Wie sehen Sie das: Kann man zu anbiedernd sein?
Letzte Woche habe ich einen Dienstleister nicht engagiert, obwohl ich sicher bin, dass er sich in dem Bereich wunderbar auskennt und gute Arbeit geleistet hätte. Der Grund: Er betreibt ein Blog, in dem er Tipps gibt, die redaktionell wirken, die jedoch gespickt von Eigenwerbung sind. Ich bin von seiner Fachkompetenz überzeugt und vermutlich ist es auch ein netter Mann, aber ich fühlte mich einfach „überworben“.
Dann bin ich ja seit einigen Monaten auf Twitter und habe schon ein Halswirbeltrauma vom ständigen Kopfschütteln: da wird auch von vielen geglaubt, man brauche nur andauernd Werbung herumzuschleudern und bekomme dadurch Aufträge.
Viele Newsletter bestehen einzig und allein aus Selbstbeweihräucherung: redaktionelle Inhalte muss man oft suchen.
Mir drängt sich die Parallele zu verzweifelter Partnersuche auf. Wenn jemand einen anhimmelt und das eigentlich sogar erfolgreich sein könnte, wenn, ja wenn der andere nicht so gnadenlos überdrehen und viel zu viel machen würde: immer noch ein Blümchen, immer noch ein Anruf, immer noch ...
Das hat denn entweder was Verzweifeltes, etwas Anbiederndes oder gar etwas Aufdringliches.
Was meinen Sie?
Glauben Sie, wir schaffen es gemeinsam, irgendwie zu spezifizieren, wo da die Grenzen sind:
- Wann ist etwas zu viel?
- Ab wann fühlt man sich, als ob ein Selbstständiger sich aufzwingt?
- Was sind so typische Abtörner, wo man denkt: Uäh, jetzt reicht’s mir!?
Beziffern wird man’s nicht können. Dazu sind die Ansprachemöglichkeiten zu vielschichtig und das eigene Empfinden zu unterschiedlich. Doch ich denke, es wäre schon hilfreich, mal zu sammeln, wie es Ihnen persönlich so geht. Möglicherweise ergibt sich ein guter Rahmen oder zumindest ein paar Anhaltspunkte, die jeder für die eigene Werbung nutzen kann.
Wann ist es Ihnen zu viel?
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Anmerkungen & Kommentare
Auf der anderen Seite biete ich in meinem Blog oder durch Newsletter kostenfreie Informationen. Wen es nervt, der möge doch bitte einfach den Newsletter abbestellen oder etwas anderes lesen. Ich zwinge schließlich niemanden, sich mit meinen Themen zu beschäftigen.
Letztendlich bleibt wohl nur die Frage, wie authentisch etwas ist. Das, was ich kommuniziere, lebe ich - leben wir, als Agentur. Was ich im "Igel-Faktor" anbiete, mache ich selbst auch. Was nützt die beste Theorie ohne praktische Erfahrung?
Ich hoffe, dass man mir anmerkt, dass mir meine Aktivitäten Freude bereiten und nicht aus der Not heraus geboren sind, um jeden Preis neue Kunden gewinnen zu müssen. Dann wird es nämlich schnell unangenehm. Fremdschämen ist angesagt, bei der vielen Bettelei um neue Kunden. Anziehungskraft ist der deutlich bessere Weg!
Beste Grüße, Thomas#
Genau solche Sachen lassen mich aus den Latschen kippen. Da meldet sich jemand nach Ewigkeiten aus der Kontakteliste mit den Worten: "Irgendwann meldete er sich bei mir und fragte mich wie unser Kontakt für beide wertvoller werden könnte."
ARGH!
Die darauffolgende Reaktion ist dann "nur noch" das Sahnehäubchen. Unfassbar, oder?
Was halt schade ist, dass es auch Leute gibt, die das tun, weil sie denken, das gehört so. Ich finde das echt schlimm, wenn es ansich guten Selbstständigen die Suppe verhagelt - völlig ohne Not.
