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Wenn Ihre Stammkunden zur Bremse werden: 7 typische Gefahren

Gitte Härter • 26.11.2009 • email Weiterempfehlen

Eigentlich sind Stammkunden etwas Gutes: sie sind eine Bestätigung, dass Sie Ihre Arbeit gut machen, idealerweise begeisterte Weiterempfehler und sie garantieren eine gewisse Auslastung. Doch manchmal können Stammkunden eine richtige Bremse sein – für Ihr Business, aber auch für Sie persönlich.

Haben Sie viele Stammkunden? Dann prüfen Sie doch mal, ob es neben all der positiven Aspekte nicht auch den einen oder anderen Haken gibt. Hier 7 typische Gefahren:

1. Cliquenwirtschaft

Wenn Sie in einem Bereich arbeiten, wo Ihre Kunden miteinander in Verbindung treten oder sich gegenseitig sehen, ist Cliquenwirtschaft geschäftsbehindernd. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es eine tatsächliche oder gefühlte Cliquenwirtschaft ist. In dem Moment, wo neue Kunden den Eindruck haben, irgendwie „außen vor“ zu sein, es also mit einer geschlossenen Gesellschaft zu tun haben, bleiben sie nicht.

Beispiel: Eine Feldenkrais-Lehrerin hat eine feste Basis an „Fans“, die jeden ihrer Kurse zur Hälfte besetzt. Alle kennen sich schon viele Jahre lang, der Umgangston untereinander und gegenüber der Lehrerin ist entsprechend.

Die Lösung: Achten Sie immer ganz genau darauf, neue Kunden – besonders bei Schnupperstunden – aktiv mit „reinzuholen“. Ziehen Sie niemals einfach Ihre Arbeit durch, wirken Sie ausgleichend, wenn die Stammkunden zu sehr miteinander klüngeln. Ideal ist es, wenn Sie Ihre Stammkunden dafür sensibilisieren mitzuhelfen, dass sich neue Kunden wohlfühlen und schnell zurechtfinden.

2. Ihr Image verändert sich

Stammkunden können Ihr gesamtes Image verändern.

„Physisch“, beispielsweise, wenn in einer Tanzschule ständig eine Gruppe von Leuten abends im Flur Brotzeit macht, wenn im Eingangsbereich eines Solariums gemeinsam Piccolöchen getrunken wird oder wenn beim Italiener ein lauter Stammtisch die Gäste begrüßt.

Aber das gilt auch für alle anderen Bereiche. Ein Grafiker, der plötzlich nur noch Arbeitsproben von Geschäftsberichten zeigen kann oder eine PR-Fachfrau, die lauter Maschinenbaufirmen betreut (und doch eigentlich so gerne in andere Branchen kommen würde).

Die Lösung: Achten Sie immer darauf, ob Ihre Stammkundschaft Sie in die von Ihnen gewollte Richtung führt. Manchmal vergisst man den Blick von außen oder tut sich schwer, weil man die Gemeinsamkeit mit den Stammkunden vielleicht sogar genießt. Lassen Sie jemanden aus Ihrem Bekanntenkreis, der Ihr Geschäft nicht gut kennt, draufschauen. Wenn Sie in einem Bereich arbeiten, bei dem Ihre Kunden vor Ort sind, lassen Sie diesen Bekannten zu verschiedenen Zeiten mehrmals als normaler Neukunde vorbeischauen und mitmachen.

3. Dominieren

Manchmal dominieren Stammkunden auch: Das kann ein einziger Stammkunde sein, der Sie komplett in Beschlag nimmt.

Vielleicht haben Sie einen großen Kunden schon seit Jahren, der aber 80 % Ihrer Zeit ausmacht. So etwas ist nicht nur eine ungute Abhängigkeit, sondern es dominiert auch Ihre Arbeit und das Fortkommen Ihres Unternehmens.

