Erfolgsprinzipien

Versuch und Irrtum - Wer mehr versucht, verdient mehr Geld

Ralf Senftleben • 30.06.2008 • email Weiterempfehlen

Meiner Meinung nach gibt es eine nahezu narrensichere Vorgehensweise, um als Selbstständiger erfolgreich zu werden. Und dieser Weg funktioniert (stark vereinfacht) so:

  1. Ich probiere etwas aus (zum Beispiel ich biete ein neues Produkt an oder eine neue Dienstleistung für meine Kunden oder ich teste eine neue Marketing-Möglichkeit).

  2. Und wenn mein Versuch erfolgreich ist und bei meinen Kunden gut ankommt, mache ich mehr davon und baue diesen Bereich aus. Wenn nicht, gehe ich zurück zu Schritt 1 und versuche etwas anderes.

Sie kennen es: Das Prinzip von Versuch und Irrtum. Das klingt eigentlich trivial und logisch. Aber in der Wirklichkeit des Geschäftsalltags verhalten sich viele Selbstständige vollkommen anders und halten jahrelang an Produkten fest, die nicht gut funktionieren, und scheitern dementsprechend irgendwann oder dümpeln jahrelang vor sich hin.

Das würde in meinen Augen deutlich seltener passieren, wenn diese Selbstständigen die obige Strategie konsequent anwenden würden.

Es gibt allerdings ein paar Voraussetzungen für diese Vorgehensweise und auch einige Fallstricke.

Voraussetzung ist beispielsweise, dass Sie sich erlauben, Ihr Geschäft als Labor oder Experimentierfeld zu sehen, und auch, dass Sie sich erlauben, Fehler zu machen und kontrolliert zu versagen. Wenn Sie den Anspruch haben, dass alles, was Sie tun, ein Knaller werden muss, dann haben Sie mit der obigen Strategie des Versuchs und Irrtums ein Problem.

Bei mir ist das so, dass grob geschätzt jede 5. Sache, die ich versuche, etwas wird. Das heißt für jeden Erfolg mache ich 4 Versuche, die in die Hose gehen oder nur mittelmäßig funktionieren.

Das heißt nur jedes 5. Produkt, das wir anbieten, wird ein Bestseller. Nur jeder 5. Marketing-Kanal rechnet sich richtig, bringt mehr Umsatz, als das Marketing kostet, und bringt auch von der Anzahl her genug Abschlüsse, Verkäufe und Kunden.

Das muss man natürlich aushalten, und was Sie hier brauchen, um das wegzustecken, ist nicht nur ein sonniges Gemüt, sondern noch eher die Herangehensweise eines Wissenschaftlers, der so lange experimentiert, bis er endlich das erreicht, was er will.

Wichtig ist dabei auch, dass Sie Ihre Experimente möglichst schnell durchziehen, denn wenn beispielsweise nur jeder 5. Versuch bei der Produktentwicklung oder im Marketing ein Erfolg wird, wollen Sie die 4 Fehlschläge möglichst schnell hinter sich bringen. Deswegen ist es bei dieser Vorgehensweise nicht nur wichtig, möglichst zügig zu agieren, sondern die Versuche auch vom Umfang her möglichst klein zu halten, so dass deren Umsetzung nicht jeweils Jahre dauert. Schnelle Umsetzung ist auch wichtig, damit Ihnen auf dem Weg bis zum ersten Erfolg nicht das Geld ausgeht.

Das Gleiche gilt für die Kosten eines Versuchs. Ein neues Produkt oder eine neue Marketing-Möglichkeit sollte von den Kosten her immer überschaubar sein, so dass uns ein Fehlschlag nicht gleich das Genick bricht.

Was Sie hier auch brauchen, ist Ehrlichkeit mit sich selbst. Wenn eine Sache nicht funktioniert, auch wenn Sie sie für noch so vielversprechend gehalten haben, dann nutzt es nichts, die Sache weiter zu verfolgen.

Wenn Sie Trainer sind und das Seminar, in das Sie Ihr Herzblut gesteckt haben, keine Kunden findet, dann müssen Sie ehrlich mit sich sein und sich eingestehen: Der Einzige, der das Seminar toll findet, bin ich selbst. Sie wissen ja, wenn Sie merken, dass Sie ein totes Pferd reiten, sollten Sie absteigen. Und dann müssen Sie die Flexibilität haben, etwas Neues zu versuchen.

Die hier skizzierte Vorgehensweise ist wirklich ganz einfach: Probieren Sie aus und experimentieren Sie und wenn Sie auf eine Sache stoßen, die gut funktioniert, machen Sie mehr davon. Und wenn die Sache nicht funktioniert, versuchen Sie etwas anderes, und zwar so lange, bis Sie auf eine Goldader gestoßen sind.

