Spendenaufrufe & Co. und die Auswirkung auf Ihr Business
Wenn etwas Schreckliches passiert, wie derzeit in Japan, gibt es oft Spendenaufrufe oder man möchte informieren, aufklären oder aufrütteln.
Auch sonstiges soziales Engagement berührt gerade bei Selbstständigen immer auch das Image Ihres Unternehmens und Ihre Kundenbeziehungen. Nicht immer ist das positiv.
Politische Gespräche
Gerade, wenn eine Thematik so aktuell ist wie momentan in Japan, schwappt das natürlich auch in viele Kundengespräche. Ich meine nicht, ein Gespräch, das sich entwickelt und das beide engagiert führen. Sondern ich spreche davon, dass Sie Kunden so ein Gespräch aufdrücken.
Ich kann mich noch gut an eine Taxifahrt erinnern, wo mir der Taxifahrer zwanzig Minuten reingedrückt hat, warum die Regierung Scheiße ist und was sich alles ändern müsste.
Doch selbst Gespräche über aktuelle Geschehnisse sind nicht allen Leuten angenehm. Je betroffener und je engagierter Sie sind, desto eher bricht das natürlich durch. In den letzten Tagen war ich öfter damit konfrontiert, Statements oder Gespräche über Frau Merkel abzuwenden. Ich habe keine Lust, beim Einkaufen oder im Sportstudio oder beim Friseur politische Gespräche führen zu müssen, die noch dazu oft genug Stammtischparolen sind, die auf Teilwissen beruhen und wichtige Zusammenhänge außen vor lassen.
Jedes Gespräch braucht immer auch das Feingefühl, zu hören, ob und welche Themen angebracht sind. Gerade, wenn Sie in einem Beruf tätig sind, wo Smalltalk mit Kunden eine große Rolle spielt, heißt es, genau aufzupassen. Nicht umsonst wird immer wieder erinnert, dass Politik kein geeignetes Smalltalkthema ist.
Natürlich gilt das auch umgekehrt: Ich möchte nicht wissen, was sich viele Selbstständige oft endlos lange von ihren Kunden anhören müssen.
Serienmails „an alle“
Wer sich sehr engagiert um Aufklärung bemüht ist, stürzt sich oft voller Elan in eine Thematik. Momentan erreichen mich beispielsweise immer wieder E-Mails rund um Atomkraft. Eine Selbstständige musste ich permanent auf die Spamliste setzen, weil sie seit Tagen mehrere Informations-Mails rund um Atomkraft und die Lage in Japan an alle in ihrem Adressbuch schickt.
Kürzlich hatte ich schon einmal unter der Rubrik „Dinge, die Sie nicht tun sollten“ aufgerufen, dass Sie bitte nie nie nie E-Mails AN ALLE in Ihrem Adressbuch schicken.
Missionieren kommt nie gut an. Als UnternehmerIn ist es zudem wichtig, dass Sie persönliches Engagement und Ihr Business trennen können. Natürlich ist es gut, wenn Sie sich engagieren, doch alles, was Sie über Ihr Business abwickeln, muss auch mit Unternehmersinn geschehen. Kunden, Freunde und wer sich sonst noch alles in Ihrem Adressbuch befindet, mit Serienmails zu bombardieren ist niemals eine gute Idee.
Wichtig:
Es gibt im Internet sehr viele so genannte „Hoaxes“, also Falschmeldungen. Ganz oben stehen sinnlose Online-Petitionen und Tränendrüsen-„bitte-an-alle-weiterleiten“-Mails. Krebskranke Kinder, die ins Guinessbuch der Rekorde wollen, indem sie ganz, ganz viele E-Mails oder Visitenkarten geschickt bekommen. Aufrufe, dass Knochenmarkspender gesucht werden, die man „an alle“ schicken soll, sind in der Regel ebenfalls Falschmeldungen, auch wenn eine hochoffiziell erscheinende Adresse eine Doktors darin vorkommt. Ja, es ist wirklich unfassbar, dass es solche Falschmeldungen mit so ernsten Themen gibt – aber es ist Ihre Aufgabe, bevor Sie eine Botschaft einfach blind weiterschicken, zumindest erstmal zu recherchieren. In den meisten Fällen reicht eine kleine Google-Suche aus, um Ihnen zu zeigen, dass etwas eine Falschmeldung ist.
Wann immer Sie sich engagieren möchten und Ihre Kunden aufrufen, etwas Gutes zu tun, gehen Sie an die Quelle! Bauen Sie in Ihrem Newsletter einen Hinweis auf Organspenden oder link auf die Deutsche Knochenmarkspender-Datei ein oder welche andere Einrichtung Sie unterstützen möchten – aber fallen Sie nicht auf derlei Serienbriefe rein.