Dominieren kommt vielleicht auch in Ihrem Alltag vor: Ich habe es in Sportstunden öfter erlebt, dass Stammkunden sehr geschwätzig miteinander waren, also ohne Rücksicht auf die Stunde, den Trainer und die anderen Teilnehmer ausgiebig miteinander geplaudert haben.

Die Lösung: Achten Sie immer darauf, dass die Stammkunden-Auslastung im Gleichgewicht damit ist, was Sie sonst tun wollen und sollten. Seien SIE immer der Boss, der aktiv eingreift und steuert. Bringen Sie sich nicht in eine Art Abhängigkeit, die Sie zum Duckmäuser macht, weil Sie befürchten, dass Stammkunden meutern oder gar weggehen könnten.

4. Zeit- und Energieklauer

Manche Stammkunden nehmen sich Rechte heraus oder erwarten eine besondere Aufmerksamkeit, indem sie beispielsweise sehr viel früher kommen oder länger bleiben oder ständig noch was haben (das aber kein Auftrag ist, sondern sie brauchen einfach noch was oder möchten gerne plaudern).

Das sind mitunter auch Kunden, die zwar länger schon bei Ihnen sind, die sich aber nicht wirklich lohnen. Leider verwechselt man manchmal als Selbstständiger „guter Kunde“ mit „rentabler Kunde“. So kann es beispielsweise sein, dass Sie noch alte Kunden aus Ihrer Anfangszeit haben, mit denen Sie sehr viel günstigere Honorare vereinbart und sich nie getraut haben, das anzupassen. Wenn sich dann zudem das Verhältnis von Fordern und Bezahltwerden verschiebt, ist so mancher Stammkunde nicht besonders rentabel.

Es gibt auch schwierige Stammkunden: Leute, die Ihnen gute Aufträge geben und sich rentieren, die aber aufgrund ihrer Art oder Arbeitsweise anstrengend sind oder Ihnen einfach mehr Mühe machen.

Die Lösung: Finden Sie nicht automatisch alle Stammkunden gut, nur weil sie schon lange da sind, sondern nehmen Sie in regelmäßigen Intervallen Ihre Stammkunden einmal genauer unter die Lupe: Wie stehe ich zu diesem Stammkunden? Wie viele Aufträge und wie viel Geld hat er mir die letzten Jahre tatsächlich gebracht? Wie ist der „Aufwand“ im Verhältnis zu dem, was er mir bringt?

5. Stillstand

Viele Stammkunden können auch persönlichen Stillstand bedeuten. Christine hat mir mal von einem Ballettkurs erzählt, wo sich seit Jahren immer die gleichen Leute angemeldet haben – nicht, weil sie Ballett lernen wollten, sondern weil sie es gesellig fanden und sich ein bisschen halbherzig bewegen wollten. Dagegen ist nichts zu sagen ... wenn nicht der Trainer völlig desillusioniert und verbittert gewesen wäre, weil er nur pseudomäßig seit Jahren vor fast den gleichen Leuten stand, die überhaupt keine Fortschritte machten und machen wollten.

Auch die Beispiele oben, wenn Stammkunden Sie zu einem großen Teil fest auslasten, können dazu führen, dass Sie stillstehen: in Ihren Fähigkeiten, Ihrer Weiterqualifikation und Ihrer Kreativität.

Die Lösung: Das, was wir hier auf unternehmenskick.de schon in vielen Beiträgen thematisiert haben -> Achten Sie immer darauf, eine Strategie zu haben. Zu wissen, wo Sie hin möchten, was Ihnen wichtig ist – und gleichen Sie in regelmäßigen Intervallen ab, inwieweit Sie auf Kurs sind und darauf hinarbeiten, Ihre angestrebten Ziele auch zu verfolgen. Stillstand kann Ihnen nur passieren, wenn Sie Dinge geschehen lassen und immer nur reagieren.

6. Verwischte Grenzen

Wenn Kunden öfter kommen und wenn Sie einen persönlichen Draht haben kann es passieren, dass die Grenzen verwischen – beidseitig oder einseitig.

