Selbstmanagement

Spitzenleistung ist keine Frage des Talents

Ralf Senftleben • 12.08.2009 • email Weiterempfehlen

Ich lese gerade ein höchstspannendes Buch zum Thema “Höchstleistungen”

Talent is overrated: What Really Separates World-Class Performers from Everybody Else

In diesem Buch geht es um die Frage:

Sind herausragende Leistungen eine Frage des Talents oder gibt es andere Faktoren, die den Unterschied zwischen Höchstleistungen und Mittelmaß ausmachen?

Der Autor Geoff Colvin argumentiert sehr schlüssig auf Basis verschiedener wissenschaftlicher Studien, dass Talent eher unwichtig ist. Talent ist höchstens die Eintrittskarte in die Welt herausragender Leistungen, reicht aber bei weitem nicht aus. Oder anders gesagt: Menschen mit Talent gibt es viele. Aber die wenigsten machen etwas draus.

Was viel wichtiger ist als Talent, ist die eigenen Fähigkeiten zielgerichtet und systematisch auszubauen, zu trainieren und zu entwickeln und sich selbst immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Und das über Jahre. Die Wissenschaftler sprechen davon, dass es ca. 10.000 Stunden Übung und Training braucht, bis man es zur Meisterschaft in einem Bereich gebracht hat (zum Beispiel im Schach, im Klavierspielen oder im Malen)

Um das über Jahre durchzuhalten, braucht es aber ein gewisses Mindset, also eine Reihe von Grundeinstellungen, die unser Leben und unser Verhalten steuern. Und Menschen, die überdurchschnittliche Leistungen bringen, haben ein so genanntes Wachstums-Mindset. Für sie ist es extrem wichtig, nicht stehen zu bleiben, sondern sich immer weiterzuentwickeln, dazuzulernen und ihre Grenzen zu erweitern, auch wenn es unbequem ist, oder besser gerade weil es unbequem ist.

Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie ein Wachstums-Mindset?

Entwickeln Sie sich und Ihre Fähigkeiten systematisch weiter? Damit meine ich nicht, dass Sie ab und zu mal ein Fachbuch lesen oder ein Seminar besuchen. Ich rede hier von systematischem und zielgerichteter Weiterentwicklung. Ich rede davon so zu üben und zu trainieren, dass es unbequem ist und weh tut. Denn das ist ein Zeichen dafür, dass sie sich wirklich weiterentwickeln. Das ist wie beim Bodybuilding. Wenn es nicht weh tut, machen Sie was falsch grin

Konkret bedeutet es,

  • sich Lern- und Entwicklungsziele zu setzen,
  • einen Trainings-Plan zu entwickeln, diese Ziele zu erreichen,
  • den Trainings-Plan systematisch in die Tat umzusetzen und
  • die Fortschritte und Schwierigkeiten auf dem Weg zu reflektieren und zu dokumentieren.
  • Schwierigkeiten gezielt zu suchen und zu überwinden.

Das hört sich anstrengend an? Ja, das ist es auch. Deswegen tun es auch so wenige. Und deswegen leisten die meisten Menschen auch nur Mittelmäßiges. Denn wenn es einfach wäre, würden wir alle Spitzenleistungen bringen. Es ist aber nicht einfach, sich selbst dazu zu bringen, über Jahre zu trainieren, zu wachsen, sich immer wieder auf unsicheres Terrain zu wagen und die eigenen Grenzen immer wieder zu überschreiten.

Das ist scheißschwer und anstrengend. Aber es lohnt sich auch unendlich.

Um es mal ganz zugespitzt zu formulieren: Spitzenleute bekommen die meiste Liebe, den größten Respekt, die besten Angebote und letztlich auch das meiste Geld. Spitzenleute haben die größte Freiheit und können ihre Konditionen diktieren und sich ihre Arbeitgeber und Kunden aussuchen.

Ich persönlich bin schon eher ein ständiger Lerner und habe auch Spaß daran, mich weiterzuentwickeln. Aber mich hat dieses Buch noch einmal sehr inspiriert, mich noch systematischer und noch zielgerichteter weiterzuentwickeln und noch direkter in den Bereichen zu üben, wo es weh tut grin Denn da findet die Entwicklung statt.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Fabian Raschke am 13.08.2009
Dazu passend:
Outliers von Malcolm Gladwell
amazon.de

Herzliche Grüße
Von: Brita Dose am 13.08.2009
Hallo Ralf,
ja, diese Erkenntnis tut weh!
Ich habe vor kurzem eine Zusammenfassung dazu im künstlerischen Zusammenhang gelesen. Ich lerne auch gerne und ständig dazu, aber mal ehrlich Zielstellung?, Trainigsplan? - Fehlanzeige!
Das ist sicher die ein oder andere Überlegung wert. Wichtig finde ich Lernbereitschaft überhaupt! In Zukunft werde ich 'mal einen Trainigsplan erstellen - und mich hoffentlich dran halten! Ihr werdet es hier erfahren :o)

VG Brita
Von: Ralf Senftleben am 13.08.2009
Fabian, ja das Buch bläst in das gleiche Horn. Wobei Gladwell eher anekdotisch erzählt und weniger wissenschaftlich argumentiert. Und Gladwell argumentiert ja auch, dass nahezu alle Spitzenleister auch ein Kind fördernder Umstände waren (zur rechten Zeit am rechten Ort), was ich übrigens auch glaube.
Von: mcarla am 13.08.2009
Hallo Ralf,

das von dir zitierte Buch habe ich nicht gelesen, aber "Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind -- und andere nicht" von Malcom Gladwell.

Er nennt hier auch die 10.000 Stunden, um zum Experten zu werden und bringt viele Beispiele wie die Beatles (die sind wohl auch deshalb so gut geworden, weil sie in den Hamburger Clubs über Jahre täglich 10-12 Stunden gespielt haben) oder Bill Gates und viele andere.

Gladwell sagt aber auch, dass die soziale Herkunft und das Umfeld wichtig sind, damit du überhaupt erst in diesen Lernprozess hinein kommst.

Als ich das gelesen hatte kam mir der Gedanke: Mist, dass ich das nicht schon früher wußte, denn um Experte zu werden braucht es nun mal die 10.000 Stunden, d.h. aber wenn ich jetzt noch Experte werden möchte in einem Gebiet, dann brauche ich dazu bei 3 Stunden täglich fast zehn Jahre... Und das bei meinem Alter wink

Auf der anderen Seite, wenn ich über 80 werde, kann ich noch locker in vier Gebieten zum Experten werden.

Wie dem auch sei, es zeigt doch nur, dass es wichtig ist ein Ziel zu haben und alles dafür zu tun es zu erreichen und wenn du dir genügend Zeit läßt und am Ball bleibst geht es auch.

Grüße Mario
Von: Ralf Senftleben am 13.08.2009
Mario, genau, soziale Herkunft, Mentoren und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein ... das spielt alles eine genauso wichtige Rolle.

Wobei man darüber ja keine Kontrolle hat (man kann sich höchstens einen Mentor suchen).

Aber das zielgerichtete Üben und Trainieren liegt bei einem selbst.

Und ja, das ist schon irgendwie erschütternd, dass man so viel Zeit aufwenden muss, um irgendwo wirklich meisterlich zu werden.

Ich frage mich auch gerade, ob man nicht mit geeigneten Methoden (zum Beispiel Superlearning, Mentaltraining etc.) die 10.000 Stunden etwas verkürzen kann.
Von: Ralf Senftleben am 14.08.2009
Hallo Brita, ja, das ist genau der Unterschied, das mit dem Trainingsplan und der Erfolgskontrolle. Ich mache das zum Beispiel beim Laufen und da bringt es wirklich etwas, zu sehen, wie man sich verbessert. Das schafft eine ganz andere Verbindlichkeit.

 

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