Erfolgsprinzipien

Was ist im Business wichtiger: Verstand oder Bauchgefühl?

Ralf Senftleben • 31.07.2008 • email Weiterempfehlen

Wenn Sie meine Beiträge hier verfolgen, dann haben Sie ja wahrscheinlich schon gemerkt, dass ich ein recht verstandesorientierter Mensch bin. Ich liebe es zu planen, Fragen zu stellen, Fragen zu beantworten und so über mein Business nachzudenken.

Ich glaube sogar, dass viele andere Selbstständige viel zu wenig systematisch nachdenken über das eigene Geschäft und sich zu wenig Fragen stellen und statt dessen komplett auf Autopilot agieren. Und das halte ich für recht Gefährlich

Dabei bin ich mir natürlich auch über die Grenzen unseres Verstandes bewusst. Unser Gefühl oder unser Bauch kann glaube ich mit unserer komplexen Welt noch besser als unser Verstand umgehen und liefert uns Hinweise, auf die wir mit dem Kopf nicht gekommen wären.

Deswegen treffe ich auch viele Entscheidungen aus dem Bauch und nutze meine Intuition.

Ich glaube sogar, dass Verstand und unser Bauch eine wunderbare Kombination sind.

Zuerst analytisch und systematisch nachdenken und dann mal schauen, was die eigenen Gefühle dazu sagen. Oder umgekehrt: Wir haben ein komisches Gefühl und setzen uns dann hin, um dem Gefühl mit dem Verstand auf die Spur zu kommen und es zu verbalisieren.

Ein ziemlich gutes Werkzeug, um Verstand und Gefühl zu verknüpfen, ist das 6-Hut Denken von Edward de Bono. Das nutze ich persönlich regelmäßig, um kniffelige geschäftliche Problemstellungen zu analysieren und zu durchdenken.

Um meine Frage von oben noch einmal aufzugreifen, ob nun Bauch oder Kopf im Business wichtiger sind. Meine Antwort darauf lautet:

Weder noch: Bauch und Verstand sind beide genauso wichtig.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Elisabeth am 31.07.2008
Beides ist wichtig, wobei man die beiden eigentlich gar nicht wirklich auseinanderdividieren kann. Gefühle und Gedanken bedingen sich gegenseitig.
Von: Zamyat M. Klein am 31.07.2008
Hallo Ralf,

die 6 Farben von deBono kenne ich aus einem kleinen Workshop und seinem Buch. Aber so recht bin ich damit noch nicht klar gekommen (habe mal in einem Seminar damit experimentiert). Wie machst du das denn konkret mit dir alleine? (Ich kenne es nur als Team- Methode) Die Farbzuordnung kenne ich, ich meine rein technisch. Über einen Tipp würde ich mich freuen, denn sie reizte mich immer...

(Habe gerade gesehen, dass es ja einen Link auf einen sehr ausführlichen Beitrag von Tania zur Methode gibt grin. Schreibst du dann einfach deine Gedanken zu der jeweiligen Farbe auf?

Ich habe sie nur mal umgewandelt als Seminarauswertungsmethode, da hat es gut funktioniert.

Zum Thema Gefühl und Verstand:

klar sind beide wichtig! Und oft hat man ja auch so ein "Bauchgefühl", das sich im Nachhinein als richtig herausstellte. Aber ich habe ebenso schon erlebt, dass ich damit auf die Nase gefallen bin und es eben nicht richtig war. Das zu unterscheiden finde ich nach wie vor nicht soo einfach. Ist es wirklich tiefere Intuition, die mich lenkt - oder ist es ein eher vordergründiges Gefühl (das mich dann aufs Glatteis bringt)?
Von: Ralf Senftleben am 31.07.2008
Zamyat, genau, du setzt dir selbst nacheinander die 6 Hüte auf und setzt dich mit der jeweiligen Warte mit dem Thema auseinander. Ist quasi wie die Disney-Technik, nur dass die Perspektiven hier anders sind.

