Wenn Ihnen Ihr Kopf sagt, dass Sie etwas nicht tun können
Interessante Sache: Immer, wenn ich jogge, sagt mein Kopf nonstop Sachen wie: „Uäh, wann ist es endlich aus?“ und „Ich kann nicht mehr!“ Es ist aber nicht so, dass ich tatsächlich nicht mehr kann. Wenn ich in einer Gruppe mitlaufe, kann ich durchaus eine längere Strecke laufen. Vor einiger Zeit bin ich sogar regelmäßig eine volle Stunde durchgelaufen. Am Können liegt es also nicht.
Unser Kopf beeinflusst uns in vielen Bereichen, und das betrifft natürlich auch unser Business. Vielleicht sagt Ihnen Ihr Kopf beispielsweise:
- “Verflixte Buchhaltung. Dafür bin ich zu blöd.“
- “Dieses dumme Akquirieren: Dafür bin ich einfach nicht geboren.“
- “Vor anderen reden? Das könnte ich nie!“
Vielleicht haben es sich auch solche Gedanken gemütlich gemacht:
- “Ich verzettle mich immer!“
- “Ich konnte mich noch nie gut ausdrücken!“
- “Ich habe einfach keinen Geschäftssinn!“
Derlei Gedanken sind nicht einfach nur irgendwelche Gedanken, sondern wir machen uns damit das Leben schwer – und limitieren uns selbst.
So manches Mal lügen wir uns auch aus Bequemlichkeit in die Tasche, denn wenn „man etwas eben nicht kann“, dann ist das so. Kann ich doch nix für.
Was steckt dahinter?
Bei der Joggerei ist es keine reinrassige Lüge, denn tatsächlich habe ich subjektiv durchaus das Gefühl, nicht mehr zu können. In Wirklichkeit aber meint mein Kopf: „Blödesblödesjoggen!“ – Ich mag es einfach nicht. Ich mochte es noch nie. Und auch, wenn ich mich durch regelmäßiges Laufen damals auf eine längere Strecke hochtrainiert habe und gemerkt habe, dass es besser ging: Spaß gemacht hat es mir nie.
Das „Ich mag es nicht“ äußert sich jedoch in einem „Ich kann das nicht“-Gefühl. Und obwohl ich mir das selbst regelmäßig widerlege, habe ich andauernd das Gefühl, nicht weiter zu können.
Das ist einer dieser Teufelskreise! Viel hilfreicher wäre das Bewusstsein: „Natürlich kann ich das! Am Können liegt es nicht, ich mag nur nicht.“ Das mag wortklauberisch erscheinen, ist aber ein ganz wichtiger Unterschied.
In erster Linie geht es darum, sich nicht selbst herunterzureden und zu begrenzen.
Schauen Sie also mal ganz genau hin, wenn Sie sich einreden, etwas nicht zu können oder „eben so zu sein“. Vielleicht kommen plötzlich Erkenntnisse wie diese dabei heraus:
„Verflixte Buchhaltung. Dafür bin ich zu blöd.“
eigentlich geht es darum: „Ich bin verwirrt von dem ganzen Behörden- und Steuerkram und alle Erklärungen dazu sind so staubig und kompliziert. Aber: Natürlich bin ich nicht zu blöd dafür, ich habe es mir bisher nur noch nicht genau in verständlicher Form zu Gemüte geführt.“
„Dieses dumme Akquirieren: Dafür bin ich einfach nicht geboren.“
eigentlich geht es darum: “Ich komme mir komisch vor, mich bei ‚fremden Leuten‘ anzupreisen. Es ist mir unangenehm und ich habe Angst davor, abgelehnt zu werden.“
“Vor anderen reden? Das könnte ich nie!“
eigentlich geht es darum: „Da ich eher zurückhaltend bin, rutscht mir das Herz in die Hose bei dem Gedanken, vor Publikum stehen zu müssen. Abgesehen davon: Im Zweiergespräch kann ich immer gut argumentieren und privat bin ich auch sehr locker, wenn ich mal vor mehreren Freunden etwas sage.“
„Ich verzettle mich immer!“
eigentlich geht es darum: „Ich bin nicht jemand, der sich von Haus aus gut organisiert. Ich springe gedanklich eher mal hierhin und dorthin und lasse mich schnell ablenken. Allerdings kann ich durchaus Projekte durchziehen, manchmal muss ich mir einen festen Plan machen, um mich selbst daran zu halten - aber es ist keineswegs so, dass ich ständig chaotisch bin.“
„Ich konnte mich noch nie gut ausdrücken!“
eigentlich geht es darum: „Ich tue mich schwer, spontan meine Gedanken zu sortieren und auf den Punkt zu bringen. Ich bin einfach jemand, der Informationen erstmal verarbeitet und sich genau überlegt, wie meine Meinung dazu ist. Wenn ich diese Bedenkzeit hatte, kann ich mich sehr gut sortieren und erklären, was ich meine.“
„Ich habe einfach keinen Geschäftssinn!“
eigentlich geht es darum: „Ich bin sehr idealistisch und meine Preise sind viel zu günstig. Außerdem lasse ich mich leicht herunterhandeln oder breitschlagen, etwas kostenfrei zu tun.“
Sehen Sie den großen Unterschied?
Immer, wenn Ihr Kopf Ihnen einredet, dass Sie etwas nicht tun können, stellen Sie bitte Ihre Ohren auf: Was steckt genau dahinter? Worum geht es hier eigentlich?
Haben Sie keine Lust darauf?
Dann heißt es eine Entscheidung zu treffen:
- Möchten oder müssen Sie diese Sache tun oder können Sie sie durch etwas anderes ersetzen oder an jemanden abgeben?
- Wenn Sie es selbst weiterhin tun werden: Was brauchen Sie an Wissen oder Motivation?
Können Sie tatsächlich etwas (noch) nicht gut genug?
Dann hilft Ihnen die Übersetzung, was eigentlich Sache ist dabei, herauszufinden, woran Sie arbeiten möchten.
Verbieten Sie sich jedoch das Lamentieren in Pauschalaussagen. Damit begrenzen Sie sich und saugen sich selbst die Energie aus dem Leib ... und Ihrem Selbstbewusstsein.
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Anmerkungen & Kommentare
vielen Dank für den interessanten Beitrag und den Klasse Vergleich. Ich war heute Morgen joggen und da ging es mir genauso wie in Ihrem Beitrag beschrieben.
Allerdings geht es an manchen Morgenden auch etwas besser, an manchen Tagen sogar richtig gut. Wann es gut geht und wann nicht, habe ich noch nicht herausgefunden. Allerdings "gönne" ich mir inzwischen eine Geh-Pause, wenn ich merke, es geht ganz schlecht und habe kein schlechtes Gewissen mehr oder zweifele an mir selbst.
Mit unliebsamen Arbeiten halte ich es genauso - wenn ich merke, dass gar nichts geht, dann lege ich sie ohne schlechtes Gewissen auch mal wieder zur Seite. Wenn ich merke, dass es gerade "flutscht", dann mache ich auch mal mehr als eigentlich geplant oder nehme eine ganz besonders unliebsame Arbeit in Angriff.
Einge Arbeiten (und das Joggen) mag ich dadurch zwar immer noch nicht, aber mit der eigenen Energie "gehen" bringt zumindest etwas Leichtigkeit und auf Dauer weniger "blödblöd" - Erlebnisse.
Sonnige Grüße aus Taunusstein
Christiane Ebrecht
ich finde deine Hinter-Fragen sehr schön - und möchte nur noch ergänzen, was erst kürzlich wieder so plastisch deutlich wurde: wenn ich versuche, mich zu etwas zu zwingen, was so ganz gegen meine Vorlieben und Neigungen geht, nur weil es angeblich "gut für mich" ist - dann ist das von vornherein zum Scheitern verurteilt. Hier ging es konkret um Hometrainer für jemanden, der gern Bewegung und Veränderung im Leben hat und Dinge lenkt - was bitte, kann ich lenken und bewegen auf so einem starren Ding??
Sprich: schon am Freizeit- und Fitnessverhalten können wir lernen, unsere Bedürfnisse zu be-achten. Und dann das Ganze auf's Business übertragen. Heißt für mich, neben dem, was du schon erwähnt hast, auch: wie kann ich Arbeiten, die ich tun muss, so gestalten, dass ich Freude daran habe? Spielerisch oder in kleineren Etappen...