Spendenaktionen
Hier um die Ecke gibt es einen Supermarkt, der folgende Dauerspenden-Aktion macht:
Es gibt ein kleines Regal mit wechselnden Aktionsprodukten. Vom Erlös dieser Produkte wird ein Bruchteil gespendet. Auf Plakaten steht sinngemäß: „Wenn Sie diese Aktionsprodukte kaufen, bekommen Kinder eine warme Mahlzeit.“ Abgesehen davon, dass es mir total unangenehm ist, dass ein bestimmtes Produkt unmittelbar mit so einem sozialen Engagement „vermarketingt“ wird, lese ich das Plakat so: „Wenn Du DIESE Aktionsprodukte nicht kaufst, müssen Kinder wegen Dir hungern.“
Spendenaktionen, die nicht wie ein ernst gemeintes Engagement erscheinen, sondern wie eine rein egoistische Marketingaktion, hinterlassen einen unguten Nachgeschmack. Damit hängt natürlich zusammen, wie Sie etwas präsentieren. Steht der eigene Absatz oder das eigene „Ego“ (der Firma) zu sehr im Vordergrund? Dann nimmt man das ehrliche Engagement nicht wirklich ab.
Das heißt aber nicht, dass man Spendenaktionen nicht klug mit seinen Leistungen verknüpfen kann. Ich erinnere mich an eine Aktion in meinem Fitnessstudio, die eine 24-Stunden-Ruder-Aktion hatten. An mehreren Rudergeräten konnten die Mitglieder innerhalb von 24 Stunden so viele Kilometer wie nur möglich errudern. Pro Kilometer wurde Betrag X gespendet und anschließend die von den Mitgliedern erruderten Euro vom Fitnessstudio verdoppelt. Das fand ich großartig! Das hat zur Leistung gepasst, man hat die Kunden die Spenden „erarbeiten“ lassen, die doppelt ehrgeizig waren, damit ein hoher Betrag gespendet würde. Wunderbar!
Spendenbüchsen
Wenn in einem Laden an der Kasse eine Spendenbüchse steht, ist das natürlich eine gute Sache! Wenn Sie aber ein Einzelunternehmer sind, der zudem ein persönliches Verhältnis mit seinen Kunden hat, dann kann selbst so eine Spendenbüchse oder ein andersgearteter Spendenaufruf in Druck ausarten: Immer, wenn ein Kunde weiß, dass man ihn kennt beziehungsweise das Gefühl hat, dass er jetzt nicht mehr aus kann, dann ist das eine sehr unangenehme Situation für ihn – die auch dazu führen kann, dass er nicht mehr kommt.
Das heißt: Ein leidenschaftliches Plädoyer an der Kasse mit Hinweis auf eine Spendenaktion nimmt vielen Leuten die Freiheit, Nein zu sagen.
Doch ob, wie viel und was jemand spendet, ist eine freie Entscheidung:
- Manche Leute möchten nicht spenden oder es zumindest nicht öffentlich tun.
- Andere haben Bedenken, bei größeren Einrichtungen zu spenden, weil sie das Gefühl haben, dass zu viel Geld in der Verwaltung verpufft.
- Wieder andere möchten lieber regional etwas tun als im Ausland.
- Viele spenden lieber Zeit und sind ehrenamtlich aktiv.
- Oder jemand muss gerade jeden Euro umdrehen.
Es gibt ganz viele Gründe, warum man eben nicht spenden will. Doch unmittelbar dazu aufgefordert zu werden, kann dazu führen, dass sich jemand gegen seinen Willen genötigt fühlt oder aber er denkt, sich nun rechtfertigen zu müssen und möglicherweise dann eine unschöne Diskussion entsteht.
Bitte verstehen Sie mich richtig. Ich finde es sehr wichtig und gut, wenn Sie sich auch mit Ihrem Business dafür einsetzen, Gutes zu tun. Und wenn Sie auch Ihre Kunden dazu aufrufen. Aber achten Sie darauf, in welcher Form Sie das tun – und dass Sie Ihren Kunden hier nichts gegen ihren Willen aufzwängen. Sowas nimmt man Ihnen übel und gerade Leute, die nicht so gut „Nein“ sagen können (was bei sozialem Engagement doppelt schwierig ist!), fühlen sich so sehr gedrängt, dass sie im Extremfall Ihr Business künftig sogar meiden, um sich dem nicht mehr auszusetzen.
