Überblick behalten und das Richtige tun
Wissen Sie, was das Schöne daran ist, selbstständig zu sein? Niemand sagt uns, was wir tun sollen. Wir können selbst entscheiden, was wir als Nächstes tun.
Und wissen Sie, was das Schwierige daran ist, selbstständig zu arbeiten? Niemand sagt uns, was wir tun sollen, und wir müssen selbst entscheiden, was wir als Nächstes tun … ![]()
Im Ernst: Eine der schwierigsten Aufgaben für uns Unternehmerinnen und Unternehmer ist zu entscheiden, worauf wir unsere Kräfte als Nächstes konzentrieren und welche der 1001 Möglichkeiten wir nutzen sollen, um unser Business voranzubringen.
Manchmal kann einen das in den Wahnsinn treiben.
- Soll ich Werbung machen oder lieber versuchen, in die Presse zu kommen?
- Soll ich neue Kunden gewinnen? Und wenn ja, wie? Durch Telefon-Akquise, durch Anzeigenschaltung in Zeitschriften, in E-Mail-Newslettern oder mit Flyern?
- Oder soll ich versuchen, alte Kunden zu reaktivieren?
- Soll ich lernen, meine Akquisefähigkeiten am Telefon zu verbessern?
- Oder soll ich lernen, wie Direkt-Response-Marketing per Brief/E-Mail funktioniert?
- Soll ich mein Angebot überarbeiten oder neue Leistungen und Produkte entwickeln?
- Soll ich mir ein Netzwerk aufbauen und dieses pflegen?
- Oder soll ich an meinem Buch arbeiten, um mich noch mehr als Experte zu profilieren?
Ich könnte noch endlos so weiterschreiben. Es gibt einfach unzählige Möglichkeiten, die uns Selbstständigen offen stehen, und es ist unsere Entscheidung, worauf wir uns konzentrieren. Und letztlich hängt von diesen alltäglichen Entscheidungen ab, ob wir im Business erfolgreich sind oder nicht.
Aber wie kann man in dem Wust all dieser Möglichkeiten den Überblick behalten und sich für die „richtigen“ Möglichkeiten entscheiden?
Ich persönlich nutze dazu eine große Tabelle auf meinem Computer, in die ich all meine Möglichkeiten eintrage und über die ich dann schriftlich nachdenke: Meine „Möglichkeiten-Liste“.
In dieser Tabelle notiere ich alle großen und kleinen Ideen, Chancen und Verbesserungsmöglichkeiten, die gut für unser Geschäft sein könnten.
Dann stelle ich mir die folgenden Fragen zu jeder Idee:
- Nutzen – Was ist der Nutzen dieser Idee? Was bringt uns das?
- Aufwand – Was kostet uns das Umsetzen dieser Idee an Geld, Zeit, Aufwand? Was ist der Preis, den wir für das Umsetzen dieser Idee bezahlen müssen?
- Risiken – Wie sicher/wahrscheinlich ist der Nutzen aus dieser Idee? Welche Risiken bringt diese Idee mit sich? Was könnten mögliche negative Konsequenzen sein?
Dann bewerte ich Nutzen, Aufwand und Risiko jeweils auf einer Skala von 1 – 10, wobei 1 jeweils für niedrigen Nutzen, Aufwand und niedriges Risiko steht und 10 für einen hohen Aufwand, Nutzen und hohes Risiko.
- Wie hoch auf einer Skala von 1-10 bewerte ich den Nutzen, die positive Wirkung dieser Idee?
- Wie hoch auf einer Skala von 1-10 bewerte ich den Aufwand und den Preis dieser Idee?
- Wie hoch auf einer Skala von 1-10 bewerte ich mögliche Risiken bei dieser Idee und wie hoch das Risiko, dass der gewünschte Nutzen nicht eintrifft?
Wenn Sie mit der Möglichkeiten-Liste arbeiten, dann versuchen Sie ruhig die Möglichkeiten so konkret wie möglich zu formulieren. Wenn Sie aufschreiben „Werbung machen“ ist das so allgemein, dass es nahezu unmöglich ist, den Nutzen, den Aufwand und die Risiken vernünftig abzuschätzen. Wenn Sie aber schreiben „Eine viertelseitige Werbung in der Zeitschrift XYZ machen“, dann können Sie Nutzen, Aufwand und Risiko anhand der Mediadaten der Zeitschrift und durch ein Gespräch mit anderen Anzeigenkunden dieser Zeitung gut abschätzen.
