Selbstmanagement

Wie uns unser Gefühl manchmal bedrängt und für hausgemachte Panik sorgt

Gitte Härter • 10.01.2011 • email Weiterempfehlen

Heute früh bin ich mit Panik aufgewacht: „Aaaaah, ich habe noch so viel zu tun! Das Buch ist noch nicht fertig! Den Selbstlernkurs wollte ich schon längst über die Bühne haben! Ich muss noch überall die Firmierung und die Telefonnummer ändern, du liebe Zeit, wenn da mal technisch nichts schiefgeht mit den laufenden Bestellungen ...“ ratter ratter sorg sorg panik panik

Daraufhin bekam ich gleich noch mehr Panik, weil ich panisch war. Denn normalerweise bin ich, was Arbeitspensum angeht, hart im Nehmen.

Das Interessante dabei ist, dass ich, wenn Sie mich gestern abend gefragt hätten, ganz locker und zufrieden gesagt hätte: „Ich bin echt gut in der Zeit! Ich wollte zwar eigentlich so viel mehr geschafft haben im Dezember, aber dafür, dass ich dieses und jenes noch zu wuchten hatte, bin ich zufrieden. Beim Buch sind es jetzt nicht mehr viele Seiten, das bekomme ich locker fertig. Danach nehme ich mir den Rest des Selbstlernkurses vor. Und das mit der Technik ist eh meistens problemlos, da hab ich einfach Paranoia, aber wenn was sein sollte, kann Ralf es ja richten ...“

Die Situation ist also völlig gleich. Aber meine Bewertung gestern abend und heute morgen hätte unterschiedlicher nicht sein können.

Oft machen wir uns Panik einfach nur im Kopf

Ob es zu viel Arbeit oder zu wenig Zeit ist, ob Sie darüber grübeln, ob ein Kunde Ihnen einen Auftrag gibt, ob Sie Existenzängste plagen, obwohl Sie gerade gut im Geschäft sind ... die Gedankenmühle hängt immer eng mit unserer Verfassung zusammen. Das mag banal klingen, aber es ist gleichzeitig eine Gewissheit, die der Schlüssel dafür ist, mit so einer „Panik“ umzugehen.

Ich wusste heute früh trotz dieses unangenehmen Oh-mein-Gott-Gefühls sehr genau, dass ich Herr der Lage bin: weil ich die Dinge natürlich immer irgendwie hinbringe. Vielleicht nicht so schnell, wie ich das eigentlich wollte, vielleicht indem ich etwas hin- und herschieben muss ... aber tatsächlich ist es eben nur eine momentane Spitze. Nicht die erste und nicht die letzte.

Darum kann ich jetzt hier sitzen und erstmal einen Artikel darüber schreiben, bevor ich die Ärmel hochkremple und den Turbo einschalte. grin

Das hilft mir in solchen Situationen:

Wenn der Blutdruck ganz weit oben ist und man vor Gedankenrattern blöd im Kopf ist, heißt es erstmal: wieder zu Sinnen kommen. Mir hilft dabei:

  • “Ruhig, Brauner!“ Ich rede mir gut zu: Komm, das ist jetzt nicht so schlimm wie du es gerade empfindest. Dann verordne ich mir eine Übersichtspause, die meistens damit beginnt, dass ich mich erstmal in die Küche begebe und Kaffee mache.

  • Die Übersichtspause heißt, dass ich die Kontrolle durch Übersicht wieder erlange. Im Beispiel von „zu viel zu tun“ wäre es ein ganz genauer Blick, was zu tun ist, was tatsächlich an Zeitaufwand damit verbunden ist und wo Termine einzuhalten sind. Dann mache ich meistens alle Kleinigkeiten weg, denn das reduziert sofort die ToDos, was sich gut anfühlt und mich durchatmen lässt.

    Angenommen, Sie haben die Panik nicht wegen Zeitnot, sondern weil Sie glauben, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, würde die Übersichtspause bedeuten, dass Sie konkretisieren, welche Teile der Aufgabe Sie problemlos schaffen, im Griff haben und bei welchen Aspekten Sie kein gutes Gefühl haben ... oder schlichtweg nicht wissen, wie anfangen.

