Finanzielles

Was bedeutet Ihnen Geld?

Gitte Härter • 03.03.2010 • email Weiterempfehlen

Ist Geld Mittel zum Zweck? Die Möglichkeit, Ihr Unternehmen voranzubringen, weil Sie investieren können? Ist es Freiheit, weil Sie tun können, was Sie möchten ... oder auch manches nicht tun brauchen? Ist es Anerkennung für Sie, dass Sie gute Arbeit leisten? Steigern Sie damit Ihr Selbstbewusstsein? Ist es nicht wichtig oder vorrangig? Haben Sie ein gutes Verhältnis zu Geld und können auch offen darüber reden oder bekommen Sie die Krise, wenn Sie Ihren Preis für eine Leistung nennen müssen? Wie steht es um Ihren Business-Sinn, wenn es um die Kohle geht?

Ich fände es spannend, mal über den Stellenwert und das eigene Verhältnis zu Geld zu sprechen.

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Robert am 03.03.2010
Hallo, Gitte,

das ist ein gutes und zugleich spannungsreiches Thema.

Welchen Stellenwert hat? Wie ist mein eigenes Verhältnis zu Geld?

Wenn ich überlege, wieviel Geld ich gern hätte und es dann damit vergleiche, wieviel Geld mir tatsächlich zur Verfügung steht, dann scheint Geld nur einen geringen Stellenwert in meinem Leben zu haben.

Ich lebe nicht geizig, aber auch nicht verschwenderisch. Allerdings bleibt mir am Ende des Monats nicht viel mehr Geld als ich zu Beginn des Monats bereits hatte. Es gibt also irgendwie keine Mehrung zum Besseren.

Fehlt mir also das Geld-Gen? Habe ich keinen Sinn für Geld?

Es gab Zeiten, da hatte ich mehr Geld als ich brauchte. Ich habe mein Geld gern und reichlich unter die Leute, nein, richtiger: unter meine Familie und meine Freunde gebracht. Einladungen, Reisen, Geschenke, Unterstützungen bei Anschaffungen...
Und es gab Zeiten, die nach dem "Hoch die Tassen!"-Motto gelebt wurden.
Aber es gab auch Jahre, die unter der Überschrift "Nachholbedarf" verbracht wurden. Hier ging es um Erneuerungsanschaffungen und Kurzreisen. Aber auch um im wahrsten Sinne des Wortes "Kurz-Aus-Flüge". Morgens mit dem ersten Flieger nach Wien, Abends mit dem letzten Flieger wieder zurück. Zwischendrin autonomes Besichtigungsprogramm mit Melanche und Sachertorte in der Wien.
Letztlich gab es in meinem Leben auch Zeiten, Monate, in den die geringe Miete bezahlt wurde, aber das Geld für Nahrung nur bis zur Mitte des Monats reichte. Von neuer Kleidung oder Reisen war hier nicht die Rede.

Verbindlichkeiten und Schulden wurde immer aus eigenem Antrieb und neuem Geld aus Arbeitsleistungen abgetragen. Nach Möglichkeit wurde aber nur das Geld ausgegeben, das real vorhanden war.

Aber auf den berühmten grünen Zweig bin ich bis heute nicht gekommen. Wenngleich - in der Lebensrückschau - der materielle und menschliche Zuwachs (mit kleinen Talfahrten) stetig vorhanden war.

Als Selbstständiger allerdings scheine ich zu gutmütig (oder zu blöd?) zu sein. Das ärgert mich jetzt nicht, macht mir aber finanziell aktiv kopfzerbrechen. Sind meine Preise zu hoch? Gebe ich zu viele Informationen im "freundschaftlichen" Sinne kostenlos ab (Immer in der Erwartung, daß sich aus diesen informativen Kontakten zu Interessenten und Netzwerkmenschen alsbald Aufträge ergeben werden/könnten, wenn Sie speziell meine Leistungen benötigen.) ?

Derzeit hadere ich mit mir. Mache aber beständig weiter.

Vorläufige Erkenntnis: Im kaufmännischen Sinne scheint Geld für mich keinen großen Stellenwert zu haben. Mein Verhältnis zu Geld beschränkt sich demnach eher auf die Funktion eines "Lebensmittels", das man nun einmal in dieser heutigen Zeit zum Leben und zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben benötigt. Das ist weder gut noch schlecht. Aber mehr Geld auf dem Konto (privat und geschäftlich) wäre schon optimal, um bei Umsatzflauten und im Alter besser abgesichert zu sein.

