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Zitate - pro und contra

Gitte Härter • 01.11.2008 • email Weiterempfehlen

Viele Selbstständige nutzen Zitate in ihrer Selbstdarstellung: Sprüche, die sie selbst gut finden, oder von denen sie glauben, dass sie zu ihrer Arbeit passen. Das ist nicht ohne Tücken.

Ein Sinnspruch, insbesondere einer, den man ständig hört, kann polarisieren: Er spricht die einen ganz besonders an – er stt andere ab oder entlockt nur ein Gähnen. Da Zitate meist als Gestaltungselement groß in den Raum gestellt werden, übertrahlen sie oft den Rest.

Wenn ich also die Website eines Trainers besuche, dieser mir seine einzigartige Arbeitsweise erklären will, aber drüber steht dick und fett ein abgeschmacktes, in diesem Kontext Millionen mal gehörtes Zitat, dann verliere ich als Leser das Interesse.

Nutzen Sie Zitate – oder möchten das gerne, dann überlegen Sie sich:

  • Bringt dieses Zitat es wirklich auf den Punkt? Ist der Spruch wirklich geeignet, Ihre Arbeit oder Ihre Einstellung wiederzugeben? Oder ist es vielleicht doch nur ein Spruch, der irgendwie zum Thema passt, oder den Sie einfach gut finden?

  • Polarisiert das Zitat in einer Weise, die mir nicht gefällt? Oben hatte ich es schon erwähnt: Ein Zitat, das einen nicht anspricht oder das man sogar blöd findet, führt dazu, dass man schnell sein Interesse an Ihnen verliert. Das ist schade, weil Sie selbst und Ihre Leistungen ja vielleicht hochinteressant für diesen Besucher wären.

  • Kommt das Zitat vielleicht völlig anders an? Ich staune oft, wie unterschiedlich gerade das geschriebene Wort ankommt. Gerade Zitate können völlig anders ausgelegt werden – je nachdem, was der Leser „hört“. Ich habe hier ein Zitat von Mark Twain hängen, wonach „wer nicht weiß, wohin er will, sich nicht wundern muss, wenn er woanders ankommt“. Ich finde das logisch und motivierend. Ein anderer liest einen Vorwurf oder grämt sich, weil er nicht weiß, wohin er will.

  • Schiebt mich das Zitat in eine bestimmte Schublade? Nicht alles, was einem ganz persönlich gut gefällt, ist auch das richtige Aushängeschild für eine Firma. Ich lese ganz häufig auf Websites esoterisch, religiöse und philosophisch angehauchte Zitate – und das ist auch alles ganz wunderbar, wenn Sie das wirklich beabsichtigen. Aber wenn Sie gerade einfach ein hübsches Zitat für sich persönlich ansprechend finden, dieses Sie aber bei potenziellen Kunden unbeabsichtigt in die Esoterik-Ecke stellt, dann kann Ihnen das Zitat mehr schaden als nützen. Oder aber Sie wecken falsche Erwartungen oder ziehen nicht ganz die richtige Zielgruppe an.

    Übrigens: Nichts gegen Esoterik. Es geht hier nur um die erzielte Wirkung. Die muss immer von Ihnen beabsichtigt sein. In unserem Online-Workshop im Frühjahr hatten wir den Fall, dass jemand Entspannungskurse für jeden gegeben hat, auf der Website aber total esoterisch daherkam und damit – unabsichtlich - nur diese engere Zielgruppe ansprach und andere abschreckte.

  • Muss ich mir Zitate zurechtbiegen? Manchmal hat man die Idee, auf jeder Seite eines Flyers oder der Website oder zu jeder Leistung ein Zitat als Gestaltungselement zu nutzen. Und dann findet man eins oder zwei, die wirklich passen. Mist! Ich habe ja noch drei weitere Seiten/Leistungen, die auch noch ein Zitat brauchen. Und dann wird irgendwas genommen oder zurechtgebogen. Machen Sie das bitte nicht! Nutzen Sie es da, wo es wirklich-wirklich treffend ist. Wenn sich nichts Gutes zum Durchziehen findet, dann lassen Sie’s.

 

Und beachten Sie das Urheberrecht: Ich kann Ihnen hier keine allgemeingültige Anleitung geben, wann ein Zitat in Ordnung geht und wann nicht – aber ich kann Ihnen sagen, dass ich schon Buchverlage hatte, die mit den üblichen bekannten Sinnspruch-Zitaten schon nicht so glücklich waren wegen der Rechteeinholung.

