Im Kundenkontakt

Warum Sie von mir keine Handynummer bekommen

Gitte Härter • 01.04.2011 • email Weiterempfehlen

imageIch habe kein Handy. Das heißt: Ich habe schon eins, aber ich kenne die Nummer nicht, weil ich es nur dreimal im Jahr zum „Raustelefonieren“ benutze. Wenn ich es hoffentlich aufgeladen und drangedacht habe, noch genug Prepaid-Guthaben zu haben.

Wenn ich nach meiner Telefonnummer gefragt werde, wird meistens insistiert, ich solle unbedingt die Handynummer herausrücken. Wenn ich mich als Nichthandynutzer oute, fällt mein Gesprächspartner regelmäßig in Schockstarre. Wie, kein Handy?!!

Mein Standpunkt ist der: Wenn ich unterwegs bin, dann bin ich unterwegs. Ich will nicht auf Gehsteigen, in der Tram-Bahn, im Supermarkt oder während einer Verabredung angerufen werden. Wenn ich am Schreibtisch sitze, bin ich einsatzbereit. Wenn ich nicht ans Festnetz gehe, bin ich anderweitig beschäftigt oder will ganz einfach mal meine Ruhe haben. Dann geht der Anrufbeantworter hin, und ich rufe gerne zurück.

Mich interessiert dieses Thema sehr, weil die ständige Erreichbarkeit, die viele Selbstständige pflegen (oder mitunter auch hassen) ja regulierbar ist. – Bei E-Mails zum Beispiel bin ich das andere Extrem und kann das mentale Angehängt- und Permanent-im-Dienst-sein beim Internet sehr gut nachfühlen. Der Gedanke daran, dass mich das Telefon überallhin verfolgt, mich unterbricht und mich diktiert, wäre für mich unerträglich.

Wie halten Sie das?

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Silke Bicker am 01.04.2011
Liebe Gitte,

wir können uns die Hände schütteln:-)!

Die Kunden, die diese mobile Nr. kennen, besuchen i. d. R. offene Seminare draußen von (und mit) mir. Für den Fall, dass sie sich verfahren oder zu spät kommen, erhalten sie meine Notfallnummer. Dann ist mein Handy auch angestellt.
Ansonsten ist es weitgehend aus.

Große Augen und Schockstarre beim Gegenüber kommt mir vage vertraut vor:-). Wenn der erste Schreckanfall vorbei ist, höre ich häufig, dass ich mit dieser Einstellung zu beneiden sei... was immer das heißen mag:-).

Ich sorge immer dafür, dass genug Guthaben vorhanden ist. Leider vergesse ich an und zu das Ding auszustellen. Wenn ich es dann privat nutzen möchte, habe ich eben manchmal Pech. Vor offiziellen Ereignissen (60. Geb.; eigenen Veranstaltungen; lange Zugfahrten; etc.) passiert so etwas nicht. Dann passe ich auf.

Das klappt?!? - Ja, das funktioniert gut (meistens, 99 %)!

Viele Grüße,
Silke
Von: Tanja Handl am 01.04.2011
Liebe Gitte,

ich halt's ganz umgekehrt: Telefon ja, E-Mail zwei- bis dreimal täglich. Der Grund: Ich wär sonst vermutlich ständig mit Checken beschäftigt. wink Arbeite allerdings auch im Kundenservice und lege deshalb sehr großen Wert darauf, für unsere Kunden gut erreichbar zu sein.
Abgesehen von Geschmackssache ist das handylose Dasein eben auch eine Jobfrage. Auch, wenn vielen Selbstständigen dann sicher Eines schwerfällt: Feierabend machen und abschalten. Daran ist aber vermutlich nicht (nur) das Handy schuld. wink
Von: Silke Bicker am 01.04.2011
Hallo Frau Handl,

wenn ich ein mobiles Büro ohne regulären festen Arbeitsplatz hätte, würde ich mein Mobiltelefon mit Sicherheit stark nutzen.

