Wie war Ihr Tag?
Geht’s Ihnen auch oft so, dass Sie sich denken: „Aaaah, schon wieder Wochenende!“ Je voller Ihr Arbeitsalltag ist, desto gleichförmiger schiebt sich Tag für Tag, Woche für Woche ineinander. Doch Lebensqualität erfordert ein Bewusstsein dafür, wie Ihre Tage verlaufen und wie es Ihnen geht.
Den Tag reflektieren
Wie Christine schon einmal beschrieben hat, ist es gut, ganz bewusst von der Arbeit in den Feierabend überzugehen. Neben Ritualen wie durchlüften, aufräumen oder Blumen gießen ist es auch eine gute Idee, sich abends einige Minuten Zeit zu geben, um den Tag zu reflektieren.
Ich möchte Ihnen dazu vorschlagen, Smileys in Ihren Tagesplaner zu malen:
Sie sehen, dass es lediglich zwei Abstufungen von „guter Tag“ und zwei von „nicht so gut“ gibt. Mittelmäßige Tage gibt es kaum. Wenn Sie einen ganzen Tag wirklich fair beurteilen, dann gibt es kein „neutral“.
Klar kann es sein, dass Sie einen ganz gewöhnlichen Tag ohne Höhen und Tiefen spontan als mittelmäßig einstufen. Doch bei diesem Reflektieren geht es um das Wahrnehmen von Details. Waren keine besonderen Vorkommnisse und Sie sind den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen … okay … aber wie war das mit dem netten Telefongespräch von heute früh? Das war zwar nur ein Werbeanruf, aber die Frau war so gut gelaunt, dass Sie sich tatsächlich mehrere Minuten mit ihr unterhalten und mit einem Lächeln aufgelegt haben. Dann war es doch nicht mehr so neutral.
Oder war der Tag ätzend, weil Sie den Auftrag nicht bekommen haben? Klar ist das eine Enttäuschung und das, was Ihnen spontan am meisten im Kopf geblieben ist – aber wenn Sie den ganzen Tag Revue passieren lassen, dann war es kein mega-ätzender Tag, sondern eigentlich war er doch ganz okay: Sie haben das eine Projekt endlich abgeschlossen und hatten eine gute Idee für Ihr Marketing – die Enttäuschung über den nicht erhaltenen Auftrag besteht, aber alles in allem war es doch nur ein Ein-Negativ-Smiley-Tag und kein komplett versauter.
Üben Sie, wirklich differenziert hinzusehen!
Normalerweise ziehen wir abends die Tür vom Büro hinter uns zu und das, was am meisten im Kopf ist, prägt unser Gefühl dafür, ob es ein guter Tag war. Manchmal ist es ein unguter Anruf, über den Sie sich so ärgern, dass Sie noch abends empört Ihren Freunden davon erzählen. Dabei waren vielleicht drei weitere Anrufe wunderschön – aber die geraten in den Hintergrund.
Wenn Sie sich abends also qualitativ über den Gesamt-Tag Gedanken machen, wenn Sie wahrnehmen, was gut gelaufen ist, und wenn Sie nicht alles vorschnell in Extreme einordnen, dann werden Sie sehr viel mehr bei sich sein und auch sehr viel öfter schöne Tage erleben.
... und wenn nicht?
Ein Vorteil, das Tages-Smiley-Fazit abends in Ihren Kalender einzutragen, ist außerdem, dass Sie sehen, wie Ihre Tage, Wochen und Monate verlaufen – wie am Ende des Jahres durch Blättern klar wird: Wie war das heuer so?
Aber was ist, wenn Sie lauter negative Smileys haben? Dann nützt Ihnen das Reflektieren dabei, wahrzunehmen, woran das liegt. Und das Schwarz-auf-Weiß-Betrachten bringt Ihnen viel mehr ins Bewusstsein, ob es wirklich höchste Eisenbahn ist, etwas zu tun.
Was tun?
