Firmenauftritt

Soll man anderen Selbstständigen sagen, wenn etwas „peinlich“ ist?

Gitte Härter • 02.02.2010 • email Weiterempfehlen

Letztes Jahr bekam ich eine E-Mail einer unserer Leserinnen zum Thema Fremdschämen: “Ich lerne interessante Selbstständigen-Kollegen kennen, die im persönlichen Auftritt ganz wunderbar sind. Sie sind klug, kompetent und seriös, also 120%ig empfehlenswert. Ich bin völlig überzeugt und biete an, sie weiterzuempfehlen. Aber dann schaue ich mir ihre Website, Flyer, Visitenkarte o. Ä. nochmal in Ruhe an und mich trifft der Schlag: Schreibfehler, Wortungetüme, Bauchladen-Angebote oder total staubtrockene, nichtssagende Webseiten ... alles passt nicht nur so gar nicht mit dem persönlichen Eindruck zusammen, den ich zuvor gewonnen hatte, sondern es geht manchmal so weit, dass ich mich regelrecht fremdschäme. Was tun? - Stillschweigen? Besserwissen?”

Danke für diesen spannenden Themenvorschlag. Denn es ist etwas, das uns Selbstständige sozusagen „in beide Richtungen betrifft“: wenn wir selbst aktiv weiterempfehlen möchten und natürlich, weil wir selbst weiterempfohlen werden wollen.

Sagen!

Auch wenn es eine Zwickmühle ist: Ich finde, man sollte es anderen immer sagen, wenn einem soetwas auffällt.

Denn die Folgen sind ja klar:

  • Entweder ich empfehle dennoch weiter und biege mit meinen persönlichen Worten den Eindruck gerade, den der schriftliche Unternehmensauftritt macht. Das geht zwar, aber es klingt unter Umständen nicht so vorteilhaft für denjenigen, der da gerade empfohlen wird.
  • Oder es sieht so schlimm oder gar unseriös aus, dass ich von einer Empfehlung Abstand nehme. Immerhin fällt jede Empfehlung auch auf Sie als Empfehlenden zurück. Dann verliert dieser eigentlich gute Selbstständige nur deswegen Aufträge.
  • Wenn mir selbst schon etwas so negativ ins Auge sticht, dann tut es das anderen potenziellen Weiterempfehlern und vor allen Dingen möglichen Kunden auch.

Die Frage ist doch immer: Würden Sie es wissen wollen, wenn Ihr Untenehmensauftritt nicht gut ankommt? Wenn er Ihnen nicht gerecht wird? Oder wenn sich tatsächlich Fehler eingeschlichen haben, die Ihnen selbst bisher gar nicht aufgefallen sind?

Ich coache ja seit Jahren Selbstständige auch beim Unternehmensauftritt, so machen wir beispielsweise oft Webtexte zusammen. In 90 % der Fälle wissen meine Kunden schon selbst, dass ihre Website ihnen nicht gerecht wird. Oft sind sie schon seit langem unzufrieden, sind aber irgendwie nicht in die Pötte gekommen. – Da bringt es auch einen wohltuenden Schubser in die richtige Richtung, wenn man von außen hört: „Ähhhh ... also wenn ich Ihre Website ansehe und dann vergleiche, wie spritzig und leidenschaftlich Sie am Mittwoch über Ihr Business gesprochen habe, dann bekomme ich das gar nicht zusammen.“

Wenn Sie also selbst sagen: „Ich würde es gerne wissen wollen!“, dann hoffen Sie in diesem Moment darauf, dass ein Kollege sich ein Herz fasst und Ihnen Feedback gibt.

Aber ich will nicht „besserwissern“!

Müssen Sie auch nicht. Ein Feedback ist ein Feedback. Ihre individuelle Meinung ist Ihre individuelle Meinung. Nicht mehr ... aber auch nicht weniger!

Ich habe Ihnen eben schon eine kurze Formulierung genannt, die zeigt, wie konstruktiv und freundlich das aussehen kann: „Du kommst soundso rüber – und das, was ich hier von Dir sehe, passt leider gar nicht zusammen. Das wird Dir nicht gerecht!“

Wenn Sie sich etwas besser kennen, werden Sie es noch konkreter sagen: „Ich bin so von Dir überzeugt, aber ehrlich gesagt: Deine Website ist übersät von Fehlern, und da ist es mir fast sogar ein wenig peinlich, die Adresse weiterzugeben ...“

Der Ton macht eben immer die Musik. Auch wenn Sie sich noch nicht so gut kennen. Dann pirschen Sie sich einfach ran:

„Liebe Frau xy. Ich freue mich sehr, dass wir uns am Mittwoch im Marketingclub kennengelernt haben! Bestimmt haben wir künftig einmal die Gelegenheit, etwas zusammen zu machen – ich empfehle Sie auch gerne weiter. Mir sind übrigens beim Durchsehen Ihres Flyers ein paar Dinge aufgefallen: inhaltlich und von der Wirkung her. Möchten Sie Näheres wissen? Dann können wir gerne jederzeit kurz dazu telefonieren.“

oder, je nachdem, wie es Ihrer Persönlichkeit entspricht, gleich dazu sagen:

„Lieber Herr X. Ich habe mich wirklich gut unterhalten am Mittwoch! Vielen Dank nochmal für die interessanten Einblicke – Technik kann also doch spannend sein. wink Gerne empfehle ich Sie weiter. Mir ist aufgefallen, dass auf Ihrer Website einige Tippfehler sind. Da ich selbst froh bin, wenn mich jemand auf solche Fehler hinweist, habe ich Ihnen ganz unten aufgeschrieben, was mir beim schnellen Lesen aufgefallen ist. Vielleicht gehen Sie da einfach nochmal komplett drüber ...“

Sehen Sie, dass ich einen kleinen Kunstgriff gemacht habe und von „Tippfehlern“ rede? Manchmal sieht man an der Fülle von Fehlern, dass jemand es nicht so mit Rechtschreibung hat. Das ist nicht schlimm. Dafür gibt’s Korrekturleser. Es ist aber schon schlimm, es zu veröffentlichen, weil man bestenfalls schlampig und schlechtestensfalls leider dumm rüberkommt (ja, das ist leider so, so hart es klingt). Wenn Sie also sehen: das ist nicht der eine oder andere Flüchtigkeitsfehler, sondern da kann jemand einfach nicht richtig schreiben, dann würde es ein wenig grob klingen zu sagen: „Da sind ja lauter Fehler drin!“

Wie steht’s bei Ihnen? Begrüßen Sie Feedback zu Ihrem Unternehmensauftritt, gerade, wenn etwas nicht so gut ankommt – oder nicht?

 

Sie können diesen Beitrag kommentieren oder ihn an einen Freund oder Bekannten email weiterempfehlen oder Ich lese: Soll man anderen Selbstständigen sagen, wenn etwas „peinlich“ ist?Twitter den Beitrag.

 

Anmerkungen & Kommentare

Von: Amos Ruwwe am 02.02.2010
Fremdschämen, das ist ja mal ein schönes Wort, bzw. Eigenschaft. Seit Jan. habe ich ein neues layout für meinen newsletter. Die Selbstlernkurse dieser Firma hier sind eben richtig gut. Also, geht der neu Brief raus und was passiert, ich bekomme eine mail, Rechtschreibung!!!! Da habe ich mich bedankt.Nobody is perfect und wenn ein Hinweis nicht persönlich verletzend ist, dann ist er immer ein Hinweis auf Entwicklungsmöglichkeiten und dafür bin ich immer dankbar. Gerade als Selbstständiger, so ganz alleine oft im eigenem Büro,(sniff,sniff) da ist Mitdenken von außen eine willkommene Hilfe für mich.
Von: sevenjobs am 02.02.2010
Auf Schreibfehler hinzuweisen finde ich einfacher als auf unangenehme Verhaltensweisen hinzuweisen.
Ich habe einen fachlich brillianten Kollegen, der jedoch arrogant und besserwisserisch wirkt. Dicke Uhr, sofort die UMTSKArte auspacken, flegehafte Sitzhaltung: ich empfinde das alles als peinlich. Ich empfehle ihn nicht weiter, ein Gespräch bringt nichts, da er sein Auftreten seiner Selbständigkeit gemäß als angemessen empfindet.
Von: Volkert Brammer am 02.02.2010
Meine Erfahrung ist, dass sich viele Kollegen nicht trauen, ehrliches Feedback zu Tippfehlern, gestelzten Formulierungen und anderen Patzern zu geben. Ich jedenfalls freue mich, über Tipps, kritisches Feedback und Hinweise gerade zu diese fiesen klainen Tipppfehler, die sich igendwie einnnisten, ohne dass man es wiell. Und andere Menschen sind eher selten verstrickt in unsere Texte, die wir ja so lieben, weil sie einfach "best of" sind, wir lange gebrütet haben.
Ich empfehle derzeit diejenigen Kollegen, die fachlich fit sind und sich auch im persönlichen Kontakt mit Ihrer Kompetenz darstellen können. Was das Internet angeht, bin ich zur Zeit eher tolerant (es sei denn die Leute sind mir mit dem Deutschen zu kreativ).
Von: Heike Eberle am 02.02.2010
Auch ich kenne beide Seiten:

Ich bin sehr dankbar, wenn mich jemand durch ein Feed-back auf eine höhere Ebene bringt. Und ich daraus für die Zukunft lernen kann. Also immer her mit, mit konstruktiver Kritik. Leider gibt es viel zu wenig ehrliche Feedback-Geber.

Ich persönlich gebe umgekehrt auch häufig den Hinweis, wenn es nicht passt. Auch bei Rechtschreibfehlern. Das tat ich gerade vor kurzer Zeit. Das kam bei der Empfängerin aber gar in den falschen Hals, sie schrieb zurück, dass sie die Schwachstelle von anderer Stelle prüfen ließ und ihre angewandte Rechtschreibregel die einzig wahre Lösung sei. Damit ließ ich die Sache gut sein, denn klugscheißerisch wollte ich dann doch nicht rüberkommen und diskutieren hatte auch keinen Zweck. So geht's hierzulande mit Feed-back. Kommt mal eines, wird es nicht dankend angenommen. Welch eine Einstellungs-Lücke!

