Selbstmanagement

Smalltalk entfliehen

Gitte Härter • 05.12.2011 • email Weiterempfehlen

Meist geht es beim Thema Smalltalk um Tipps, wie man auf fremde Leute zugeht und mit diesen ins Gespräch kommt - zum Beispiel auch hier: Schönes Wetter heute! – 7 Tipps für Smalltalk

Doch das ist nur die eine Seite ...: Wie um alles in der Welt kann man denn Smalltalk entfliehen? Langweiligen Gesprächsthemen oder Leuten auf einer Veranstaltung, die einem das Ohr abknabbern, oder schwätzende Kunden und Kollegen, die sich lang und breit über ihren Urlaub, das Abendessen gestern und Gott-und-die-Welt auslassen?

Keine gute Taktik ...

Vielleicht haben Sie es schon mal so versucht:

“Grad jetzt geht’s leider nicht.”

Vorzugeben, momentan keine Zeit zu haben, vielleicht noch garniert mit einem höflichen “Ein andermal dann” oder “Ich würde ja gerne, aber leider ...” ist nicht sehr zielführend.

Denken Sie immer langfristig. Wenn Sie intensiven Privatgesprächen mit Leuten, die Sie öfter treffen, generell aus dem Weg gehen möchten, dann ist es eine schlechte Idee, sich immer aktuell eine Ausrede einfallen zu lassen, obwohl Sie ehrlicherweise grundsätzlich kein Interesse haben und das “gerne ein andermal” keineswegs so meinen.

Dem anderen eins vor den Bug knallen.

Sind Sie gut beschäftigt oder gar regelrecht im Stress, dann kann ausgiebiges Gerede wirklich zum Problem werden. Andere abzuwürgen oder ihnen das Gefühl zu geben, sie hätten Wichtigeres zu tun, ist nicht schön. Insbesondere, wenn Sie zu anderen Zeiten gerne mal plaudern.

Der-andere-muss-es-doch-merken-wenn ...-Taktik fahren

Am häufigsten kommt wohl der “Wink mit dem Zaunpfahl” vor. Der Gedanke: Wenn ich möglichst einsilbig antworte oder hin und wieder beiläufig nicke, dann muss der andere doch merken, dass ich nicht zum Plaudern aufgelegt bin oder mich sein Thema nicht interessiert.

Tatsächlich können genau diese Gesten, also ein schweigendes Nicken oder einsilbige Reaktionen wie ein immer mal eingestreutes “Ja” oder auch nur ein Laut, mit dem man signalisiert, dass man zuhört, ein Gespräch auch erst so richtig anheizen. Während Sie denken, Einsilbigkeit demonstriere Desinteresse, kommen Sie möglicherweise als guter Zuhörer rüber. Es passiert gar nicht selten, dass Einwürfe wie “Ach wirklich?“oder “Soso” ein Gespräch weiter anfachen, weil das Gegenüber sie als Aufforderung interpretiert, mehr zu erzählen.


Sich aus einer “akuten” Situation retten

... und das können Sie tun, um eine uninteressante Gesprächssituation zu verbessern oder sich aus einem unguten Gespräch zu befreien:

Sie hängen gemeinsam in einem Smalltalk-Strudel:

Manchmal verheddern sich zwei im Smalltalk. Das Gespräch beginnt locker mit ein wenig Reden übers Wetter, aber irgendwie hört dann keiner mehr damit auf! Das ist allen Gesprächspartnern oft mehr als bewusst, aber irgendwie findet man nicht mehr raus. Manchmal haben sich beide so verheddert, dass keiner sich traut, einfach das Thema zu wechseln.

In so einem Fall können Sie mit Humor rangehen.

  • “Oh mein Gott! Wenn uns einer zuhört, wie hingebungsvoll wir die Temperaturen analysieren!”
  • “Hilfe ... jetzt sind wir in einer Smalltalksackgasse gelandet. Wie kommen wir da nur wieder raus?”

Sprechen Sie mit einem Augenzwinkern etwas theatralisch die Sache an. Sie werden sehen, dass Ihr Gesprächspartner erleichtert zustimmt und dann locker das Thema gewechselt werden kann - und wie durch das gemeinsame Lachen die Beziehung sofort persönlicher wird.

Der Gesprächspartner ist okay, aber das Thema interessiert Sie nicht:

Haben Sie einen Einstieg über ein Thema gefunden, das kurz okay war, aber nun redet Ihr Gesprächspartner lang und breit darüber, aber es interessiert Sie gar nicht in dieser Tiefe? Dann sprechen Sie es an - aber freundlich und “gesprächsfördernd”.

Ein Beispiel: Sie haben über den letzten Urlaub geredet. Ihr Gesprächspartner war in Indien. Bis vorhin war das interessant, aber jetzt gehts schon minutenlang detailgenau über den Alltag in einem indischen Ashram.

“Ehrlich gesagt habe ich gar keinen Zugang zu diesem Thema ... (und leiten Sie direkt zu etwas anderem über, entweder zu etwas, was zuvor besprochen wurde und das Sie interessiert, oder aber, wenn Sie den Gesprächspartner noch nicht gut genug kennen: Bitten Sie um einen Themawechsel) ... “Darf ich Sie nochmal zu xy fragen?” oder “Ich würde mich gerne weiter mit Ihnen unterhalten, macht es Ihnen etwas aus, wenn wir das Thema wechseln?”

Und ein Beispiel “andersherum”: Sie haben über Berufe gesprochen und dabei Ihren eigenen Beruf preisgegeben. Nun steigt Ihr Gesprächspartner voll darauf ein und erzählt Ihnen seine Probleme und stellt Fragen. Sie sind aber privat hier und haben keine Lust darauf, nun Arbeitsgespräche zu führen oder gar irgendwelche Beratungen zu geben. Schieben Sie einen freundlichen Riegel vor:

“Entschuldigen Sie, dass ich Sie stoppe. Ich mag heute Abend nicht über meine Arbeit sprechen, da fühle ich mich dann wie im Büro.” Oder Sie gehen kurz und neutral auf das Thema ein: “Ja, Sie haben Recht, Mitarbeiterführung ist ganz schön schwierig. Aber auch sehr komplex, so dass es gar nicht möglich ist, mal kurz darauf einzugehen. Ich empfehle Ihnen gerne einige gute Bücher dazu. Mailen Sie mir einfach.”

Sie möchten auch noch mit anderen Menschen reden und nicht die ganze Zeit an dieser einen Person festkleben:

Das ist besonders auf Veranstaltungen wichtig. Manchmal fühlt man sich von einer einzigen Person in Beschlag genommen, möchte nicht unhöflich sein, aber auch nicht die ganze Zeit an den anderen gebunden sein.

In diesem Fall verabschieden Sie sich einfach freundlich – sagen Sie dabei aber nur, was Sie wirklich meinen: War das Gespräch schön, bringen Sie das zum Ausdruck: “Vielen Dank für die interessante Unterhaltung. Jetzt möchte ich gerne noch die Runde machen. Einen schönen Abend noch!”

Möchten Sie weiter im Kontakt bleiben, aber jetzt das Gespräch abbrechen, dann können Sie etwas sagen wie: “Es hat mich sehr gefreut, dass wir uns heute hier kennengelernt haben. Was sagen Sie? Sollen wir unsere Visitenkarten tauschen und uns die nächsten Tage mal zusammenrufen?”

Wenn es nicht interessant und auch nicht spannend war, dann verabschieden Sie sich neutral, zum Beispiel, indem Sie Ihren Blick einmal interessiert im Raum schweifen lassen und sagen “Doch sehr viel los heute. Ich möchte noch einige weitere Kontakte knüpfen. Sie sicherlich auch! Alles Gute für Sie ...”