Hier muß ich wohl noch meine pekuniären Hausaufgaben machen - und vielleicht für jeden Handschlag eine Rechnung schreiben. Selbst auf die Gefahr, daß ich dann bestimmte Menschen aus meinem Kontaktenetz verliere, weil sie nun für allgemeine Informationen bezahlen müssen, die ich für sie recherchiert habe, die sie sich aber auch selbst hätten besorgen können.

Robert
Von: Amos Ruwwe am 04.03.2010
"Das Geld zwingt mich dazu,"sagte mir vor einiger Zeit eine Frau, als ich sie nach den Gründen fragte, weshalb sie nicht so lebe wie sie sich das wünsche. Ich gab ihr einen Euro in die Hand und sagte ihr, sie solle mir mal zeigen wie das Geld sie zwingt. Es ist doch eher die eigene Haltung zum und im Leben, die das Tauschmittel Geld bewertet.In der Entwicklungshilfe habe ich eine zeitlang mit Menschen zusammengelebt, die noch nie Geld gehabt haben und nur tauschten. Da sah ich ziemlich arm aus. Alles was ich zu tauschen hatte, war meine Arbeitskraft und die hatte ich schon dem Entwicklungsdienst verkauft. Der Lernprozess auf beiden Seiten hat dann nach einniger Zeit doch zum Tausch geführt. Bargeldlos leben können wir hier nicht, aber die eigenen Ansprüche hinterfragen das kostet kein Geld, sondern macht aufmerksam und am Ende könnte zur Überraschung herauskommen, das Geld einen zu nichts zwingen kann.
Von: Gitte Härter am 04.03.2010
Jetzt ist mir nachträglich erst aufgefallen, dass ich nicht nur fragen, sondern auch selbst was dazu sagen sollte. grin

Robert, das mit dem "Im kaufmännischen Sinne scheint Geld für mich keinen großen Stellenwert zu haben." könnte von mir sein. Ich bin eher ein Spaß-getriebener Mensch. Das ist mir viel wichtiger. Auch in meiner Angestelltenzeit war es je nach Funktion unterschiedlich mit dem Gehalt - ich habe ja in meinen Berufsanfängen in der Verwaltung bei der Polizei gearbeitet und damals so lausig verdient, dass ich ohne günstige (und schäbige) Dienstwohnung in München gar nicht mal leben konnte. Und ein paar Jahre später als Vertriebsleiterin in einem Konzern war das Gehalt dann sehr hoch.

Für mich ist Geld ein Mittel zum Zweck. Ich bin gern großzügig, aber habe keine Interessen, die einen hohen Lebensstil erfordern: Ich bin kein Urlaubfahrer, habe keine teuren Hobbies, laufe am liebsten in Jeans rum und liebe es, zu essen ... aber da freu ich mich über eine Pizza Margherita oder ein gscheites Schnitzel mehr als über ein mehrgängiges Menü. grin

Übrigens: Das mit dem "zu viel umsonst" machen, habe ich viele Jahre lang gemacht und mit hartem Training total zurückgefahren. Das läppert sich nicht nur enorm und es ist auch für andere nicht so schön, die immer bekommen und kein Gleichgewicht entsteht.

Das Thema Geld und Gegenleistung ist ein sehr komplexes, spannendes - ich hoffe, wir bekommen da eine nützliche Diskussion zustande.


@Amos
Ich lach mich kaputt: Was für eine gute Idee, der Frau gleich einen Euro in die Hand zu drücken und den Beweis einzufordern, wie das Geld sie zwingt HAHAHA. Da hatte sie sicher einen riesigen Aha-Effekt.


Da fällt mir noch ein. Eine Freundin von mir, die die Buchhaltung für Selbstständige macht, hat erzählt, dass viele, wenn das Geld knapp ist plötzlich Lottospielen - und zwar nicht "mal einen Lottoschein kaufen", sondern einen Riesenbatzen Geld in Riesendauermegagewinnchancenlos stecken.
Von: sevenjobs am 04.03.2010
Geld macht mich unabhängig. Unabhängig im Denken und im Handeln. Ich brauche diese freie Luft zum Leben und reduziere Ansprüche, damit ich diese Freiheit behalte.
Von: Norbert Jothann am 04.03.2010
Guten Tag, Gitte!