Wenn Sie so vorgehen und das lange genug durchhalten, dann können Sie fast gar nicht anders, als erfolgreich zu werden.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Norbert Jothann am 30.06.2008
Zitat:
"Meiner Meinung nach gibt es eine nahezu narrensichere Vorgehensweise, um als Selbstständiger erfolgreich zu werden." (Ralf Senftleben)

Hallo, Herr Senftleben!

Nachdem ich Ihren Eingangssatz gelesen habe, war ich geneigt zu sagen: "Ich nehme Sie beim Wort, Herr Senftleben!" Es klingt ja ein wenig nach einem "Erfolgsversprechen".

Aber ich denke, ich habe verstanden, was Sie damit sagen wollen: Es nützt nichts, wenn man sich im stillen Kämmerlein tolle Projekte und Marketingstrategien überlegt, wenn man nicht hinausgeht, um zu prüfen, ob diese überhaupt beim Kunden / bei der Zielgruppe gefragt sind. Man muß immer wieder direkte Feldforschung betreiben, um die Sinnhaftigkeit und den Erfolgschancen seiner Ideen und Maßnahmen zu überprüfen.

Die Sache mit dem Pferd, von dem man absteigen sollte, wenn es tot ist, kenne ich aus eigenem Erleben. Es gibt allerdings Seminar- und Konzept-Ideen, von denen ich nach wie vor überzeugt bin. Ich biete Sie allerdings nicht mehr zuerst an, sondern behalte sie in meinem "Köcher", falls das Gespräch hierauf kommen sollte.

Auch wenn diese speziellen Seminarangebote und Konzepte derzeit am Markt nicht gefragt ist, so bin ich aber doch froh, mich mit bestimmten Themen beschäftigt und diese mit potentiellen Kunden und Branchenkollegen besprochen zu haben. Aus diesen Gesprächen entstanden neue Ideen, auf die ich ohne diese Vorarbeit gar nicht gekommen wäre.

Was mir in Ihrem Artikel gefällt, ist der Hinweis darauf, daß man die Taktzahl bei dieser Versuch-und-Irrtum-Vorgehensweise hoch halten muß, um schnell zu mach- und finanzierbaren Ergebnissen zu kommen.

In meiner Anfangszeit als Selbstständiger hatte ich zwei "bleierne Enten" in meinem Angebotskoffer, an denen mein Herzblut hing. Ich wollte diese "bleiernen Enten" für längere Zeit unbedingt als "federleichte Schwäne" sehen. Aber da war ich mit mir alleine... wink

Herzliche Grüße aus Hamburg

Norbert Jothann
Von: Gitte Härter am 01.07.2008
... wobei das ja nochmal komplexer ist:

Das *Ausprobieren* kann Tücken beinhalten: das Produkt/die Leistung ist noch nicht ausgereift, bräuchte also noch Feintuning, unüberzeugendes An-den-Mann-bringen, zu wenig Aktivität, nicht die richtige Zielgruppe etc.

Oder Experimentieren auch auf "Sprache"/Texte bezogen: Das kennen, glaube ich, auch die meisten von uns (und im Online-Workshop hatten wir darüber auch eine sehr interessante Diskussion) -> Manche Dinge funktionieren nicht, zum Beispiel ein Seminar, und dann ändert man den Titel und das Ding wird der Renner.

Experimentieren also auch in Art und Ausführung und nicht gleich "alles von Bord werfen, nur weil es scheinbar nicht sofort geklappt hat".
Von: Ralf Senftleben am 01.07.2008
Hallo Herr Jothann,

ja... ich erlaube mir oft Dinge ein bisschen zu pointiert darzustellen. Das Ganze ist natürlich kein absolutes Erfolgsrezept, aber ich glaube, dass die Grundidee sehr nützlich und wirksam ist.

Hinter dieser Vorgehensweise steckt auch eine andere Annahme, die ich für sehr praktisch halte:

Und zwar, dass man vorher einfach nicht wissen, was auf dem Markt gut ankommt und dass ich das nur durch ausprobieren herausfinden kann.

D.h. ich bin nie vollkommen überzeugt von meinen Ideen, weil ich weiß, dass die letzte Entscheidung unsere Kunden treffen. Das gibt mir eine gewisse "Demut", die ich persönlich als sehr angenehm empfinde.

Und Gitte, du hast absolt Recht. Zum Ausprobieren gehört natürlich auch das Verbessern und Anpassen von Kleinigkeiten. Das ist ein wichtiger Hinweis.

Schöne Grüße,
Ralf
Von: Zamyat M. Klein am 04.07.2008
@ Gitte Härter,

das ist ja eine klasse Idee:-).

