Erfolgsprinzipien

Warum tue ich nicht, was getan werden müsste?

Ralf Senftleben • 22.07.2008 • email Weiterempfehlen

Neulich hat Fabian Raschke in einem Kommentar als Ergänzung zu einem Tipp geschrieben:

So schwer ist es nicht. Man muss es nur machen. Und das ist schwer.

Dieser Satz ist so wunderbar, dass ich ihn gerne kurz aufgreifen möchte. Ich glaube nämlich, dass an dieser Stelle einer der großen, großen Knackpunkte bei vielen von uns Selbstständigen liegt.

Wir wissen, was wir tun müssten. Und es ist nicht so schwer. Wir müssten es nur machen. Aber wir tun es trotzdem nicht.

Egal, wie Sie es nennen:

  • Aufschieberitis
  • fehlende Selbstdisziplin
  • fehlender Wille
  • Erfolgsmagersucht
  • innere Widerstände
  • Angst vor dem eigenen Erfolg
  • fehlender Fokus
  • und und und

Es kommt immer auf das gleiche raus:

Wir wissen ganz viel. Und wir setzen dieses Wissen nicht in die Tat um.

Oder wie man in Italien sagt:

Zwischen dem Wissen und dem Handeln liegt das Meer.

Ok, was ist jetzt die Lösung für dieses Dilemma? Ja… eine einfache Lösung habe ich hier leider auch nicht, weil diese wahrscheinlich für jeden von uns ganz unterschiedlich aussieht:

Aber ich habe hier ein paar Fragen für Sie, mit denen Sie das Thema für sich selbst erforschen können:

  • Was hindert mich daran, mein Wissen umzusetzen?
  • Was müsste passieren, damit ich mein Wissen in die Tat umsetze?
  • Was bräuchte ich noch oder was fehlt mir noch, damit ich anfangen kann, mein Wissen umzusetzen?

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Zamyat M. Klein am 23.07.2008
Hallo Ralf,

ja, ein hoch interessantes Thema.
Für mich stellt es sich so dar: ich habe einfach unglaublich viele Ideen, die ich gar nicht ALLE umsetzen kann (und muss!).
Und das fand ich persönlich einfach sehr entlastend, als ich das mal las. Vor vielen Jahren bei Bodo Schäfer und neulich in einem wunderbaren Buch von Barbara Sher (Du musst dich nicht entscheiden, auch wenn du tausend Träume hast) über so genannte Scanner.
Menschen, die sehr viele Ideen haben und auch sehr viele unterschiedliche Dinge tun, gleichzeitig. (Würde jetzt hier zu weit führen...)

Aber sie stellt klar, dass es nichts "Unanständiges" ist so viele Ideen zu haben - und dass man sie auch nicht alle umsetzen muss. Sondern für Scanner ist es erst einmal wichtig, das überhaupt zu erkennen und sich zuzugestehen. Und alle Ideen aufzuschreiben in ein Ideenbuch. Sich daran zu freuen.

So habe ich ganz entzückt ein wunderschönes Heft genommen, wo ich nun alles hineinschreibe, male, skiziere.
Das ist einfach eine Art Hobby, so wie andere kegeln gehen.

Das andere:
natürlich will ich auch Dinge umsetzen... Und da landen wir wohl doch wieder bei den Prioritäten. Aber nicht rein operativ: Prioritäten kann ich nur wirklich setzen, wenn ich mir über meine längerfristigen Ziele und Visionen klar bin (da sind sie wieder:-). Denn nur dann weiß ich, was mich von den 20 Punkten, die ich heute auf meiner To Do Liste (bzw. auf meinem Mind Map) habe, auf jeden Fall erledigen sollte, damit ich meinem Ziel näher komme.

Und da stimme ich mit den guten alten Zeitmanagement- Regeln überein: mit diesen Dingen anfangen! Am frühen Morgen, wenn mein Kopf noch höchst konzentriert und wach ist, zwei Stunden das Telefon leise stellen und ein wichtiges Projekt in Angriff nehmen.

