Werfen Sie so richtig, und ich meine SO RICHTIG, Ballast ab!
Jetzt ist genau die richtige Zeit, Ballast abzuwerfen. Ich meine nicht nur das übliche Ausmisten und Aufräumen, sondern es geht um ehrliche Entlastung. Wie beim Heißluftballon sind Sie dann in der Lage, richtig befreit aufzusteigen.
Ich habe Ihnen nachfolgend eine laaaange Liste zentraler Ballastkandidaten aufgelistet. Tun Sie sich den Gefallen und gehen meine Vorschläge in einer ruhigen Stunde wirklich einzeln durch. Das ist nämlich der Clou: Wenn ich sagen würde „Los, was möchten Sie abwerfen?“, dann fallen Ihnen spontan zwei, drei, fünf Dinge ein. Wenn Sie jedoch an einzelne Lebens- und Berufsbereiche denken, dann fallen Ihnen pro Bereich zwei, drei, fünf Dinge ein!
Also: Jeden Punkt einzeln überdenken!
Wer oder was fällt Ihnen dazu ein? Einige Punkte treffen vielleicht weniger zu, dafür finden Sie in anderen Bereichen gleich mehr Ballast. Machen Sie eine Liste mit allem, das Sie beschwert.
Das ist die Liste, bei denen jeder abgestrichene Punkt Ihnen sofort Erleichterung verschafft und Ihre Lebens- (und Berufs-) Qualität enorm verbessert. Jeder einzelne Punkt! Stellen Sie sich das einmal vor. Was für ein schönes Ziel, diese Liste abzuarbeiten.
Sie gewinnen dadurch sogar doppelt: Denn diese Punkte beschweren uns. Sie rauben Zeit, Kraft, Motivation, Kreativität und Geld. Alles wichtige Aspekte, von denen wir Selbstständige gar nicht genug haben können. Worauf warten Sie also noch?
Ballast abwerfen heißt: die Sache, wie sie momentan ist, abstellen.
- Entweder, indem Sie sich tatsächlich davon trennen – Bücher verschenken, den Kontakt mit für sie belastenden Menschen abbrechen.
- Oder indem Sie die Situation verändern: bestimmte Aufgaben auslagern, angenehmer für sich machen oder mit den betreffenden Personen sprechen, dass es so nicht weitergeht.
- Und natürlich gibt es die eine oder andere Diszplin, wo wir uns selbst am Riemen reißen müssen: wenn man sich nicht einfach trennen, die Sache verändern oder auslagern kann, sondern es einzig an Ihrer Selbstdisziplin liegt, dann heißt es auch hier Ballast abzuwerfen, indem Sie diese Sache endlich gebacken bekommen. In der Regel weiß man sehr gut, was zu tun ist, man lässt sich nur in diesen Fällen meistens zu viel durchgehen.
Business
Leistungen
zum Beispiel:
- Leistungen, die sich nicht rentieren (dauern zu lange, zu knapp kalkuliert etc.)
- Leistungen, bei denen Sie sich nicht sicher sind (z. B. weil Sie nicht genug Fachwissen haben oder die Zielgruppe Sie total verunsichert)
- Leistungen, die Ihnen gar keinen Spaß mehr machen
- Leistungen, bei denen Sie das Gefühl haben, sich chronisch zu unterfordern
- Leistungen, die Ihnen Zeit und Energie stehlen für alles, das Sie lieber machen möchten
- Leistungen, bei denen der Anteil des unbezahlten Aufwandes viel zu hoch ist
Kunden & Aufträge
zum Beispiel:
- unrentable Kunden unangenehme oder/und respektlose Kunden
- Kunden, die Ihre Preise nie akzeptieren, runterhandeln, sich dauernd mahnen lassen, ewig nicht bezahlen
- Aufträge, die Ihnen keinen Spaß machen
- Aufträge, die Ihr Business nicht weiterbringen
- Aufträge, deren Rahmenbedingungen ungünstig sind (z. B. zu lange Fahrzeiten)
- Aufträge, die sich ziehen wie Kaugummi
Kooperationspartner
zum Beispiel:
- Kooperationspartner, die Zeit stehlen, weil sie immer ausgiebig planen und reden, aber doch nichts dabei rauskommt
- Kooperationspartner, die nichts einbringen und nur von Ihnen profitieren möchten
- Kooperationspartner, die Ihnen peinlich sind oder von deren Art und/oder Kompetenz Sie nicht überzeugt sind
- Kooperationspartner, die immer nur sich selbst im Blick haben
Verwaltung & Arbeitsplatz
... was empfinden Sie als Ballast?