Viele Abendgrüße
Heike
Von: Gitte Härter am 08.02.2010
Hallo zusammen,

vielen Dank für die Kommentare und Ergänzungen. Da wirkt sich nicht nur die Sache selbst, sondern oft auch die Reaktion aufs Weiterempfehlen (oder auch nicht) aus.

Dass manche Leute dann richtig beleidigt reagieren oder auf ihrer (falschen) Schreibweise beharren, habe ich leider auch schon erlebt. Was total schade ist: alle Nase lang sehe ich bei Selbstständigen richtige "Härtefälle", wo so gar nichts stimmt - und wenn jemand dann einfach trotzig darüber hinweggeht, strampelt man sich einerseits fleißig ab und boykottiert sich gleichzeitig selbst, so dass es nichts werden kann. Schade, schade.

Das senkt dann natürlich wieder die Bereitschaft, Bescheid zu sagen ... ein richtig blöder Teufelskreis kann das werden ...

einen schönen Nachmittag
Gitte
Von: Barbara Steldinger am 10.02.2010
Hallo zusammen,

ich habe auch beide Seiten im Blick. Bei der Kritik an meinen Sachen,ok, es hilft, auch wenns vielleicht mal schmerzt oder mir peinlich sein kann. Aber bis jetzt habe ich immer, danke liebe Kolleginnen und Kollegen, Hinweise bekommen, die mir wirklich weitergeholfen haben.

Nun habe ich vor einiger Zeit mal viel in Therapeutendatenbanken recherchiert und mir sind immer wieder grottenfürchterliche Fotos aufgefallen, die aus meiner Sicht eher abschrecken als für die Therapeutin sprechen.

Ich habe Einige daraufhin (wirklich vorsichtig, nicht besserwisserisch)) angeschrieben und auf diese Problematik aufmerksam machen wollen, einfach weil es mir leid tat, dass ansonsten ein kompetentes Profil so hinter einem verschwindet. (Paßfoto, Webcamfoto, Urlaubsschnappschuß etc.)

Bis auf eine hat niemand reagiert und diese Eine hat sich als Reaktion völlig überzogen auf mich eingeschossen und mich persönlich heftigst angegriffen.

Na gut, die Reaktion zeigt , dass ich wohl voll ihr Thema getroffen hatte, hätte ihr gut dazu Unterstützung geben können, es aufzulösen. Das wäre für sie eine gute Chance gewesen.

Jedenfalls habe ich als Konsequenz daraus für mich gezogen, mir sehr genau zu überlegen, wem ich was schreiben werde. Manche Hilfe ist halt auch unwillkommen.

liene Grüße Barbara
Von: Gitte Härter am 11.02.2010
Hallo Barbara,

das ist wirklich doppelt und dreifach schade: für den Empfänger, der diese Chance nicht nutzt - und selbst, weil man sich so manches Mal Feedback schlichtweg verbeißt, weil man sich nicht antun möchte, dass man auch noch angegriffen oder beleidigt wird (ich kenne so harsche Reaktionen auch, die manchmal völlig aus dem Blauen kommen). Und schade für die "Dritten", also diejenigen, die gerne Feedback hätten, aber dann keins mehr bekommen, weil man sich die ungute Reaktion eines anderen nicht mehr antun will.

Manche Leute kommen mit Feedback einfach nicht gut klar, selbst wenn sie es vorher begrüßt haben.

Schade, da verbaut man sich wirklich Gelegenheiten.

Viele Grüße
Gitte

 

Anmerkung schreiben

Ihr Name:

Ihre eMail-Adresse:

Ihre Homepage:

Ihre Anmerkung

Daten merken

Bei neuen Kommentaren benachrichtigen

Bitte das folgende Wort eintragen (Spamschutz)

 

 

Bestellen Sie unseren kostenlosen Kickletter: Jede Woche Tipps und Ideen für Ihre Selbstständigkeit.

 

E-Mail-Adresse:

RSSOder unseren RSS-Feed abonnieren.

 

Unsere aktuellen Selbstlernkurse:

 

Kategorien

 

Die letzten Kommentare

Buchtipp "Homeoffice" + Verlosung!
Sabine  11.03

Buchtipp "Homeoffice" + Verlosung!
Kathrin Grauert  11.03

Was bedeutet Ihnen Geld?
Sonja  10.03

„Das liest ja eh keiner!“
Gitte Härter  10.03

Buchtipp "Homeoffice" + Verlosung!
Rainer  10.03

 

7 Erfolgsfaktoren für Ihre Akquise!

Gute – und damit erfolgreiche – Akquise weist sieben wichtige Eigenschaften auf. Sie ist ...

111 Annahmen ...

... mit denen Selbstständige
meistens danebenliegen

 
 
Erfolgreiche E-Mail-NewsletterWebseiten, die verkaufenProfilbildung für Selbstständige