  • Unterstützung Wer oder was kann Ihnen helfen? Das kann ein Kunde sein, der Ihnen etwas mehr Zeit einräumt. Das kann ein Freund sein, der Ihnen etwas abnimmt (vielleicht eine private Aufgabe, manchmal ist schon eine kleine Besorgung etwas, das einem Last abnimmt). Das kann ein Branchenkollege sein, der Ihnen mit ein paar Tipps draufhilt. Oder es ist eine gute Freundin, die mit Ihnen heute abend Eis essen geht. Wenn es bei Ihenn auch gerade schneit, vielleicht besser Eis mit heißen Himbeeren.

  • Unerschütterlichkeit in Ihre Fähigkeiten Das Bewusstsein dafür, dass Sie schon ganz andere Situationen gemeistert haben. Dass es natürlich immer irgendwie geht. Auch diese Zuversicht in Ihre eigenen Fähigkeiten senkt die Panik und stärkt Sie, so dass Sie nun in Tatendrang übergehen können.

Kennen Sie solche Momente auch? Wie gehen Sie damit um?

 

Sie können diesen Beitrag kommentieren oder ihn an einen Freund oder Bekannten email weiterempfehlen oder Ich lese: Wie uns unser Gefühl manchmal bedrängt und für hausgemachte Panik sorgtTwitter den Beitrag.

 

Anmerkungen & Kommentare

Von: Sandra Hylla am 10.01.2011
Hallo Gitte,

mir hilft auch immer wieder bei meinen Zweifeln (meine Firma ist noch recht jung) zu lesen, dass es anderen, erfahreneren Unternehmern genau so geht. Vielen Dank also für dieses offene, inspirierende Blog.

Sandra
Von: Martina Schäfer am 10.01.2011
Liebe Gitte Härter,
Sie sprechen mir aus der Seele. Diese aufkommende Panik kenne ich nur zu gut. Mittlerweile hilft mir aber auch die "Ruhig, Brauner!"-Taktik sehr gut. Ein deutliches Stopp an mich selbst sorgt meist erst mal wieder für Ruhe. Und dann kommt der Glaube an meine Fähigkeiten dazu. Denn bisher habe ich tatsächlich meine Aufgaben immer gemeistert - und dass, obwohl ich dazu neige, eher mit den schwierigen Dingen anzufangen.
Herzliche Grüße und keine Panik
Martina Schäfer
Von: Gudrun Sonnenberg am 10.01.2011
Liebe Frau Härter,

das kenne ich auch! Ich habe festgestellt, dass der Panikfaktor mit der Müdigkeit steigt: Je müder und schlapper ich mich fühle, desto unlösbarer erscheinen die Aufgaben... Wenn ich wieder ausgeschlafen bin, sieht die Welt wieder rosiger aus. Ansonsten hilft mir auch sehr, mir einen Problem-Überblick zu verschaffen.

Herzliche Grüße

Gudrun Sonnenberg
Von: Gitte Härter am 11.01.2011
Hallo zusammen,

ja, es ist wirklich immer gut zu hören, dass andere auch manchmal solche Anfälle haben. wink

Und offenbar scheint es hier das universelle Selbstmanagement-Programm zu sein, dass man sich selbst stoppt, gut zuredet und vor allen Dingen einen Überblick schafft.

Das mit der Müdigkeit finde ich besonders interessant. Ich habe nämlich auch gemerkt, dass es mit mangelndem Essen zu tun hat, wenn ich dünnere Nerven habe. Seit letztem Jahr esse ich ja endlich regelmäßiger, aber davor habe ich oft erst am Nachmittag was gegessen und war dann superschnell ungeduldig und aggressiv. Solche "Verfassungs-Grundlagen-Muster" muss man erstmal erkennen!

Viele Grüße
Gitte
Von: Matthias Talmeier am 11.01.2011
Hallo Gitte,
und WIE ICH DAS KENNE!*hihihi

und ich mache es genauso wie Sie:

" “Ruhig, Brauner!“ Ich rede mir gut zu: Komm, das ist jetzt nicht so schlimm wie du es gerade empfindest. Dann verordne ich mir eine Übersichtspause, die meistens damit beginnt, dass ich mich erstmal in die Küche begebe und Kaffee mache. "

... und auch gings mir Abends zuvor blendend, doch dann bereits beim Aufwachen die ersten Panikattacken, so daß ich dann schon fast Angst habe, nicht genug Zeit für's Zähneputzen zu haben...