- die Buchhaltung? (Hierzu gibt es übrigens im nächsten Jahr einen ganz tollen neuen Selbstlernkurs, mit dem Sie Ihre Buchhaltung auch als absoluter Laie und Zahlenmuffel in den Griff bekommen!)
- uneffektive Marketingaufgaben, die viel Arbeit machen, Geld kosten, aber nichts bringen
- Arbeiten am Computer (zu wenig Kenntnisse, zu umständliches Arbeiten, veraltete Technik ...)
- Überorganisation, die viel Zeit braucht, um sie auf dem aktuellen Stand zu haben
- Unterorganisation, die viel Zeit braucht, um alles zu suchen (und hoffentlich zu finden)
Persönliches und Privatleben:
zum Beispiel:
Verpflichtungen
- Freundschaftsdienste und Ehrenämter, die Sie überfordern und/oder vielleicht gar nicht mal zufriedenstellen
- Telefongespräche oder Besuche mit Leuten, die Ihnen Gespräche aufdrängen
- Verpflichtungen, die aus Gewohnheit abgeleitet sind: „Das habe ich immer so gemacht, also muss ich es wohl weiter machen.“
Aufgeschobenes
Was schieben Sie in diesem Jahr, vielleicht bereits NOCH länger, vor sich her?
- ..................................................................
- ..................................................................
- ..................................................................
- ..................................................................
- ..................................................................
zeitintensive oder unangenehme Aufgaben – Haushalt & Co.
zum Beispiel:
- Wohnung putzen
- Wäsche in der ganzen Wohnung zusammensuchen
- bügeln
- Kinder hin- und herchauffieren
Unsicherheiten und Ängste
zum Beispiel:
- Angst vor der Akquise
- sich nicht auf Veranstaltungen trauen
- Scheu vor der öffentlichen Rede
- Berührungsängste vor Smalltalk
- sich selbst uninteressant finden
- nicht wichtig, ob man wirklich kompetent ist
Menschen
zum Beispiel:
- Menschen, die Ihr Selbstvertrauen behindern
- Menschen, die immer alles Schwarz sehen
- Menschen, deren Umgang Sie Kraft kostet
- Menschen, in deren Gegenwart Sie sich nicht gut fühlen und/oder nach einem Treffen einen schalen Geschmack im Mund haben
- Menschen, mit denen Sie Zeit verplempern: aus Verpflichtungsgefühlen oder weil Sie keine Grenzen gezogen haben
- Menschen, mit denen Sie nur noch aus Gewohnheit Zeit verbringen, obwohl Sie sich schon lange nichts mehr geben/auseinandergelebt haben
Lebensführung: Wohnung, Gewohnheiten
Was sind ungute Gewohnheiten, die Sie auf Dauer beschweren (oder Ihnen Energie rauben)?
zum Beispiel:
- zu wenig Schlaf
- unregelmäßig Essen
- ungesunde Ernährung
- zu wenig trinken
- keine oder nicht ausreichende Pausen
- nicht entspannt
- überall Unordnung
- keine Hobbies ausüben, die Sie gerne ausüben (würden)
- zu wenig Bewegung
- keine „Qualitätszeit“ mit Familie
- nicht genug Zeit mit Freunden verbringen
- Dinge, die Sie horten
- Sachen, die es sich in Schubladen und Schränken bequem gemacht haben, obwohl Sie sie nieeeee nutzen. (Echt nicht!)
Trennen, verändern und “steigen”
Anfang des Jahres hatte ich Sie ja gefragt: „Unter welchem Stern steht dieses Jahr?“
Mein persönliches Motto war ja „radikaler Wandel“. Ich habe mich dadurch automatisch von Einigem getrennt, wie ich Ende Dezember nochmal aufgreifen werde, wenn ich die Mitmachenden wieder frage, wie es im letzten Quartal und insgesamt dieses Jahr so mit ihrem Motto gelaufen ist.
So kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Ist das schön, befreiend und beflügelnd – ganz wie der Heißluftballon!
Gehen Sie also über die übliche Jahresendaufräumerei etwas weiter hinaus. Loslassen bringt’s!
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Anmerkungen & Kommentare
deswegen ist eine meiner permanenten Aufgaben die des "Cleaners"; der Begriff zum einen aus dem Mafia-Jargon: Unliebsame Sachen eliminieren, schauen ob das noch in die Organisation passt, wenn nein: wegdamit
Zum anderen der "Cleaner", der den Tatort säubert und Beweise oder Geschwüre wegschneidet oder einfach verschlankt.
Wir fahren damit sehr gut
Asta la Vista
Ich nenne das Ganze "Inventur".
dass mache ich schon seit Jahren, im privaten wie im beruflichen und nicht zu vergessen...das HÄNDY!!
Loslassen hat was sehr befreiendes...
schöne Weihnachten...
~Manuela~
... sehr gut, dass Du eh gerade mittendrin steckst im Ballast abwerfen. Der Jahreswechsel ist ja schon immer besonders ideal dafür, weil man dann so richtig mit "weißer Weste" startet und komplett neue Saiten aufziehen kann.
Danke für das Kompliment zur Illustration, haha, die ist mir ein wenig verunglückt, weil ich mich beeilt habe, aber ich find sie auch lustig. Erst war noch ein Mensch dabei, der rausfliegt, aber das sah zu brutal aus.
@Tim
Mit der Analogie des Cleaners treffen Sie genau meinen Geschmack.
@Manuela
Ja genau: besonders diese Kleinigkeiten (und die elektronischen Gräber) sind auch wichtig zu wissen.
Viele Grüße an alle
Gitte Härter
super Idee. Vor Allem: Wenn man jetzt schon anfängt loszulassen, brauchen man keine blöden Neujahrsvorsätze mehr. Sondern nimmt sich nur das vor, was wirklich dran ist ...
Viele Grüße
Volkert
toller Artikel. Ballast abzuwerfen ist wirklich sehr befreiend. Momentan fehlt mir aber die Zeit dazu (Bücher, Zeitschriften etc. sollten reduziert werden).
Das Jahr 2011 steht bei mir aber unter dem Stern der Mäßigung. Das wird dann einiges möglich sein.
Übrigens, ich kenne einige Leute, die wissen, das sie Ballast abwerfen müssten, es aber kaum umsetzen können.
Schöne Grüße
Armin
Das ist ein guter Gedanke: statt guter Vorsätze einfach ein paar obige Kandidaten anpacken!
@Kerstin
Darüber musste ich sehr schmunzeln.
@Armin
Was für ein schönes Motto: Das Jahr der Mäßigung! Das stimmt: da fällt dann automatisch Einiges drunter.
Und das mit dem Nicht-Umsetzen-Können, obwohl man Ballast abwerfen möchte (oder es zumindest weiß) ist mir auch schon öfter begegnet. Wenn es wirklich so gar nicht geht, ist die Taktik der klein(sten) Schritte hervorragend - und wenn selbst das nicht geht, dann heißt es erstmal, die Hürde anzugucken. Das geht dann wiederum oft einfacher mit Unterstützung.
Einen schönen Tag
Gitte
das war für mich persönlich der beste Hinweis und er kam vor allen Dingen zur passenden Zeit. Seit Erhalt werfe ich Ballast ab, besonders in den klar angesprochenen Punkten wie z. B. Kooperationspartner.
Weil ich so begeistert bin, habe ich in meinen letzten News auch gleich hierher verlinkt, und ich hoffe, dass viele, viele diesem Hinweis folgen.
Danke Gitte!
Frohe Weihnachten an alle und einen guten Rutsch. Möge 2011 ballastfreier werden als 2010!
Herzliche Grüße, Sinah
schön, Dich zu lesen!
... und dass Du seit Erhalt konsequent Ballast abwirfst, finde ich großartig. Gratuliere!
Herzlichen Dank auch für den link zu uns.
Ebenfalls fröhliche Weihnachten und ein "fliegendes" 2011
Gitte
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meistens danebenliegen
Gitte Härter •
Klasse Idee Dein Artikel.
Ich bin seit dem 15. November bereits mittendrin in diesem "Ballastabladeprozeß".
Kann ich nur empfehlen.
"Loslassen bringt's!" - wirklich.
Herzliche Grüße
Norbert