So kommen Sie in die Medien
Christine und ich haben seit Beginn unserer Selbstständigkeit auf Medienarbeit gesetzt, und so sind wir seit 1999 permanent in Presse, Funk und Fernsehen präsent. Zum Teil werden wir natürlich aufgrund unserer Bücher angefragt, doch nicht nur. Auch Sie können sich – ganz egal in welcher Branche Sie tätig sind – über die Medien mehr Öffentlichkeit schaffen. Und sich ganz gezielt bei Ihrer Zielgruppe bekannt machen.
Doch wie wird man denn nun gedruckt oder gesendet? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Pressemitteilungen
- die Nachricht muss einen Nutzwert haben
- es darf kein Werbe-Sermon sein, sondern der Text muss informativ und für redaktionelle Zwecke geeignet sein
Ideal ist es, wenn Sie die Meldung so formulieren, dass sie genau so direkt übernommen werden kann. Pressemeldungen werden üblicherweise so aufgebaut, dass das Wichtigste oben steht und dann in jedem Absatz weitere Details dazukommen. Die Meldung muss nach jedem Absatz einfach „abgeschnitten“ werden können und dennoch funktionieren.
Sie schicken Ihre Pressemitteilungen entweder direkt an die relevanten Redaktionen, dazu kommen wir gleich noch, oder aber können sie im Internet auf einschlägigen Presseportalen veröffentlichen. Dort sehen Journalisten nach, was es Neues gibt. Auch bei einigen Branchen- oder Netzwerkplattformen gibt es die Möglichkeit, Pressemeldungen online zu stellen.
Wenn Sie regional tätig sind, könnten auch kleinere regionale Blätter interessant für Sie sein, weil diese oft offen dafür sind, einen Kleinunternehmer zu porträtieren.
Experte sein
Die Medien – egal ob im Printbereich oder bei Funk und Fernsehen – brauchen Fachleute. Meistens, um Artikel mit Zitaten anzureichern oder auch um ein zusammenhängendes Interview zu bringen. So freuen sich Redaktionen immer über Experten, die etwas beitragen.
Bitte haben Sie keine Scheu vor dem Wort „Experte“. Ich würde mich selbst auch nicht als Experte bezeichnen, weil mir der Begriff persönlich etwas überzogen scheint, doch in diesem Kontext geht es einfach darum, dass Sie fachlich kompetent sind und dass man Ihr Statement aufgrund Ihrer Ausbildung und/oder Ihres Berufsfeldes anders einordnen kann, als wenn irgendein „Normalo“ eine Meinung abgibt.
Bei Radio und Fernsehen sind etwas andere Fähigkeiten gefragt: Denn hier müssen Sie in der Lage sein, spontan und umfassend zu antworten und alles Relevante auf den Punkt bringen. Und wichtig ist auch, dass Sie Ihrer Persönlichkeit und Ihren Vorlieben entsprechend entscheiden, ob Sie „live“ meiden möchten und lieber nur für aufgezeichnete Interviews zur Verfügung stehen.
Machen Sie sich bei einschlägigen Redaktionen oder freien Journalisten, die Themen aus Ihrem Fachbereich bearbeiten, bekannt und stellen Sie sich und Ihren Fachbereich vor. Oder schlagen Sie direkt ein gutes Thema vor (eine besondere Leistung, interessante Informationen und Tipps oder einen Ansatz aus Ihrem Fachgebiet, der einen guten Aufhänger für einen Artikel bietet) und bieten Sie sich für begleitende O-Töne an.
Selbst Artikel schreiben
Wenn Sie gut schreiben können, dann können Sie natürlich auch eigene Artikel anbieten. Je nach Medium, das Sie kontaktieren, wird der redaktionelle Beitrag wie von einem freien Autoren behandelt und auch entsprechend vergütet (dann steht aber in der Regel auch nur Ihr Name mit dabei) oder aber Sie bekommen statt eines Honorars die Möglichkeit, Ihr Unternehmen kurz vorzustellen und die Kontaktdaten mit abzudrucken.
Die passenden Redaktionen recherchieren
Sie sollten auch bei der Medienarbeit immer gezielt vorgehen. Letztlich möchten Sie ja idealerweise durch eine Veröffentlichung auf sich und Ihr Business aufmerksam machen und neben einem erhöhten Bekanntheitsgrad vor allen Dingen auch neue Kunden generieren.
Die wichtigste Frage: Welche Zielgruppe liest welche Publikationen? Wenn Sie eine allgemein interessante Dienstleistung anbieten, wie wir beispielsweise Coaching für das Berufsleben, dann sind Publikumszeitschriften ideal. Vertreiben Sie aber ein medizinisches Gerät für Neurologen, dann ist eine Fachzeitschrift die weit bessere Wahl.