Was ich so daran mag, ist dass man eine Problemstellung auch aus Warten betrachten muss, die normalerweise nicht zur eigenen Persönlichkeit gehören. Ich sehe Dinge normalerweise eher zu positiv und da hilft mir der schwarze Hut, mal gezielt die Schattenseiten zu suchen. Ist quasi Persönlichkeitsentwicklung grin

Und das mit dem Hören aufs Gefühl, das ist tatsächlich manchmal nicht so einfach: Ist das jetzt eine irrationale Angst in mir, die da spricht oder gibt es wirklich gute Gründe, die mein Kopf nur noch nicht gesehen hat... Hier ist der Trick, die eigenen Ängste Schritt für Schritt aufzudecken und sie bewusst kennenzulernen, dann lernt man relativ schnell richtige Intuition vom fehlgeleiteten Bauchgefühl zu unterscheiden.

Auch ein Grund, eine Sache immer mit Herz und Verstand anzugehen.
Von: Zamyat M. Klein am 31.07.2008
Hallo Ralf,

Danke für die Erläuterung von de Bono. Ja, das ist tatsächlich noch ein neuer Aspekt: auch die Fazetten mit einzubeziehen, die man normalerweise nicht so drauf hat.

Mit dem "falschen" Bauchgefühl habe ich vorhin weniger an Ängste gedacht, sondern an Bequemlichkeit oder ähnliches. Wo ein vordergründiges Gefühl sagt. Auja, das ist richtig, das machst du jetzt. Weil es beispielsweise der schnellen Bedürfnisbefriedigung dient. (Mal als plattes Beispiel: Schokolade essen grin.
Das grundlegendere Bedürfnis (nämlich Gesundheit) erfordert demnach einen momentanen Verzicht (und mein aktuelles Gefühl sagt "Och, schade!"
Das kann ich jetzt so verbrämen (wie ich es manchmal in der Eso- Szene erlebe), dass das jetzt mein "Gefühl" ist.
Ich weiß, dass das Beispiel mit der Schokolade hinkt, aber vielleicht wird trotzdem klar, was ich meine. Mir fällt gerade kein tiefschürfendes Beispiel ein.

Doch, aus dem Berufsleben. Da wurde ich mal angesprochen, ob ich bei einem Projekt mitarbeiten will. Es klang alles toll (fast zu toll) und inhaltlich konnte ich voll hinter dem stehen, was der Mensch mir stundenlang am Telefon erläuterte. Doch mein Bauchgefühl sendete deutliche Alarmsignale aus "Dem kannst du nicht trauen! Da ist was faul dran" bis hin zu "der ist mir einfach unsympathisch". Trotzdem habe ich mich wochenlang mit der Entscheidung rumgeschlagen, Fürs und Widers, weil mich auch die schönen Versprechnungen lockten.

Habe dann aber in dem Fall doch meinem sehr deutlichen Bauchgefühl getraut - und denke, dass das in dem Fall richtig war.

Aber man kann sich das eben auch "schönreden".. hach, ich drück mich vielleicht verknaubelt aus. Aber mir begegnet das in einer bestimmten Szene eben sehr oft - auf oberflächliche Art.
Von: Gitte Härter am 31.07.2008
Hallo Frau Klein,

das kenne ich auch (habe erst vor einiger Zeit wieder so einen Griff ins Klo gemacht und das zum Anlass für einen Artikel gemacht: Ein komisches Gefühl? - Bitte hinhören!).

Ich bin selbst niemand, der großartig auf sein Gefühl vertraut, sondern ich hinterfrage schon lieber mit dem Kopf. Finde ich auch besser, weil sich damit ein reines dummes Gefühl greifen und damit wieder verstandesmäßig besser beurteilen lässt.