Andererseits will ich wirklich nicht stets überall erreichbar sein (Tram, S-Bahn, Fahrrad, Auto, in Pausen, etc.) und da bleibt es augeschaltet. Ich bin meist konsequent und würde es auch im obigen Fall nur anstellen, wenn ich "ganz" beim Gesprächspartner sein könnte. Nicht zwischen Fahrkarte entwerten, mit halbem Ohr in der Bahn und halbem Verstand im Thema sein.

Aber ich bin i. d. R. per Festnetz sehr gut zu erreichen und höre regelmäßig meinen Anrufbeantworter ab, wenn ich abwesend war. Die meisten meiner Geschäfte laufen telefonisch (Festnetz) und per E-Mail ab. So ist ein Notfallhandy leicht zu händeln.

Grüße in´s Wochenende,
Silke
Von: Alex Rubenbauer am 01.04.2011
Ich gebe meine Handynummer auch nicht raus, sondern lediglich an enge Freunde und meine Familie, die mich immer erreichen können sollen. Manchmal nehme ich das Handy aber auch bewusst nicht mit oder schalte es aus, wenn ich zum Beispiel für mich sein will.

Vor einiger Zeit habe ich mal einen Artikel darüber geschrieben, warum ich beim Festnetztelefon grundsätzlich immer einen Anrufbeantworter vorgeschaltet lasse: http://rbnbr.info/k9

Telefonanrufe unterbrechen ständig die Tätigkeit, mit der man gerade beschäftigt ist. Da finde ich E-Mail viel besser. Man bekommt bei mir in der Regel sehr schnell eine Antwort per E-Mail, aber eben erst dann, wenn ich gerade Zeit dafür habe. Außerdem hat man bei E-Mails die Möglichkeit, in Ruhe nachdenken, bevor man antwortet.
Von: Jana am 01.04.2011
Kann ich absolut unterschreiben. Ich mach das etwas anders: Bestimmte Leute haben auf meinem Handy einen bestimmten Rufton. Alle anderen haben einen sehr leisen oder nur ein Vibrieren. Je nachdem, wo ich bin, und ob ich gerade gestört werden kann oder mag, ist das Handy aus, oder eben so leise, dass ich es nicht höre. Ich lass mir auch nicht gerne vom Telefon diktieren, wer wichtig ist, und wer nicht.

Emails geben mir die Möglichkeit, zu reagieren, wann ICH es will. Auch da kann ich vor allem den Dauer-Gestressten nur raten: Jede Mail (!) hat 24h Zeit (es sei denn man ist Arzt und der Patient hat Herzstillstand - aber sowas kommt selten per Mail rein). Manchen Menschen macht es ja Spaß, "wichtig" zu sein, und, glauben Sie mir, man ist umso wichtiger, wenn man sich mit der Beantwortung zeit läßt. Nicht ewig, nur einen Tag. Zuverlässig, aber nicht auf Abruf grin
Von: Volkert Brammer am 01.04.2011
Da ich inzwischen außerhalb meines Homeoffices in der Innenstadt arbeite, habe ich eine Rufumleitung auf das Handy installiert. Ermöglicht mir zwar, dass ich erreichbar bin, aber die Telekom kassiert dann bei jedem weitergeleiteten Anruf fleißig ab. Daher gebe ich bewusst meine Handy-Nummer raus, was heutzutage kaum noch ein Handicap für Anrufer ist, weil viele auch eine Flatrate für Handys haben. Damit ich am Abend oder Wochenende nicht beruflich angerufen werde, habe ich auch ein privates Handy.

Und: Wenn ich beim Arbeiten nicht gestört werden möchte, mache ich es einfach aus. Schließlich gibt es ja die Mailbox. Interessant wären verschiedene Klingeltöne je nach Anrufer. Daher werde mal mein neues Handy befragen, ob es das auch macht.

