Finanzielles

Wörter, die Sie vergessen sollten: Gebühr

Gitte Härter • 14.07.2010 • email Weiterempfehlen

Immer wieder sieht man es: die „Gebühr“ bei Einzelunternehmen. Wir Normalos erheben aber keine Gebühren!

Eine Gebühr ist eine Abgabe, die für verschiedene behördliche Tätigkeiten erhoben wird, oder ein Entgelt, das gesetzlich geregelt ist.

Wenn Sie also eine “Seminargebühr” oder eine “Teilnahmegebühr” irgendwo verkünden, dann weg damit!

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: NicoAppel am 14.07.2010
Sehr guter Anstoss, Gitte.
Du sprichst hier ein oft vernachlässigtes Gebiet an, denn gerade Kleinunternehmer und Freiberufler haben natürlich selten die Budgets, sich große Agenturen oder Experten leisten zu können, die solche anscheinenden Wort-Feinheiten im Auge behalten.
Unterschiede in der Wortwahl haben IMMENSE Auswirkungen, vor allem auf unbewusster Ebene. Da entscheidet sich im wahrsten Sinne der Worte "schneller als gedacht", ob der Kunde ein Angebot, ein Produkt oder eine Person gut und sympathisch findet oder nicht.
In meinem Seminar "Charismatic-Customer-Care" helfe ich den Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen, ihre Kommunikation mit ihren Kunden sowohl beim Schriftverkehr als auch im Beratungs- bzw. Verkaufsgespräch entscheidend zu verbessern.
Die Auswirkungen sind immer wieder beeindruckend. Gekonnte Kommunikation zeigt sofort Resultate.
Durch solche Coachings und Trainings im Einzelhandel zeigt sich meist eine sprunghafte Verbesserung der Kundenzufriedenheit und der Verkaufszahlen. Konkret kenne ich das Phänomen, dass ich den Angestellten einfach und effektive Techniken vermittle und diese dann direkt im Laden eingesetzt werden. Meine Kunden kehren dann ins Backoffice mit strahlenden Gesichtern zurück.
"Das ging wirklich viel besser. Der Kunde hat sofort gelächelt und sich wohl gefühlt."
Die Wortwahl macht viel aus, auch wenn sie sicher nicht der einzig wichtige Faktor für hervorragende Kommunikation ist.
Von: Marian Heddesheimer am 15.07.2010
gibt es auch einen Vorschlag was man statt dessen verwenden sollte?

Entgelt? Beitrag? Betrag? Abgabe?

Was funktioniert am besten?
Von: NicoAppel am 15.07.2010
@Marian: Kommt natürlich auf Ihr Produkt bzw. Service und das Zielpublikum an. Oft verwendet, wenn auch nicht immer angebracht "Investition".
Und manchmal ist schlicht "Preis" besser als Gebühr.
Aus Ihrer Liste würde ich höchstens "Beitrag" bewilligen. Wer möchte schon was abgeben? wink
Im Detail kommt es aber sicher auf die o.g. Faktoren an.
Von: Gitte Härter am 16.07.2010
Hallo Nico, hallo Marian,

ja, die Wortwahl ist schon auch sehr wichtig, was Klarheit und auch Attraktivität eines Angebotes ausmacht.

Dazu kommt ja auch noch das weite Feld "Überzeugen" und "Selbstbewusstsein", was besonders, wenn es um Geld geht, vorteilhaft oder negativ verpackt werden kann.

Wegen Alternativen: Wie Nico schon sagt - keep it simple. "Preis" ist also immer okay. Sonst gibt es noch das Honorar oder den Tages-/Stundensatz oder "Ihre Investition".

Je nach Text und Layout braucht es oft auch gar keine direkte Bezeichnung, sondern es reicht, wenn man den Preis einfach "so" mit angibt oder in einen Satz einbindet.

Bitte bei Alternativen aber darauf achten, dass es noch sinnvoll ist. "Beitrag" oder "Abgabe" fände ich beim Verkauf einer Dienstleistung oder eines Produktes schon etwas merkwürdig. "Kosten" oder "kostet" ist nicht so attraktiv.

"Was funktioniert am besten": Da kann ich beruhigen, darum geht es nicht. Egal, wie es genannt wird, wird ein Angebot ja immer insgesamt überzeugen - und wenn da dann mal eine Formulierung dabei ist, die nicht sooo der Bringer ist, ist das selten gleich ein Beinbruch.

Die Gebühr ist nur, wie oben geschildert, komplett VERKEHRT, darum diesen Begriff nicht verwenden - außer es geht tatsächlich um eine Gebühr, die weiterberechnet wird. Vor einer Woche habe ich ein Training bei Übersetzern gemacht, und dort wurde tatsächlich teilweise eine gerichtliche Gebühr weitergegeben. Da stimmts natürlich schon.

