Verzetteln
Es gibt ja so Begriffe, die irgendwie schon eine Ausrede eingebaut haben. „Verzetteln“ ist so ein Begriff. „Ich habe mich verzettelt“ klingt irgendwie okay. Ohhh, da hat sich jemand verzettelt! Der Arme!
Reinrassiges Verzetteln, also dass man sich buchstäblich in seinen Aufgaben „verläuft“, ist eher selten. Ich behaupte mal das ein „Ich neige dazu, mich zu verzetteln.“ in die Richtung von „Ich bin halt so!“ geht. Oder ähnlich einem Fremdgeher, der sagt, dass ihm „da was passiert ist.“
Wissen Sie, was mir dabei fehlt? – Das Übernehmen von Verantwortung und das Ergründen, worum es tatsächlich geht.
Wenn Sie sich tatsächlich immer wieder verzetteln, dann bringt es Ihnen sehr viel mehr, wenn Sie hinschauen, was genau Sie damit meinen – und dann die Verantwortung dafür übernehmen anstatt sich einen Aufkleber „Neige zum Verzetteln“ zu verpassen (und vielleicht sogar mit Stolz zu tragen).
Aber, aber ...
Bevor Sie protestieren, will ich mal eben ausführen, was ich mit Verantwortung meine.
Wir alle haben so unsere Vorlieben und Neigungen, Stärken und Schwächen ... und natürlich unsere Persönlichkeit. Dazu kommt unser Alltag: Wenn wir viel um die Ohren haben oder die Zeit drängelt, kommen weitere erschwerende Aspekte hinzu. Doch bleiben wir mal beim ganz normalen Alltag und bei den „To Do’s“.
Wir haben jeden Tag Aufgaben zu erledigen – beruflich und privat. Darunter gibt es verschieden geartete Aufgaben:
- einfache
- schwierige
- schnell erledigte
- zeitlich umfassendere
solche,
- die wir über alles lieben und genießen
- die wir ganz gerne machen
- die uns nichts ausmachen
- die wir hassen wie die Pest
- die uns Angst machen
- die wir prinzipiell im Griff haben, also alles gut umsetzen können, wenn wir sie angehen
- bei denen wir ein Talent einsetzen können
- bei denen klar ist, was zu tun ist
- bei denen wir keinen Plan haben, wie wir sie angehen sollen
Das Ganze läuft in einem sehr überschaubaren Rahmen ab: Sie haben sich selbst und eventuell Ihre Familie zu organisieren. Und beruflich geht es nur um eine Ein-Personen-Firma oder um ein kleines Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern. Sie haben keinen Großkonzern zu führen und kein Land zu regieren.
Warum ich das jetzt sage? Weil solche Riesendimensionen natürlich dazu führen können, dass man sich verzettelt. – Aber seien wir ehrlich: Wie sehr kann man sich denn bei kleinen Klitschen
wie unseren wirklich soooo verzetteln, dass man sich hinten und vorne nicht mehr auskennt? Wir können eine kleine Liste zur Erinnerung schreiben und haben dann immer Schwarz auf Weiß vor uns, was zu tun ist. Verzetteln im Sinne von: “Ich habe mich einfach hinten und vorne nicht mehr ausgekannt” ist so gut wie unmöglich.
Das meine ich mit „verzetteln ist ein hübsches Wort mit eingebauter Ausrede.“ In der Regel geht es doch darum, dass wir etwas nicht tun oder nicht fertigmachen. Aber nicht, weil wir „das Ziel aus den Augen verloren haben“ oder „wir uns hinten und vorne nicht mehr auskennen“, sondern meistens geht es doch darum:
Ich habe nicht nachgedacht.
Ich habe mir nicht aufgeschrieben, was es zu tun gibt. Nicht genau überlegt, wie komplex die Sache ist. Etwas unter- oder überschätzt. Keine Prioritäten gesetzt. Meine sonstigen Aufgaben nicht mit einbezogen. Schlichtweg nicht geplant, mich von vornherein überplant (was ich auch schon wusste) oder meine Planung nicht angepasst.
Ich habe keine Lust.
Diese ganze Sache oder die Aufgabe, die als nächstes damit verbunden ist, macht mir keinen Spaß. Ich kann mich nicht aufraffen, es anzufangen. Ich bin nicht besonders gut darin, darum macht es mir auch keine Freude. Die Aufgabe ist mir zu langweilig oder zu anstrengend. Ich habe eingewilligt, etwas als Freundschaftsdienst zu machen oder nur um des Geldes willen eine blöde Aufgabe angenommen. Ich habe falsch kalkuliert oder mich runterhandeln lassen, so dass sich die Sache gar nicht lohnt und ich mich auch nicht engagieren will.
Ich habe keine Ausdauer.
Nach der ersten Begeisterung, habe ich keine Lust mehr. Längerfristiges Dranbleiben mag ich nicht besonders gerne, weil mir die Dinge langweilig werden und ich lieber was Neues beginne. Es ist mir zu mühsam, dranzubleiben. Etwas vergällt mir die Sache, etwa wenn sich etwas total hinzieht.
Ich habe keine Ahnung.
Ich weiß nicht, ob ich der Aufgabe gerecht werde. Ich bin mir nicht dessen bewusst, dass und ob ich andere Kenntnisse und Fertigkeiten darauf einfach so übertragen kann. Ich kann einen Teil davon nicht beziehungsweise habe es noch nie gemacht. Ich müsste vorher noch Informationen recherchieren oder andere Leute fragen ...
Ich habe keine Zuversicht.
Ich habe Selbstzweifel. Ich habe so eine Aufgabe schonmal in den Sand gesetzt. Ich weiß nicht, ob ich es kann oder habe sogar Angst davor. Wenn ich es nicht fertig mache, muss ich damit nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Sie können diesen Beitrag
kommentieren oder ihn an einen Freund oder Bekannten
weiterempfehlen
oder
Twitter den Beitrag.
Anmerkungen & Kommentare
Es gibt leider noch keine Anmerkungen. Schreiben Sie doch eine!
Anmerkung schreiben
Bitte keine Firmen im Namensfeld und keine Webadresse oder sonstige Eigenwerbung im Kommentar.
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.
Unsere aktuellen Selbstlernkurse:
- Wenn die Selbstständigkeit belastet (21-Tage-Programm)
- Wie Sie Ihr Angebot Schritt für Schritt verbessern
- Erfolgreiche E-Mail-Newsletter (Tagesversion / Wochenversion)
- Webseiten, die verkaufen
- Erfolgreiche Telefonakquise (Business-to-Business)
- Akquise mit Spaß und Motivation
- In 3 Schritten zu einem aussagekräftigen Profil
- Geschäftliche und persönliche Ziele finden
Kategorien
Die letzten Kommentare
Manche Kunden machen einem nur Arbeit
Gitte Härter
23.05
Was ist Ihre beste Qualität?
Gitte Härter
23.05
Heute lernen Sie: Größenwahn
Gitte Härter
23.05
Heute lernen Sie: Größenwahn
Beatrice Legien
22.05
Manche Kunden machen einem nur Arbeit
Michael
22.05
7 Erfolgsfaktoren für Ihre Akquise!
Gute – und damit erfolgreiche – Akquise weist sieben wichtige Eigenschaften auf. Sie ist ...
111 Annahmen ...
... mit denen Selbstständige
meistens danebenliegen
Gitte Härter •