Erfolgsprinzipien

Was wäre wenn ...? – Die strategische Eiszeit

Gitte Härter • 26.04.2010 • email Weiterempfehlen

Sie kennen ja den Spruch, von wegen „an der richtigen Schraube drehen“. Machen Sie sich den doch einmal zu Nutze und drehen Sie an einigen hypothetischen Schrauben.

Nehmen Sie sich in den nächsten Tagen eine strategische Eiszeit.

Es ist ganz wichtig, dass Sie die folgenden Anweisungen ganz genau beachten!!!

  • Die strategische Eiszeit muss mitten am Nachmittag passieren, und zwar an einem Tag, an dem die Sonne warm scheint.

  • Begeben Sie sich in ein schönes Café und bestellen Sie sich ein dickes fettes Eis mit einem Schirmchen. Das Schirmchen ist enorm wichtig, weil es urlaubsmäßig ist.

  • Atmen Sie tief durch, lächeln Sie breit und freuen Sie sich, dass Sie mitten am Tag draußen sitzen können, ja sogar müssen, weil Sie streng strategisch unterwegs sind. Eis essen für den Geschäftserfolg! Das muss man Ihnen erstmal nachmachen.

  • Packen Sie Ihren Block und Stifte aus.

  • Wählen Sie nun nacheinander verschiedene Schrauben aus und schauen Sie, was sich in Ihrem Unternehmen verändern würde: „Wenn ich mich an die Zielgruppe xy wenden würde, hätte das die Folgen ...“; „Wenn ich diesen einen großen, aber unrentablen Kunden loswerden würde, hätte das zur Folge ...“; „Wenn ich mir ein Büro mieten würde, hätte das zur Folge ...“; „Wenn ich mir eine Teilzeitkraft nehmen würde, hätte das zur Folge ...“, „Wenn ich mich mit jemand anderem zusammentun würde, hätte das zur Folge ...“, „Wenn ich in Maschine X investiere, hätte das zur Folge ...“

Sie sehen: Es geht um ganz reale Dinge oder um Ideen, die Ihnen hin und wieder im Kopf rumschwirren. Jetzt endlich, in der strategischen Eiszeit, denken Sie diese verschiedenen Bereiche und Möglichkeiten einfach einmal konkret durch und listen alle Folgen nacheinander auf.

Solche Folgen sind immer sehr vielfältig. Sie können positiv, neutral oder negativ sein. Es sind natürlich immer Annahmen! Es kann auch sein, dass Sie noch keine Antworten haben, sondern sich Fragen auftun. Hören Sie nicht vorschnell auf, sondern sammeln Sie wirklich alles, was Ihnen einfällt. Bewerten Sie nicht. Sortieren Sie nicht. Wenn die Gedanken versiegen, legen Sie den Stift weg, löffeln Sie versonnen Ihr Eis, blinzeln Sie in die Sonne und lassen Ihr Gehirn rattern. Da kommt dann immer noch was nach!

Damit Sie sich leichter tun, hier einige angerissene Beispiele:


Wenn ich mich als Texter auf die Wein-Branche spezialisieren würde ...
... finde ich vielleicht nicht genug Kunden.
... könnte ich viel zielgerichter akquirieren.
... würde ich aus der Masse der vielen anderen Texter herausstechen.
... könnte ich meine Leidenschaft für Wein auch beruflich super einsetzen.
... kann ich auf meinem Wissen aufbauen und mich recht einfach in Spezialgebiete einarbeiten.
... kann ich meine Lieblingswinzer akquirieren, was ich noch viel leichter tun kann, weil ich von ihnen wirklich begeistert bin.
... müsste ich meinen ganzen Unternehmensauftritt ändern.
... könnte ich vielleicht sogar mein Faible für Eventorganisation als Leistung zusätzlich einbringen und nicht mehr nur texten.
... könnte ich auch Text- und PR-Kurse für die Weinbranche anbieten.
...


Wenn ich diesen einen großen Auftrag annehme, hätte das zur Folge ...
... dass ich finanziell ausgesorgt habe, zumindest für das nächste Jahr, in der das Projekt fix läuft,
... dass ich viel reisen müsste (was gut ist, weil ... was nicht so gut ist, weil ...)
... dass ich eine tolle Referenz hätte.
... dass ich zeitlich total ausgelastet wäre.
... dass ich von diesem Kunden abhängig bin.
... dass ich meine bisherigen Kunden zurückfahren müsste.
... dass ich keine Zeit für andere Aufträge habe.
... dass ich viel vor Ort beim Kunden bin und dann auch endlich mal wieder Kollegen um mich rum habe.
... dass ich vielleicht scheinselbstständig bin (? checken!).
... dass ich mich auf eine Leistung spezialisiere, die ich eigentlich gar nicht schwerpunktmäßig machen möchte.
... dass es leicht verdientes Geld ist, auch wenn es nicht meine große Leidenschaft ist, schüttle ich das Projekt aus dem Ärmel.
... dass ich von meinem Kurs für mein Unternehmen etwas abkäme (weil ...)
...