Ich bewerte den Nutzen übrigens auch immer danach, wie langfristig die positive Wirkung sein wird. Wenn eine Möglichkeit nur einmal Aufwand verursacht und dafür aber in der Zukunft dauerhaft Nutzen bringt, dann kriegt so eine Möglichkeit bei mir automatisch eine höhere Bewertung. Wenn ich es zum Beispiel schaffe, meine Kosten für ein Produkt dauerhaft zu senken, steigt mein zukünftiger Profit und das für alle kommenden Monate.
Gitte hat mich beim Lesen des Textes auf eine weitere Sache aufmerksam gemacht: Es ist extrem wichtig, dass Sie versuchen, den Nutzen einer Möglichkeit realistisch einzuschätzen. Eine Anzeigenwerbung kann Nutzen bringen, wenn man es richtig anstellt, kann aber auch nur rausgeschmissenes Geld sein. Auch hier ist die Möglichkeitsliste sehr nützlich, denn sie hilft uns dabei, systematisch über uns Tun nachzudenken und unser Handeln kritisch zu hinterfragen.
Aber auch bei allem Hinterfragen und systematischem Nachdenken bleibt natürlich immer ein gewisses Risiko, dass eine Möglichkeit nicht den Nutzen bringt, den wir uns versprechen. Manche Möglichkeiten bringen mit guter Wahrscheinlichkeit den erwarteten Nutzen und manche sind eher unwägbar in ihrer Wirkung. Um das in Ihre Überlegungen mit einzubeziehen, finden Sie in der Möglichkeiten-Liste auch die Frage nach dem Risiko.
Ich habe Ihnen mal ein Word-Dokument mit so einer Tabelle ins Web gestellt, wie ich sie für meine Möglichkeiten-Liste benutze. (Keine Angst vor Viren, ich habe es vorher durch meinen Virenscanner gejagt.)
Der besondere Vorteil, diese Liste in Word (oder in Excel) zu führen, ist die Sortierfunktion. Sie können ja in Word/Excel die Spalten einer Tabelle beliebig anordnen und so Ihre Liste entweder nach Nutzen, Risiko oder Aufwand sortieren. So können Sie jederzeit sehen, welche Möglichkeit den größten Nutzen verspricht und gleichzeitig den geringsten Aufwand verursacht sowie das geringste Risiko mit sich bringt.
Aber wirklich spannend wird es, wenn Sie die einzelnen Möglichkeiten unter den Gesichtspunkten Nutzen und Aufwand in Beziehung setzen und sich fragen: Hat jetzt Möglichkeit A oder B den größeren Nutzen? Denn dann kristallisieren sich schnell die Möglichkeiten heraus, die Sie als Nächstes angehen sollten.
Die Möglichkeiten-Liste ist ein mächtiges Werkzeug, um über die eigenen Möglichkeiten nachzudenken, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen.
Und das ist es doch letztlich, was Erfolg im Business ausmacht: Gute Entscheidungen und gute Prioritäten.
Probieren Sie es einmal. Ich – als jemand, der immer zu viele Ideen hat – würde ohne diese Liste vollkommen erledigt sein. Aber so weiß ich immer, was die nächsten Schritte sind und auf was ich mich konzentrieren muss. Und das gibt mir eine schöne Gelassenheit. Wunderbar.
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Anmerkungen & Kommentare
- Nutzen ("positives Vorzeichen")
- Aufwand (erstmal "negativ")
- Risiko (auch "negativ")
wahrscheinlich etwas schwierig gegeneinander abzuwägen. Eventuell ist es geschickt, hier noch einen Wert zu errechnen, der einen direkten Vergleich ergibt. Wie wäre es mit:
Ideenwert = Nutzen - (Aufwand*Risiko)?
Dann könnte man wenigstens alle Ideen direkt mit einander vergleichen.
@Karin
Schön, dass Sie mit Ralfs Möglichkeitenliste viel anfangen können. Das mit der Selbstblockade und dem "dann mach ich gar nichts" kenne ich auch nur zu gut ... das ist dann auch wirklich blöd und vor allen Dingen auch sehr unbefriedigend. Letztlich nützt alles, was einen da auf die Spur bringt, gell? Wenn die Liste genau das für Sie erreicht, wunderbar!
@Mick
Danke für Ihre Idee, das rechnerisch noch klarer einzuordnen zum Vergleich. Zunächst mal denke ich, dass wir uns jedes Werkzeug ganz sicher irgendwie passend machen (sollte). Also immer seinen eigenen Stempel mit aufdrücken.