Nichtsdestotrotz habe ich über die Jahre eindeutig erkannt: Immer wenn ich es richtig merke, wenn also so ein Alarmsignal wie Sie es schildern aufblitzt und ich schon so aufmerksam bin, dass ich merke, wie ich innerlich gegenrede und -argumentiere, dann ist es rückblickend in die Hose gegangen à la "Ich hab's doch vorher schon geahnt!" grin

Darum habe ich mir angewöhnt, bei so aufblitzenden Signalen innezuhalten und nicht innerlich Argumente zu finden oder zu relativieren ... oder mich eben einfach aktiv dabei zu ertappen, wenn ich das tue. Das haut ja auch schonmal eine Bremse rein.

Einen schönen Tag weiterhin
Gitte
Von: Zamyat M. Klen am 31.07.2008
Hallo Gitte,

herrlicher Beitrag!

Da fielen mir direkt auch noch andere Stories ein, mit Kunden oder Teilnehmern, die von an Anfang an einen ungeheuren Aufwand kosteten und wo am Ende am wenigsten bei raus kam.

Da hat es bei mir aber auch eine Weile gedauert, bis ich bei den verschiedenen Fällen die gleichen Merkmale festmachte und dann zukünftig schneller die Alarmlämpchen wahrgenommen habe.

Aber wir lernen ja stetig dazu grin.
Von: Heike Thormann am 01.08.2008
Hallo zusammen,

>>Zuerst analytisch und systematisch nachdenken und dann mal schauen, was die
eigenen Gefühle dazu sagen. Oder umgekehrt: Wir haben ein komisches Gefühl und setzen uns dann hin, um dem Gefühl mit dem Verstand auf die Spur zu kommen und es zu verbalisieren. << (Zitat)

ich persönlich würde eher sagen:

Zuerst den Bauch befragen (der ist meistens eh schneller, wir ignorieren ihn nur schon mal ganz gern wink) und dann mit dem Kopf analysieren und hinterfragen.

Dann kann man auch ...

<< Hier ist der Trick, die eigenen Ängste Schritt für Schritt aufzudecken und sie bewusst kennenzulernen, dann lernt man relativ schnell richtige Intuition vom fehlgeleiteten Bauchgefühl zu unterscheiden. >> (Zitat)

... genau, Ralf, seine Ängste besser erkennen lernen.

Das geht nebenbei auch mit einem ganz einfachen Trick: Mit W-Fragen. Also etwa:

Warum habe ich hier ein komisches Gefühl? (Aufschreiben) Was genau macht mir daran Angst? (Aufschreiben - oder auch für "Fortgeschrittene" wink - im Kopf durchspielen, wobei das Aufschreiben leichter zu strukturieren hilft.) Welche Einzelheiten machen mir genau Angst / bescheren mir ein komisches Gefühl? Wie berechtigt sind diese? Wo habe ich so etwas vielleicht schon mal erlebt? Und so weiter, und so fort.

<< Da hat es bei mir aber auch eine Weile gedauert, bis ich bei den verschiedenen Fällen die gleichen Merkmale festmachte und dann zukünftig schneller die Alarmlämpchen wahrgenommen habe. >>

Zamyat, das ist ja der Witz bei der Intution. wink

Verkürzt könnte man vielleicht sagen, dass Intuition m.E. das ist, was Erfahrung, Beobachtung usw. Dir in Sekundenbruchteilen sagen. (Also die gleichen Merkmale erkennen zu können, auf diese Erfahrungen zugreifen können usw.)

Deshalb ist unsere Intuition auch immer auf Gebieten besser, wo wir bereits diverse Erfahrungen gemacht haben. Wir können es einfach besser einordnen und schneller erkennen. Und wenn Du dieses "Wiedererkennen" trainierst, kannst Du auch Deine Intuition fördern. Gibt einen Artikel dazu bei mir im Magazin. Schau einfach mal rein, wenn Du magst.

Also, auf dass wir die guten Dinge und die Alarmlämpchen schneller erkennen lernen. grin

LG Heike

 

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