Aufrufe an Ihre Kunden: persönlich gestalten
Wenn es Ihnen ein Anliegen ist, Ihre Kunden aufzurufen, zu spenden, zum Beispiel auf Ihrer Website einen Spendenlink anbringen, dann ist es eine gute Idee, diesen Aufruf persönlich zu gestalten: Sagen Sie, warum es Ihnen ein Bedürfnis ist, gerade hier zu unterstützen. Vielleicht haben Sie eine bestimmte soziale Einrichtung gewählt, weil Sie sich vorher intensiv damit auseinandergesetzt haben, wo das Geld hingeht und dass wirklich etwas gemacht wird.
Vermitteln Sie in einer kurzen, aber persönlich formulierten Botschaft, was, für wen und warum. Bauen Sie nicht einfach ein Werbebanner ein, das von den großen Spendenorganisationen zur Verfügung gestellt wird. Das sieht nach Eigenwerbung aus und solche Banner werden im Internet mittlerweile so gut wie komplett ignoriert.
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Anmerkungen & Kommentare
eigentlich wollte ich eben nur meine Mails checken und dann gleich wieder in den Schreibwahn stürzen:-).
Der "Spenden-Newletter" nahm mich dann gefangen. Bei vielen Punkte fühlte ich mich erinnert - Spendenaufrufe Japan bzw. eine Art von Live-Ticker per E-Mail zu erhalten "an alle". Finde ich auch nicht gut und wandert meist als Spam in´s Nirwana.
Neulich schickte eine Organisation einen Bestellschein zwecks Order von Sammelbüchsen und Handzetteln
"Vergrößern Sie das Stiftungsbudget für IHRE Projekte". Fühlte mich davon nicht angezogen und etwas zwiespältig, mehr zum Bloß nicht hingezogen...
Die Idee des Fitnesstudios finde ich auch gut, dafür strengt man sich doch gern an!
Danke für diesen sehr intensiven (langen) Beitrag,
Silke
anscheinden war Dein Beitrag wohl wichtig. Du schreibst sehr gut und Dein Artikel hat mich reingesaugt.
Ich habe beim Lesen fast die ganze Zeit dem Kopf geschüttelt. Ich dachte !!!!, das sei selbstverständlich Spenden nicht mit dem Business zu verknüpfen.
Ich bin auch aktiv im Verkauf tätig (neben meiner Coachtätigkeit). Mein Geschäft besteht fast nur aus Kundengespräche und smalltalk ist an der Tagesordnung.
Die Aktion mit den Booten finde ich super gelungen. Die Idee ist grandiös.
Polititsche Themen ist ein Tabuthema, es sei denn, es hat Auswirkungen für das Unternehmen.
Der Wechsel im Landtag von Baden-Württemberg könnte so ein Thmea sein. Ich telefoniere sehr viel mit den Schwaben.
Mich hat ein Kunde mal gefragt, ob ich wüßte, wer den Kupferdraht erfunden hat. Ich: Nein, keine Ahnung.
Der Kunde: Die Schwaben, die haben den Pfennig so lange gedreht, bis der Kupferdraht entstand.
in diesem Sinne,
allen einen schönen Abend
Tine
Auch Serienmails à la "Wünsch dir was und schicke die Mail an 10 Leute weiter, oder es wird dir etwas schlimmes passieren" haben im beruflichen Umfeld NIX NIX NIX zu verlieren und sind auch im privaten ziemlich nervtötend.
Viele Grüße,
Anne Goldammer
du kannst wirklich Gedanken lesen, jetzt weiß ich´s sicher! Ich habe gerade gestern darüber nachgedacht, dass ich es schon irgendwie seltsam oder soll ich sagen anstößig finde, dass etliche Kollegen von mir die Japankatastrophe für ihre Zwecke ausnutzen.
Ich habe eine ganze Reihe Newsletters anderer Coaches/Trainer abbonniert.Und nun kommen so nach und nach von einigen Sondernewsletter.
Da wird dann die kollektive Betroffenheit genutzt, die Tränendrüsen und die Urängste bemüht und im selben Atemzug werden die eigenen Seminare und Leistungen angepriesen und gleich mitverkauft.
Da denke ich dann, aha, passende Gelegenheit, Aufmerksamkeit für einen Sonder-newsletter zu finden. Ich nenne hier keine Namen, aber diese Leute nutzen unsere Betroffenheit aus und das macht mich irgendwie fassungslos.