E-Mails können bei mir auch etwas warten, die frage ich 2-3mal täglich ab und antworte sie dann in aller Ruhe. Denn gerade, da man nur als Empfänger den Text erhält, lese ich sie lieber 3mal durch, bevor sie rausgehen. Beugt Missverständnissen und nicht beabsichtigten Fehltritten vor wink
Von: Maria am 02.04.2011
Einmal habe ich Folgendes gelesen.
Zu den Eigenschaften der Sklaven gehörte auch, dass sie immer sofort antworten mussten, wenn man sie rief.
Und heute? Zu den Eigenschaften des Handy-Benutzers gehört, dass er immer sofort antworten muss, wenn das Handy ruft...
...
Von: Eva am 04.04.2011
schliesse mich dem an!
mein Handy nehme ich zwar immer mit, aber nur für den Notfall. Die Nummer gebe ich nicht mehr raus. Leute, denen ich gesagt habe, ich bin über Handy eigentlich nicht erreichbar, ignorieren das leider und beschweren sich dann ich sei ja nicht erreichbar.
Zuhause stelle ich oft das Telefon auf AB, wenn ich meine Ruhe haben will.
E-mail gehört für mich zu den ngenehmeren Kommunikationsmitteln, denn letztlich entscheide ich dort auch selber wann ich die mails lese.
Von: Andrea am 04.04.2011
Genauso sehe ich das auch: entweder ich bin im Festnetz erreichbar oder aushäusig und im Gespräch/Seminar. Dafür ist dann der Anruferbefrager (der sog. Anrufbeantworter beantwortet ja keine Anrufe wink) da.
Außerdem ist meine Erfahrung, daß 99,7% der Telefonate nicht so wichtig sind, daß ich jetzt sofort antworten muß. Meist hat nur der Anrufer keine Lust zu warten oder nicht gelernt, sich in Geduld zu üben, bis sich jemand zurückmeldet oder hält sich für oberwichtig. Von solchen Menschen lasse ich mich nicht tyrannisieren, auch wenn sie Kunden sind.
Deswegen gibt´s meine Handy-Nr. nur an ausgewählte Personen, die sie wirklich nur im wirklich wichtigen Falle wählen.

Und: das war noch nie für jemanden ein Problem. Argument: wenn ich nicht auf dem Festnetz erreichbar bin, bin ich eh´ nicht störbar und gehe auch nicht an´s Handy. Das mache ich auch nicht, wenn ich mit Ihnen im Gespräch bin.

Harmonische Woche für Sie alle!
Von: Murat Kayi am 06.04.2011
Hey! Ich haue meine Nummer raus, wo es nur geht, denn ich stehe gerne in ständiger Verbindung.

Wermutstropfen sind die Akkulaufzeiten, die dann dafür sorgen, dass Anrufer in die Mailbox laufen, aber ich rufe auf jeden Fall zurück.

Ich finde es lästig, wenn jemand einfach von der Bildfläche verschwindet, nur weil er unterwegs ist.
Dafür Verständnis einzufordern ist legitim, für mich - also für den, der Verständnis haben soll - aber ein ähnlicher Kraftakt, als sollte ich mit mehreren Wochen Anreise rechnen, nur weil jemand zu Fuß gehen will.

Auch bin ich eigentlich heilfroh, dass diese elenden "Wir haben uns irgendwo zwischen Karstadt und Café Dingenskirchen verloren und rennen jetzt alle halbe Stunde zum Bahnhofsvorplatz um zu gucken, ob wir uns wieder finden!" Nummern vorbei sind, aber das ist ein ganz anderes Thema...^^
Von: Gitte Härter am 06.04.2011
Hallo zusammen,

haha, Murat, jetzt musste ich über den Bahnhofsvorplatz total lachen. grin

Diese Handygeschichte hatte ich deshalb aufgebracht, weil viele Selbstständige meinen, erreichbar sein zu müssen. Dass es durchaus viele Vorteile hat, per Handy erreichbar zu sein und andere zu erreichen, ist nicht die Frage! Und dass es zusätzlich auch Berufe gibt oder Service-Angebote, wo die Erreichbarkeit ein Muss ist (z. B. ein Computernotdienst) ist auch klar.

