen können ...

 

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