Den Titel ändern!
Einmal habe ich es auf Wunsch von künftigen Teilnehmern gemacht - und es hat funktioniert. Habe aber nie mehr daran gedacht, das noch mal weiter einzusetzen. Es war auch im Seminar eine kleine Akzentverschiebung - aber das werde ich sofort wieder testen.
Von: Gitte Härter am 06.07.2008
Hallo Frau Klein,

gell, manchmal verliert man Dinge aus den Augen. Geht mir ganz genauso, und plötzlich wird man wieder drauf gestoßen und denkt: _Ja! Das hat doch schonmal gut geklappt, gleich wieder einsetzen._

Das mit der Akzentverschiebung ist sehr wichtig, finde ich. Denn Worte verändern ja vieles: Es kann die Aussage ändern, die eigene Wirkung auch.

... und damit spricht man wieder ganz andere Leute an und weckt andere Erwartungen.

Darum ist es bei so Experimenten auch immer ganz wichtig, auf diese "Nebenwirkungen" zu achten und sie gezielt so einzusetzen, wie man sich das wirklich vorstellt. Sonst erlebt man noch sein blaues Wunder!

Viele Grüße
Gitte Härter
Von: Ursula Kruck-Hantschel am 07.07.2008
Hallo Ralf,

es ist immer wieder schön für mich einen Beitrag wie diesen zu lesen.

"Versuchslabor" ist eine interessante Beschreibung wink

Aus meiner Sicht & Erfahrung möchte ich gerne ergänzen, dass ein Produkt/Seminar manchmal auch einfach nicht zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt kommt.
So hatte ich vor 10 Jahren Ideen, die niemand verstand :-( und ich nicht verstand, wo sie doch so genial schienen.

Eines Tages traf ich einen Unternehmer der mir sagte: "Sie sind einfach Jahre zu früh!" (Ich kenne inzwischen viele Erfinder & Unternehmer, die einfach zu früh waren, um das Produkt wirklich einführen zu können)

Heute (heutzutage) ist für mich der richtige Zeitpunkt.
In der Zwischenzeit, in dem die Ideen ruhen durften, sind sie weiter gereift und ich habe ich die Lösung dann schon in der Schublade und brauch sie nur rauszuholen, die Vorarbeit hatte ich bereits geleistet.

Das bestätigt auch die oft gehörte Aussage: Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort..

Ich möchte damit sagen und allen Mut machen:
Wenn ein Projekt/Produkt im Moment nicht fruchtet, kann es durchaus daran liegen. So kann man ein Projekt in einer Schublade aufheben bis der "richtige" Zeitpunkt gekommen ist, es modifizieren und reifen lassen. Dann kommt Flexibilität zum tragen und einfach Plan B oder das nächste Projekt.

Ich für meinen Teil mache auch einen Kleinversuch. Hole mir Eindrücke und Feedbacks und höre genau hin. In solchen Fällen fiel mir schon oft auf, dass ich nur ein bisschen an der Sache drehen musste und sie würde funktionieren.

Ich denke hier gilt ganz besonders: "Nichts erzwingen zu wollen" - sowie man auf Widerstand stößt, inne halte und genau hinhören und dann entscheiden:
Weitermachen oder ändern oder ab in die Schublade.

Das hält die Kosten gering und eine Enttäuschung ist noch nicht im Anmarsch!

Liebe Grüße
Ursula
Von: Ralf Senftleben am 08.07.2008
Ursula, absolut richtig. Für manche Produkte ist der Markt noch nicht bereit und wenn man eine Leistung oder ein Produkt nicht unterbekommt, dann muss man es nicht gleich komplett knicken, sondern dann gehört es in die Schublade.

Für mich ist es nur wichtig, das möglichst schnell zu erkennen, damit man etwas Neues versuchen kann. Denn so lange zu warten, bis die Zeit für ein produkt gekommen ist, kann einem schnell finanziell das Genick brechen.
Von: Ursula Kruck-Hantschel am 08.07.2008
Hallo Ralf,

danke für das Feeback.
-----
Zitat:
"Für mich ist es nur wichtig, das möglichst schnell zu erkennen,.."
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Ich erwähnte bereits, dass hier die Flexibilität zum Tragen kommen sollte:

-> "Nichts erzwingen zu wollen" - sowie man auf Widerstand stößt, inne halten und genau hinhören und dann entscheiden:
-> Weitermachen oder
-> ändern oder
-> ab in die Schublade.

Das hält die Kosten gering.....
Von: Harald Dvorak am 08.07.2008
dass Sie sich erlauben, Fehler zu machen und kontrolliert zu versagen.


Da kann man sich am Spitzensport ein Beispiel nehmen: In diesem Bereich geht es weniger darum keine Fehler zu machen, es ist sogar klar, dass welche passieren werden. Wichtig ist, nach einem Fehler wieder schnellstmöglich arbeitsfähig zu sein und nach vorne zu schauen.

Liebe Grüße aus Wien,

Harald

 

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