Ihr „Motto“ oder ein Zitat in der Kurzbiographie

Im Rahmen Ihrer Kurzbiographie können Sie einen Spruch einbinden, der Ihnen besonders gut gefällt. Zusammen mit weiteren Informationen zu sich selbst zeigen Sie damit eine schöne weitere Facette, „wie Sie drauf sind“.

Sie können diesen auch als Aufhänger nehmen und erklären, warum er sie so anspricht.

Zitieren Sie sich selbst!

Am besten finde ich es, wenn Selbstständige sich selbst zitieren: Ein echter O-Ton von Ihnen ist sehr viel persönlicher als einer von Herrn Nietzsche – er sagt viel mehr über Sie aus und Sie können ein schönes Eigenzitat zu jeder Leistung oder zu Ihrer Kurzbiographie stellen.

Das geht als Lang- oder Kurzversion. Christine und ich haben das beispielsweise auf unserer anderen Website so gemacht:

“Was mich schon seit langer Zeit beschäftigt und fasziniert - sowohl beruflich als auch privat und ganz persönlich - ist, wie sehr man sich durch den eigenen Blickwinkel, durch Erwartungen und Interpretationen das (Arbeits)Leben erschweren oder erleichtern kann.

Es liegt mir am Herzen, anderen Menschen mit Fingerspitzengefühl und Nachdruck dabei zu helfen, eine konstruktive Perspektive zu finden und zu pflegen - um auf dieser Grundlage die eigenen Handlungsspielräume erkennen und ausschöpfen zu können.”

oder eine kürzere Variante:

„Lösungen sind in der Regel einfach: Es geht nur darum zu erkennen, an welchen Schrauben es zu drehen gilt. Und dann heißt es Ärmel hochkrempeln ... und tun.”

 

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Norbert am 01.11.2008
Hallo, Gitte!

Ja, Zitate...

Ich bin auch so ein Zitate-Nutzer. In diesem Zusammenhang verweise ich da mal auf meine diversen Kommentare bei Euch.

Auf meiner Webseite und auch in anderen Unterlagen, habe ich die Zitate, bis auf ganz wenige, wieder entfernt.

Es ist genau der Punkt, den Du hier beschreibst: Wenn zwei oder drei Menschen das Gleiche sagen oder schreiben, so meinen sie es noch lange nicht dasselbe. Geschriebene Sprache kommt nun einmal ohne Betonung herüber.

Nehmen wir den Satz: Das ist mein Buch.

1. DAS ist mein Buch.
2. Das ist MEIN Buch.
3. Das IST mein Buch.
4. Das ist mein BUCH.

Vier Möglichkeiten, sich nicht zu verstehen oder es anders zu interpretieren.

Wir erleben ja auch hier auf Eurer Seite immer mal wieder, wie sich Wörter und Bedeutungen von Wörtern vom ursprünglich gedachten und geschriebenen Ansatz loslösen können.

Es gibt auch gern genutzte Zitate, die aus einem Zusammenhang gerissen wurden und damit eine ganz andere Bedeutung bekommen haben als sie ihnen der "Erdenker" im Gesamtzusammenhang ursprünglich gab.

Wie Du es schon anregst, bin auch ich seit einiger Zeit dazu übergegangen, mich selbst zu zitieren. Letztlich weiß ich selbst am besten, was ich meine. Ein Dichter und Denker aus dem 17. oder 18. Jahrhundert hat in seinem Kontext gedacht. Ich denke im Zusammenhang des Jahres 2008 fortfolgende... wink

Und dennoch grin zum Schluß ein Zitat, das unterschiedlichen Menschen zugeschrieben wird (Eugen Roth, Erich Kästner):

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!"

Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert
Von: Gitte Härter am 01.11.2008
Ja, Norbert, Zitate sind schon eine feine Sache. Oft spricht einem der olle Dichter aus dem 17. Jahrhundert ja auch aus dem Herzen grin ... und so manches Zitat hat auch einen schönen Aha-Effekt.

Der Einsatz und das Weiterdenken - und die völlig unterschiedliche Wirkung, das ist halt nochmal ein anderes Paar Stiefel.

Vielleicht sollten wir mal eine Zitatesammlung machen von Zitaten, die einem zum Hals raushängen oder die gerne mal im falschen Kontext genutzt werden. wink
Von: Norbert am 01.11.2008
Hallo, Gitte!

