Telepathie - Es gibt sie!
Die Anzahl der telepathisch veranlagten Selbstständigen ist verblüffend! Gehören Sie auch dazu? Wissen Sie auch immer ganz sicher, dass Sie den Auftrag ganz bestimmt nicht bekommen werden und dass Sie dem Kunden zu teuer sind?
Vorauseilender Enttäuschungsschutz
Damit es uns nicht ganz so hart trifft, bereiten wir uns oft innerlich darauf vor, dass es eh nichts wird. Aber seien wir mal ehrlich: Sie fahren mit dieser Haltung doppelt schlecht.
Nehmen wir einen alltäglichen Fall: Sie haben ein Angebot abgegeben und warten jetzt auf Antwort. Jeden Tag sind Sie davon überzeugt, dass heute die Absage kommen wird. Wenn Sie besonders begabt im Hineinsteigern sind, werden Sie Gründe finden, und zwar in Form von Makeln: Was an Ihrem Angebot nicht stimmt, was an Ihnen im Vergleich zu anderen Anbietern nicht stimmt und womit Sie sowieso nicht mithalten können. Und bestimmt legt der mögliche Auftraggeber ja auf diese eine Sache wert, die Sie sowieso nicht bieten können, etwa eine bestimmte Ausbildung.
Je größer hier die Selbstzweifel, desto ungnädiger zerfetzen Sie sich an dieser Stelle selbst.
Damit untergraben Sie Ihr Selbstvertrauen, und zwar nicht nur auf diese eine Anfrage bezogen. Sie machen sich zudem immer unsicherer und dann können Sie nur noch weiter verlieren.
Angenommen, es kommt eine Zusage: Dann haben Sie sich die ganze Zeit völlig umsonst ruiniert und auf Ihrer Selbstsicherheit rumgeschlagen. Vielleicht sind Sie so überrascht von der Zusage, dass Sie total ungläubig dankbar klingen, wenn die frohe Botschaft kommt (was dann wiederum einen nicht so prickelnden Eindruck beim neuen Kunden hinterlässt).
Kommt eine Absage, dann haben Sie es natürlich gleich gewusst und es ist ein wunderbarer Anlass, nochmal die Schaufel auszupacken und auf sich selbst draufzuhauen.
Kommt aber gar keine Reaktion, dann werden Sie vielleicht erst gar nicht mehr von sich aus nachfragen, weil Sie ja eh schon zu wissen glauben, dass und warum der andere Sie nicht haben will. Oder Sie fragen nach und das auf eine Art, die Ihre Selbstzweifel ausdrückt und damit erst Zweifel beim potenziellen Kunden aufkommen lässt. Denn wenn Sie selbst schon nicht sicher sind, ob Sie diesen Auftrag bekommen sollten, dann ist das wahrlich kein gutes Zeichen.
Wenn die Unsicherheit durchschlägt
Eine weitere sehr lustige Sache ist die Gewissheit aus wildem Hineininterpretieren.
- Dem ist das zu teuer!
- Hat er das gesagt?
- Das ist dem ganz sicher zu teuer.
- Hat er das gesahagt?
- Nein. Aber er hat eine Pause gemacht.
Gut. Er hat also eine Pause gemacht. Das kann durchaus bedeuten, dass es eine Das-ist-aber-teuer-Pause war. ABER: Das wissen Sie nicht. Sie haben nämlich nur eines gehört ... nämlich NIX.
Und nichts hören bedeutet: Ich habe eine Pause gehört, von der ich annehme, dass sie eine Reaktion auf den Preis war. Und von der ich glaube, dass der Preis zu hoch für den anderen ist. Aber das kann ich nicht wissen, weil eine Pause einfach die Abwesenheit von Reden ist.
Gerne genommen wird auch das Übertragen einer anderen Erfahrung: Dem einen letzten Dienstag war es auch zu teuer, darum ist es dem hier bestimmt auch zu viel Geld.
Tatsächlich ist das nur eins: Unsicherheit.
Entweder Sie sind unsicher aufgrund mangelnder Erfahrung, etwa wenn Sie noch nicht lange selbstständig sind. Oder aber Sie sind unsicher, weil Sie nicht hinter Ihrem Angebot stehen. Und das kann sich nun auf die Höhe des Preises beziehen (Sie finden es selbst zu teuer) oder aber auf mangelnde Sicherheit in der Leistung, die Sie anbieten. Kann ich das wirklich? Bin ich das wert? Bin ich wirklich so gut oder besser wie andere?
Wenn Sie sich jetzt ertappt fühlen, dann haben Sie hier die Wichtigste aller Baustellen: Ihr Selbstvertrauen in sich und in Ihr Angebot. Wenn das nicht passt, werden Sie sich die Zähne an der Kundengewinnung ausbeißen.