Marketing und Werbung ist für das Business ok, aber das finde ich zu billig.
einen schönen Abend
Barbara
hervorragendes Thema, auch mich nerven Spendenaufrufe, zumal man oft hört, daß nur ein Bruchteil bei den Betroffenen ankommt. Und was ich ebenso schlimm finde ist, daß die "Spenden" unserer Regierung (also unsere Steuergelder) meist an die regierenden des Landes gehen, wo niemand kontrollieren kann, was damit geschieht. Und ob und wann diese Spenden dann weitergeleitet werden ist sowieso fraglich (z. B. von Haiti habe ich das gehört).
Also ich spende trotzdem, aber ich versuche vorher die Motive/Aufgabenstellungen
der Spendenverwalter zu erkunden - sofern das überhaupt möglich ist.
Schönen Abend in die Runde wünscht Gerit N.
ich denke immer, ich will nicht genötigt werden, zu spenden und warum soll es meinen KundInnen anders gehen?
Für mich habe ich das so gelöst:
Das mögliche Engagement für eine gute Sache habe ich auf meiner Website auf der Link-Seite sichtbar gemacht. Das ist für mich so in Ordnung, weil man sich das ansehen und dann dafür oder dagegen entscheiden kann, ganz ohne Druck und ohne, dass einem jemand über die Schulter guckt oder gar mit erhobenem Zeigefinger daher kommt.
Viele Grüße,
Sonja
wenn ich eine E-Mail-Petition o. Ä. bekomme, dann schaue ich gleich auf der Website der TU Berlin nach. Die haben eine Hoax-Liste mit neuen, alten und aufgewärmten Hoaxes und mich noch nie enttäuscht.
Ertappt, entdeckt, was den Spendenaufruf angeht!
Wir Märchenerzähler_innen haben uns bei unserem Flyer für die Märchenspaziergänge getraut, für ein Wiederaufforstungsprojekt in der Mongolei zu werben und auf ein Postkartenset hinzuweisen, dass es zu kaufen gibt.
Ich hoffe, wir haben niemanden abgeschreckt!
Viele Grüße
Bettina v. Hanffstengel
danke für deinen klaren und moralinfreien Artikel zum Thema Spenden. Ja, es gibt nicht das "richtige Spenden", sondern es geht, wie so oft, um die Wahlfreiheit darüber, wie und was ich unterstützen möchte. Auch nach so heftigen Katastrophen wie in Japan.
Ich bekomme immer wieder gut gemeinte Spendenaufrufe, die bereits weitergeleitet in meinem E-Mail-Programm landen. Wirklich nervig, stellen sich eben meist nachträglich als fake heraus. Und das wirklich überraschende ist für mich, dass die Absender das Ganze einfach schon fast "blind" glauben und die E-Mails blitzschnell weiterverbreiten.
Ich bin eher ein Fan vom direkten Unterstützen regionaler Projekte, möglichst ohne großen Wasserkopf und potenziellen Abhängigkeiten. Derzeit ist eine gute Bekannte von mir dabei, Hilfspakete mit Lebensmitteln für Familien in Japan zu organisieren. Sie hat direkte Kontakte dorthin, sodass die Lebensmittel auch wirklich die Menschen erreichen werden. Finde ich einfach klasse. Genauso sinnvoll wie die schon mehrfach gelobte Ruder-Spenden-Aktion.
Viele Grüße
Volkert
dankeschön für die vielen Kommentare, Meinungen und eigene Erfahrungen.
Das Thema bewegt offenbar (es sind zusätzlich noch einige E-Mails dazu gekommen).
Viele Grüße
Gitte
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111 Annahmen ...
... mit denen Selbstständige
meistens danebenliegen
Gitte Härter •
Wieder einmal auch die "andere Seite" ins Auge gefasst.
Dazu habe ich folgende Ergänzungen:
1. von dem Geld, das für die Tsunami-Opfer gespendet wurde (vor 5? 6? Jahren) liegt noch ein (Groß?)-Teil in den Banken. Das weiß ich aus sicherer Quelle.
2. Wenn wir Aufrufe zum Spenden erhalten, für z.B. ein krebskrankes Mädchen (ich habe zwei ähnliche Aufrufe im Abstand von Monaten bekommen, aber das Foto dabei war in beiden Fällen das gleiche) sollen wir uns fragen: Wo ist das Datum?
Und siehe da: kein Datum.
D.h.: Wann ist das Mädchen (oder sonst die Person für die man bittet) erkrankt? oder ins Krankenhaus eingeliefert worden?
Es könnten theoretisch schon so viele Monate vergangen sein, dass sich die Lage sehr verändert hat. Das können wir auch als Signal verstehen, dass es sich um ein "Fake" handelt.