Dann habe ich abends auf jeden Fall ein befriedigendes Gefühl, auch wenn ich nicht alle restlichen 19 Punkte und Pünktelchen bewältigt habe. Aber eben doch eine ganze Menge von den Kieseln und dem Sand, den ich zwischen die dicken Steine noch unterbringen kann.

Gestern habe ich an einem Telefonseminar mit Monika Birkner teilgenommen zum Thema "Getting Things Done". (Dazu habt ihr ja auch einen langen Beitrag auf eurer Webseite). Der hat es ja wohl nicht so mit Prioritäten, sondern da wird einfach alles abgearbeitet... Aber ich denke, das lässt sich auch miteinander verbinden (habe heute in meinem Blog drüber geschrieben).


Und zuletzt fällt mir noch ein: viele eurer Sprüche von euren schönen Postern können einem dabei auch helfen, wie: "Welche 3 Dinge kann ich diese Woche tun, um mein Geschäft voranzubringen?"


Herzliche Grüße
Zamyat
Von: Ralf Senftleben am 23.07.2008
Zamyat, ne, so meinte ich das auch nichts. Es ist natürlich nichts Schlimmes daran, wenn ich vielseitig interessiert bin und viele Dinge tun will.

Ich meinte eher die Fälle, wo wir den den ganzen Tag mit Nichtigkeiten verbringen, mit im Internet surfen oder Solitär spielen oder mit unwichtigen Telefonaten oder Gesprächen. All diese Dinge sind ja auch grundsätzlich kein Problem.

Und dazu kommt dann noch das latent schlechte Gewissen, dass wir uns wieder den ganzen Tag um die wichtigen Punkte rumgemogelt haben.

Und das mit den Ideen geht mir auch so. Ich habe 1012 Projekte, die ich beginnen könnte.

Die Frage hier ist nur: Mache ich ich 1012 Dinge ein bisschen oder mache ich ein paar Dinge richtig. Ich glaube, beides geht nicht. Ich habs jedenfalls noch nicht hinbekommen.

Viele Selbstständige wissen, dass sie sich mehr um die Akquise kümmern müssten. Aber sie mogeln sich drumrum. Oder sie wissen, was ihr Business sonst voranbringen würde, was Stabilität und finanziellen Erfolg angeht. Aber sie tun lieber andere Dinge, die mehr Spaß machen oder zumindestens nicht so unangenehm sind.
Von: Zamyat M. Klein am 23.07.2008
Hallo Ralf,

ja, dann sind die Pferde mit mir durchgegangen- das ist so, wenn man sich gerade intensiv mit einem Thema beschäftig, dann "findet" man es überall grin.

Was du meinst, kenne ich natürlich auch, vor allem nach Zeiten, wo ich sehr reingeklotzt habe (mehrere Seminare oder höchst diszilinierte Tage). Dann kommt so ein Teufelchen durch und ich surfe rum oder spiele statt Solitär so ein Blubble - Dings...

Ja- und ich glaube, letztendlich hilft da wirklich nur "Disziplin", eben mit den wichtigen Dingen anzufangen.

Marketing- Aktivitäten habe ich auch lange geschludert - bis ich eine Fortbildung machte und seitdem täglich eine Liste führe und täglich mindestens eine Marketing- Aktivität mache (und aufschreibe).
Das ist mir einfach so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke.
Das ist sicherer ein weiterer Trick, fällt mir gerade ein: "Gewohnheiten installieren". Dann muss man nicht jeden Tag auf Neue mit sich oder dem sog. inneren Schweinehund kämpfen (ich mal nur den Ausdruck nicht).

Und sicher ist es sinnvoller eine große Sache richtig zu machen als viele Dinge halb oder viertel.
Dazu muss ich mir aber wieder vor Augen führen, was das Ziel ist bzw. was ich davon habe, wenn ich diese eine große Sache tu. Dabei hilft eine schöne Übung: 50 Gründe aufschreiben, warum ich dieses Ziel verfolge. Und mir dann die drei wichtigsten aussuchen und jeden Tag durchlesen. Dann fokussiere ich mich auf mein wichtiges Ziel - und bleibe - inshallah - dran!

Und damit das nicht alles so streng klingt: ich kann ja dennoch mir "Spielzeiten" einplanen: wenn ich drei Stunden an meinem großen Projekt gearbeitet habe, darf ich nachmittags auch ne halbe Stunde surfen oder so...
Von: Norbert am 23.07.2008
@ Ralf
@ Frau Klein

Sie beiden schreiben mir ja soooo aus dem Herzen! grin

Das von Frau Klein beschriebene Ideenbuch habe und führe ich ebenfalls. Das ist wirklich eine emotionale und organisatorische Entlastung. Ich kann noch so viele Ideen haben, ich weiß, daß sie sich nicht in Rauch und Nebel auflösen werden, da ich sie notiert habe.
Zudem sehe ich das Notieren dieser Idee auch als Belohnung für mein Gehirn beziehungsweise mein Unterbewußtsein, das sich ja diese Denkarbeit für mich gemacht hat.

Vielleicht kennst Du / kennen Sie ja auch den Text "Nur heute", den ich vor langer Zeit im Dale Carnegie Buch "Sorge dich nicht - lebe!" gelesen hatte. An genau diesen Text mußte ich letzte Woche denken, als Gitte ihren Artikel (Link: "Gebremst. Blockiert. Es läuft nicht recht!") veröffentlicht hätte.

Bei Punkt 8. von "Nur heute" heißt es: "Heute mache ich mir ein Programm. Ich teile die Zeit genau ein und schreibe es mir auf. Vielleicht halte ich die Einteilung nicht durch, aber immerhin habe ich sie gemacht. Damit vermeide ich zwei lästige Übel: Eile und Unentschlossenheit." (Quelle: Dale Carnegie, "Sorge dich nicht - lebe!", Vierter Teil) (Link: Buch bei amazon.de)

Als ich gestern, am Wochenende gerade von einem spannenden Seminar kommend, nicht so recht wieder in meinen Arbeitsrhythmus finden konnte, habe ich mich an die zitierte Passage erinnert - und mir den Digitaltimer ("Eieruhr") auf den Schreibtisch gestellt.

Der Eieruhr-Trick.

Ich habe in dem Timer eine Zeit von 20 Minuten eingestellt und auf "Start" gedrückt. Mein Gedanke war, daß ich, wenn ich schon nicht so richtig "in die Gänge" komme, doch wenigstens 20 Minuten in einem Fachbuch lesen wollte, um in meiner Materialsammlung weiter voranzukommen. Danach könnte ich ja immer noch andere Dinge machen.

Als der Timer nach 20 Minuten sein Signal gab, war ich so in das Thema des Buches eingetaucht, daß ich die nächsten zwei Stunden an diesem Thema weitergearbeitet habe.

Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert
Von: Gitte Härter am 23.07.2008
... zur Eieruhr möchte ich noch was Schönes ergänzen: Vor vielen Jahren habe ich mal einen Schriftsteller kennengelernt, der jeden Abend mindestens eineinhalb Stunden am Computer saß, um in dieser Zeit zu schreiben. Manchmal mochte er nicht und manchmal lief es nicht, darum hat er sich diesen Zeitrahmen zur festen Einrichtung gemacht.

Jedenfalls hatte er eine überdimensionierte Sanduhr, die 90 Minuten lief. Und das fand und finde ich großartig!

Eine Sanduhr, wo gemächlich über 60, 90 oder 120 Minuten der Sand durchrieselt - das hat (für mich) einen ganz eigenen Reiz.

Danke Norbert für die Anregung - das hatte ich die ganzen Jahre ganz vergessen. So eine Sanduhr will ich jetzt nämlich auch.
Von: Norbert am 23.07.2008
...jetzt will ich auch so eine Sanduhr!

Das von Dir beschriebene "Bild" gefällt mir: Ein abends an seinem Schreibtisch sitzender Schriftsteller... Um ihn herum Ruhe und Besinnung. Konzentriertes Arbeiten.

Das hat was. grin

 

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