  • Das kann in der Kneipe sein, wo sich die Gäste als Freunde fühlen.
  • Das kann beim Friseur sein, zu dem man schon viele Jahre geht und im Laufe der Zeit einen freundschaftlichen Ton pflegt.
  • Dass passiert auch bei Coaches und Therapeuten manchmal, dass Klienten glauben, sie seien gute Freunde – obwohl es nicht so ist.

Verstehen Sie mich richtig: Natürlich passiert es hin und wieder, dass man fast schon freundschaftlich mit dem einen oder anderen Kunden zusammenkommt. Und wenn beide das so entscheiden, ist alles gut.

Nur: Wenn jemand sich als Freund fühlt, aber für Sie ein Kunde ist. Oder wenn Sie eine Freundschaft begrüßen, aber plötzlich selbst ein Problem damit haben, Ihre Arbeit in Rechnung zu stellen oder klare Grenzen zu ziehen, ist es hinderlich.

Die Lösung: So persönlich und individuell Ihr Kontakt ist, ziehen Sie immer eine klare Grenze, die unterstreicht, dass das ein professionelles Miteinander ist. Wenn also beispielsweise jemand immer privatere Dinge erzählt oder länger plaudert, bitte nicht einfach passiv zuhören, sondern das Gespräch gleich zu Beginn steuern. - Wenn Kunden plötzlich anfangen, abends oder am Wochenende anzurufen oder eine Handy- oder Privatnummer verlangen, „falls was ist“, ersticken Sie das gleich im Keim. Übrigens: Manche Selbstständige schreiben ihre Privatnummer auf ihre Visitenkarte. Da brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn Kunden Ihr Angebot, Sie zu Hause anzurufen, auch annehmen. – Wenn Sie Hemmungen haben, bei einem persönlicheren Draht, über Geld zu sprechen oder Nein zu sagen, dann ist natürlich angesagt, näher zu ergründen, wo hier Ihre Hemmungen liegen. Und: Soetwas lässt sich lernen!

7. Ausgeruht – kein Neugeschäft

Wer sich auf seinen Stammkunden ausruht, tut nichts für das Fortkommen seiner Firma. Das kann geschäftlichen Stillstand bedeuten, wie wir oben schon kurz besprochen haben. Es kann aber auch existenzgefährdend werden, wenn

  • Sie sich nicht um ein ausgewogenes Kundenverhältnis kümmern,
  • Ihre Stammkunden Sie zwar gut auslasten, aber unterm Strich (zu) wenig damit verdienen,
  • Sie plötzlich mit einem Auftragsloch dastehen, weil Stammkunden gehen.

Die Lösung: Halten Sie immer Ihr Gesamtgeschäft im Blick und, wie bereits erwähnt, überprüfen Sie in regelmäßigen Intervallen die Lage. Außerdem ist es wichtig, dass Sie immer ein gewisses Maß an Energie und Zeit dafür bereithalten, Ihr Business kontinuierlich mit Neugeschäft zu versorgen.

Wenn Sie sagen: „Was? Ich bin ja eh schon voll ausgelastet, ich kann nicht noch mehr machen!“, dann ist vielleicht die für Sie wichtige Frage: „Wie kann ich mit weniger Aufwand noch mehr erreichen?“, also beispielsweise sehr zeitintensive oder schlecht bezahlte Leistungen auslaufen lassen und durch lohnenswertere zu ersetzen.

Hierfür ist Ihnen unser Selbstlernkurs „Mehr Umsatz: Wie Sie Ihr Angebot verbessern“ nützlich.

Bitte verstehen Sie mich richtig:

Es ist toll, Stammkunden zu haben. Und wie Sie sehen, ist es nicht immer „Schuld“ Ihrer Kunden, wenn sich der Stammkundenstatus negativ entwickelt – auch das eigene Verhalten trägt eine Menge dazu bei.