Sie sehen an all diesen Beispielen: Der Clou besteht darin, dass Sie nicht zögerlich sind oder um den Brei reden, sondern die Sache direkt in die Hand nehmen, das Gespräch steuern oder es freundlich, aber klar beenden.

 

Sie können diesen Beitrag kommentieren oder ihn an einen Freund oder Bekannten email weiterempfehlen oder Ich lese: Smalltalk entfliehenTwitter den Beitrag.

 

Anmerkungen & Kommentare

Von: Anna am 06.12.2011
Guten Morgen!

Wieder mal ein sehr interessantes und wichtiges und für mich sehr aktuelles Thema. Ich unterhalte mich allgemein nicht gerne bzw. nur mit (für mich) interessanten Menschen über Themen, die mich interessieren. Ich gehöre zu den oben beschriebenen Menschen, die 'gut zuhören' und immer mal wieder ein 'aha' oder 'was sie nicht sagen' und 'Wahnsinn' einschmeissen. Wenn mich jedoch jemand mental 'anmacht', dann bin ich nicht zu stoppen .. ha ha

Durch meinen Job bin ich natürlich gezwungen Smalltalk zu halten, was mir generell Spaß macht, da mein Kundenkontakt beschränkt ist.

Jedoch gibt es immer wieder Kandidaten, die mich volltexten über ihr Leben, das ihrer Kinder, aktuelle politische Themen in einer Art und Weise, die mir unangenehm ist. Erst kürzlich habe ich es mir sozusagen zur Aufgabe gemacht zu lernen, unangenehmen oder besser gesagt unangebrachten Themen geschickt aus dem WEg zu gehen ohne dass mein Gegenüber merkt, dass ich das Thema umgelenkt habe. Ihr Artikel hat mich darin weiterhin bestärkt.

Ich bin an einer guten Diskussion stark interessiert. Zum passenden Zeitpunkt mit der angebrachten Person und nicht während eines Geschäftsessens oder privat bei einer Geburtstagsfeier.
Von: Ellen am 06.12.2011
Hallo Gitte,
danke für einen weiteren, wirklich tollen Tipp. Ich habe auch dein Buch "Nerv nicht" gelesen und kann es an dieser Stelle als Vertiefung der o.g. Ausführungen (und anderer Kommunikationssituationen) wirklich sehrsehr empfehlen!

Viele liebe Grüße
Von: Gitte Härter am 09.12.2011
Dankeschön Anna und Ellen für das schöne Feedback. Das freut mich, dass es eine gute Bestätigung ist.

... und dass Dir das "Nerv nicht!" so gut gefallen hat. grin

Herzliche Grüße
Gitte

 

Anmerkung schreiben

Bitte keine Firmen im Namensfeld und keine Webadresse oder sonstige Eigenwerbung im Kommentar.

Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.

 

 

Bestellen Sie unseren kostenlosen Kickletter: Jede Woche Tipps und Ideen für Ihre Selbstständigkeit.

 

E-Mail-Adresse:

RSSOder unseren RSS-Feed abonnieren.

 

Unsere aktuellen Selbstlernkurse:

 

Kategorien

 

Die letzten Kommentare

Heute lernen Sie: Größenwahn
Beatrice Legien  22.05

Manche Kunden machen einem nur Arbeit
Michael  22.05

Heute lernen Sie: Größenwahn
B. Waldhauser  22.05

Was ist Ihre beste Qualität?
Sommerwind  22.05

Heute lernen Sie: Größenwahn
Amos Ruwwe  22.05

 

7 Erfolgsfaktoren für Ihre Akquise!

Gute – und damit erfolgreiche – Akquise weist sieben wichtige Eigenschaften auf. Sie ist ...

111 Annahmen ...

... mit denen Selbstständige
meistens danebenliegen

 
 
Erfolgreiche E-Mail-NewsletterWebseiten, die verkaufenProfilbildung für Selbstständige