Selbstmanagement

Wo bin ich schlecht? – In 3 Schritten zum Handeln

Gitte Härter • 07.11.2011 • email Weiterempfehlen

Für uns Selbstständige ist es wichtig, uns gut zu kennen. Ganz besonders unsere Stärken: So fühlen Sie Ihren Stärken wirklich auf den Zahn, Wissen Sie, wie gut Sie geworden sind?, Schärfen Sie Ihr Angebot: Nutzen Sie Ihre stärksten Stärken schon?

Aber das ist natürlich nicht alles. Wir müssen auch unsere Grenzen kennen, denn nur so können wir daran arbeiten, uns zu verbessern oder uns so organisieren, dass die Schwächen keine große Rolle spielen: Auch als Selbstständiger dürfen Sie Schwächen haben

Der direkte Weg ist, sich mit den eigenen Mankos auseinander zu setzen. Oder mit dem, was man dafür hält.

Denn alles, was Sie nicht gut genug können, und alles, was Sie verunsichert, behindert Ihren Geschäftserfolg.

Schritt 1: Die Negativ-Liste

Manche Leute vertreten die Auffassung, dass man sich mit Schwächen und Unsicherheiten nicht großartig aufhalten, sondern sich auf die Stärken konzentrieren sollte.

Meiner Erfahrung nach tun sich die meisten Menschen sehr viel leichter, sich auf Schwächen und Defizite zu stürzen. Dieses Genörgel in eigener Sache können Sie sich zu Nutze machen, wenn Sie es nicht nur beim Nörgeln belassen, sondern mit den Ergebnissen weiterarbeiten.

Also ziehen Sie doch mal eine Negativ-Bilanz:

  • Was finden Sie an sich persönlich gar nicht gut?
  • Wo sind Sie fachlich nicht besonders gut?
  • Was können Sie gar nicht oder nicht gut genug?
  • Was ärgert Sie selbst an Ihrer Arbeitsweise, Selbstorganisation, Leistung?

Am besten schreiben Sie diese Fragen auf verschiedene Blätter und machen sich in Ruhe Gedanken darüber. Lassen Sie die Listen ein paar Tage liegen und ergänzen Sie, wenn Ihnen noch was einfällt.

Schritt 2: Sortieren und konkretisieren

Nehmen Sie sich nun Ihre Aufzeichnungen wieder vor. Freuen Sie sich darüber, dass Sie so ehrlich mit sich selbst waren. - Bitte werden Sie nicht trübsinnig, weil Sie es nun mit einem Negativ-Konzentrat zu tun haben ... es geht ja darum, konstruktiv damit umzugehen. Darum ist der nächste Schritt wichtig:

Sortieren Sie, was zusammengehört. Wenn Sie gut gearbeitet und sich wirklich intensiv mit allem auseinander gesetzt haben, womit Sie selbst nicht zufrieden oder unsicher sind, dann können Sie nun Bereiche erkennen.

Beispiel

Auf Ihren Listen finden sich folgende Punkte:

  • schiebe immer ewig alles vor mir her
  • kann nicht Nein sagen und habe daher Zeitprobleme
  • habe oft lange Außenstände, weil ich Rechnungen/Mahnungen schlampig bearbeite
  • auf Veranstaltungen hänge ich immer nur mit Bekannten zusammen und lerne daher niemand Neues kennen
  • tue mich schwer mit Konzepten und verschätze mich so im Arbeitsaufwand
  • Smalltalk finde ich furchtbar und bin auch ein schlechter Gesprächspartner

Sie können diese Punkte den Bereichen “Kommunikation” und “Selbstorganisation” zuordnen. Fassen Sie Ihre einzelnen Themen also zusammen, soweit sich zusammengehörende Bereiche erkennen lassen.

Nehmen Sie sich anschließend diese Bereiche einzeln vor und konkretisieren Sie die gefundenen Aspekte:

  • Was genau meine ich damit?
  • Was müsste ich verbessern/können, um besser zu werden?

Achten Sie bitte auch darauf, dass Sie möglicherweise gar kein Defizit haben, sondern einfach überkritisch sind oder sich an vermeintlich perfekten Mitbewerbern messen.


Fragen Sie sich auch: Was habe ich in der Vergangenheit getan, um diese Sache zu verbessern?

Und hier kann es sein, dass Sie sich an die Nase packen müssen: Ich kenne zahlreiche Selbstständige, die schieben ihre Macken vor sich her ... und belassen es beim Jammern. Das bezieht sich auf die unterschiedlichsten Dinge. Die einen trauen sich nicht, mit Kunden zu verhandeln (ob um Geld oder um Deadlines), beklagen sich aber ständig - über die Kunden und über sich selbst. Die anderen haben sich frisch selbstständig gemacht und “müssten mal Akquise machen”, tun aber nichts. Kein Wunder, wenn das Geschäft nicht in die Gänge kommt!

Schließen Sie also Ihr bisheriges Verhalten immer auch mit ein: Vielleicht ist das Nichtstun ein weiterer Punkt auf Ihrer Liste, denn ewiges Vor-sich-Herschieben blockiert Sie und Ihr Business.

Schritt 3: Handeln!

Zum Handeln gehört, dass man fair mit sich umgeht. Wenn Sie den zweiten Schritt, das Konkretisieren, ernsthaft gemacht haben, dann werden Sie vieles auf Ihrer Liste in einem ausgewogeneren Licht sehen: Dann haben Sie nämlich gemerkt, dass es keineswegs so ist, dass Sie sich grundsätzlich nicht organisieren können, sondern sich einige klare Punkte herauskristallisiert haben, wo Sie Verbesserungsbedarf haben.