Bringen Sie sich zurück auf Spur
- Wenn Sie merken, dass Ihre negative Gedankenmühle loslegt, dann stoppen Sie sich selbst: Ich habe ein Angebot abgegeben. Das ist gut so wie es ist. Ich weiß, dass ich gute Arbeit mache und dass dieses Honorar angemessen ist.
- Unterscheiden Sie Spekulation von Fakten. Achten Sie auf Ihre Wortwahl: Ich nehme an, dass der andere denkt ... ist etwas vollkommen anderes als Der andere denkt ....
- Machen Sie sich klar: Nur, wenn ich frage, kann ich wissen, was der andere meint. Und wenn Sie fragen, dann stellen Sie eine offene Frage und demonstrieren Sie nicht alle Selbstzweifel oder bringen Ihren Kunden gar auf die Idee, er könnte ja ein unfaires Angebot erhalten haben oder Sie offenbar ohne Probleme herunterhandeln.
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Anmerkungen & Kommentare
Du hast völlig recht: derlei "telepathische Anwandlungen" sind gar nicht schlecht. Sie sind in erster Linie menschlich und ich glaube, sowas kann man gar nicht abstellen. Nur eben das richtige Einordnen und sich den Unterschied zwischen Annahme und Fakt klar zu machen, das muss sein.
Am besten ist es eh, sich das wie Du es ja auch praktizierst immer mal zu machen für alle Bedenken, die man selbst so hat oder von denen man vermutet, dass sie ein potenzieller Kunde haben könnte. Das ist die optimale Vorbereitung - und sowieso eine wichtige Grundlagenarbeit, um in seinem Unternehmensauftritt oder in der Akquise auch bestimmte Fragen und Bedenken vorwegzunehmen.
Einen schönen Abend
Gitte
Na, das finde ich aber erfrischend und nett, daß Du Dir Gedanken über meinen Verbleib gemacht hast. Vielen Dank dafür.
Ja, anscheinend haben mir wirklich die Ohren geklungen / hat es mir in den Ohren geklingelt, so daß ich heute auf Deinen Artikel geantwortet habe.
Der hier beschriebene Inhalt ist genau der Punkt, der viele scheinbar umtreibt: Das Projizieren von Annahmen auf andere Personen und deren mögliche Verhaltensweisen.
Ich habe mal in einem Seminar einen fröhlichen und einen traurigen Smiley auf das Flipchart-Blatt gemalt und die Teilnehmer gefragt, wie diese Smileys wohl gerade "so drauf" sind.
Darauf bekam ich viele interessante Antworten, die irgendwie eher Rückschlüsse auf die Befindlichkeiten der Teilnehmer zuließen. Denn: Letztlich waren es alles nur Annahmen, die da geäußert wurden. Das Einzige, was wir von den beiden gezeichneten Smileys wirklich (?!) wußten, war, daß der eine Smiley die Mundwinkel naoh oben und der andere die Mundwinkel nach unten gezogen hatte. Mehr nicht. Alles andere hätten wir die Smileys, wenn es denn lebende Wesen gewesen wären, fragen müssen.
Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert
das Gesetz der Anziehung hat mal wieder funktioniert, direkt unheimlich. Ich habe mir nämlich grad mal wieder genau das Szenario wie von dir beschrieben inszeniert, obwohl ich eigentlich weiß, wie das funktioniert mit der Anziehung. Ein Angebot abgegeben und schon beim Telefonat gedacht...das ist denen zu teuer..Naja, halt wie von dir so schön beschrieben. Und was ist passiert? Genau, es ist ihnen zu teuer! Logisch.
Danke, liebes Universum, wieder was gelernt. Danke, liebe Gitte, dass du das Thema aufgegriffen hast.
liebe Grüße
Barbara
den artikel zu lesen war interessant und kurzweilig. ich habe da eine andere philosophie, ich nenne es urvertrauen. vertrauen darin/darauf, dass ich die aufträge bekomme, die ich mir wünsche. viele angebote werden aus reiner gefälligkeit abgegeben, ohne dass eine mögliche beauftragung dahinter steht, service am kunden, wenn man so will. aber bei denen, auf die es ankommt und die für die auslastung des betriebes notwendig sind,da funktioniert das "positive denken" hervorragend. es ist ja - wenn auch nicht mit so einer tragweite behaftet - mit dem parkplatzfinden in der innenstadt (ich habe bewußt den begriff parkplatzsuche vermieden).
liebe grüße,
rudi
danke für Eure Beiträge. Schön, dass Euch der Beitrag gefallen hat.
Ich selbst bin eher der "Parkplatzsucher"
Vertrauen und eine positive Einstellung sind natürlich wunderbare Unterstützer und hier so ein richtiges "Urvertrauen" zu haben, ist viel wert.
