Selbstmanagement

Ungeliebte Aufgaben lieber unterbrechen - oder nicht?

Gitte Härter • 21.06.2011 • email Weiterempfehlen

imageIch lese gerade The Upside of Irrationality von Dan Ariely und war gestern total erstaunt hierüber:

Es geht dabei um “hedonistic adaption”: damit ist gemeint, dass sich unsere Gefühle mit der Zeit an Dinge anpassen. Wenn ein Kunde Ihnen plötzlich viel mehr Honorar bezahlt, dann finden Sie das erstmal großartig, es fühlt sich gut an. Aber nach und nach wird das höhere Honorar normal. Oder: Ein dicker Auftrag bricht weg, Sie müssen den Gürtel enger schnallen. Erstmal ist das eine Riesenkatastrophe, aber nach und nach passen Sie sich der Situation an und können besser damit umgehen. Und das funktioniert bei vielen Dingen sogar in erstaunlich kurzer Zeit!

Den Anpassungsprozess unterbrechen?

Im Buch wird eine Untersuchung dazu geschildert, ob es gut ist, diesen Anpassungsprozess zu unterbrechen – oder ob es sich negativ auswirkt. Will heißen:

  • Ist es positiv, eine ungeliebte Sache – Buchhaltung machen, Wohnung putzen – immer wieder zu unterbrechen? Oder sollte man es lieber durchziehen?
  • Und wie ist es mit angenehmen Situationen – ein schönes Bad oder etwas anderes, das uns wahnsinnig gut gefällt: Lieber ohne Unterbrechung genießen – oder vielleicht bewusst unterbrechen, um den Genuss zu steigern?

Wenn es Ihnen wie mir geht, dann scheint das glasklar zu sein: Das Blöde unterbrechen, das Tolle ungestört genießen.

Ist aber nicht so! Verschiedene Versuchsreihen haben genau das Gegenteil belegt:

  • Bei den unschönen Dingen ist es vorteilhafter, sie durchzuziehen, weil man von dem automatisch einsetzenden Anpassungsprozess (“nicht mehr so schlimm”) profitiert.
  • Bei den schönen Dingen hingegen steigert sich das Genussempfinden, wenn man eine Pause einlegt, weil man so den Anpassungsprozess – der ja ein Abflachen des Genusses zur Folge hat – unterbricht und durch das Fortsetzen wieder steigert.


Ist das nicht interessant? Ich werde jedenfalls beim nächsten Mal Wohnungputzen die Chose mal durchziehen und nicht, wie sonst, in kleine Häppchen verteilen und schauen, wie sich das so anfühlt.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Amos Ruwwe am 21.06.2011
Pause einlegen beim Eis essen? Schwierig. Besser durchziehen.

Ungeliebte Dinge als ungeliebte Dinge als solche erkennen, ist oft schon der halbe Weg zum fertig machen.
Ich gehe jetzt mal schnell noch ein Eis essen. Sozusagen bis der Arzt kommt, da muß ich nämlich danach hin.
Fröhlichen Feierabend
Amos
Von: Gitte Härter am 21.06.2011
>>Pause einlegen beim Eis essen? Schwierig. Besser durchziehen.

Amos!!! Hallllt, bevor Du Eis isst. Tatsächlich ist das Eis essen als Beispiel im Buch genannt. Also zwischendurch mal den Löffel weglegen und ein Päuschen einlegen anstatt alles zu inhalieren.

Und dann sagst Du uns, wies war. grin
Von: Tim am 21.06.2011
Hallo,

das mit der ungeliebten Hausarbeit... wink

Ich hatte letzte Woche meine komplette Wochnung innerhalb von 2 h geputzt und gewiehnert. Komplett gegen die Uhr gearbeitet und es tat sehr gut (die Eltern meiner Freundin wollten hier übernachten). Zuerst Panic und dann einfach SChritt für Schritt den perfekten Putzplan umgesetzt... anstatt nur Stück für Stück zu machen. Ich war total platt im doppelten Sinne nach dem Ergebnis smile

Und Buchhaltung... ungeliebt. Und seit 6 Wochen hab ich ne Assistentin, auch Problem gelöst. Und jetzt fällt mir das Controlling leichter wink

Tim
Von: Silke Bicker am 22.06.2011
Hallo,

also einfache Aufgaben, ungeliebt oder nicht, schnell durchziehen. Ungeliebte als Erstes, währenddessen freue ich mich auf die schönen, wartenden:-).
Ungeliebte größere Aufgaben (Wohnung von oben bis unten putzen z. B.) fange ich als erstes an und ziehe sie möglichst zügig durch. Danach kommt eine größere Belohnungspause. Die ist dann verdient!