Das mit der Sammlung von Zitaten, die einem aus dem Halse heraushängen und mit Zitaten, die kräftig mißverstanden werden, ist eine gute Idee.

Ich fange mal ab heute an, diese Zitate zu sammeln.

grin
Von: Norbert am 06.11.2008
Hallo, Gitte!

In Deinem Kommentar unter dem Beitrag
Ein offener Brief an alle Dienstleister und Handwerker
hast Du auf den Spruch „Der Kunde ist König“ verwiesen.

Diesen Spruch finde ich wenig sinnvoll.

Ein Handwerksmeister sagte dazu mal: „Wenn der Kunde König ist, dann bin ich Kaiser. Dann stimmt’s wieder.“

Das kann dabei rauskommen. grin

Der Seniorchef eines Handelsbüros, für den ich vor ein paar Jahren gearbeitet habe, meinte dazu: „Der Kunde ist kein König, der Kunde ist der eigentliche Chef unseres Unternehmens. Er sagt uns, was wir tun sollen. Er gibt uns das Geld, mit dem wir unser Unternehmen erhalten und die Gehälter finanzieren können. Aber das Geld erhalten wir nur, wenn wir für ihn gute Arbeit und konstante Leistungen erbringen.“

Der Geschäftsführer eines Hamburger Warenhandelshauses meinte sinngemäß: „Wir sind Hanseaten. Bei uns gibt es keinen Adel, somit auch keine Könige, sondern nur Bürger. Wir dienen unseren Kunden, auch wenn sie keine Krone tragen.“

Ich denke, statt den Kunden durch den Königsbegriff in eine höhergestellte Ferne zu rücken, sollte man sich einfach den Satz vom Dienen zu eigen machen: „Vor dem Verdienen kommt das Dienen.“

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Gitte Härter am 06.11.2008
Hallo Norbert,

als ich Vertriebsleiterin war, habe ich in Bewerbungsgesprächen immer nach Meinungen gefragt – Standard war natürlich auch „Der Kunde ist König. Wie finden Sie denn diesen Spruch?“

Die Bewerber haben sich alle immer überschlagen zu bestätigen, dass das genau richtig sei und natürlich ist der Kunde König – weil sie dachten, ich wolle diese Antwort hören.

Selbst finde ich, wie Du auch schon schreibst, diesen Spruch ganz schlimm. Und zwar mehrfach schlimm:

- Aus Unternehmenssicht will ich nicht, dass der Kunde ein König ist (wie der Handwerker, den Du zitierst, wobei ich auch kein Kaiser sein wollte, der sich damit selbst überhöht).

- Aus Kundensicht will ich auch kein König sein. Ich will gute Leistung und ich will höflich – idealerweise nett – behandelt werden. Ich freue mich über Service, aber „als König“ sehe ich mich gar nicht. Und IMMER RECHT HABEN tue ich auch nicht, nur weil ich ein Kunde bin (ein ähnlich unsäglicher Spruch ...).

Da fällt mir ein, dass ich in jungen Jahren mal eine Zeitlang eine Abteilungsleiterin hatte, die in meinen Augen oftmals Schmarrn angeordnet hat. Die wurde immer wahnsinnig, wenn ich sagte: „Ja, dann mach ich das, weil Du das als Chef von mir verlangst.“ – Logisch hat sie sich geärgert, denn niemand will Recht bekommen, weil es die Position so verlangt.

Klar bezahlt mich der Kunde letztlich und es elementar, sich wirklich kundenorientiert zu verhalten – doch das soll ja Freude machen und gerade wir Selbstständigen, die ja das Ganze Drumherum des Wie und Was selbst regeln können, sollte es ja ein Bedürfnis sein zu sagen: Ich leiste gute Arbeit, ich verkaufe ein gutes Produkt, mir liegt es am Herzen, das im Verbund mit einem guten Miteinander mit meinen Kunden zu tun.

Da braucht’s, finde ich, keinen König und kein dienen und keinen, der immer Recht hat.

Viele Grüße
Gitte
Von: Maria Manitta am 07.11.2008
Danke an Gitte und Norbert, die recht treffend ausgedrückt haben, was ich im Blog zum Thema „Brief an die Dienstleister“ gerne klar gemacht hätte, und mir nicht gelungen ist.

