Warum mir ein Spammer sympathisch ist und was Sie von diesem Elektriker lernen können
Spam ist für mich ein rotes Tuch. Ich hasse Spammer und wünsche ihnen alles Böse an den Hals. Bis auf diesen einen: Ein amerikanischer Spamaccount, der mir zuverlässig unter einem Männernamen alle paar Tage irgendeinen Mist andrehen will, ist mir sympathisch geworden. Wie konnte das passieren? – Und was hat das Ganze mit dem Elektriker zu tun?
Sympathie ist entscheidend
Bevor ich Ihnen erzähle, was der Spammer getan hat, lassen Sie uns kurz über Sympathie reden. Die ist nämlich bei uns Einzelunternehmern extrem wichtig, denn sie kann Ihnen den entscheidenden Vorteil gegenüber Mitbewerbern verschaffen.
Tatsächlich?
Prüfen Sie sich selbst:
- Wenn Sie einen Anbieter zur Wahl haben, Sie ihn aber nicht mögen, beauftragen Sie ihn trotzdem?
- Wenn Sie mehrere Angebote eingeholt haben, alle scheinen gleich qualifiziert, der Preis ist entweder gleich oder spielt für Sie nicht die entscheidende Rolle – aber einer davon ist Ihnen sympathischer. Wer bekommt den Auftrag?
Für viele Menschen ist Sympathie ein ausschlaggebender Faktor. Natürlich ist dabei der Glaube in die Kompetenz vorausgesetzt.
Ja: Glaube. Denn bei vielen Anbietern kann man als Laie nicht nachprüfen, wie kompetent jemand tatsächlich ist: Wissen Sie, ob Ihr Zahnarzt wirklich so gut ist oder haben Sie einfach ein gutes Gefühl? Da sind wir übrigens bei einem anderen wichtigen Thema: Wie Sie Ihr Business boykottieren, wenn Sie durch Ihr Auftreten diesen Glauben in die Kompetenz zerstören. Aber das ist heute nicht dran.
Natürlich gibt es auch potenzielle Auftraggeber, denen völlig egal ist, wer eine Sache erledigt, so lange er sie erledigt. Ich behaupte jetzt aber einfach mal, dass das eine Minderheit ist. Oder dass das besonders dann passiert, wenn der Auftraggeber andere, für ihn relevantere Probleme hat, zum Beispiel Dringlichkeit.
Wenn mir die Wohnungstüre zufällt und ich brauche einen Schlüsseldienst, dann soll mir einfach einer schnell die Türe wieder aufmachen. Der muss mir nicht sympathisch sein. Allerdings würde ich persönlich wiederum schon am Telefon nach Sympathie auswählen: Wenn ein Schlüsseldienst am Telefon ätzend ist, bekommt er keinen Auftrag, auch wenn ich noch eine weitere halbe Stunde auf der Treppe sitze.
Ihre Auftraggeber haben unterschiedliche Entscheidungskriterien
Wie Sie auftreten und sich persönlich und schriftlich geben, ist eines davon.
Wie also hat es der amerikanische Spammer geschafft, dass ich ihm nicht mehr böse bin, sondern jedes Mal schmunzle, wenn er alle paar Tage in meinem Postfach auftaucht?
- Er mailt mir unter Vor- und Nachnamen.
- Er meldet sich regelmäßig bei mir, so dass ich ihn (er)kenne.
- Er hat mir vor einiger Zeit die Information geschickt, dass er jetzt dann in Urlaub geht!
Nun soll das ja kein Fernkurs für angehende Spammer werden, doch hier stecken drei wichtige Botschaften für jeden von uns drin:
- Verstecke Dich nicht hinter Deinem Firmennamen! Besonders als EinzelunternehmerIn sind Sie ja Ihre Firma: Stellen Sie sich immer mit Namen vor!
Bestimmt ist Ihnen schon aufgefallen, dass wir unseren Newsletter immer mit unserem Namen schicken: Ralf Senftleben/unternehmenskick.de oder Gitte Härter/unternehmenskick.de. Das tun wir nicht in erster Linie, damit Sie uns unterscheiden können. Wir könnten auch als Absender „unternehmenskick.de“ verwenden – bei der Unterschrift wird ja klar, wer Ihnen geschrieben hat.
Wir tun es, weil E-Mails, die persönliche Absender haben, mehr Aufmerksamkeit bekommen als „anonyme Firmenmails“. Ah: Ralf oder Gitte schreiben mir. Das entspricht gleichzeitig uns kleinen Firmen ja auch sehr viel mehr. Sie und wir sind kein anonymer Großkonzern, wir sind nicht mal eine Firma mit 50 Mitarbeitern!
Wenn Sie ein Einzelunternehmer sind, habe ich es immer mit Ihnen zu tun. Warum sollten Sie sich denn hinter „KORMORAN GmbH“ oder „Computertechnik GbR“ verstecken und dadurch sehr viel unpersönlicher wirken?
- Melde Dich regelmäßig! Dass es wichtig ist, sich immer wieder in Erinnerung zu bringen, ist eigentlich klar. Und dennoch tun es die wenigsten.
Wenn Sie einen Newsletter haben, ist das schonmal eine super Sache. Denn der garantiert Ihnen, dass Sie regelmäßig bei Ihren Kunden und Interessenten, die ihn abonniert haben, „aufschlagen“.
Doch das Nachhaken, wenn ein Einzelunternehmer einen potenziellen Neukunden anspricht, unterbleibt meistens. Da wird einmal ein Brief geschickt und das war’s. Oder jemand hat letztes Jahr bei Ihnen bestellt, sich nie mehr gemeldet ... und Sie haben von sich aus auch nie mehr einen Piep gesagt.
Seien Sie mit Ihren Kunden regelmäßig in Kontakt. Aber natürlich nicht, wie mein Spammer, nur indem Sie immer wieder eine Werbung raushauen. Und natürlich nicht ständig. Es geht ja um In-Kontakt-bleiben und nicht darum, zu nerven oder uns aufzudrängen.
Das Allerbeste an unseren kleinen Unternehmen ist ja, dass wir nicht Tausende von Kunden haben. Wir haben in der Regel eine sehr begrenzte Zahl bestehender Kunden und Interessenten: Diese dann auch regelmäßig mit einem Anruf, einer Nachricht oder auch einfach mal nur einer netten Hallo-Postkarte zu bedenken, ist wirklich keine große Sache!
- Werde persönlich. Als mir der Ami-Spammer die Mitteilung schickte, dass er jetzt dann in Urlaub ist, sind mir erstmal die Augen aus dem Kopf gefallen und ich habe hysterisch gelacht. Doch seit dieser Nachricht hat sich unser Verhältnis geändert. Jetzt ist er ein Mensch für mich (und aus Marketinggesichtspunkten ist er ein Genie!). Jetzt bin ich ihm nicht mehr böse, wenn er mich zuspammt. Wie absurd ist das denn?
Ich finde das höchst interessant, besonders weil ich hier an mir selbst sehe, wie es gelingen kann, dass extreme Anti-Haltung kippen kann, wenn der andere sich richtig verhält. Die gute Nachricht: In der Regel haben Sie keine solche Hürde zu nehmen! Denn in unserem normalen Alltag sind unsere Auftraggeber ja nicht gegen uns – ganz im Gegenteil: Sie brauchen unsere Leistung oder unser Produkt ja sogar.
Wie Sie schon in wenigen Minuten und indem Sie ganz Sie selbst sind, persönlich werden können, das können Sie von dem Elektriker lernen, der letzte Woche bei mir war. Das erzähle ich Ihnen aber morgen.
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Anmerkungen & Kommentare
dankeschön
Ich bin sicher, dass die allermeisten Leute das mit dem Namen als "normal" und höflich finden. Und dennoch - da sind Websites ja ein wunderbares Beispiel! - verstecken sich ganz viele Einzelunternehmer hinter einem Firmennamen, treten selbst nicht (oder gerade mal im Impressum) namentlich in Erscheinung ... tun meistens sogar ihr Bestes, zu verschleiern, dass sie ein Einzelunternehmer sind. Ich würde mal behaupten, dass von den Selbstständigen, die mir in den letzten zehn Jahren begegnet sind, Dreiviertel (wenn es reicht!) auf ihrer Website den Eindruck von größerer Firma erwecken, und zwar absichtlich von wir und uns und einem Team sprechen (das in Wirklichkeit ein loses Netzwerk von einer Handvoll anderer Freiberuflern ist).
Etwas zu wissen und zu finden, reicht eben nicht aus. Darum lohnt es sich immer wieder, sich zu hinterfragen, gerade in den Details (Nichts als selbstverständlich abtun).
Aber jetzt bin ich abgeschweift. Sorry. Ich wollte eigentlich sagen: Sehr gut, wenn diese Dinge für Dich einfach höflich und damit wichtig sind und Du das selbstverständlich tust.
Das mit dem regelmäßig bei Kunden melden nehme ich gerne als Stichwort für einen künftigen Newsletter-Text auf (übernächster oder überübernächster). Darüber machen sich sicher ganz viele einen Kopf.
Ich werde mal aufzeigen, dass das unnötig kompliziert gedacht ist und einige Beispiele machen, wie das aussehen kann. Dann platzt der eigene Knoten einfacher. Danke für den Vorschlag.
Der Kern ist doch der: Welches Motiv habe ich, mich zu melden? Geht es nur darum, mich zu vermarkten oder etwas zu verkaufen? Dann wird das Ganze natürlich schnell krampfig und die Art der Kontaktaufnahme auch schnell zu einer Heizdeckenveranstaltung.
Mir fällt da immer der Teilnehmer in einem Telefonkurs vor vielen, vielen Jahren ein, der sagte: "Frau Härter, jetzt sagen Sie mir mal einen Trick, was ich am Telefon sagen kann, damit der Kunde nicht denkt, ich rufe immer nur an, wenn ich was will."
Ich habe mich totgelacht und nachgefragt: "Ja, wie ist das denn? Rufen Sie denn immer nur an, wenn Sie was wollen?"
"Ja."
Ooookay.
Aber ich stoppe hier mal, denn das Thema ist so wichtig und gibt so viel her, dass wir das extra mal behandeln. Dann sehen es auch mehr und bringen sicher noch eine Menge weiterer Erfahrungen und Anregungen dazu ein.
Viele Grüße
Gitte
ja: die Phantasienamen ... oder, was ich noch viel schlimmer (da total austauschbar und oft nichtssagend ist) seltsame Abkürzungen wie GHC (Gitte Härter Coaching).
Herzlichen Dank fürs Weiterempfehlen!
Einen schönen Nachmittag
Gitte Härter
wollte nur kurz Bescheid geben: Ich habe es nicht vergessen. Der Artikel ist schon halb fertig, und ich wollte ihn für nächsten Montag einplanen - aber jetzt bin ich zu uninspiriert, um ihn fertigzumachen und schreibe kurzerhand für Montag einen anderen.
Aber: Er kommt demnächst. Wirklich!
Viele Grüße
Gitte
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Gitte Härter •
wieder einmal ein toller und amüsanter Beitrag. Sich mit seinem Vor- und Nachnamen vorzustellen, sowie sich abzumelden und eine Vertretung im Urlaubsfall vorzustellen, halte ich für eine Sache der Höflichkeit!
Sich regelmäßig zu melden, empfinde ich schon als schwieriger. Erst recht wenn ich keine Newsletter verschicke! Da gilt es zum einen den Grund hierfür zu finden und zum anderen den schmalen Grat zwischen der Kunde freut sich das man sich meldet und nach seinem Wohlbefinden fragt, zum anderen kann er sich bedrängt und belästigt fühlen und hält das "sich regelmäßig melden" für übertrieben.
Wie also entscheide ich mich und welche Gründe gibt, um es sich regelmäßig beim Kunden zu melden?
Vielleicht können wir mit den anderen Lesern ein wenig darüber diskutieren. Ich würde mich freuen!
VG Patrick