Ich selbst bin nicht so der Rechentyp und ich glaube, dass es je nach Ziel auch nicht so einfach geht, so richtige Werte festzulegen.
Das mit dem Nutzen zum Beispiel ist oft hochspekulativ und auch die Risikoeinschätzung hängt auch von anderen Punkten wie Ängstlichkeit mit ab ... und damit würde ein konkreter Wert, denke ich, eher zu verführen, etwas außer acht zu lassen.
Nicht zuletzt ist es auch nicht immer eine Frage des direkten Vergleiches, sondern wir müssen häufig ja auch verschiedene Dinge gleichzeitig handlen.
Ich arbeite selbst nicht mit Ralfs Liste, sondern mit einer normalen ToDo-Liste - und treffe Entscheidungen meistens direkt (Mach ich - schieb ich - lass ich). Insofern schauen wir mal, was noch so für Feedbacks kommen bzw. gucken, was Ralf aus seiner Erfahrung heraus sagt.
Letztlich profitieren wir alle ja auch am meisten, wenn wir Ideen zuammenschmeißen.
Eine gute neue Woche!
Vielen Dank für die letzten Newsletter. Ich freue mich schon auf den nächsten, denn Sie beschreiben die Herausforderungen in Sachen Selbständigkeit absolut treffend und so sind auch die Tipps sehr praxisorientiert.Die Letter sind super auf meine Situation abgestimmt.
Besten Dank. Viele liebe Grüße
Juliane Scharf Porzellanmanufaktur
herzlichen Dank für Ihr tolles Feedback. Das ist großartig, dass Sie sich so über die Tipps freuen ... und sogar schon auf den nächsten warten, weil er Ihre Situation so gut trifft.
Das ist eine super Motivation für uns.
Ich habe mir eben Ihre Website angeschaut und bin ganz ehrfürchtig: eine eigene Porzellanmanufaktur zu gründen. Für mich als "reiner Denkarbeiter", der für die Selbstständigkeit ja nur einen PC brauchte, ist sowas für mich immer ganz was Großes, Spannendes, ja: Besonderes.
Alles Gute - und ich hoffe, wir lesen uns noch öfter hier.
Gitte
vielen Dank für diese Anregung.
Ob nun mit der vorgestellten Liste von Ralf oder der To-do-Liste von Ihnen Gitte, ist es für mich generell wichtig, mir überhaupt Gedanken über meine Ideen, deren Umsetzung und den zu erwartenden Nutzen / Profit zu machen.
Ich bin ein Ideen-Typ, der -wie Ralf so schön schreibt- schnell erledigt sein könnte, wenn er sich nicht sortieren würde...
Das Wichtigste ist also grundsätzlich die BEWUSSTMACHUNG, das Ideen nach Aufwand und Nutzen anzugehen sind.
Kurz und knapp ausgedrückt: Sich bewusst sein und lernen Prioritäten in seinen Aufgaben zu setzen!
(Ich möchte schließlich auch so wie Sie gerade, die Möglichkeit haben mich in der Urlaubssonne aalen zu können.)
Mit welcher speziellen Art - das ist dann schon der zweite Schritt!
Ich werde Ihre Liste für mich ausprobieren -herzlichen Dank dafür-.
(Bisher wende ich eine andere Methode an.)
Am allerwichtigsten finde ich Ihre Anregung sich überhaupt Gedanken darüber zu machen. Und das haben Sie mit diesem Beitrag sehr schön geschafft!
Herzlichen Dank, Ihre Stephanie
da haben Sie völlig recht: Gerade das Bewusstmachen ist zentral. Und das, ich denke das gut uns Selbstständigen oft allen so, geht oft im Alltag einfach unter. Zumal man auch die eigenen Themen (gerade auch strategisch!) oft nicht so klar im Blick hat.
Sich da immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen und mit einem Hilfsmittel näher dran zu bleiben und klarer agieren zu können, ist das Wichtigste.
Schön, dass Sie Ralfs Liste gleich mal ausprobieren. Denn auch das ist eines unserer Ziele: Zu zeigen, dass es immer viele Wege gibt. Wir selbst sind beispielsweise drei völlig unterschiedlich Typen mit total konträren Arbeitsweisen - und wir lachen und staunen selbst oft drüber und werden diese Vielfalt auch immer wieder zeigen.