Denken Sie immer daran, was Sie sich von einem Beitrag erhoffen.
In unserem Beispiel mit dem medizinischen Gerät kann die Medizintechnikfirma auch mehrgleisig vorgehen: Sie könnte einen Informationsartikel in einer Publikumszeitschrift anstreben. Das wäre natürlich kein Werbeartikel für ihr Produkt, sondern ein „neutraler“ Informationsartikel zu Krankheit X und deren Behandlungsmöglichkeiten. Das Ziel wäre hier, dass der Verbraucher von dieser Behandlung erfährt und sich gezielt bei seinem Arzt deswegen erkundigt.
Gleichzeitig könnte ein Artikel in einer Ärztezeitschrift erscheinen, der darüber informiert, wie Ärzte so eine Selbstzahlerleistung ihren Patienten nahelegen können, und zudem ein Artikel in einem Neurologen-Fachblatt, der Informationen über Gerät und Handhabung sowie Studien zu den Ergebnissen im Fachjargon vermittelt.
Tipp: Das Internet ist eine große Hilfe, um nach Fachblättern - auch Verbands- und Branchenorganen - zu suchen. Aber natürlich auch Bibliotheken oder die Fachzeitschriftenläden an Flughäfen oder Hauptbahnhöfen sind meistens sehr breit sortiert.
Wichtiges zur Medienarbeit
- Eine Redaktion wird nicht einfach Werbung für Sie machen. In der Regel werden Ihr Name und die Berufsbezeichnung erwähnt, aber sonst kein weiterer Hinweis auf das Unternehmen gegeben. In Ausnahmefällen werden Website oder Kontaktdaten genannt.
- In der Regel erhalten Sie kein Honorar. Außer Sie liefern einen kompletten redaktionellen Artikel und eine Bezahlung wurde vereinbart. Für Expertenbeiträge oder auch ein Interview gibt es kein Geld.
- Journalisten schätzen es, wenn die Zusammenarbeit einfach ist. Wenn sie also auch mal spontan ein Interview führen können oder, sofern sie Zitate zur Freigabe schicken (was oft leider nicht geschieht), schnell Rückmeldung erhalten. Je spontaner Sie Auskunft geben können und je unkomplizierter Sie sind, desto häufiger werden Sie angesprochen.
- Nicht jeder Journalist schickt vorab Zitate. Richten Sie sich darauf ein, dass Sie manchmal sehr stark verkürzt oder gar missverständlich zitiert werden. Das ist, ich muss leider aus Erfahrung sprechen, manchmal regelrecht peinlich. Aber es ist nicht zu verhindern.
- Bitte machen Sie keinen Handel à la „Wir schreiben über Sie, wenn Sie im Gegenzug eine Anzeige kaufen“. Das ist ein Anzeigenverkäufer-Lockangebot.
- Nutzen Sie in Ihrer Selbstdarstellung oder auch auf der Website die Möglichkeit, mit Ihrer Medienpräsenz zu werben. Aber beachten Sie unbedingt das Urheberrecht: Sie dürfen nicht einfach jeden Artikel abbilden oder zum Herunterladen anbieten und natürlich auch nicht Radio- oder Videomitschnitte ungefragt verbreiten. Auch wenn Sie darin interviewt werden. Fragen Sie immer nach, ob und in welchem Rahmen das gestattet ist. Das zeugt nicht nur von gutem Stil, sondern schützt Sie vor rechtlichen Konsequenzen und Kosten.
Ich hoffe, Ihnen hilft diese Beitrag bei Ihrer Medienarbeit weiter.
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Anmerkungen & Kommentare
das ging mir anfangs genau wie Dir: man denkt - gerade als "kleiner Selbstständiger" ja oft gar nicht an Medienarbeit. Und wenn, dann ist das ein ganz anderes Feld, das man meistens als Laie noch dazu etwas zu "weit weg für einen" einschätzt als es tatsächlich ist.
Da hat es Dir ja viel genützt, dass Du mit der Pressearbeit betraut warst!
Über die Büroklima-Geschichte habe ich sehr gelacht. Da muss man erstmal drauf kommen! - Dein Kollege hat's wunderbar vorgemacht: Einfach mitmachen, sofern's mit dem eigenen Gebiet irgendwie zu tun hat und ... sofern man dahinter auch steht.
Wir haben manchmal Themenanfragen, bei denen wir sagen: "Nänänä, das finden wir so aber gar nicht" und da wollen wir nicht in so einem Kontext zitiert werden (z. B. "Die armen sensiblen Hascherlfrauen müssen gegen die von-Geburt-an-selbstbewussten Macher-Männer bestehen" oder auch "Nur schöne Menschen machen Karriere."). Medien um jeden Preis ist auch nicht der Bringer.
Ah, Du wirst ein Buch schreiben. Spannend. Ich liebe Bücherschreiben (und lesen!) und bin gespannt auf Deine E-Mail.
Viele Grüße
Gitte
Ich denke, ich kann gut nachvollziehen, daß Ihr bei Themen wie "Die armen sensiblen Hascherlfrauen müssen gegen die von-Geburt-an-selbstbewussten Macher-Männer bestehen" oder auch "Nur schöne Menschen machen Karriere." nicht im Zusammenhang genannt oder zitiert erden wollt.
Ich nenne dies "Schubladen"-Themen, bei denen keine ernsthafte (und ernst gemeinte) Reflexion stattfindet. Schwarz-Weiß-Themen.
Ja, ein Buch, ein Buch. Wird allerdings nicht so unbedingt von heute auf morgen fertig sein
Aber, wem schreib' ich das...
Mein erstes und bisher einziges Buch von Euch, das ich mir vor ungefähr zwei Jahren gekauft habe, ist: "Selbst-Marketing". Liest sich sehr gut. Sind viele gute und umsetzbare Tipps drin. Kann ich nur empfehlen.
Ich schreibe gerade ein erstes Exposé, um mein Thema einzugrenzen, und um festzulegen, wo und wie ich noch aktiv Materialsammlung betreiben muß. Ich bin also mit diesem Projekt noch am Anfang.
Wie gesagt: Ich melde mich dann per E-Mail bei Dir. Danke. Vielleicht darf ich mir ja ein paar Tipps abholen.
Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert
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Gitte Härter •
Vielen Dank für diesen Artikel.
Als ich mit meiner Selbstständigkeit begann, hatte ich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gar nicht im Mittelpunkt meiner Überlegungen. Mir fielen auf Anhieb "nur" die klassischen Werbewege ein. Als ich dann im letzten Jahr in meinem Berufsverband für den regionalen Bereich im Norden die Öffentlichkeitsarbeit übernahm, begann ich dies anders zu sehen.
Es ist wirklich spannend - aber auch zeitweilig etwas frustrierend -, auf welchen Wegen eigene Pressemeldungen zur Veröffentlichung kommen.
Ich hatte - zumindest aus meiner Sicht - letztes Jahr eine wundervoll formulierte Pressemeldung über meinen Presseverteiler versandt, die sich dann erst acht Wochen später unter einer anderen als der beabsichtigten Rubrik als stark gekürzter "Dreizeiler" hier in der größten regionalen Zeitung wiederfand. Immerhin!!!
Ein selbstständiger Kollege von mir ist langjähriger Managementberater und -trainer. Er hat eine hohe Kompetenz auf seinem Gebiet, schreibt Bücher und veröffentlicht Fachartikel. Allerdings war es ihm bislang nicht gelungen, mit seinen Themen an ein allgemeineres Publikum heranzukommen.
Im letzten Jahr wurde er von einer Redakteuren eines regionalen Lokalblattes angesprochen, ob er etwas zum Thema "Das Büroklima" im telefonischen Interview sagen könne. Als geschätzter Experte dachte er nun, dass es hierbei um das so genannte zwischenmenschliche Klima im Büro zwischen den Mitarbeitern eines Unternehmens ginge. Nein, nein. Er als Unternehmensberater und ausgewiesener Experte sollte etwas zum Thema Klimaanlagen, Heizungen und Arbeitstemperaturen in Büros sagen, weil es über diese Themen oftmals zu Streitigkeiten unter Kolleginnen und Kollegen kommt.
Nun hätte er sagen können: "Liebe Frau Redakteurin, ich bin Experte für Managementfragen, aber nicht für..." Nein, das tat er nicht. Er überlegte gar nicht erst lange, sondern ergriff die Chance, endlich auch einer breiteren Öffentlichkeit und damit auch bei kleineren Unternehmen bekannt zu werden. Schließlich hatte er schon lange nach so einer Möglichkeit im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für sich gesucht. War aber bislang mit seinen Artikeln bei regionalen Zeitungen nicht hineingekommen.
Seither kennen ihn auch der Friseur in seiner Straße, der Schlachter in der Innenstadt, die Zeitungsverteilerin und andere Menschen aus seiner Region.
Fazit: Kommt die Gelegenheit nicht so wie man sie haben will, sollte man kurz überlegen, ob man sie nicht doch ergreifen sollte.
Die Redakteurin ruft seither immer mal wieder bei ihm an, um weitere "Themen aus dem Büroalltag" von einem Unternehmensberater unter der Rubrik "Tipps aus der Arbeitswelt" kommentiert zu bekommen.
Zum Thema Buchschreiben und damit Expertenstatus erreichen, könnte es sein, dass ich mich bald einmal direkt per E-Mail an Dich wende, Gitte, da ich gerade bei der Materialsammlung für ein Buch bin. Aber das wird noch etwas Zeit benötigen.
Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert