Motivation und Ausgleich

Wie „rund“ und erfüllend ist Ihr Leben?

Christine Öttl • 13.10.2008 • email Weiterempfehlen

Das Thema „Work-Life-Balance“ liegt mir persönlich sehr am Herzen und ich habe während meines ganzen bisherigen Arbeitslebens auf eine gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben geachtet. Das ist mir zwar nicht immer gelungen, und gelegentlich piesacken mich auch heute noch Pflichtgefühl und schlechtes Gewissen. Aber für mich lohnt es sich absolut, mich nicht von diesen „Störern“ aus dem Konzept bringen zu lassen: Denn je „runder“, vielfältiger und reicher mein Leben insgesamt ist, umso zufriedener, energetischer und positiver fühle ich mich, und umso offener, motivierter und kreativer kann ich meinen täglichen Herausforderungen begegnen.

Vorsicht Falle: auf die Arbeit fixiert sein

Ja, Arbeit ist ein wichtiger Teil des Lebens und bringt nicht nur Geld ein, sondern verschafft idealerweise auch Befriedigung, Freude und Erfüllung. Und natürlich ist überhaupt nichts dagegen zu sagen, wenn Sie gerne und auch viel arbeiten. Nicht so gut ist es meiner Erfahrung nach allerdings, wenn Sie sich ausschließlich über Ihre Arbeit definieren, kaum etwas anderes als die Arbeit im Kopf haben, Ihr Lebensglück von Ihrem beruflichen Erfolg abhängig machen und Ihre gesamte Energie in den Job stecken. Ich denke, dass das auf die Dauer einfach nicht in Ihrem Sinne sein kann, denn:

  • Sie haben zu wenig Ausgleich zur Arbeit und die Gefahr steigt, dass Sie sich überlasten oder sogar „ausbrennen“.

  • Sie vernachlässigen zwischenmenschliche Beziehungen außerhalb der Arbeitswelt: Sie kümmern sich zu wenig um die Menschen, die Ihnen „eigentlich“ am nächsten stehen (Partner, Familie, enge Freunde), lassen soziale Kontakte schleifen und verlieren mit der Zeit den so wichtigen sozialen Rückhalt.

  • Sie werden möglicherweise recht einseitig und schöpfen all die Potenziale und Fähigkeiten nicht aus, die Sie in Ihrer Arbeit nicht benötigen und nicht einsetzen können. Auf die Dauer kann das sehr unzufrieden machen und demotivieren, ganz besonders dann natürlich, wenn es beruflich nicht optimal läuft.
  • Schwierigkeiten und Frust in der Arbeit, die sich kaum vermeiden lassen, wirken sich besonders stark auf Sie aus, da Sie keine oder nur wenig „Gegenwelten“ haben, um auf andere Gedanken zu kommen, Kraft zu tanken und das Leben zu genießen.

Viel gesünder, freudvoller und spannender, als das Leben auf die Arbeit zu reduzieren, ist es, den verschiedenen Lebensbereichen ganz bewusst einen gebührenden Platz einzuräumen und sie verantwortungsvoll und flexibel miteinander zu kombinieren. Das hat den riesigen Vorteil, dass Sie mal aus dem einen und mal aus dem anderen Bereich Energie, Kraft und Freude schöpfen und auch dann im Gleichgewicht bleiben können, wenn es in einem Bereich nicht so gut läuft und es Schwierigkeiten und Probleme gibt.

Natürlich kenne ich Sie nicht persönlich, sind die Bedürfnisse und Möglichkeiten individuell verschieden und gibt es kein für alle gültiges Patentrezept. Aber ich denke schon, dass die zentralen Lebensbereiche, denen Sie neben der Arbeit Zeit und Energie widmen sollten, um ein „rundes“ Leben führen zu können, diese sind:

  • Sie selbst
    (Ernährung, Schlaf, Körperpflege, persönliche Weiterentwicklung usw.)

  • bewusster Ausgleich zur Arbeit
    (Entspannung, Bewegung, Natur usw.)

  • Familie und Freunde

  • Interessen und Hobbys

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Leben (noch) nicht ganz so „rund“, vielseitig und erfüllend ist, wie Sie es gerne hätten, dann machen Sie sich doch mal Gedanken zu folgenden Fragen:

  • Aus welchen Bereichen besteht Ihr Leben?

  • Wie viel Zeit widmen Sie den einzelnen Lebensbereichen?

  • Welcher Bereich/welche Bereiche kommt/kommen bisher zu kurz?

  • In welchem Bereich/welchen Bereichen möchten Sie etwas verändern, um in Zukunft ein „runderes“ Leben zu führen?

  • Was konkret könnte das sein?

Nehmen Sie Privates genauso ernst wie die Arbeit

Eine äußerst wichtige Voraussetzung, um das Privatleben wirklich vor der Arbeit zu „schützen“ und sich Freiräume auch tatsächlich zu nehmen, ist meiner Erfahrung nach: Dass Sie das wirklich wollen und ernsthaft einplanen – und diszipliniert, kraftvoll und bewusst auch gegen innere oder äußere Widersacher durchsetzen. Wenn man nur „eigentlich“ mehr Zeit mit den Kindern verbringen, mit einer sportlichen Aktivität beginnen oder am Abend früher nach Hause gehen möchte, ist es sehr wahrscheinlich, dass man sein Vorhaben leicht aufgibt und die private Angelegenheit verschiebt, sobald arbeitsmäßig etwas „dazwischenkommt“.

Und noch ein kleiner praktischer Tipp, der vielleicht banal erscheint, aber doch dabei helfen kann, Privates ebenso ernst zu nehmen wie geschäftliche Verpflichtungen: Tragen Sie private Termine und persönliche Eckdaten in Ihren Kalender ein und berücksichtigen Sie diese ganz bewusst und konsequent bei Ihrer beruflichen Planung.

Natürlich ist mir klar, dass es immer mal Zeiten geben kann, in denen die Arbeit absoluten Vorrang hat und es nötig ist, andere Interessen etwas zurückzustellen. Wenn das der Fall ist: Tun Sie das ganz überlegt und bewusst für einen abgesteckten Zeitraum. Aber bitte achten Sie auf sich und darauf, dass das nicht zum Dauerzustand wird.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Zamyat M. Klein am 13.10.2008
Liebe Frau Öttl,

das ist Wasser auf meine Mühlen!

Zum einen war ich in letzter Zeit auch mal wieder etwas aus der Balance geraten (obwohl ich es anderen beibringe grin, und hatte mir zum Endspurt vor meinem Abflug einfach zu viel aufgehalst. Da sind all die guten Gewohnheiten wie tägliches Yoga, private Treffen etc. etwas in den Hintergrund getreten.

Zum anderen praktiziere ich aber jetzt gerade das totale Gegenteil: ich habe mir einen meiner Träume erfüllt und gerade mein erstes Seminar in der Türkei (zu Kreativitätstechniken) an meinem Lieblingsort durchgeführt - und schließe jetzt noch zwei Wochen Urlaub an.
Doch Urlaub heißt für mich auch morgens am Strand Fachliteratur lesen und Pläne schmieden und Mind Maps schreiben. Das ist die Balance sozusagen umgekehrt. Es ist für mich genauso genussvoll wie Krimis lesen.
Und abends nach Sonnenuntergang hämmere ich in mein Blog und berichte vom Seminar oder den Dingen, die ich da gerade lese...

Und gerade habe ich - mal wieder - das passende Buch zur Hand: "Die 4 Stunden Woche", das mich genau wieder auf das von Ihnen angesprochene Thema führt.

Wenn auch noch viel extremer.
Aber ich finde es ungeheuer inspirierend und erste konkrete Pläne sind mir auch schon aus der Feder geflossen.

Bei mir ist die Gefahr sehr groß, dass ich mich hauptsächlich über meine Arbeit definiere, da sie mir riesigen Spaß macht und so vielfältig ist, dass ich viele meiner Leidenschaften hier ausleben kann.
Trotzdem kann es dann doch ganz schnell zu viel werden- und da die Bremse ziehen und einfach mal still werden - das ist schon notwendig.

Eine schöne Zeit Ihnen und sonnige Grüße aus der Türkei
Zamyat
Von: Christine Öttl am 14.10.2008
Hallo liebe Zamyat,

das ist super, dass mein Text Sie angesprochen hat: Herzlichen Dank für Ihre nette Rückmeldung und Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in Sachen Balance.

Dass Sie ein sehr aktives, vielseitiges und erfüllendes Leben führen und sehr viel Energie haben, kann man in jeder Zeile spüren, die Sie schreiben. Ja, ich kann mir vorstellen, dass Sie sich immer mal ganz bewusst stoppen und gegensteuern müssen, um etwas Ruhe einkehren zu lassen und wieder ganz zu sich selbst zu kommen. Denn wenn man so viel Freude an der Arbeit hat, kann man ja auch „süchtig“ werden nach dem Flow, den Tun und Machen und Erfolg ja ganz zweifelsohne mit sich bringen. Finde ich sehr gut, dass Sie auf der Hut sind und immer wieder gegensteuern, wenn es zu sehr in die eine Richtung geht.

Ganz liebe Grüße und weiterhin eine wunderbare, erholsame wie animierende Zeit in der Türkei

Christine
Von: Zamyat M. Klein am 15.10.2008
Hallo liebe Christine,

in meinem Blogbeitrag heute habe ich auf diesen Beitrag verwiesen. Leider finde ich bei euch keine Trackback- Adresse (und kapier das mit dem Trackback ohnehin nie) - daher schreibe ich es als Kommentar.
Nachzulesen unter (ist leider etwas lang...) "Erzwungener Urlaub".

Liebe Grüße
Zamyat
(und so passt ja immer alles zusammen...
gerade bei euch erlebe ich oft solch eine Synchronisation, dass ihr Themen aufgreift, die ich auch gerade habe- sehr schön!)
Von: Gitte Härter am 15.10.2008
Hallo Zamyat,

danke für den Verweis auf uns - ich habe den link umformatiert.

Wegen Trackback: unter jedem Beitrag findest rechts neben "weiterempfehlen" ein hellgraues TRACKBACK. Wenn Du darauf klickst, öffnet sich ein kleines Fenster mit der Trackback-URL. Die gibste dann bei Dir in der Blogsoftware am richtigen Platz für die Trackbacks ein (bei uns heißt das Feld beispielsweise auch "Trackbacks") und dann schickste ab. Et voilá. grin

Einen schönen Abend
Gitte
Von: Zamyat M. Klein am 15.10.2008
Liebe Christine,

Danke für den Hinweis, ich war wohl bling grin.
Habe es jetzt so gemacht (bei mir in Typo 3 ist auch ein Feld "Trackback") - aber wie und wo erscheint das jetzt? Müsst ihr das erst freigeben?
Ich habe es schon öfter so gemacht- und es ist nie was passiert... Schade.
Aber vielleicht klappt es diesmal ja.

Iyi aksamlar! (Die Grillen zirpen und der Jasmin duftet - da werde ich jetzt mal das Laptop schließen...)
Zamyat
Von: Gitte Härter am 15.10.2008
Guten Abend Zamyat,

jetzt musste ich bei Ralf nachfragen, unserem "Technikmeister" ... aber er kann auch nur mutmaßen, dass entweder unsere Blogs nicht kompatibel sind oder irgendwas mit der Eingabe nicht ganz richtig ist ... aber da kann ich leider nicht mehr zu sagen, weil ich mich mit Typo3 nicht auskenne.

Mit den Trackbacks geht's mir aber genauso wie Dir: mal geht's, mal nicht und keiner weiß warum.

---

Aber mal zurück zum Thema: Ich finde mich in Deiner Schilderung auch sehr wieder ... gehöre ich auch eher zur Gattung der "Workaholics" (wie ich meine, noch im positiven Sinne) und so kann ich es gut nachfühlen, dass Du trotz Urlaubsfeeling in alte Muster wie ständig am Laptop hängen und das-noch-und-jenes-noch verfällst.

Das würde mir, glaube ich auch passieren. Andererseits nützt ja so ein Tapetenwechsel schon auch dazu, eher neue Strukturen zu schaffen.

Hier zu Hause finde ich es hilfreich, mich für Alternativtätigkeiten aus den eigenen vier Wänden zu bewegen. Also eben etwa ins Fitnessstudio zu gehen. Dieser "regionale Tapetenwechsel" hilft beim Unterbrechen des Üblichen.

Viel Spaß noch in der Türkei!
Gitte

 

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