@Thomas
Danke für Ihre Erfahrungen. Ehrlich gesagt, finde ich den Grat gar nicht so schmal. Es ist ja total legitim - so machen wir es ja auch - zu sagen: Hey, Leute, ich gebe Euch Tipps zu meinem Fachbereich, das mach ich aber nicht, weil mir langweilig ist, sondern weil es Marketing für mich ist. Auf eine Weise, wo Ihr was davon habt und wo Ihr mich kennenlernt und bei mir was kaufen könnt.
Was mir bei diesem Dienstleister so aufgestoßen ist, ist das verborgene, offensichtliche. Ich will nicht in Details gehen, weil es mir nicht darum geht, einen bestimmten Dienstleister erkennbar zu machen. Aber dieses von hinten durch die Brust ins Auge, das macht mir einen schalen Geschmack im Mund. Da hab ich mich in diesem Fall lieber für einen "normalen" und transparenten Mitbewerber entschieden.
Bei der Gelegenheit kam mir - in Kombination mit Twitter, was ich echt zu großen Teilen ganz schlimm finde, was da manche Leute treiben - eben die Frage: Wann ist es denn zu viel? Wann schreckt man Leute denn ab, auch wenn man es vielleicht sogar gut meint.
Denn da kommt man unbemerkt auf den Holzweg und boykottiert sich ganz aktiv die Auftragslage mit zuviel oder falscher Ansprache. Ist ja auch blöd.
Das mit der Authentizität kann ich nur unterstreichen. Auch das menschlich Greifbare finde ich persönlich sehr wichtig und danach wähle ich selbst auch maßgeblich aus.
Viele Grüße
Gitte
Sympatisch finde ich, wenn auch auf Mitbewerber und der News im Netz eingegangen wird.
Weiter ist für mich der Sprachstil ausschlaggebend und ob wirklich etwas geschrieben wird, was für andere interessant sein kann: aber das ist im Offline-Leben bei mir auch bei Verkäufern so. Wer dort sich nur selbst beweihräuchert und kein Ohr/Auge für meine Interessen hat, den beachte ich einfach nicht.
je nach branche, in der man sich bewegt, sollte guter inhalt (ob das ein kundengespräch oder ein blog-artikel oder was auch immer ist) genug davon überzeugen, dass man der richtige für den job ist. muss ich in einem gespräch 10x betonen, dass wir das am besten können, habe ich mich entweder schlecht präsentiert oder das ist einfach kein kunde für mich.
in branchen, wo es eher um den günstigsten preis geht, mag es wichtig sein, seine leistungen in jedem 2. wort zu bewerben - so wie ein marktschreier.
Mir ist es leider schon mehrfach passiert, dass ich von scheinbar Gleichgesinnten auf eine Zusammenarbeit angesprochen wurde, es ging aber letzten Endes nur darum, dass ich deren Produkte verkaufen soll bzw. Kunden dorthin vermitteln soll. Hier ist der gegenseitige Nutzen nicht mehr erkennbar.
Es sollte sich einigermassen die Waage halten und ZUM WOHLE ALLER BETEILIGTEN sein. (Grundprinzip aus einem meiner Lieblingsbücher "Easy zum Ziel", auf der Homepage des Autors kostenlos zum Download gegen Herausgabe der e-mail Adresse. Dies ist z.B. eine ausgeglichene Situation: ich geb dir meine e-mail-Adresse, dafür bekomme ich das Buch gratis).
Liebe Grüße
Angela Braun
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Ich kenne das zu gut und hatte erst vor einigen Tagen wieder ein Beispiel bei Xing:
Dort habe ich einen Kontakt mit dem ich schon sehr lange nicht mehr kommuniziert habe. Irgendwann meldete er sich bei mir und fragte mich wie unser Kontakt für beide wertvoller werden könnte. Ich erzählte Ihm von meinem Leistungsspektrum und bat Ihn mir von seinem zu erzählen. Die einzige Reaktion von Ihm war eine weitere Aufforderung seine Internetseite zu besuchen (er tat das schon beim ersten kennenlernen) und mich dort zu registrieren, schließlich gäbe es dort vieles Interessantes und in einer zweiten Mail stellte er mir dann ein kostenloses E-Book vor, welches ich gerne auf seiner Seite kommentieren könnte - ohne Registrierung funktioniert das allerdings nicht!
Viele Grüße
Patrick