Weichen stellen
Sind Sie schon da, wo Sie hin möchten? Und wenn ja: Haben Sie das in letzter Zeit mal überprüft?
Ich schreibe unsere Texte hier fast immer danach, was mir selbst gerade so begegnet, was mich betrifft oder bewegt – und dieses Jahr ist es das Weichenstellen. Ich bin ziemlich sicher, dass das für viele von Ihnen ebenso spannend ist. Fangen wir beim Grundlegenden an.
Was will ich eigentlich?
Zu dem Zeitpunkt, zu dem Sie sich selbstständig gemacht haben, hatten Sie vielleicht ein konkretes Ziel: „Ich will von xy leben können.“ Oder: „Ich möchte in meinem Gebiet Marktführer werden.“
Doch das ist nicht immer so. Ganz viele Selbstständige haben ihr eigenes Business, weil es sich so ergeben hat. Oder auch, weil sie einfach bestimmte Talente oder Fähigkeiten haben, die sich in der Selbstständigkeit wunderbar umsetzen lassen. Und dann ist da natürlich noch das Motiv der Unabhängigkeit: „Ich bin mein eigener Herr. Ich kann, wenn es ideal läuft, mit weniger Arbeit und bei freier Zeiteinteilung mein Geld verdienen.“
Nun ist es ja so, dass die Selbstständigkeit eine Eigendynamik entwickelt. Wenn Ihr Business wunderbar läuft, kommen Sie schnell in die Position des Reagierens. Arbeit ist immer da. Sie machen und tun. Wenn es nicht ganz so gut läuft oder es ein Auf und Ab gibt, kommt zum „Abarbeiten“ noch die aktive Akquise.
So oder so: Sehr häufig rückt das, was man eigentlich möchte, in den Hintergrund. Weil man den Alltag so bearbeitet, wie man sich ihn geschaffen hat.
Jetzt ist es aber so, dass sich die Dinge – und man sich selbst – ja verändern. Vielleicht können Sie sich noch ans erste Jahr Ihrer Selbstständigkeit erinnern: Bei ganz vielen verändert sich in diesem ersten Jahr eine ganze Menge. Der ursprüngliche Plan bleibt selten bestehen: Manche Leistungen funktionieren einfach nicht oder Sie kommen durch irgendeine Anfrage in neues Gewässer oder stellen einfach fest, dass Sie mit dem, was Sie sich vorgenommen hatten, gar nicht genug verdienen.
Dieses Verändern bezieht sich keineswegs nur auf das erste Jahr. Es kann sein, dass Sie 5, 10 oder 20 Jahre selbstständig sind, und dass das, was und wie Sie es jetzt tun, gar nicht mehr Ihren Neigungen und Fähigkeiten entspricht.
- Vielleicht sind Sie super in Ihrem jetzigen Metier, aber eigentlich haben Sie in einem Teilbereich davon ein wirkliches Talent, das Sie leider viel zu wenig nutzen.
- Vielleicht sind Sie ganz gut in dem, was Sie momentan anbieten, haben sich aber ausgerechnet ein Feld ausgesucht, wo es ganz, ganz viele andere ebenso gute Leute gibt.
- Vielleicht aber haben Sie ganz andere Wünsche oder Ihre Werte haben sich verändert, so dass Sie am liebsten alles verändern würden.
Das ist jedoch manchmal ganz schön schwierig: Denn immerhin haben Sie sich etwas aufgebaut, und alles, was Sie gemacht haben, ist auf diese Sache ausgerichtet.
Besonders Selbstständige, die eigentlich gerne etwas radikal verändern würden, ersticken ihre Gedanken oft bereits im Kleinen:
- „Das geht nicht!“
- „Ich fang doch nicht noch mal von vorne an.“
- „Ich habe zu viel Angst, an etwas Neues zu denken, weil das Jetzige ja meine feste Säule ist.“
Das ist so ein klassischer Gedankengang, der uns sehr viel kaputt macht. Denn wenn wir das, was wir eigentlich möchten, nicht zu Ende denken, dann können wir niemals erkennen, was uns wirklich wichtig ist und ob und in welcher Weise es machbar ist. Das Verrückte ist ja: Vielleicht schneiden Sie sich genau mit diesem vorschnellen „Bloß nicht weiterdenken, weil es nicht geht“ von Erfolg und Glück ab. Hier kommen die Weichen ins Spiel.
Nicht springen, sondern die Spur wechseln
Ein Zug springt auch nicht aus dem Gleis und wechselt plötzlich die Richtung, sondern er fährt auf Weichen zu. Diese sind im Vorfeld erkennbar, ich nehme an, dass der Zug je nach Strecke auch sein Tempo drosselt - aber ich bin natürlich kein Eisenbahner
, und genau so können Sie Ihre Selbstständigkeit auch verändern.
Trauen Sie sich einmal, Ihre ursprünglichen Ziele zu hinterfragen: Stimmen die genau so noch? Manchmal wechselt das aufgrund der Erfahrung oder einfach, weil Sie sich selbst verändert haben.
Trauen Sie sich, Ziele oder Wünsche zu haben: Machen Sie eine Rückschau auf Ihre Selbstständigkeit. Sind Sie glücklich? Was gefällt Ihnen dabei am allerbesten? Gibt es Projekte oder Gruppen von Kunden, an/mit denen Sie besonders gerne arbeiten?