Was tun bedeutet immer: „Was kann ich aus meinem Fazit des Tages sehen? Was bräuchte ich, was kann ich für mich tun, damit der Tag morgen für mich besser wird?“
Wenn Ihr Urteil einen Ganz-gut-Tag betrifft, können Sie sich fragen: Wie kann ich einen Supergut-zwei-Smiley-Tag daraus machen?
Sie können morgens, wenn Sie schon Tendenzen erkennen, den Tag „retten“ oder noch weiter verbessern, indem Sie sich vormittags schon überlegen: Hmm, wie sieht der Tag bis jetzt aus? Wie kriege ich meine Smiley-Wertung höher? Und wenn Sie merken, dass Ihnen diese Übung eher negative Gedanken beschert, weil Sie nicht damit klarkommen und weil Sie einfach bei aller Betrachtungsweise einfach nur schlechte Tage haben? Dann ist das Problem ein größeres. Das klingt jetzt heftig, aber es ist gut – denn große Probleme einfach mit sich zu schleppen und einen schlechten Tag an den anderen zu reihen, das ist nicht schön und trübt auch Ihren Geschäftserfolg.
Probieren Sie es aus!
Nutzen Sie Vorschläge wie diesen immer dazu, auszuloten, was für Sie gut funktioniert – ob Sie mit diesem System klarkommen oder es nochmal etwas für sich verfeinern möchten.
Das Wichtige ist, dass Sie durch mehr Achtsamkeit näher bei sich bleiben. Sie bekommen schnell ein Gefühl dafür, wann die Bedingungen oder gewisse Situationen nicht so optimal sind, und Sie wertschätzen es mehr, was alles gut läuft.
Dadurch steigern Sie Ihre Zufriedenheit, Lebensqualität – und auch Ihre Arbeitsergebnisse profitieren davon!
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Anmerkungen & Kommentare
DoppelPlus/Minus smileys - das ist genial - so kann man der DoppelFreude wie dem dem DoppelFrust im Kalender den supertupertollen oder gnadenlosen Ausdruck geben, den man manchmal tagsüber erlebt...
... Und insbesondere nach manchen Kollegengesprächen(!! :-(((( TRIPLE !)
Echt, manchmal sinds nicht die Kunden, die gründlich frusten, sondern die lieben TRAINERKollegen, man sollte es nicht glauben... ich könnte grad Romane verfassen über interkulturelle Zusammenarbeit :-|
herzliche Grüße Ulla
schön, dass Ihnen der Artikel gefällt. - Ja, das mit dem Bewusster-umgehen ist wieder eine dieser Sachen, die man weiß, die man "eigentlich" auch kann .. aber wo sich viele schwer tun. Kennen Sie das von sich auch? Man nimmt sich das vor und dann rutscht man doch wieder ins Einerlei ab. Mir geht's so. Und da helfen solche kleinen Bremsen und Voraugenführer.
Viele Grüße
Gitte Härter
--
Hallo Ulla,
ich musste gleich lachen, dass Du über eine Triple-Version nachdenkst. Da habe ich vor Augen gleich diese unendlich großen Kleidergrößen von wegen zehnmal X. So sieht dann Dein Kalender aus, weil Du das endlos ausdehnst: die supersupersupersupersupersuper-Tag und die blähblähblähblähichkönntealleszusammenhauen - Tage
Jo, der Frust kann überall lauern. Bei Kunden. Bei Teilnehmern. Und manchmal in einem selbst.
Mit diesen philosophischen Worten schließe ich erstmal (und melde mich später noch per E-Mail)
Gitte
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Gitte Härter •
vielen dank für ihren inspirierenden artikel.
sie machen einem das bauchgefühl, auf das man viel zu selten hört, bewußter. letztendlich geht es doch darum, mit allem bewußter umzugehen.
wohin das mehr-und-mehr-haben-wollen hinführt, zeigt sich im moment sehr anschaulich an den herbeigeredeten krisen, die auf uns warten.
grüße aus petersberg!
frank katzer