Wenn ich mir ein Büro mieten würde ...
... hätte ich weitere Kosten.
... könnte ich privat und beruflich besser trennen.
... könnte ich einen Seminarraum dazu nehmen und wäre viel flexibler im Anbieten von offenen Kursen, was mir deutlich mehr Geld bringen würde.
... könnte ich den Seminarraum auch vermieten und so zusätzlich Einnahmen haben.
... könnte ich in eine Bürogemeinschaft gehen und käme aus meinem Einsamer-Wolf-Dasein raus.
... könnte ich mir eine Bürogemeinschaft mit Leuten suchen, die meine Leistung gut ergänzen und wir kooperieren könnten.
... könnte ich gleichzeitig umziehen und vielleicht einfach eine größere Wohnung nehmen, in der ich einen Büroraum integriere.
... könnte ich ein größeres Büro mieten und mir dafür Mieter suchen und die Mietlast teilen.
... hätte ich mehr das Gefühl, ein echter Unternehmer zu sein.
... hätte ich einen geregelteren Tagesablauf.
... könnte ich besser abschalten.
...

Sie sehen an den Beispielen, dass es wirklich nur ein Durchdenken verschiedener Möglichkeiten ist.

In einem nächsten Schritt können Sie dann genauer hinschauen, bewerten, abwägen und und und. Zunächst denken Sie einfach hoch, breit, tief und gucken sich eine Schraube von allen Seiten an. grin

Trauen Sie sich mit aller Lockerheit und allem Urlaubsfeeling, das Sie kriegen können, regelmäßig solche Fragen durchzuspielen.

Auf diese Weise finden Sie immer wieder mal eine kleine Schraube, die einen sehr großen Unterschied macht und Ihr Unternehmen gehörig voranbringt. Und Sie erkennen auch, wenn manche Ideen, die Ihnen im Kopf unentwegt rumspuken, doch lange nicht so aktuell sind, wie Sie beim oberflächlichen Drübernachdenken glauben.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Erika S. Reckow am 26.04.2010
Hallo Gitte,

das mit dem in die Sonne sitzen, mit einem Kaffee und mir stratigische Gedanken machen, kenne ich.

In so einer Umgebung komme ich auf die besten Ideen! - Das letzte mal sogar mit einer Geschäftsfreundin zusammen und wir haben unser Vortragsangebot für den September geplant.

Nun... Schrauben drehen... das ist bei mir gerade nicht so angesagt. Eher Feinabstimmungen.

Alles Liebe

Erika S. Reckow
Von: Norbert Jothann am 26.04.2010
Hallo, Gitte!

Manchmal bist Du mir ein wenig "unheimlich"...
wink

Gerade gestern, als ich mit meiner Frau an der Alster einen Spaziergang machte, sagte ich zu ihr, daß ich mich genau in diesem Moment wie im Urlaub fühlte.

Als wir wieder zu Hause waren, habe ich mich mit Schreiber und Papier versehen auf die sonnige Terrasse bei Kaffee und Kuchen gesetzt und mir genau die meisten Deiner obigen Fragen gestellt.

Ich habe dabei viele interessante Antworten erhalten. Heute Morgen kamen mir dann zu einigen Fragen weitere Antworten in den Sinn (und auf's Papier).

Es ist eine wirklich eine gute Übung. (Die bei mir auch ohne kleines Sonnenschirmchen, aber dennoch mit Urlaubsstimmung funktioniert.)

Eine wunderbare Anregung, Gitte.