In erster Linie soll aber Ihr Unternehmen gut funktionieren – idealerweise im Einklang mit vielen guten Kunden. Es kann aber nicht angehen, dass Stammkunden zum Hindernis Ihres Geschäftserfolges werden.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Stammkunden?

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Edeltraud am 26.11.2009
Hallo Gitte,
ich glaube, da trittst du wieder mal in ein Wespennest. Natürlich freut man sich über Stammkunden zeigt es doch, dass die Arbeit geschätzt wird.
Ich berate im Gesundheitsbereich und da sollte es keine Stammkunden geben. Niemand sollte von einem Berater abhängig werden. Kommen sie dennoch öfter "weil es mir nach einem Besuch bei dir so gut geht" besteht die Gefahr, dass man etwas übersieht "weil man sich ja so gut kennt".

Erlebt bei einer Frau, die immer positiv vom Vater ihres unehelichen Kindes sprach. Und doch war er der "Pferdefuß", und der Grund für ihre Störungen, wie eine unabhängige Freundin sehr schnell heraus fand.
Ich habe sie "zu gut gekannt".

Ein sehr interessanter Artikel, DANKE!

Liebe Grüße
Edeltraud
Von: Gitte Härter am 27.11.2009
Hallo Edeltraud,

vielen Dank für die Ergänzung: Das ist natürlich noch eine weitere, wichtige Dimension - mögliche Abhängigkeiten. Gerade auch dieses "bei mir geht's mir einfach so gut danach" im Gesundheits- und Therapiebereich ist ja nochmal ein heißeres Eisen.

... ein eindringliches Beispiel, das Du bringst mit der zu großen Nähe und damit auch die Gefahr etwas Wichtiges nicht richtig wahrzunehmen oder zu unterschätzen.

Viele Grüße
Gitte
Von: maria am 30.11.2009
Sehr interessanter Artikel. Ich, ebenfalls im Gesundheitsbereich, möchte zum Thema "Abhängigkeit" noch etwas ergänzen. Diese Abhängigkeit kann auch die Therapieform betreffen. Ich bin vor 22 Jahren mit klass.Massage in meine Selbständigkeit eingestiegen. Habe mich fortlaufend weitergebildet und bin seit vielen Jahren kantonal approbierte Naturheilpaktikerin. Die in der Schweiz höchste Anerkennung für meinen therapeutischen Beruf. Schwierig ist es, die eigene Entwicklung in der therapeutischen Arbeit "mitzuentwickeln". Stammkunden, bei mir Menschen, die sporadisch wenn's wo hinkt, meine Praxis aufsuchen, wollen immer DASSELBE. Sie rufen an; "könnte ich bitte wieder mal eine Massage haben"? Sie wollen zwar Linderung ihrer Beschwerden, aber die Massage muss dann halt schon dabei sein grin Und da neue Patienten fast nur über Empfehlung kommen, wissen die selbstverständlich auch, was sie erwarten können. Man kann bei Stammkunden zwar neue Dinge einbringen, aber es ist schwer (für sie) Gewohntes wegzulassen. Dass kann eine Bremse für die eigene Entwicklung werden.
Von: Maria Ast am 30.11.2009
Hallo Gitte,
bei Punkt 6, verwischte Grenzen, wurde ich ganz hellhörig. Gerade im Coachingbereich begleitet man mitunter Personen länger. Besonders nach 3-Monats-Kursen fällt es vielen TN schwer, zu kapieren: der Kurs ist zu Ende, ich mag Euch, aber ich gehe NICHT mit Euch mal eben einen Kaffee trinken, ich beantworte keine ellenlangen Problemmails, ich quatsche NICHT mal eben ne halbe Stunde am Telefon mit jedem/jeder.

Für mich hat das viel mit mir als Coach zu tun, welche Signale ich aussende, ob ich meine Rolle klar habe, wie 'bedürftig' ich nach Anerkennung oder nach einem Zugehörigkeitsgefühl bin.

Obwohl ich da heute viel klarer bin als zu Beginn meiner Selbständigkeit, fällt es mir zuweilen - je nach Gruppenzusammensetzung - auch heute nicht immer leicht, das zu kommunizieren, eben, dass ich nicht PrivatfreundIn sein kann und will.

Für mich ein sehr wichtiges Thema,mit dem ich dauernd konfrontiert werde. Ich bin sehr daran interessier, zu erfahren, wie andere damit umgehen.
Herzliche Grüße
Maria Ast
Von: Gerlinde Wieländer am 30.11.2009
Hallo,

vielen Dank für den Artikel, der mir aus der Seele spricht.
Ich habe das spezielle Problem: wie kommuniziere ich Freundinnen, dass das jetzt eigentlich eine Therapie-/Coachingstunde und kostenpflichtig ist? Das hab ich bisher nicht geschafft und fühle mich hinterher etwas ausgenutzt.
Von: Gitte Härter am 02.12.2009
Guten Morgen zusammen,

vielen Dank für die ergänzenden Kommentare. Zur Zeit antworte ich etwas mit Verspätung, weil ich ebenfalls in Winterpause bin.

@maria
Ja, da sprechen Sie was ganz Wichtiges an: sich dessen bewusst zu sein, dass man NATÜRLICH auch bei seinen bestehenden Kunden oft in einer bestimmten Schublade ist: in diesem Fall für eine einzige Leistung, eben die Massage. Das ist bei vielen anderen Branchen ganz genauso der Fall: ein Texter kann für einen Kunden nur unter "Korrektorat" laufen, weil er bisher nur dort korrigieren hat lassen - ein Grafiker unter "der macht immer unsere Kundenzeitschrift" (aber eine Logo-Entwicklung geben sie zu jemand anderem). Der Computermensch wird immer nur geholt, wenn ein Netzwerk klemmt, aber für's Programmieren einer neuen Sache wird ein Kollege beauftragt.

Umso wichtiger ist es, selbst aktiv zu sein und auch - und gerade - den Stammkunden Neuerungen (aber auch generell das gesamte Spektrum) nahezubringen.

Übrigens: Neue Leistungen kann man besonders Stammkunden schmackhaft machen, indem man sie mal "probieren" lässt. Also entweder bei der nächsten Massage irgendeinen Teilbereich, der möglich ist, an der anderen Leistung zuteil werden lassen oder ein Zuckerl-Angebot, damit die Kunden Bekannte schicken, die das gerade brauchen. Oder einen Info-Abend: eine schöne Einladung im gemütlichen Kreis (weil es ja Stammkunden sind) mit dem Hinweis "Ich will mal erzählen, was ich noch so auf dem Kasten für Sie habe".


@Maria und Gerlinde

Ganz genau: einerseits die eigenen Grenzen und Signale selbst erkennen, sie andererseits auch setzen.

Können wir gerne vertiefen. Ich verstehe nur noch nicht ganz genau, wo die Schwierigkeiten liegen.

Denn in erster Linie ist natürlich gerade bei Freunden wieder freundlicher Klartext gefragt - und zwar vorher und nicht währenddessen: "Damit verdiene ich mein Geld ...".

Das mit dem Nichts-sagen-aber-sich-irgendwie-ausgenutzt-fühlen ist normal und ganz menschlich, aber eben auch unfair für alle Beteiligten. Und das soll nicht sein, denn es stört die Beziehung ja erheblich und macht auch einfach unzufrieden.

Einen schönen Tag
Gitte
Von: Maria Ast am 02.12.2009
Dass mit den Freundinnen habe ich - nach diversen "Fehlversuchen" - so geregelt, dass ich das VORHER ganz konkret und direkt angesprochen habe nach der Anfangsphase. Konkret: ich habe denen anhand einer Metapher klar gemacht, was sich bei mir verändert hat: sie mögen sich vorstellen, sie hätten früher gerne gekocht oder gegärtnert und hätten eine richtige Ausbildung zum Koch oder Gärtner gemacht, da würde ja wohl niemand mehr auf die Idee kommen, dass sie 'mal so nebenbei' noch 3 Gärten von Freunden umreißen oder 3x die Woche Gratiskochkurse für Freunde anbieten.
Nö, konnten sich alle vorstellen - Grins grin)))). Vermittelt: früher habe ich supergerne und lange mit euch gequatscht, jetzt kostet das Geld.

Und, ganz wichtig: ich habe einen Rahmen gesetzt: max. 1 1/2 Stunden in meinen BÜROräumen!!, keine Gequatsche nachher,kein Kaffeetrinken um die Ecke und weitercoachen, sprich, die Rollen sind beim Treffen ganz klar definiert.

Mit einigen Freundinnen kann ich außerhalb des coachings auch noch mal was als Freundin dazu sagen, bei anderen geht das nicht und ich treffe mich dann für eine Weile, sprich, so lange sie Einzelcoachings buchen, in der Regel max. 3 Monate, nicht!

Da muss frau halt differenzieren. Wo ich mich zurück halte, sind Familienmitglieder, es sei denn, sie fragen explizit um meine Meinung!, meinen Impuls nach!

Mein Problem liegt ein wenig anders:
ich habe zu vielen aus den face-to-face Erfolgsteams z.B. ganz enge und freundschaftliche Kontatke entwickelt.
Sie UND ich würden gerne "irgendeine" Art von Kontakt halten. Alle als PrivatfreundeInnen zum Freundeskreis hinzuzufügen, geht nicht, will ich nicht.

Also: WAS kann ich diesen Menschen und mir anbieten an Verbundenheitsplattform, lockere Begleitung, wenn sie grad nicht Einzelcoachings brauchen oder die ERfolgsteams grad beendet sind?
Jahresgruppe? Telefonkonferenz? E-Mailings?? Ganz umsonst, das habe ich kapiert, will ich z.B. keine 30 Mails die Woche von "Ehemaligen" mehr beantworten.
Hoffe, das Dilemma ist klarer geworden, Gitte?!
Muss jetzt erst zum Zahnarzt :-(. Bin ab Mittag wieder da.
LIebe Grüße aus nem endlich mal winterlich ausssehenden Bielefeld.
Maria Ast
Von: Gitte Härter am 03.12.2009
Hallo Maria,

hoffentlich war der Zahnarzt nicht blöd (also nicht der Zahnarzt selbst .. haha) ...

Ganz herzlichen Dank für Dein schönes Erklärungsbeispiel zu "Freunden und Bekannten-Coachings" - das ist toll, eingängig und hilft bestimmt den anderen Postern zu diesem Thema super weiter.

Wegen der anderen Sache ist das Dilemma teilweise klar grin ... ich sage mal, was ich verstanden habe - und wenn ich was übersehen habe, schreist Du einfach!

Also: Wenn es um ehemalige Kunden geht, dann ist das ja eine typische Kundenbindungssache (durchaus auch, weil es Dir persönlich Freude macht, dranzubleiben - nicht nur "marketingmäßig"). Hier ist immer die Frage, was Du möchtest und was Du leisten kannst. Der naheliegendste Punkt ist tatsächlich ein Newsletter (sofern Deine Zielgruppe E-Mail hat) oder eben das aktive Nutzen Deines Blogs. Leute, die Dich kennen, bei Dir waren und Dich gut finden, werden das gerne lesen und so "an Dir dran bleiben" - und Du kannst es auf *allgemeinerer Ebene* gut schaffen, in Kontakt zu bleiben ... ohne eben jede Woche 30 Einzelmails zu beantworten.