Vielleicht haben Sie schon lange etwas im Kopf, das Sie „eigentlich“ immer schon gerne tun wollten oder von dem Sie glauben, dass es eine Supersache wäre, aber die Vorsicht und Befürchtungen haben Sie zurückgehalten, das mal wirklich fertigzudenken.
Wenn Sie das gemacht haben, kann es sein, dass Sie eine schöne Bestätigung haben. Denn vielleicht haben Sie das, was Sie sich wünschen, schon. Sehr wahrscheinlich ist es so, dass Sie irgendetwas verändern können, um die Selbstständigkeit noch besser für sich zu machen.
Das sind manchmal klitzekleine Dinge: etwas wegzulassen, das keine Freude macht. Etwas hinzuzunehmen. Ein Talent oder eine Leistung, das/die bisher unterrepräsentiert ist, mehr in den Mittelpunkt zu stellen.
Oder auch sich trauen, Ihre Persönlichkeit noch mehr in Ihren Unternehmensauftritt zu stecken.
Vielleicht kommt aber etwas Größeres dabei heraus: ein kompletter Richtungswechsel, eine radikalere Veränderung.
Und das ist der Trick: Stellen Sie Ihre eigenen Weichen. Fragen Sie sich:
Wie komme ich vom Status quo zum Ziel?
Welche Zwischenziele brauche ich dafür?
Vielleicht ist es nicht eine, vielleicht sind es fünf Weichenstellungen, bis Sie Ihr Endziel erreicht haben.
Ich selbst baue dieses Jahr meine eigene Arbeit auch nach diesem Schema um, denn ich habe gemerkt, dass mir das Allerwichtigste das Schreiben ist. Ich schreibe gerne meine Bücher und Artikel. Ich freue mich darauf, dass im September endlich wieder ein ganz toller neuer Selbstlernkurs bei uns erhältlich ist (der beste, den ich bisher geschrieben habe!). Ich coache meine Kunden oder schreibe für sie eine Selbstdarstellung. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf den Buchworkshop diese Woche, auf die gleich danach beginnende Münchener Schreibwerkstatt und darüber, dass so viele von Ihnen mir gemailt haben, dass sie sich eine Online-Schreibwerkstatt wünschen. Die wird es im Herbst geben!
Und nach und nach bewege ich mich darauf zu, nur noch zu schreiben. Das ist ein Prozess. Das sind Weichenstellungen.
Bringen Sie Ihren Zug auch auf das Gleis, das Ihnen am meisten Freude und Sie Ihren Zielen näher bringt.
PS: Diese Woche wird es im Blog etwas ruhiger sein, weil ich eine Woche weg bin.
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Anmerkungen & Kommentare
So fängt der interessante Artikel an. Da liegt bei vielen der Hase im Pfeffer. Das operative Geschäft frisst augenscheinlich soviel Zeit, das keine Zeit zur Kontrolle bleibt. Planung, Checkpoints, Auswertungen, das sind wichtige Steuerungsmöglichkeiten, die im Artikel unterhaltsam mit Weichen stellen angesprochen sind.Jetzt ist die Zeit die Weichen für das Jahr 2010 zu stellen, bzw. in die Auswertung zu gehen und Konsequenzen ziehen. Viel Erfolg dabei.
bin wieder da. Herzlichen Dank für die Ergänzungen. Genau: einerseits das Vorausschauende, andererseits das "Zeit geben" - und vor allen Dingen das kontinuierliche Dranbleiben/Prüfen/evtl. Korrigieren.
Da liegt tatsächlich - wie es Amos Ruwwe so schön formuliert - der Hase im Pfeffer. Ich denke, dass es wichtig ist, sich hier immer selbst an der Nase zu packen: Es ist gut, sich Ziele vorzunehmen und die nächsten Schritte zu machen. Andererseits kommt hier dann oft der Punkt, wo man es dann aus den Augen verliert oder einfach nichts mehr macht, bis der "Endzielzeitpunkt" eintrifft.
Ein früherer Freund von mir war Elektroingenieur. Von ihm kenne ich das Kalibrieren von beispielsweise Messgeräten. Das fällt mir gerade ein: Als Selbstständiger sollte man sich in puncto Ziele und Ausführung auch regelmäßig "Kalibrieren" und wieder schauen, dass man richtig darauf eingestellt ist, was erreicht werden möchte.
Oh, heute ganz philosphisch ...
Viele Grüße
Gitte
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Gitte Härter •
das mit dem Weichen stellen und nicht springen finde ich einen guten Vergleich. Ich bin auch dabei einiges zu verändern, weg vom Präsenztraining hin zu mehr Online-Aktivitäten.
Der erste Schirtt hier ist mein neuer Blog, der sich mit dem Thema beschäftigt: Wie kann ich mit meinem Wissen und Talenten online, passives Einkommen generieren?
Was für mich in diesem Zusammenhang sehr wichtig ist:
1. ein Plan, der nicht nur das große Ganze beinhaltet, sondern auch die vielen kleinen Schritte auf dem Weg zum Ziel.
2. das ich mich immer wieder hinsetze und mir Fragen stelle:
Wie macht das der oder die?
Wie komme ich dahin?
Wo stehe ich in meinem Plan?
Was kann ich anders machen?
Was muss ich lernen, um zum Ziel zu gelangen.
Und so komme ich meinen neuen Zielen Stück um Stück näher.
Viele Grüße
Mario