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Amos Ruwwe am 26.04.2010
Am Wochenende habe ich einigen Leuten im Seminar: Die Kunst von der Kunst zu leben, das unternehmerisches Denken auch bei Künstlern notwendig ist, näher gebracht. Dazu gehörte auch der Hinweis, das Wichtigste an der Arbeit sind die Pausen.
Mein bevorzugter Pausenplatz bei entsprechendem Wetter, ist das Straßencafe hier im Ort. Da ist neben dem kreativem dösen auch eine gemütliche Akquise möglich, so nach dem Motto, sehen und gesehen werden. Manches Geplaudere bei einem Kaffee hat schon zu Aufträgen geführt.
Bei der Wettervorhersage für diese Woche läßt sich sicher eine Eiszeit oder auch zwei durchführen. Viel Erfolg dabei an alle
Von: Beatrice Legien-Flandergan am 26.04.2010
Hallo Gitte,

vielen Dank für diese tolle Anregung. Im allgemeinen mache ich solche Überlegungen gerne im Kopf. Aber es ist sehr viel effektiver, es aufzuschreiben und dabei in einer inspirienden Atmosphäre zu sein.

Gerade, wenn es um eine Entscheidung oder die nächsten Schritte hin zu einem Ziel geht und man nicht so richtig weiterkommt, ist diese Methode sehr nützlich. Manchmal nutze ich dazu auch einen besonderen Ort, wo ich gut abschalten kann und gute Anregungen erhalte.

Ich wünsche allen eine schöne, inspirierende Woche.

Herzliche Grüße

Beatrice Legien-Flandergan
Von: Lydia Schalm am 26.04.2010
liebe gitte,
dank dir gehe ich heute eis essen, es tut bitter not. dass mit dem schirmchen werde ich mir sehr merken, damit ich nicht ins detaillierte arbeiten "abdrifte", sondern mich um mich kümmere;-)

dann allen anderen ebenso wohliges strategisieren, so ein bisschen tabula rasa im kopf macht doch freude!
Von: Gitte Härter am 26.04.2010
Ja!!! Eisessen für den Unternehmenserfolg! Wenn das mal nicht ein guter Plan ist. wink

Dass sich jetzt aber nicht nur alle auf's Eis und den Sonnenschein stürzen - am Wichtigsten ist mir dieses Durchdenken der Folgen, die eine Sache hat. Denn da merke ich in meinen Coachings, dass oft zwei Dinge passieren:

1. Man guckt zu oberflächlich drauf und wertet vorschnell (und dadurch einseitig).

2. Man ist zu schnell in einer Gedankenspur, die dann entweder "ganz toll ist" oder "nicht gut" und so guckt man nicht mehr nach rechts oder links und wird möglicherweise kontraproduktiv.

Einen schönen Nachmittag zusammen
(bei uns in München ist es heute leider bedeckt und regnerisch)
Gitte
Von: Matthias Talmeier am 26.04.2010
Hallo Gitte,

"schöpferische Pause" beschreibt dies doch auch sehr treffend?! wink
Das ist wirklich EXTREM wichtig und setzte es auf die gleiche wichtige Ebene, wie die Bearbeitung eines Auftrages etc.

Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung:
Ich muß aufpassen, daß ich mich nicht schnell in etwas "verbeiße" und so ist die schönste Idee in Gefahr "gut gemeinten" Übereifer zugrunde zu gehen... (ist das nicht sogar "etwas deutsch" *lach*, ich meine dieses immer "Funktionieren müssen / wollen...auf Teufel komm raus"...

Da ist es wirklich "produktiver", zu bremsen und eine (Eis-)Pause einzulegen (und das öfter... doch das klappt bei mir noch nicht so gut, aber ich "arbeite" dran... oh je, was für ein Wort! Erwischt! grins).
Von: Gisela Brück am 27.04.2010
Hallo Gitte,
jetzt weiß ich's: nächste Woche habe ich die ganze Woche "strategisch frei" - Stift und Block sind eh im Urlaubsgepäck und wo läßt es sich schöner "schöpferisch pausieren" als am Strand mit Blick auf die Weiten des Ozeans ...
Vielen Dank für den tollen Tipp - ich werde berichten!
Viele liebe Grüße nach München, Gisela
Von: Gitte Härter am 27.04.2010
Huhu Gisela,

das klingt wirklich perfekt: nicht nur, weil Du eine ganze Woche Auszeit hast, sondern wegen des Meeres. Wasser hat wirklich seine eigene Qualität - in jeder Hinsicht!

Viel "Schöpfen" und Pausieren wünsche ich Dir. Ich freue mich auf den Bericht grin

Viele Grüße
Gitte
Von: Gitte Härter am 27.04.2010
Oops, Matthias, jetzt habe ich Ihren Beitrag fast übersehen. Dabei haben Sie ja die schöpferische Pause ins Spiel gebracht, die Gisela gleich aufgegriffen hat. grin

Schöpferische Pausen haben ja ganz unterschiedliche Qualitäten. Ich finde es ganz gut, sich dafür auch mal Verschiedenes vorzunehmen. Mal Pausen, die einfach Pausen sind und man guckt, was so kommt. Und dann aber wieder zielgerichtetere Pausen, wo man das, wozu man Ideen sucht in den Mittelpunkt stellt. Dazu findet man viele schöne Methoden im Adventskalender der Denkwerkzeuge von Florian Rustler (heißt Adventskalender, weil es vor zwei Jahren ein Adventskalender war).