Und natürlich auch den Mut zu haben, das auszulagern - oder aus dem Programm zu werfen, was nicht zu mir passt und ich auch nicht wirklich passend kriege.
einen schönen, sonnigen Tag wünscht
Monika
Allerdings muss ich doch noch etwas am Beitrag erweitern: Delegieren ist nur eine Möglichkeit um etwas nicht selbst machen zu müssen, eine andere ist Spezialisieren. Wir haben uns z.B. auf den Aufbau von Webseiten spezialisiert und umgehen damit den Zwang der Akquise. Unsere Kunden sind kleine und mittelgroße Werbeagenturen die selbst zwar schöne Designs erstellen und Kunden akquirieren können, sich aber nicht auch noch um den ganzen technischen "Kram" kümmern möchten. Es kommt also darauf an, was genau man nicht mehr machen möchte, um zu entscheiden, wie man das umgehen kann.
Liebe Grüße, Angela
“Vor anderen frei reden? Das kann ich nicht!"
Diese leichte Abwandlung habe ich gerade bei meinem letzten Kommunikation-Seminar wieder gehört und zwar im Brustton der Überzeugung. Die Dame, die das sagte, lieferte im Laufe des Tages die beste und spannendste 7-Minuten-Rede und alle Teilnehmer waren hingerissen.
Bei dem positiven Feedback aller Teilnehmer schüttelte Sie den Kopf und wunderte sich sehr über das große Lob...
Eine -überzeugte- starke negative Selbsteinschätzung erlebe ich in meinem Job öfter und fast immer von Frauen.
Mein Wunsch ist, dass wir uns unserer Fähigkeiten stärker bewußt werden und unsere Stärken auch genießen können.
In diesem Sinne: Ich kann Joggen (über die Dauer sprechen wir hier nicht)und werde mich nun auf meine Abendrunde begeben
Herzliche Grüße
Christine
der Artikel bringt sehr gut auf den Punkt, was man einfach in jedem Job und auch im Leben braucht: Durchhaltevermögen.
Davon wünsche ich uns allen besonders viel -nicht nur beim Joggen.
Ganz liebe Grüße,
Tanja
Für mich ist auch immer spannend, was alles so herausgelesen und interpretiert wird. Außerdem freue ich mich, dass unterschiedliche Themen unterschiedliche LeserInnen "hervorholen". Es ist schön für mich, immer wieder mal neue Namen hier im Blog zu lesen.
Und ja, Nadine, zwei Jahre ist sehr gut möglich: wir sind 2008 gestartet.
Viele Grüße
Gitte
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Gitte Härter •
Nun bekomme ich Ihren Newsletter schon eine ganze Weile (ich glaube so 2 Jahre, kann das sein?) und oftmals nicke ich zufrieden mit dem Kopf, da Sie Tips nennen, die ich schon selbst für mich entdeckt habe oder lächele glücklich, da Sie den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen haben. Manchmal ist nichts für mich dabei, aber diesmal sprechen Sie mir (mal wieder) aus der Seele.
Interessant, dass Sie das Beispiel des Joggens zum Berufsalltag bringen. Denn dort, beim Joggen, geht es mir genau so, früher ging's mir auch öfters so auf der Arbeit. Vor einigen Jahren aber habe ich für mich entdeckt, dass es keinen Sinn macht vor irgendwas Angst zu haben, man muss die Arbeit ja doch machen. Am besten, gar nicht darüber nachdenken, was schief laufen könnte, sondern einfach machen und gut ist. Sollte dann tatsächlich etwas nicht so klappen, dann kann man's ja immer noch verbessern. Und das kann man, glaube ich, auf alle Bereich beziehen.
Wenn ich mal wieder eine Woche nicht laufen war, weil keine Zeit, keine Böcke oder so, und ich dann wieder gehe, bin ich im nachhinein doch sehr glücklich, weil ich merke, wie viel Spaß es mir doch bereitet. Genau so ist es mit der Arbeit .. Augen zu und durch, dann kann man eine Sache mehr auf seiner 'To-do-Liste' abhaken
Und ich habe auch schon vor einiger Zeit gemerkt, dass es keinen Sinn macht etwas anzubieten bzw. zu machen, wenn man wirlich nicht so gut darin ist oder die Sache einem wirklich überhaupt keine Freude bereitet - dann am Besten delegieren. DAvon profitiert jeder!