Ansonsten heißt es nun, festzulegen, wo es Handlungsbedarf gibt:

  • Was hat Priorität (ein Selbstständiger, der sich vor der Akquise drückt, hat ein Problem; wer mit internationalen Kunden zu tun haben will, muss sein Englisch aufpolieren etc.)?
  • Was genau ist damit verbunden (Aufwand, etwaige externe Dienstleister oder autodidaktisches Lernen, Ihr eigenes Verhalten, diesen Punkt konsequent anzugehen und die damit verbundene Selbstdisziplin)?
  • Was brauchen Sie dazu?
  • Was werden Sie tun und bis wann?

Vor allem aber:

Wann wissen Sie, dass Sie diesen “Negativ-Punkt” erfolgreich verbessert oder zu einer Fähigkeit umgemünzt haben? Woran machen Sie das fest?

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Monika Birkner am 07.11.2011
Liebe Frau Härter,
früher dachte ich auch, man solle sich in erster Linie darum kümmern, seine Stärken zu stärken. Mittlerweile ist mir klar geworden, dass man seine Stärken mitunter nicht voll leben kann, wenn man nicht bestimmte Schwächen überwindet. Wer zum Beispiel sehr kreativ ist, aber unorganisiert, kann das kreative Potenzial nicht so nutzen wie derjenige, der es in sinnvolle Bahnen zu lenken weiß.

Manche Leute meinen, es sei "positives Denken", sich auf die Stärken zu konzentrieren. Doch worum es geht, ist realistisches Denken.

Und dann natürlich, es nicht beim Denken zu belassen, sondern auch ins Tun zu kommen. "Probleme zu Projekten machen" ist einer meiner Wahlsprüche. Passt auch auf Schwächen.
Von: Nadine S. am 08.11.2011
Guten Morgen!

Ich bin immer davon ausgegangen, dass das, was Sie ansprechen eigentlich zur gesunden Entwicklung jedes Menschen gehört.

Besonders wir Selbständigen merken doch nach einer gewissen Zeit, was geht und was nicht, oder? Die logische Schlussfolgerung wäre, Dinge z.B. die man nicht und oder nur schlecht machen kann, abzugeben. Oder dass wenn man kein bzw. ein sehr geringes Feedback zur eigenen Geschäftsstruktur/-idee erhält, man etwas falsch macht.

Und wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir wünsche oder vorgestellt habe, dann ändere ich etwas, oder nicht?!
Von: Eric am 08.11.2011
Toller Artikel! Vielen Dank!
Von: Emily am 09.11.2011
Ich werde versuchen mich an dem Artikel zu orientieren und glaube auch sehr, dass es hilfreich ist.
Von: Gitte Härter am 10.11.2011
Hallo zusammen,

>>Ich bin immer davon ausgegangen, dass das, was Sie ansprechen eigentlich zur gesunden Entwicklung jedes Menschen gehört. (...)Besonders wir Selbständigen merken doch nach einer gewissen Zeit, was geht und was nicht, oder?

Das ist natürlich das Ideal, Nadine! Gerade bei Selbstständigen, für die das Business = Existenz ist, wäre es umso wichtiger und es gibt sicherlich ganz viele, die - wie Sie - das genau so machen. Aber es ist bei weitem nicht automatisch so. Von der Persönlichkeit, den Erfahrungen, dem Selbstmanagement bis hin zu dem, was man glaubt, erfüllen zu müssen oder "so tut, als ob" gibt es so eine große Bandbreite, die für viele immer wieder ein Stolperstein sind.

Dazu kommt, was Frau Birkner auch nochmal anspricht: dass man sich oft nur auf die Stärken konzentriert oder suggeriert bekommt, dass es nur darum geht, die Stärken weiter zu verbessern.

Und genau darum geht es mir mit einem Artikel wie diesem: Die Bestätigung für alle, die sich gut kennen und im Griff haben. Und das Herauskitzeln von Aspekten, wo es was zu tun gibt. Dabei werden sich bestimmt viele, die die Fragen überdenken, irgendwo in der Mitte finden.

Viele Grüße
Gitte Härter
Von: Astrid Radtke am 10.11.2011
Hallo Frau Härter,

ein interessanter Ansatz mit Schwächen umzugehen gewissermaßen die übergeordnete Schwäche herausarbeiten.

Meine Erfahrung zeigt andererseits, dass zu viele versuchen ihre Schwächen zu viel Energie darauf verwenden diese abzubauen.

Dabei könnte die Energie in Stärken verwendet, die eine oder andere echte Schwäche indirekt abbauen helfen.
Von: Gitte Härter am 10.11.2011
... genau, Frau Radtke, darum ist es wichtig, eine Rundumbilanz zu machen - zum Beispiel mit den zusätzlich verlinkten Artikeln, wo es um Stärken und auch darum geht, Schwächen haben zu dürfen und anders damit umzugehen, als ständig daran rumzudoktern.
Von: Nadine S. am 10.11.2011
Danke! Ich vergesse immer wieder, dass Menschen verschieden ticken und was für mich selbstverständlich ist, ist für andere halt nicht und umgekehrt.
Dieses durchwachsene Miteinander macht es einerseits sehr interessant, andererseits auch extrem kompliziert - manchmal.

 

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