Ja, das "Ich muß aufpassen, daß ich mich nicht schnell in etwas 'verbeiße'" kenne ich auch ... und das "am Pausieren ARBEITEN" ist wirklich gut ... hihi ...
Von: Bettina von Hanffstengel am 28.04.2010
Ich habe am Wochenende bei Amos Ruwwe das Seminar: "Die Kunst von der Kunst zu leben" gemacht und plane nun, die Verbindung von "strategischem" Cappuccino-Trinken und Eiszeit...
Von: Gitte Härter am 28.04.2010
Hallo Bettina,

das ist ideal: ein Training auf diese Art sofort weiternachzubereiten - und "strategisches Cappuccinotrinken" ist auch super .. hehe wink

Viele Grüße
Gitte
Von: Petra Schuseil am 30.04.2010
Hallo Gitte, habe soeben über Deinen tollen Newsletter geschrieben grin ... strategische Eiszeit im ganz eigenen Lebenstempo. Dazu wäre doch ausgiebig Zeit am 1. Mai. Ich wünsche schöne freie und kreative Tage. Herzlichst Petra aus Frankfurt.
Lebenstempo-Blog/Was wäre wenn ...? Strategische Eiszeit
Von: Gitte Härter am 01.05.2010
... das ist ganz wunderbar, Petra (ich mich auch schon im Lebenstempo-Blog eben kurz bedankt grin).

Der "Tag der Arbeit" steht bei mir jetzt erstmal unter dem Zeichen der Arbeit. Hehe.

Viele Grüße
Gitte
Von: Ulrike am 02.05.2010
Ja. Wunderschöne Methode. Der Trick ist ja, dass man ans (vorwiegend unbewusste) Erfahrungsgedächtnis, in dem wir schnelle, komplexe und auch wiedersprüchliche Entscheidungen treffen können, nur in entspanntem Zustand rankommt. Im grüblerischen (selbst-)kritischen Zustand bleibt man "engstirnig".
Eigentlich sollten in erfolgreichen Unternehmen immer Sofas in den Büros stehen, auf denen man auch zwischendurch mal "in die Sonne blinzeln kann".
Vielen Dank für die schönen Tipps und den offenherzigen Blog.

Ulrike Rheinberger
Von: Matthias Talmeier am 02.05.2010
"....Sofas in den Büros..."
Ulrike, ich stimme Dir voll zu (aber nicht auf den Behörden, da geht das wohl auch OHNE Sofas...hihihi) und auch sonst würde ich eigene,"abschließbare Räume für JEDEN" bevorzugen, es sei denn:
ALLE "blinzeln in die Sonne"!
Bedenke den mentalen Stress, den Neider verursachen können, wenn sie die Anderen beim "in-die-Sonne-blinzeln" beobachten, aber selber nie zur Ruhe kommen!
Matthias (oooops...war ich jetzt zu "offenherzig"?)
Von: Gitte Härter am 05.05.2010
Hallo Ulrike und Matthias,

vielen Dank für die "hirnmäßige" Ergänzung mit dem Erfahrungsgedächtnis und dem schönen Bild der Engstirnigkeit.

Und, Matthias, ja, ich glaube auch, dass das stressig wäre teilweise, wenn man angestellt ist oder als Freiberufler vor Ort ist. Aber: Das ist es ja immer nur, so lange man nicht mit den anderen spricht und erklärt, was man da tut. Wenn das Sofa als "Weitdenker-Entspannungs-Sofa" eingeführt und genutzt wird (und nicht nur zum So-Abhängen) oder wenn man gemeinsam mit Kollegen solche "Wenn wir ..."-Sessions abhält, dann muss sich auch niemand Sorgen machen, dass er als Faulenzer und Sofasitzer abgetan wird.

Für uns Selbstständige finde ich bei dem Thema noch interessant, ob man sich selbst erlaubt, "nur" auf dem Sofa oder im Café sitzen zu dürfen. Es gibt ja schon Leute, die das nicht tun oder ein ständiges schlechtes Gewissen haben und sich regelrecht angetrieben fühlen.

Viele Grüße
Gitte

 

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