Genau das meine ich nämlich auch. Dass das Verhältnis zwischen Dienstleister und Kunde ausgeglichen sein sollte. Weder der eine noch der andere sind König / Kaiser oder sonst was Abgehobenes. Wichtig finde ich die Zusammenarbeit, die Kooperation an der Stelle, denn dann kann der Dienstleister / Handwerker oder wer auch immer der Anbieter ist, eine Gute Beratung und Leistung erbringen. Denn Bedingung ist ja für eine gute Arbeit, dass der Kunde erst mal weiss, was er als Ergebnis möchte / benötigt, damit der Dienstleister seine Beratung / sein Angebot machen kann. Also beide müssen Informationsaustausch betreiben, dann kann eine Leistung auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse zugeschnitten werden. Das verstehe ICH unter Dienstleistung und Zusammenarbeit. Ich bin überzeugt davon, dass unter diesen Umständen eine höfliche und stressfreie Zusammenarbeit möglich ist, und dass sowohl der Dienstleister mal „Danke“ zum Kunden sagen kann, dass er den Auftrag durchführen dufte und der Kunde mal „Danke“ zum Dienstleister sagen kann, weil der Auftrag kompetent durchgeführt wurde. Das bedingt, dass beide Ihre Leistung erbringen. Meiner Meinung nach könnte das nämlich hinsichtlich Geben und Nehmen so aussehen:

Der Dienstleister kümmert sich drum, dass er pünktlich, ehrlich, offen, interessiert ist, dass er sich die Informationen beim Kunden mittel gut gestellter Fragen, Ortsbesichtigung etc. holt.

Der Kunde hingegen kümmert sich drum, dass er weiss, was sein Endergebnis sein soll, sich auch pünktlich, ehrlich, offen und interessiert bemüht, die Informationen zu bringen, die der Dienstleister zur Erstellung eines Angebotes oder Ausführung einer Dienstleistung benötigt.

Sprich: beide müssen für eine gute Arbeit ihre Hausaufgaben machen.

Ich glaube nämlich schon, dass der Kunde nicht verlangen oder erwarten kann, dass der Dienstleister seine Bedürfnisse genau kennt à damit wären das Fehlleistungen Türe und Toren geöffnet und stellen keinen zufrieden.

Dann ist es auch wichtig, wie Gitte auch schon gesagt im Blog zum Thema Zahlung, dass der Dienstleister seine Rechnung zeitnah, korrekt und klar stellt und der Kunde im Gegenzug auch pünktlich bezahlt.


Viele Grüße
Maria
Von: Gitte Härter am 07.11.2008
Hallo Maria,

wollen wir uns nicht auch duzen? - Wir lesen uns ja erfreulicherweise öfter hier bei uns, und da ist es doch schöner. Ich mach das jetzt einfach mal grin

Herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Es ist Dir im anderen Thread durchaus wunderbar gelungen, das zu betonen. Es läuft hier einfach nochmal alles zusammen.

Das Gute ist ja, dass man selbst wahnsinnig viel beeinflussen kann von Dienstleisterseite aus. Ich war früher auch viele Jahre im Vertriebsinnendienst/Kundenbetreuung und kenne es nur zu gut, wie Du und auch Hildegard das im anderen Beitrag geschildert hast, dass man sich schon des öfteren fragt, wie denn manche Leute so drauf sind.

Und auch wenn ich den Spruch - oh, wieder ein typisches Zitat - "Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es heraus" gar nicht leiden kann, wenn er in der Richtung ge-(miss-)braucht wird, dass es ein Freibrief für rüpelhaftes Benehmen ist, so stimmt er insofern, dass man konstruktiv und freundlich "reinschallen" kann und dadurch die Grundlage für ein ebensolches Herausschallen legt.

Gerade bei längerfristigen guten Kundenbeziehungen ist es dann schön, dass man miteinander wächst und sich (gegenseitig) auch manchmal hinerzieht. Das macht's dann nochmal leichter.

Ein schönes Wochenende
Gitte
Von: Maria Manitta am 07.11.2008
Hallo Gitte,

duzen ist prima smile

Ja, genau so ist es. Im Augenblick bin ich wohl sehr nachdenklich, was solche Dinge angebelangt, weil ich sie auch von einer neuen Seite betrachte. Ich mache zur Zeit eine Ausbildung zum Business-Coach. Um so mehr interessiert es mich, wie die Leute "drauf" sind, wie Du das so nett beschrieben hast, und wie sie sprechen, mit sich und den anderen umgehen.

Ein wirklich interessantes Thema.... Aber auch sehr komplex.

Gute Nacht smile
Maria

 

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