Tatsächlich löst sich das Meiste dann in Wohlgefallen auf, sobald meine geliebte "Latte Macchiatto" duftet (immer dieses Ritual mit ital. Alukännchen...selbst gemahlenen Espressobohnen...grins...) und plötzlich habe ich wieder "genug Zeit" für alles Mögliche -

keine Ahnung woran das liegt? ...
am Wetter, an den(zufrühen?;-()Morgenstunden?
Am Blutdruck? Ein Bier zuviel oder zuwenig? *grins -

Es beruhigt mich sehr, daß es auch anderen Menschen so geht (auch Profis die ich sehr schätze!) - man fühlt sich dann nicht mehr so allein...lächel...

Liebe Grüße
Matthias
Von: Silke Bicker am 11.01.2011
Irgendwie kommt mir diese Panik auch bekannt vor, wie schön, dass es anderen ebenso ergeht:-)!

Die Taktik "Ola, schön ruhig" funktioniert nicht nur bei Pferden, sondern auch bei mir. Dann gibt es bei morgendlichem Paniküberfall erstmal Müsli und Tee, kauen beruhigt strapazierte Nerven. Danach ein Blatt Papier und schön kritzeln, was denn so grandios Vieles heute ansteht. Meistens verduftet die Attacke dann schleunigst.

Grüße,
Silke
Von: Gitte Härter am 13.01.2011
... dankeschön Matthias und Silke für Ihre Erfahrungsberichte. Erneut fast deckungsgleich, das finde ich sehr interessant.

Das mit dem Kaffee geht mir genau so und das mit dem Kauen probiere auch mal. Zum Glück haben solche Anfälle bei mir Seltenheitswert.
Von: Barbara Steldinger am 13.01.2011
Liebe Gitte,

das erinnert mich sehr an den seltsamen Zustand, dass ich an manchen Abenden noch elanvoll, optistisch, jung, dynamisch und schön bis in die Puppen gearbeitet habe und am nächsten morgen als Häufchen Elend wach werde, völlig knautschig, kraftlos und voller Existenzängste und Zweifel.

Da hilft auch nur, sich daran zu erinnern, dass das manchmal eben so ist und wahrscheinlich eine Pause nötig ist oder ein netter Kundenkommentar grin.

Ich gehe dann eine Runde an die Luft,tief ein- und ausatmen, wehklage meiner Freundin die Ohren voll, wenns ganz schlimm ist und lass mir erzählen wie toll ich bin. (das hilft tatsächlich, weil ich dann immer lachen muss).

Und meistens ist es damit auch schon wieder viel besser.Überhaupt ist Lachen total entspannend in solchen Tiefs und Panikmomenten. Wenn es gar nicht geht mit dem Lachen, hilft auch schon lächeln. Die vielen Muskeln, die dabei bewegt werden, suggerieren dem ganzen System "hallo, ich lächle, also gehts mir gut". Das klappt tatsächlich.

 

Anmerkung schreiben

Bitte keine Firmen im Namensfeld und keine Webadresse oder sonstige Eigenwerbung im Kommentar.

Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.

 

 

Bestellen Sie unseren kostenlosen Kickletter: Jede Woche Tipps und Ideen für Ihre Selbstständigkeit.

 

E-Mail-Adresse:

RSSOder unseren RSS-Feed abonnieren.

 

Unsere aktuellen Selbstlernkurse:

 

Kategorien

 

Die letzten Kommentare

Manche Kunden machen einem nur Arbeit
Gitte Härter  23.05

Was ist Ihre beste Qualität?
Gitte Härter  23.05

Heute lernen Sie: Größenwahn
Gitte Härter  23.05

Heute lernen Sie: Größenwahn
Beatrice Legien  22.05

Manche Kunden machen einem nur Arbeit
Michael  22.05

 

7 Erfolgsfaktoren für Ihre Akquise!

Gute – und damit erfolgreiche – Akquise weist sieben wichtige Eigenschaften auf. Sie ist ...

111 Annahmen ...

... mit denen Selbstständige
meistens danebenliegen

 
 
Erfolgreiche E-Mail-NewsletterWebseiten, die verkaufenProfilbildung für Selbstständige