Diese "allgemeinere Ebene" ist besonders wichtig, weil wir alle es gar nicht leisten können zeitlich, mit jedem einzeln interaktiv Kontakt zu halten. Darum ist eine Plattform wie im Internet eine gute Sache, weil hier der schwerpunkt einseitig ist: "Ich sage was, Ihr alle könnt davon profitieren - und gerne mit mir auch darüber reden über die Kommentarfunktion". Dann haben alle was davon, aber die vielen Einzelgeschichten, die irgendwie nebenbei laufen sollen, fallen weg. Und das ist auch wichtig! - Es trennt außerdem noch klarer: Hier gebe ich kostenfrei Rat - sonst bitte beauftragen.

Das ist ein schönes Stichwort: "Netzwerken", also das In-Kontakt-Bleiben jeder Art ist auch eine bestimmte Art von Aufwand. Jede E-Mail, auch wenn sie noch so kurz ist, jeder Anruf kostet Zeit - das klingt jetzt nüchtern, aber auch wenn man selbst herzlich gerne mit mehreren Einzelpersonen in Kontakt bleibt, so summiert sich das eben tierisch, wie Du es hier so schön beschrieben hast: lauter Einzelmails, auch wenn sie nett gemeint sind und man sie selbst auch gut findet, sind ganz schön viel Arbeit auf regelmäßiger Basis.

Darum ist es gut, mit den Leuten, mit denen man kennt, auch einfach locker und bei Bedarf in Kontakt zu bleiben - also nicht unbedingt "alle" und nicht "alle auf einmal", sondern so wie es sich ergibt, wie es passend ist und wie man gerade Lust hat. Viele Anregungen dazu gibt's auch in unserem 25-wöchigen (kostenlosen) E-Mailkurs Netzwerkkicks (erwähne ich hier gleich mal, weil die vielleicht noch nicht jeder Mitleser kennt).

Zu den E-Mails noch etwas: Man kann E-Mails freundlich beantworten und man kann E-Mails so schreiben, dass man zu einer Art Brieffreundschaft einlädt (bzw. manchmal sind E-Mails so formuliert, dass immer noch eine Antwort rausgekitzelt wird und so ein mehrfacher Austausch angeregt wird). Das ist nicht nur bei ehemaligen Kunden so, sondern oft auch bei Fremdanfragen à la "Könnten Sie mir mal nur ganz kurz" ... und plötzlich hat man einen Mailaustausch an der Backe.

Insofern: Immer auch überprüfen (wie oben im Artikel schon geschrieben), wie sehr man selbst dazu einlädt, dass etwas enger und freundschaftlicher wird - auch wenn man das gar nicht beabsichtigt oder auf keinen Fall möchte.

Viele Grüße
Gitte
Von: Maria Ast am 03.12.2009
Liebe Gitte,
danke für Deine ausführliche Antwort!
Zahnarzt war unbefriedigend, dafür, haha, habe ich rechts immer noch eine Sehnenscheidentzündung vom vielen Schreiben am Laptop.
Egal, beim Walken heute morgen fiel mir ein, dass ich noch schön was klarmachen könnte an meinem eignen Problemschilderungsbeispiel. Ich versuchs mal: Also, wenn ICH so eine Mail,so einen Blogkommentar kriegen würde, der ja eigentlich unterschwellig danach schreit: gib mir nen konkreten Individualvorschlag, wie kann ich, Maria A, ein bezahltes Angebot kreieren, dann würde ich genau da denken: Also nee, das ist jetzt aber unverschämt! Dann soll se gefälligst mich bzw. meine Leistung auch konkret buchen.

Du hast das ja jetzt hier schon mal ziemlich elegant gelöst grin, indem Du gar nicht erst 'in die Falle' gegangen bist, sondern das aufs Allgemeine zurückgebeamt hast und auf Deine kostenlosen Angebote verweist.
Das mache ich auch häufig so.

Mir geht's eher darum: Ich würde mich gerne noch mehr trauen, dann auch straight und ohne Drumrumgerede die- oder denjenigen darauf hinzuweisen, dass DAS jetzt nicht mehr in den kostenlosten Kundenservice gehört - sondern eine bezahlte Leistung darstellen würde.