Ein schönes Wochenende
Gitte

PS: Eine gute Hilfe für Formulierungen und alternative Begriffe ist die vor einiger Zeit schonmal von mir empfohlene Website Wortschatz Uni Leipzig.
Von: Christian Schroff am 19.07.2010
Da muss ich doch Mal ein bisschen Wortklauberei betreiben: Wikipedia definiertt in der Begriffsklärung (wikipedia.org/Gebühr (Begriffserklärung) Gebühr als in der Wirtschaft verwendetes Synonym für Entgelt...
Von: Sylvia Grotsch am 19.07.2010
Wie du sagst, Gitte: Ist der Text gut und ansprechend und der Inhalt relevant und auf meine Bedürfnisse zugeschnitten, ist das letztendliche "Wörtchen", mit dem dann das Salär betituliert wird, egal. Daran scheitert es nicht.

Aber sicher sollte man den Begriff hier als "i-Tüpfelchen" unter einem guten Text betrachten. "Gebühr" lässt bei den meisten Leuten - bewusst oder unbewusst - die Nackenhaare aufstellen. Weil wir ja für jeden Mist heutzutage mit einer "Gebühr" belegt werden. Abgesehen davon, dass, wie du schreibt, der Begriff einfach nicht korrekt ist.

"Kosten" ist nicht gut, weil jeder davon redet, was was kostet und das, was es kostet, ist oft "zu teuer" ....

Bei "Ihre Investition" überleg ich mir, warum der Anbieter nicht einfach "Tacheles" redet und "Preis" sagt. Ich hab´s als Verbraucher gerne, wenn man die Dinge beim Namen nennt. Wer ein Seminar anbietet, legt den Preis fest. Wenn ich überlege mir ein Auto zu kaufen, dann überlege ich, was ich investieren möchte. Ich find das einfach klarer und direkter.

Also, her mit den Preisen und nicht drumrum reden.

Liebe Grüße
Sylvia
Von: Katrin Aldag am 19.07.2010
Hallo Sylvia und alle,

ich habe lange überlegt und mich für meine Homepage letzten für "Ihre Investition" entschieden. Hatte vorher natürlich auch alle möglichen Varianten durch - "Kosten", "Preis", "Das hätten Sie zu zahlen" usw. ("Gebühr" kam für mich gar nicht in Frage). Ich habe mich so entschieden, weil "Kosten" und auch "Preis" nach meinem Empfinden die Aufmerksamkeit und das Gefühl des potentiellen Kunden einseitig darauf lenkt, was er nun zu zahlen hätte - eine Ausgabe also, mehr nicht. Mir liegt aber viel daran, dass er von Anfang an bedenkt, dass er ja auch etwas dafür bekommen soll, und zwar etwas, was mit Geld womöglich gar nicht aufzuwiegen ist. Oder ihm letzten Endes sogar tatsächlich einen finanziellen Mehrgewinn bringen wird, dadurch, dass es ihm nach dem Besuch bei mir besser geht - persönlich und beruflich. Das ist das, was eine Investition ausmacht.

Ich glaube, vielen Menschen, die immer wieder zuerst an sich selbst sparen, ist nicht klar, dass die Inanspruchnahme einer Dienstleistung und eine Ausgabe fürs eigene Wohlbefinden und in die eigene persönliche Weiterentwicklung nicht nur etwas kostet, sondern eine wirkliche Investition ist, die letzten Endes etwas bringt.

Ich sehe das aber, was meine Kunden an mich zahlen, als ihre Investition in sich, das ist auch mein Anspruch an meine Arbeit, von daher habe ich es so genannt.

Herzliche Grüße
Katrin
Von: Gitte Härter am 19.07.2010
@Christian Schroff

Huhu, Herr Schroff: Wortklauben ist ja gerade eh angesagt! Danke für das Nachhaken. Ich hatte Wikipedia oben auch schon verlinkt. Es ist richtig, dass dort als Zusatz steht: "Im Sprachgebrauch wird der Begriff auch häufig für privatwirtschaftliche Entgelte verwendet, insbesondere bei ehemals staatlichen Leistungen (Telefongebühren)."

Dennoch sind Dinge, auch wenn sie sich umgangssprachlich einschleichen, nicht von Haus aus richtig. Wie oben aber auch schon gesagt, ist es ja nie ein Drama, bestimmte Begriffe dennoch zu verwenden und wenn Sie sich dennoch für Gebühr entscheiden, wird Ihnen das alleine ja keine Aufträge verhageln.


@Sylvia und Katrin

Das finde ich zusätzlich zu den verschiedenen Begriffen, die oben schonmal auftauchten auch wichtig: Sich der Alternativen klar zu werden, aber auch zu schauen
- Was gefällt mir/wirkt auf mich richtig oder falsch? Denn WIR sind ja das Unternehmen.
- Aber eben auch: Wie ist die Wirkung auf andere. Und wie wir hier ja schon sehen, ist die oft sehr breit gefächert.

Das Wortklauben im Sinne von "mir dessen bewusst werden, dass bestimmte Wörter unterschiedlich ankommen" und dann ebenso bewusst entscheiden oder verändern, ist wichtig. Denn gerade, wenn uns mögliche Neukunden erst schriftlich erleben, geben gerade die Wörter und Formulierungen Einblick, wie jemand drauf ist. Das wird oft nicht genug berücksichtigt (oder nicht bemerkt).

Viele Grüße
Gitte

 

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