Du schreibt von Selbstständigen, die "...einen Riesenbatzen Geld in Riesendauermegagewinnchancenlos stecken."

Da bin ich jetzt aber mal neugierig: Hat's geholfen?
grin)

Herliche Grüße
Norbert
Von: Gitte Härter am 04.03.2010
Natürlich nicht, Norbert: Meine Freundin wundert sich nur immer, dass dann monatelang "150 Euro" oder mehr als Ausgabe in den Belegen sind, wo eh schon kein Geld da ist.

@sevenjobs: Ja, die Unabhängigkeit!
Von: Norbert Jothann am 04.03.2010
@sevenjobs

Dem Gedanken, daß Geld unabhängig macht, kann ich mich in gewisser Weise anschließen.
Ab einer bestimmten Höhe macht Geld aber wieder abhängig, wenn man in erster Linie danach strebt, Geld zu verdienen und den Kontostand zu erhöhen.

Generation meiner Großeltern hatte oft den Gedanken verbreitet, daß man sich nur das anschaffen solle, was man sich auch wirklich leisten könne. Und man solle nach dem Kaufmannsprinzip leben, wonach man drei Drittel einnimmt, aber nur zwei Drittel wieder ausgibt. Auf diese Weise hätte man dann immer Geld für Notfälle "im Rücken".

Ratenkäufe waren zu der Zeit ja auch noch nicht so verbreitet (wenn ich mich richtig erinnere). Wer etwas haben wollte, sparte zuerst darauf, um es sich erst dann erst zu kaufen, wenn das Geld wirklich zur Verfügung stand.

Ich erinnere mich noch, daß eine Großtante, die als Kassierin bei einer Bank arbeitete, gerne sagte, daß wenn man auf etwas lang genug spare, werde man sich erst bewußt, ob man es denn auch wirklich haben wolle - und nicht nur so aus Jux.

Die Idee, nach dem Leitmotiv "Lebe heute, zahle morgen!" zu leben, kam diesen Menschen aus meinem großelterlichen Umfeld gar nicht in den Sinn. Lieber wurde auf etwas verzichtet. Wichtig waren Gesundheit, Familie, "ein Dach über'm Kopf" und Spaß am Leben.

Herzliche Grüße
Norbert
Von: Norbert Jothann am 04.03.2010
Danke für die mich beruhigende Antwort, Gitte. Ich war schon etwas irritiert, ob denn "Hoffen und Bangen" wirklich zu realen Einnahmen führen können.
Von: Volkert Brammer am 04.03.2010
Hallo Gitte,

ja, gutes Thema. Die eigene Einstellung prägt sehr den Umgang mit Geld. So auch bei mir: Solange ich versorgt war, hatte ich genügend davon: ob bei meinen Eltern, während meiner ersten Ausbildung, dann als Postler mit hochbezuschusster Wohnung im Hamburg, im Zivildienst und auch bis zur Mitte meines Studiums. Irgendwie hatte immer genug davon. Nicht soviel, um damit echt rumzuprassen, aber um gut davon zu leben. Seitdem ich mein Geld selber erwirtschafte(n muss), möchte die die "ererbte" Einstellung mitmischen: Geld ist scheinbar nie genug da, Geld ist an sich "problematisch" und Konfliktthema.
Ich habe inzwischen eigene Leilinien zum Umgang mit Geld entwickelt und erfreue mich an vielen Dingen, die einfach gut sind und dauerhaft mein Leben und Business bereichern. Manchmal darf´s auch billig und Discounterlike sein, dann erfüllt es auch seinen Zweck. Ab und an feist beim Italiener zu essen macht mir auch Spass, auch wenn´s längere Zeit wieder die eigene Küche ist, die ja auch gut schmecken kann.
Und im Business halte ich obige die Einstellung gut im Zaume, habe in den letzten Jahren viel über´s "liebe Geld" gelernt. Inzwischen bin ich mir meines Preises bewusst und nehme die Konsequenzen in Kauf, wenn er über den Vorstellungen potenzieller Kunden liegt. Dann kommen wir vielleicht anders zusammen, nach Preisverhandlungen auf Augenhöhe, abgespeckten Angeboten. Oder es passt eben nicht zusammen.