Die Frage für den Einsatz in der Selbstständigkeit, also vorrangig die Erreichbarkeit für Kunden ist jedoch auch etwas, was in den Kommentaren auch einige Male durchkam:

- Bin ich, wenn ich rangehe, auch in der Lage dem Kunden - in passender Wirkung - zu antworten?

Ich selbst höre oft, wenn ich auf Handys anrufe: "Ich bin gerade ..." oder habe einen sehr hektisch oder unaufmerksam wirkenden Gesprächspartner dran. Das sind so Fälle, wo ich mir denke: Mann, hätteste halt die Mailbox drangelassen, wenn Du nicht richtig telefonieren kannst oder mir meine Frage ohne Unterlagen, die daheim am Schreibtisch liegen, eh nicht beantworten kannst.

Dieses bewusste Ab- und Anschalten, das für Anrufer oder auch für das Umfeld, in dem man sich gerade befindet, eben auch eine Rolle spielt. Und da mache ich jetzt nicht mal die Kiste auf, dass in Zügen oder Restaurants lautstark irgendwelche Interna ausgebreitet werden (auch das etwas, das mich immer wieder nicht nur nervt, sondern erstaunt) ...

Einen schönen Nachmittag
Gitte
Von: Murat Kayi am 06.04.2011
Ah, da bin ich wieder d'accord!

Man sollte immer bewusst entscheiden, wann man ein Telefonat denn annimmt. Man kann ja - Segen des Handys - meist noch lange, bevor man wieder am Schreibtisch sitzt, auch in einer passenderen Situation zurück rufen.

Aber dieses Phänomen tritt ja auch bei Festnetzanschlüssen auf:
"Es geht grad nicht, ich bin in einer Besprechung..." Als Anrufer kriege ich da die berüchtigen Pimpernellen. Warum dann abheben?

Solche Sätze hören von mir nur sehr ausgewählte Personen, bei denen etwas wichtiges anliegen könnte.
Anrufe von unbekannten Nummern, bzw. Anrufe von Personen aus einem etwas weiter außen liegenden Kreis nehme ich nicht entgegen, wenn ich mit Leuten am Tisch sitze und bespreche... das ist dann also eigentlich nicht eine Frage der Technologie, sondern des Hirns.

Weniger Smartphone, mehr Smartbrain. Ach, gäbe es doch letzteres zu kaufen!
"Darf ich es als Geschenk einpacken?"
"Ja, bitte!"

^^
Von: Volkert Brammer am 06.04.2011
@ Murat

Smartbrain sollten sich besonders chronisch-handynutzende Bahnfahrer zulegen. Heute habe ich mal wieder so nette Interna zu Arbeitsverträgen mitbekommen, die ein recht jungdynamischer Mann mit seiner Mitarbeiterin besprochen hat. Vielleicht sollte ich meine Zugfahrten zum Geldverdienen nutzen: Training on the Railway - Do´s and Dont´s zum Telefonieren in der Öffentlichkeit.

Dabei ist es doch so einfach: Einen passenden Ort zum Telefonieren.

Oder, wenn es klingelt in der Öffentlichkeit: Erst denken, dann rangehen. Oder eben gerade nicht.

Einen schönen Abend
Volkert
Von: Gitte Härter am 06.04.2011
@Murat zu Festnetz: Schtümmt!
Von: Tanja Handl am 07.04.2011
@ Silke: Das stimmt, es kommt immer darauf an, unter welchen Umständen man eigentlich arbeitet. Bei uns in der Firma werden Arbeitszeit und -ort sehr flexibel gehandhabt, was aber nicht heißt, dass ich 24/7 verfügbar sein muss. Wenn während meiner Arbeitszeit ein Kunde dran ist, dann hat das aber selbstverständlich Vorrang für mich, also muss ich in dieser Zeit auch wirklich gut erreichbar sein.

Leider lassen sich viele bis in die Freizeit hinein von ihrem Mobiltelefon aufdiktieren, was wichtig ist und was nicht. Ich finde, Volkert macht es da ganz richtig: Wenn's aus ist, ist's aus. Verlässlich zurückrufen kann ich immer noch.

 

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