Also, in meinem Beispiel, dass Du ggf. direkt auf einen für mich passenden, zu bezahlenden! Kurs hinweist.
Muss noch mal grad überlegen:
Einerseits finde ich das, wenn ICH als Anbieter darauf hinweise doof, plump.... andererseits fände ich das jetzt als Kundin Maria überhaupt nicht schlimm, wenn Du das getan hättest. (im Gegenteil, ich würd ihn gleich buchen grin)

Hey, interessante Entdeckung grad. Ich werd mal drüber nachdenken, was sie mir denn wohl über mich sagen will. grin

Herzliche Grüße
Maria Ast
Von: Gitte Härter am 04.12.2009
Hallo Maria,

oops, ja: die Sehnenscheidenentzündung hast Du auch noch noch hmmm - Gute Besserung.

Lustigerweise habe ich Deine Frage gar nicht so aufgefasst, wie Du es hier schilderst ("Gib mir nen konkreten Individualvorschlag, wie kann ich, Maria A, ein bezahltes Angebot kreieren ...") - und das passt ja total gut in unsere kleine Diskussion: WIE HÖRT MAN ETWAS? (natürlich: Wie fragt man etwas, damit man auch die Antwort kriegt, die man sich erhofft, aber das ist ein anderes Thema). Das Interpretieren einer Sache beeinflusst natürlich, was wir tun und ob wir uns bspw. ausgenutzt fühlen oder etwas als unverschämt empfinden.

Ich hatte einfach im Kopf "Wie bleibe ich mit vielen Leuten in Kontakt, ohne einzeln immer Mails beantworten zu müssen, weil das zu zeitintensiv ist und meine Grenzen von kostenlos und Coaching zu sehr verschwinden lässt". Darum auch das Beispiel mit dem Blog oder Newsletter - und da haben wir die zweite interessante Sache: Wenn ich im Blog antworte (oder auch auf der Messe kürzlich), dann habe ich selbst immer meine Gedanken in der Breite:

Ich gehe also von Haus aus gar nicht - wie bei einem bezahlten Einzelcoaching - großartig in die Rückfrage und in Details (auch das ein wichtiger Unterschied zur bezahlten individuellen Arbeit für einen Kunden), sondern ich greife Fragen auf und antworte dann "in die Breite", weil meine Antwort für möglichst viele Mitleser weitere Relevanz zu den Artikeln haben soll.

Das ist also ebenfalls eine gute Möglichkeit, wenn man dazu neigt, bei Einzelanfragen, die etwa per E-Mail kommen, gleich in Coaching-Modus zu verfallen.


Ansonsten sagst Du ja auch schon selbst: als Leser spürt man, ob man jetzt einfach etwas kaufen soll oder ob man mit seiner Frage ernstgenommen wird UND - wenn es etwas wirklich Passendes zur eigenen Frage gibt - zusätzlich ein Hinweis auf ein Kaufprodukt kommt. Auch hier hast Du schon gesagt, worauf es ankommt: Ich selbst würde niemals einfach nur sagen "Los, kauf das!" und ich habe auch nie prominent im Kopf "Jetzt muss ich unbedingt ein Buch an den Mann bringen oder einen Selbstlernkurs verkaufen!" - aber wenn eine passende Frage kommt, sage ich natürlich: "Hey, hier hätt ich noch was für Dich" (das kann auch etwas von jemand anderem sein) - und damit ist es für beide Seiten nicht komisch - man kommt sich selbst auch nicht plump vor - und Du kommst Dir auch nicht so vor, als hätte ich Dir auf Biegen und Brechen was verkauft (nichts gegen Verkaufen, aber der Heizdeckentouch ist nie so prickelnd).

Viele Grüße
Gitte

PS: Und wenn Du ein individuelles Bezahl-Produkt entwickeln möchtest, komm zu mir ins Coaching ... wink

 

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