Da fällt mir gerade ein Spruch ein, der bei meiner früheren Firma unten in der Tiefgarage hing. Ein riesiges Plakat mit der Gewissheit: ALLES WIRD GUT.
Fand ich schon immer gut, auch wenn der Platz etwas seltsam dafür war ...
Einen schönen Tag
Gitte
wobei ich hier einfach sagen kann "Guten Morgen an alle". Denn Telepathen sind wir alle, ob uns das bewusst ist oder nicht, ob wir das wissen wollen oder nicht. Ich nehme gerne das Beispiel, das wir alle kennen: Wir haben das Gefühl wir werden irgendwie beobachtet. Schlieslich drehen wir uns um - und tatsächlich steht hinter uns jemand, der uns anstarrt. Es ist so und keiner kann es erklären.
Was mir daran wichtig ist, ist dass wir diese Prozesse einfach nicht bewusst wahrnehmen. So wirken eben auch unsere internen unbewussten Saboteure, die wir dann Zweifel nennen. Und nun die gute Nachricht: alles was unbewusst ist, können wir ins Bewusstsein holen und alles was uns bewusst ist können wir auch selbst gestalten und steuern. Die innere Überzeugung "es geht" wirkt exakt so wie das "nichts geht".
Ich habe für mich und meine Klienten den Leitsatz geprägt: Meine Vision ist die Mutter meiner Realität. Und es ist eine Freude mit anzusehen, welche Realitäten die Menschen um mich herum schaffen - übrigens: trotz "schlechter Zeiten".
Besten Dank für diesem ermutigenden Beitrag und carpe diem!
Karin Lohner
komme ganz bestimmt öfter vorbei
sonnige grüße vom bodensee
herzlichen Dank für Ihre schönes Feedback: So soll das sein, dass Sie sich gerne durchstöbern, mit den Tipps was anfangen können und sich dabei amüsieren
Ja: Kommen Sie öfter! Wir freuen uns.
Viele Grüße
an den schönen Bodensee
Gitte Härter
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Gitte Härter •
Diesen Beitrag habe ich in gewisser Hinsicht an dieser Stelle schon lange vermisst.
In einigen Kommentaren zu anderen Beiträgen von Euch, kam ja genau diese "telephatische" Neigung bei dem einen oder anderen Kommentator schon durch.
Mir gefällt darum auch folgende Textpassage von Dir gut:
"Und 'nichts hören' bedeutet: Ich habe eine Pause gehört, von der ich annehme, dass sie eine Reaktion auf den Preis war. Und von der ich glaube, dass der Preis zu hoch für den anderen ist. Aber das kann ich nicht wissen, weil eine Pause einfach die Abwesenheit von Reden ist."
Und den von Dir beschriebenen Dialog habe ich schon in der einen oder anderen Weise selbst gehört oder sogar "fabriziert".
Es gibt Momente, da ertappe ich mich dabei, daß ich beginne, in Gedanken fiktive Szenarien zu schreiben, warum etwas nicht sein kann, von dem ich zwar will, dass es Realität wird, ich mir aber scheinbar nicht vorzustellen vermag, dass es so kommt. Diese Momente habe ich hin und wieder, wenn ich übermüdet bin oder "viele Dinge" zur gleichen Zeit scheinbar gerade nicht so laufen wollen, wie ich sie haben will.
Wenn ich mich dabei erwische, daß ich mich in Spekulationen hineindenken will, nehme ich ganz schnell ein Blatt Papier und einen Schreiber zur Hand, um zu notieren, worüber ich mir Gedanken mache. In dem Moment, wo ich meine Gedanken schriftlich - und damit bewußt und wahrnehmbar - vor Augen führe, merke ich, wohin mich mein Denken "reiten" lassen will. Danach beginne ich in einem schriftlichen Selbstdialog (wie bei Dir oben im Text) meine Behauptungen oder "Weissagungen" zu hinterfragen. Oftmals ist das Ergebnis, daß ich herzhaft über mich selbst lachen muß, wenn ich mir meinen Gedankenzirkus bewußt gemacht habe.
Mark Twain hat dazu gesagt:
"Das Leben besteht nicht nur in der Hauptsache aus Tatsachen und Geschehnissen. Es besteht im wesentlichen aus dem Sturm der Gedanken, der jedem durch den Kopf tobt."
Es ist also nichts Schlimmes, wenn jemand diese Art von "telepathischen Erkenntnissen" hat. Man muß sich dessen nur bewußt sein - und sofort aktiv gegensteuern.
Ein gutes Hilfsmittel, um hier aktiv gegenzusteuern, ist das von Ralf Senftleben entwickelte
Anti-Sorgen-Formular
Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert