Erfolgsprinzipien

Was eine Pizzeria in Neapel mit Ihrem Geschäft zu tun haben könnte

Gitte Härter • 07.01.2009 • email Weiterempfehlen

Dieser Tage habe ich mich mal auf der Fernbedienung verdrückt und bin in eine Dokumentation über Pizza geraten. Mmmmmmmm: Pizza!, dachte ich und blieb hängen. Dabei erfuhr ich von der Pizzeria Da Michele in Neapel, die extrem bekannt ist und vor deren Tür sich jeden Tag Schlangen bilden! Die Leute, so hieß es, gingen oft alleine dorthin zum Essen, weil die Chance größer sei, dann einen Platz zu bekommen. big surprise Aber das war noch nicht alles.

Wollen Sie die oder die?

Es wurde ein sehr alter Mann interviewt, vermutlich der Inhaber, der schon seit vier oder fünf Jahrzehnten dort Pizza macht und der sagte: „Wir machen nur zwei Pizzasorten: Margherita und Marinara. Andere Sorten gibt es für uns nicht.“

Mittlerweile stand mir der Mund offen. Nicht Homer Simpson-mäßiges Sabern durch den Anblick von Pizza, sondern weil ich mir dachte: Hä? Ein Lokal, das nur zwei Sorten Pizza auf der Karte stehen hat. Und sonst gar nix? Nicht mal Pizzavarianten?

Das ist schon ein starkes Stück!

Okay, jetzt können Sie sagen: „Mei, bei denen ist die Bude doch eh immer voll. Das wäre bei uns undenkbar.“ ... aber lassen Sie uns dieses Beispiel mal etwas abstrahieren

Konzentration – und das wirklich gut machen

Wie oft packt man immer noch etwas in sein Angebot, weil man denkt, das gehöre dazu – oder, gerade am Anfang, weil man unbedingt viel anbieten möchte, um irgendeinen Auftrag zu ergattern?

Das hat viele Tücken:

  • Die Glaubwürdigkeit kann leiden („Bauchladen-Eindruck“).
  • Die eigene Sicherheit auch, wenn man Dinge anbietet, wo man nicht wirklich sattelfest ist (oder weiß, dass es einfach andere Anbieter gibt, die besser sind).
  • Das Marketing wird zerfaserter, kostet mehr Arbeit und ist nicht punktgenau.
  • Sie verpassen die Chance, ein wirklicher Meister im Kerngeschäft zu werden.
  • Wenn Wareneinsatz eine Rolle spielt, kann Sie ein Zuviel in die Bredouille bringen oder Sie müssen günstigere und qualiativ weniger gute Ware nutzen – worauf das Endergebnis leidet.


Durchforsten Sie Ihr Geschäft mal daraufhin, was Sie wirklich gut können. Und fragen Sie sich: Was ist eigentlich mein Kerngeschäft? Womit mache ich am meisten Umsatz? Was lenkt mich eher ab? Was sind unnötige Zeit- und Geldverschwender drumherum? Und wo verneble ich in den Augen (potenzieller) Kunden vielleicht das Vertrauen in meine Kompetenz?

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Norbert Jothann am 07.01.2009
Ich empfehle hierzu, sich mit Deinem klasse Fragebogen zu beschäftigen. Dabei die Fragen und Punkte gleich als Fragen an sich selbst umformulieren.

Coaching per TV
Von: Heike Thormann am 09.01.2009
Hallo Gitte,

erst einmal: Ein frohes Neues - auch an alle anderen. grin

Und ein schöner Artikel, kann ich nur bestätigen. Nicht nur, weil ich alle Leute verstehen kann, die aus Prinzip bei Aldi und Co. einkaufen, während ich gerade wieder grübelnd vor der 20. Marmeladensorte stehe. wink

Das ist mir auch bei meinem eigenen kleinen Unternehmen so gegangen.

Ich bin praktisch seit meiner Gründung dabei, mich immer weiter zu konzentrieren. Sprich, ich werfe eine Dienstleistung / Angebot nach der nächsten raus, statt neue aufzunehmen. Aufträge, die jetzt noch reinkommen, aber nicht mehr ins Profil passen, lehne ich - wie es eine Kundin nannte wink - "stringent" ab.

Alles, was ich noch anbiete, sind Selbstlernkurse, Onlinekurse und Online-Coaching. Aus. Keine Inhouse Seminare, keine Textaufträge, kein Lektorat, kein Ghostwriting, keine Präsenzen, pp.

Und auch thematisch bleibe ich innerhalb meiner Nische (Kreativität und Schreiben). Ergebnis: Es läuft immer besser. Und statt mich zu verzetteln oder ständig quer durch Deutschland zu fahren, kann ich mich voll auf das Übriggebliebene konzentrieren.

Also weg mit den Verzettelungen. wink

LG Heike
Von: Norbert Jothann am 09.01.2009
Hallo, Heike!

Dir auch ein schönes, erfolgreiches und interessantes Jahr 2009.

Na, das nenne ich aber das Pareto-Prinzip konsequent angewandt und gelebt. Klingt gut, was Du über Deine Konzentration auf bestimmte Dienstleistungen - und damit Kunden - schreibst.

Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert
Von: Heike Thormann am 09.01.2009
Hallo Norbert,

danke. Ich habe zwar ein paar Jahre gebraucht, bis ich das eingesehen hatte. Und noch mehr Mut und Zittern und Zagen, es auch konsequent zu leben.

(Bei jedem Inhouse Seminar oder größeren Auftrag, den ich abgelehnt habe, hat der kleine Mann im Ohr immer wieder gesagt: "Du bist doch doof, so einen tollen Auftrag abzulehnen. Wer weiß, wann Du so was wieder kriegst." - Und manche Interessenten haben das dann, etwas verklausuliert, auch gesagt. wink)

Und dann hatte ich mein Herz auch unterwegs noch an ein ganz anderes Projekt verloren, das mich stark gebunden hat.

Aber ich habe es nicht bereut. Und Spielraum habe ich innerhalb meiner Nische immer noch, um in die eine oder andere Richtung zu wachsen.

Hat auch ein bisschen was von EKS.

Auch Dir ein gesundes und zufriedenes 2009.

LG Heike
Von: Norbert Jothann am 09.01.2009
Hallo, Heike!

Ja, EKS kam mir beim Lesen Deines Kommentares auch in den Sinn.
grin

Und mit dem Prinzip "Bauchladen" bin ich auch gestartet...

LG, Norbert
Von: Gitte Härter am 09.01.2009
Hallo Heike, hallo Norbert,

falls jemand denkt, Ihr redet in Geheimsprache, kurz eine Aufklärung: EKS ist die Engpasskonzentrierte Strategie/Wiki.

Dazu gibt's auch ein Buch, das ich noch nicht gelesen habe, aber Ralf (und es empfehlenswert findet):

Das neue 1 x 1 der Erfolgsstrategie. EKS-Erfolg durch Spezialisierung
Gabal Verlag, K. Friedrich/Lothar J. Seiwert/Edgar K. Geffroy
amazon.link


Ich glaube, dass das mit dem Bauchladen zusätzlich zu den genannten Punkten manchmal auch Selbstfindung ist: Man probiert ja auch was aus oder merkt, was man lieber mag oder noch besser kann. Und manchmal (geht Euch das auch so?) mag man manches auch nicht mehr machen, obwohl man es vorher gern gemacht hat. Auf einmal ist es genug.

Das regelmäßige Inventur machen und Sachen rausschmeißen oder - wie Heike das so schön mit "stringent" beschreibt, einfach auch hart mit sich selbst an dem eigenen Ziel zu bleiben, um die Weiche komplett stellen zu können ist dann nochmal die Übung schlechtin.

Wie schön, dass Dich der Erfolg auch bestätigt.


Norbert: Zum Bauchladen fällt mir noch ein, dass es ja auch die Leute gibt, die gern vielseitiger sind. Ich gehöre da beispielsweise auch dazu: Ich will unbedingt Abwechslung haben (war schon als Angestellte so) und da ergibt sich manchmal eine Vielfalt. Ganz gut ist so einem Fall darauf zu achten, dass nach außen ein schlüssiges "Dach"/oder ein roter Faden da ist. Damit man eben nicht so zerfasert und beliebig daherkommt.

Ein schönes Wochenende
Gitte
Von: Norbert Jothann am 12.01.2009
Hallo, Gitte!

Ja, das von Dir genannte Buch von Prof. Seiwert und Co. kann ich auch nur bestens empfehlen.

Ich hatte in den 80er Jahren den umfangreichen Originallehrgang vom EKS-Gründer Wolfgang Mewes gemacht. Das Buch bringt es sehr gut und verständlich auf den Punkt. Seinerzeit hieß EKS noch "Energo-kybernetisches System"...

Zum Stichwort "Bauchladen". Was Du hierzu schreibst, ist - aus meiner Sicht - genau der Punkt, auf den es ankommt: "Ganz gut ist so einem Fall darauf zu achten, dass nach außen ein schlüssiges "Dach"/oder ein roter Faden da ist. Damit man eben nicht so zerfasert und beliebig daherkommt."

Es gibt nicht wenige Anbieter, die Lust daran haben, ihre Vielseitigkeit zu leben und auch zuvermarkten. Einige bringen diese unterschiedlichen Angebote auch zu einem nach außen hin gut wahrnehmbaren Ganzen zusammen. Bei anderen steht man am Schaufenster und fragt sich, "was soll mir das jetzt sagen...?"

Vor ein paar Jahren standen meine Frau und ich vor einem Ladengeschäft, das auf mich etwas wirr wirkte. Worauf ich zu meiner Frau sagte, daß das doch irgendwie wie ein wild zusammengestelltes Sammelsurium wirke. Hierauf machte mich meine Frau auf das Ladenschild über dem Schaufenster aufmerksam. Hier stand in großen Buchstaben: "Sammelsurium".

Herzliche Grüße
Norbert

 

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