Grüße,
Silke
Von: Tanja Handl am 22.06.2011
Durchziehen! Definitiv. Durchhaltevermögen lässt sich antrainieren, und ist die ungeliebte Aufgabe erst mal erledigt, ist das eine unglaubliche Befreiung. Bin da ganz bei Amos, Tim und Silke.

Und apropos: Am Sonntag steht Wohnungsputz auf dem Plan. wink
Von: Ulrike am 23.06.2011
...das klingt sehr einleuchtend und ist mir in der Praxis schon aufgefallen. Die Gewöhnung daran ungeliebte Dinge einfach zu tun, sie setzt unweigerlich ein (was nicht heißt, dass ich nicht auch auf Hausputz verzichten könnte wink )

In der Liebe ist es ähnlich...bewusste Pausen, sich nicht so lange zu sehen bis eeine Gewöhnung einsetzt verlängert das Liebesglück erheblich grin Pausen machen, dass die Liebsten sich aufeinander freuen, das Schöne immer wieder "neu" genießen

In diesem Sinne liebe Abendgrüße von
Ulrike
Von: Ivan Blatter am 27.06.2011
Hui, wenn das meine Lebenspartnerin wüsste. grin
Ich bin nämlich der laufend-immer-ein-bisschen-Wohnungs-Putzer, sie eher die einmal-am-Stück-und-dafür-gleich-richtig-Putzerin. grin

Klingt aber einleuchtend für mich. Nur: Viele haben ja das Problem, überhaupt mit dem Unangenehmen anzufangen. Vielleicht hilft da das Durchziehen auch, weil man dann nach und nach lernt, dass es eben doch nicht so schlimm ist. So ändert man seine Einstellung.

Danke für den Denkanstoss!
Von: Tanja Handl am 27.06.2011
@ Ivan: Und recht hat sie. Meine Wohnung ist übrigens schon sauber. wink

Aller Anfang kann natürlich schwer sein, aber das gute Gefühl danach entschädigt für vieles. Und aufgeschoben ist ja leider selten aufgehoben... Deshalb lohnt es sich, gleich ordentlich anzupacken.
Von: Sylvia Koch am 29.06.2011
Ich kenne das von meiner jährlichen Steuererklärung: Wird monatelang vor sich hingeschoben, nur weil ich rückwirkend für das ganze Jahr die Fahrtkostenaufstellung noch nicht gemacht habe. Wenn ich mal dran bin, wird die Steuer auch gleich mitgemacht. Dauert nicht mal 2 Stunden. Habe dafür aber monatelang den Druck. Bei mir klebt ein Spruch an der Wand: "Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun." von Marie v. Ebner-Eschenbach. Wahres Wort.....
Von: Gitte Härter am 30.06.2011
Hallo zusammen,

herzlichen Dank für die eigenen Erfahrungen und weiteren Anstöße. grin

Ich war, wie gesagt, selbst völlig verblüfft, bin ich nämlich - wie Ivan - auch ein "immer mal ein bisschen was in der Wohnung machen" und habe das subjektiv auch immer als genehmer erlebt. Bis auf die blöde Tatsache, dass sich alles zieht wie Kaugummi und das ist natürlich wiederum ungut.

Aber ob es jetzt die Steuererklärung, das Wohnungputzen - oder das Eis essen ist: ich finde ebenfalls, dass das ein guter Denkanstoß ist und werde das bei mir jetzt einfach mal ausprobieren. Wer sich für so Bücher mit verschiedenen Untersuchungen begeistert, für den ist die Lektüre auf jeden Fall darüber hinaus interessant.

Viele Grüße
Gitte

 

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