Warum “Vogel Strauß” nur Nachteile hat ...
Manchmal passiert es uns, dass Kunden nicht bezahlen können. Hier gibt es dann in der Regel zwei Verhaltensweisen:
- Die einen melden sich und bitten darum, das Zahlungsziel etwas zu verlängern,
- und die anderen lassen einfach nichts von sich hören. Abgesehen von dem Ärger, den diese Passivität nach sich zieht, kann sie auch eine bislang positive Beziehung zerstören.
Bestimmt hatten Sie in Ihrer Berufspraxis auch schon den Fall, dass jemand plötzlich auf Ignorieren geschaltet hat. Dann kennen Sie das Gefühl, wenn man sich sagt:
„Wieso hat er/sie nicht einfach etwas gesagt, dann hätten wir darüber reden können … aber so!“
Natürlich ist es nicht unbedingt einfach, sich ein Herz zu fassen und auf jemanden zuzugehen: Etwa weil man zugeben muss, dass man gerade einen finanziellen Engpass hat, weil eine Entschuldigung fällig ist oder auch weil man merkt, dass ein Kunde irgendwie verärgert scheint und man Angst davor hat, ihn darauf anzusprechen.
Sie können jedoch nur gewinnen, wenn Sie aktiv werden – und das auf vielfältige Weise:
Selbstverantwortung übernehmen und zeigen – Sie zeigen Ihrem Gegenüber, dass Sie Verantwortung übernehmen und dass Sie ein guter und professioneller Geschäftspartner sind. Aktiv etwas zu klären stärkt das Vertrauen in Sie und damit auch die Bereitschaft, eine verfahrene Angelegenheit gütlich zu klären und später auch weiterhin mit Ihnen zu arbeiten.
Etwas direkt klären, anstatt es vor sich herzuschieben – Sie bewahren sich selbst vor schlaflosen Nächten oder der Angst, den Briefkasten zu leeren oder ans Telefon zu gehen, wenn Sie eine Angelegenheit gleich aktiv angehen.
An Selbstbewusstsein gewinnen! – Sie können neben den beruflichen Vorteilen auch persönlich nur gewinnen: Denn Sie zeigen auch sich selbst, dass Sie Probleme aktiv angehen – und dass Sie, auch wenn es schwierig ist, sich überwinden können und für sich und Ihr Unternehmen aktiv eintreten. Das gibt Ihnen ein viel besseres Gefühl, als wenn Sie à la Vogel Strauß passiv abwarten.
In der Selbstständigkeit gibt es Licht und Schatten …
... und es zeichnet Sie aus – und ist maßgeblich für Ihren Unternehmenserfolg –, dass Sie auch mit dem Schatten gut umgehen und immer aktiv bleiben, auch wenn es Überwindung kostet.
Kommunikation ist ein Feld, wo wir alle nie auslernen. Und gerade in schwierigen Situationen ist es umso wichtiger, gut zu kommunizieren. Arbeiten Sie also an Ihrer Kommunikation. Ein paar gute Bücher zum Thema sind:
- „Miteinander reden, Band 1 ‒ 3“, Friedemann Schulz von Thun
- „Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens“, Marshall B. Rosenberg
- „Angriff … ist die schlechteste Verteidigung. Der Weg zur kooperativen Konfliktbewältigung“, R. Rhode, M. S. Meis und R. Bongartz
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Anmerkungen & Kommentare
herzlichen Dank für die vielen weiteren interessanten Ergänzungen und Buchtipps. Ich freue mich schon immer auf Deine gehaltvollen Beiträge.
Und wie menschlich ist es einfach, dass wir doch öfter mal was ganz anders machen WOLLEN als man "sollte", selbst wenn man weiß, dass es anders besser wäre. Gerade in der Kommunikation.
Das Gute ist, dass man gerade in schwierigen Situationen eine Menge lernt ... auch was "Selbstzügelung" angeht. Wenn ich drandenke, wie ich vor fünfzehn, vor zehn, vor fünf Jahren und heute drauf war und jetzt bin - da zahlt es sich im großen Überblick schon aus, an sich zu arbeiten und rückblickend sagen zu können: Ich muss nicht jedem Impuls - etwa mich zurückzuziehen, auf stur zu schalten, zu sticheln, rumzukrakeelen - nachgeben, auch wenn's mich gerade wahnsinnig reizt.
Und auch die Offenheit, wenn mal etwas schiefläuft oder schiefgelaufen ist, wenn ein Engpass entsteht oder wenn man einfach gerade frustriert ist ... was ja ganz oft gar nicht leicht ist. Wieviel mehr bringt es für die Sache, die Beziehungen - und letztlich für das eigene Wachstum.
Huch, jetzt kling ich auch schon fast philosophisch ...
Einen schönen Tag
Gitte
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Gitte Härter •
Vielen Dank für diesen Artikel.
Ich stimme dem vollkommen zu.
Den Hinweis auf Marshall B. Rosenberg finde ich in diesem Zusammenhang gut. Es ist es besser, wenn es in der Kommunikation gar nicht erst zu Konflikten kommt. Das Vier-Stufen-Modell des Konfliktmediators M. B. Rosenberg, das eigentlich "Modell der Gewaltfreien Kommunikation" heißt, ist dafür gut zu verwenden. Die vier Stufen sind: Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse, Bitten. Bei dieser gewaltfreien Kommunikation drücken wir unsere Gefühle und Bedürfnisse so aus, dass der Gesprächspartner weder beschuldigt noch kritisiert wird. Unsere Bitten werden klar formuliert, ohne dem Gegenüber zu drohen, ihn zu manipulieren oder zu erpressen. Im Gegenzug nehmen wir Vorwürfe, Kritik und Forderungen anderer nicht persönlich, sondern hören zu, um zu erfahren, was dahinter steht.
Dennoch merke ich, daß mich hin und wieder fast genau das Gegenteil davon reizt. Dann möchte ich gerne sticheln und unreflektiert kritisieren, aber... Letztlich bringt es mich nicht weiter. Ich will ja ein bestimmtes Ziel erreichen. In diesem Fall, daß meine Rechnung bezahlt wird.
Für alle, die einem Konflikt auf keinen Fall aus dem Weg gehen wollen, sei Arthur Schopenhauers "Die Kunst, Recht zu behalten", auch "Eristische Dialektik" genannt, empfohlen. Der Philosoph Schopenhauer (1788 - 1860) hinterließ "38 Kunstgriffe", mit denen man über sein Gegenüber bei Diskussionen triumphieren kann – ganz gleich, ob man selbst nun Recht hat oder nicht.
Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert Jothann