@Amos Ruwen: Tolle Idee mit der Euro-Münze. Wenn meine Geld-Glaubenssätze mal wieder mit mir durchgehen, werde ich sie für mich nutzen.

@ Norbert Johann: Die Umgangsweisen frherer Gerationen mit Geld sind einfach goldwert, wenn man flexibler und lockerer als "früher" mit ihnen umgeht: Der selbtfestgelegte Notgroschen, gut zu überschauende Ratenkäufe (über kurze Zeiträume und eben nicht auf Jahre wie von unseren Medientempeln beworben), Geldansparen für bestimmte Anschaffungen, auf die man sich dann wirklich freuen kann.

Herzliche Grüße
Volkert
Von: Regina Haberfellner am 05.03.2010
Ich denke, dass in unserer Gesellschaft einfach zu wenig über Geld gesprochen wird, es ist auf eine gewisse Art ein Tabu. Es wird vielleicht noch groß herausposaunt, wieviel das Auto gekostet hat, aber wieviel jemand verdient oder Schulden hat, darüber liegt ein Schleier des Schweigens.
Das führt zu absurden Situationen, dass oft innerhalb einer Familie nicht alle (erwachsenen) Familienmitglieder über die finanzielle Situation der Familie informiert sind. Bei Betriebsübernahmen innerhalb der Familie passieren da oft wilde Geschichten und viel zu oft trauen sich die Übernehmer nicht zu fragen und zu prüfen(!!), wie es wirklich um die finanzielle Situation des Familienunternehmens steht.
Ich halte dieses verschämte Schweigen über's Geld für sehr kontraproduktiv. Es führt auch dazu, dass oft viel zu lange alle Energie darin gesetzt wird, den Schein aufrecht zu erhalten wo in Wahrheit schon längst Schadensbegrenzung nötig wäre.

Herzliche Grüße aus Wien
Regina
Von: Edeltraud am 07.03.2010
Hallo zusammen,

In Sachen Geld legte meine Mutter wahrscheinlich völlig unbewusst, einen wunderbaren Grundstein in unsere Gedanken. Sie meinte immer wenn es knapp wurde: "Tut euch nix an, Geld wird immer wieder!" In den 50iger Jahren hatten wir wahrlich nicht viel, aber es war immer genug da.
Und ist bis heute geblieben.

@ Amos zu deinem super Beispiel hab ich ein ähnliches.
Eine Dame sagte im Seminar: "Ich werde es versuchen!" Daraufhin warf ein Teilnehmer sofort einen Euro auf den Boden und meinte sie möge versuchen ihn aufzuheben. Als sie ihn aufheben wollte meinte er: "Nein,nicht aufheben - VERSUCHEN - ihn aufzuheben.
Da standen alle mit offnen Mündern da!
Ich fand es beeindruckend.

Servus
Edeltraud
Von: Luitgard Gasser am 08.03.2010
Guten Morgen,
mein spontaner gedanke: ich liebe geld. es unterstützt mich im ausleben meiner freiheit / unabhängigkeit & selbständigkeit & großzügigkeit & sicherheit. ich gebe gerne, ich nehme gerne, ich tausche gerne; ich werde gerne gut bezahlt, weiß, was ich wert bin - und erinnere die worte eines reichen schriftstellers, der ungefähr so sagte: "ich weine lieber im taxi als in der u-bahn". ja, so bin ich. im moment zahlreiche empfindungen spielerischer leichtigkeit.

der zweite gedanke: wenn ich Euch das schreibe..... dann steigt auch etwas schlechtes gewissen hoch (worüber eigentlich???) und klingen in meinen ohren schon die "wie kannst du nur" von ... ja von wem eigentlich? Dem werde ich jetzt mal nachgehen.

besten dank für die unerwartete anregung heute morgen

herzlich
luitgard gasser
Von: Sonja am 10.03.2010
Ich finde Geld glitzert, ist bunt und lebendig.
Besitzen möchte ich allerdings nur viel davon, wenn ich es mit meiner einzigartigen Energie verdienen kann.
Diese habe ich noch nicht vollkommen entdeckt, deshalb bin ich noch auf dem Weg.
Ich freue mich schon, den mein Ziel im Leben ist, armen Geschöpfen helfen zu dürfen und dort zu leben wo ich mich am glücklichsten und wohlsten fühle.
Geld kann sehr heilsam sein.

 

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