Vielleicht möchten Sie uns allen hier Ihre bisherige Methode kurz schildern, Stephanie? Denn die ist ja vielleicht wieder für jemanden anderen genau das Richtige!
Ein schönes Wochenende
Gitte
(am Sonntag soll der Sommer kommen, dann klappt's mit dem Sonne aalen auch bei uns jetzt schon)
Was, wenn ich alles Mögliche unternommen habe, um mein Geschäft weiter voran zu treiben und sich trotzdem nichts verbessert? Ich habe leider für mich das Gefühl entwickelt, dass ich persönlich schuldig bin, weil nichts funktioniert. Man hört zwar auch von anderen Leuten, dass alles nicht so richtig gut läuft - oder rede ich mir das schon ein? Ich sehe für mich im Moment nur eins: nichts fruchtet und ich habe keinen Einfluss darauf, Kunden anzuziehen bzw. zum Kaufen anzuregen .... trotz aller Bemühungen. Dieses negative Dilemma wirkt sich natürlich wieder nicht positiv auf die persönliche Stimmung aus und hemmt dadurch wieder die eigene Kreativität - also ein Kreislauf, aus dem man nicht mehr rauskommt? Oder gibt es da Möglichkeiten???
Ich wäre für jede Anregung dankbar!
Herzliche Grüße
Manu
auch wenn das ein schwacher Trost ist: Sie sind mit diesem Gefühl beileibe nicht alleine und reden sich da nichts ein. Es gehört in der Regel zum Selbstständigsein dazu, dass man diese Durststrecken hat, frustriert ist und sich manchmal regelrecht machtlos fühlt, so wie Ihnen das momentan leider geht.
Natürlich kann ich Ihnen mit einem einzigen Posting nicht alle Facetten, die hier beitragen, beantworten. Hier einige Anregungen:
Sie schreiben: "Ich habe leider für mich das Gefühl entwickelt, dass ich persönlich schuldig bin, weil nichts funktioniert."
Auch wenn man das nicht von heute auf morgen einfach abschalten kann, so bitte ich Sie, sich immer wieder daran zu erinnern: SCHULDzuweisungen bringen nicht nur nichts, sondern binden nur Ihre Energie und frustrieren noch weiter.
Die Frage, ob man selbst schuld ist oder jemand anderer oder der Markt oder die Kunden oder das Produkt oder oder oder können Sie feierlich aus Ihrem Gehirn streichen. Leicht gesagt, ich weiß. Aber Sie können sich das abtrainieren, indem Sie sich erinnern:
- Wer oder was SCHULD ist, bringt gar nichts.
- Diese Energie ist besser konstruktiv eingesetzt.
- Ich will mir lieber Gedanken machen, WIE es gehen könnte und WOMIT ich MIR und meiner Firma HELFE.
Zum zweiten: Ihr Gefühl, dass nichts fruchtet und sie keinen Einfluss darauf haben, ist zwar nachvollziehbar, aber es stimmt so nicht: natürlich haben SIE EINFLUSS darauf (bitte nicht verwechseln mit: das was ich tue, muss/soll sofort einen Auftrag bringen - auch wenn man sich das wünscht, so ist die Kundengewinnung eben leider in der Regel eine mittel- bis langfristige Sache, das heißt das EINFLUSSNEHMEN ist auf jede Aktivität, jeden Impuls, jedes NACH AUSSEN GEHEN bezogen.
Machen Sie beim Online-Kurs nächste Woche mit, den Ralf hier veranstaltet? - Dann können Sie Ihr Produkt/Leistung prüfen, verbessern und werden spüren, dass dadurch auch wieder neue Energie in Sie fließen wird, weil Sie sich konstruktiv befassen.
Holen Sie sich, wie in der E-Mail gestern angeregt, einen Co-Coach mit ins Boot, vielleicht kennen Sie jemanden - vielleicht finden Sie hier auf der Plattform jemanden.
Und stoppen Sie vor allen Dingen die Gedankenmühle: Immer wenn Sie sich damit befassen, was alles Schei"§"$"e ist und nicht geht, sagen Sie sich. STOP! Die Frage ist, WIE es gehen könnte und WAS ich tun kann, um mich und die Firma voranzubringen.
Viele Grüße
Gitte
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Leider reagiere ich nämlich mit Selbstblockade: da ich mich nicht entscheiden kann, mache ich gar nichts.
Das ist dann die blödste aller möglichen Lösungen....