Ungeliebte Aufgaben lieber unterbrechen - oder nicht?
Ich lese gerade The Upside of Irrationality von Dan Ariely und war gestern total erstaunt hierüber:
Es geht dabei um “hedonistic adaption”: damit ist gemeint, dass sich unsere Gefühle mit der Zeit an Dinge anpassen. Wenn ein Kunde Ihnen plötzlich viel mehr Honorar bezahlt, dann finden Sie das erstmal großartig, es fühlt sich gut an. Aber nach und nach wird das höhere Honorar normal. Oder: Ein dicker Auftrag bricht weg, Sie müssen den Gürtel enger schnallen. Erstmal ist das eine Riesenkatastrophe, aber nach und nach passen Sie sich der Situation an und können besser damit umgehen. Und das funktioniert bei vielen Dingen sogar in erstaunlich kurzer Zeit!
Den Anpassungsprozess unterbrechen?
Im Buch wird eine Untersuchung dazu geschildert, ob es gut ist, diesen Anpassungsprozess zu unterbrechen – oder ob es sich negativ auswirkt. Will heißen:
- Ist es positiv, eine ungeliebte Sache – Buchhaltung machen, Wohnung putzen – immer wieder zu unterbrechen? Oder sollte man es lieber durchziehen?
- Und wie ist es mit angenehmen Situationen – ein schönes Bad oder etwas anderes, das uns wahnsinnig gut gefällt: Lieber ohne Unterbrechung genießen – oder vielleicht bewusst unterbrechen, um den Genuss zu steigern?
Wenn es Ihnen wie mir geht, dann scheint das glasklar zu sein: Das Blöde unterbrechen, das Tolle ungestört genießen.
Ist aber nicht so! Verschiedene Versuchsreihen haben genau das Gegenteil belegt:
- Bei den unschönen Dingen ist es vorteilhafter, sie durchzuziehen, weil man von dem automatisch einsetzenden Anpassungsprozess (“nicht mehr so schlimm”) profitiert.
- Bei den schönen Dingen hingegen steigert sich das Genussempfinden, wenn man eine Pause einlegt, weil man so den Anpassungsprozess – der ja ein Abflachen des Genusses zur Folge hat – unterbricht und durch das Fortsetzen wieder steigert.
Ist das nicht interessant?
Ich werde jedenfalls beim nächsten Mal Wohnungputzen die Chose mal durchziehen und nicht, wie sonst, in kleine Häppchen verteilen und schauen, wie sich das so anfühlt.
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Anmerkungen & Kommentare
Amos!!! Hallllt, bevor Du Eis isst. Tatsächlich ist das Eis essen als Beispiel im Buch genannt. Also zwischendurch mal den Löffel weglegen und ein Päuschen einlegen anstatt alles zu inhalieren.
Und dann sagst Du uns, wies war.
das mit der ungeliebten Hausarbeit...
Ich hatte letzte Woche meine komplette Wochnung innerhalb von 2 h geputzt und gewiehnert. Komplett gegen die Uhr gearbeitet und es tat sehr gut (die Eltern meiner Freundin wollten hier übernachten). Zuerst Panic und dann einfach SChritt für Schritt den perfekten Putzplan umgesetzt... anstatt nur Stück für Stück zu machen. Ich war total platt im doppelten Sinne nach dem Ergebnis
Und Buchhaltung... ungeliebt. Und seit 6 Wochen hab ich ne Assistentin, auch Problem gelöst. Und jetzt fällt mir das Controlling leichter
Tim
also einfache Aufgaben, ungeliebt oder nicht, schnell durchziehen. Ungeliebte als Erstes, währenddessen freue ich mich auf die schönen, wartenden:-).
Ungeliebte größere Aufgaben (Wohnung von oben bis unten putzen z. B.) fange ich als erstes an und ziehe sie möglichst zügig durch. Danach kommt eine größere Belohnungspause. Die ist dann verdient!
Grüße,
Silke
Und apropos: Am Sonntag steht Wohnungsputz auf dem Plan.
In der Liebe ist es ähnlich...bewusste Pausen, sich nicht so lange zu sehen bis eeine Gewöhnung einsetzt verlängert das Liebesglück erheblich
In diesem Sinne liebe Abendgrüße von
Ulrike
Ich bin nämlich der laufend-immer-ein-bisschen-Wohnungs-Putzer, sie eher die einmal-am-Stück-und-dafür-gleich-richtig-Putzerin.
Klingt aber einleuchtend für mich. Nur: Viele haben ja das Problem, überhaupt mit dem Unangenehmen anzufangen. Vielleicht hilft da das Durchziehen auch, weil man dann nach und nach lernt, dass es eben doch nicht so schlimm ist. So ändert man seine Einstellung.
Danke für den Denkanstoss!
Aller Anfang kann natürlich schwer sein, aber das gute Gefühl danach entschädigt für vieles. Und aufgeschoben ist ja leider selten aufgehoben... Deshalb lohnt es sich, gleich ordentlich anzupacken.
herzlichen Dank für die eigenen Erfahrungen und weiteren Anstöße.
Ich war, wie gesagt, selbst völlig verblüfft, bin ich nämlich - wie Ivan - auch ein "immer mal ein bisschen was in der Wohnung machen" und habe das subjektiv auch immer als genehmer erlebt. Bis auf die blöde Tatsache, dass sich alles zieht wie Kaugummi und das ist natürlich wiederum ungut.
Aber ob es jetzt die Steuererklärung, das Wohnungputzen - oder das Eis essen ist: ich finde ebenfalls, dass das ein guter Denkanstoß ist und werde das bei mir jetzt einfach mal ausprobieren. Wer sich für so Bücher mit verschiedenen Untersuchungen begeistert, für den ist die Lektüre auf jeden Fall darüber hinaus interessant.
Viele Grüße
Gitte
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Gitte Härter •
Ungeliebte Dinge als ungeliebte Dinge als solche erkennen, ist oft schon der halbe Weg zum fertig machen.
Ich gehe jetzt mal schnell noch ein Eis essen. Sozusagen bis der Arzt kommt, da muß ich nämlich danach hin.
Fröhlichen Feierabend
Amos