Sind Sie ein Zerpflücker?
Zerpflücker nehmen alles auseinander, halten aktiv nach Haaren in der Suppe Ausschau, wissen, dass „das eh nicht geht“ und Kunden „mit so was nichts anfangen“ oder „darauf nicht anspringen können“.
Wie? Ist es nicht gut, analytisch an die Dinge heranzugehen? – Durchaus. Doch der Zerpflücker ist nicht analytisch, er denkt es nur. In Wirklichkeit „zerpflückt“ er. Dieser Unterschied hat es in sich! Denn im Gegensatz zum Schwarzseher, der Negatives auf sich zukommen sieht oder alle möglichen Befürchtungen hat, denkt der Zerpflücker, dass er gerade einen guten Job macht:
- „Ich bin ja nur kritisch.“
- „Ich habe Tipps, die ich gelesen habe, geprüft und festgestellt, dass das aus diesen ganzen Gründen nicht praxistauglich ist.“
- „Ich bin realistisch und weiß aus Erfahrung, was an dieser Sache alles nicht stimmt.“
Sehen Sie die Gefahr? Wenn man nicht erkennt, dass man alles auseinandernimmt und abtut, dann boykottiert man sich – und sein Unternehmen – selbst. Es kommt zu Stillstand oder Sie machen sogar Rückschritte. Immer in dem besten Gefühl, dass Sie „prinzipiell offen“ sind.
Daran erkennen Sie, ob Sie ein Zerpflücker sind:
Sagen oder denken Sie häufig:
- Ja, aber …
- Das geht nicht, weil …
- Das habe ich schon vergeblich probiert.
- Bei meiner Zielgruppe ist das ganz anders.
- Meinen Kunden brauche ich damit gar nicht zu kommen.
- In meiner Branche geht das nicht.
- Das ist nichts Neues!
- Das ist realitätsfremd.
- Sie reden sich leicht!
- Das ist nichts für mich.
- Kann ich mir nicht vorstellen, dass das vielversprechend ist.
Wenn Sie sich jetzt erkennen, sagen Sie vielleicht: „Ja, und? Das ist doch realistisch. Es muss doch erlaubt sein, kritisch ranzugehen oder seine Erfahrungen zu nutzen.“
Das stimmt!
Doch es geht um die Art und Weise, wie Sie das tun. Einfach alles zu zerpflücken und damit, um es mal beim Namen zu nennen: abzutun oder regelrecht abzuschmettern, bringt Ihnen nichts. Sie profitieren auf diese Weise noch nicht einmal von Ihren Erfahrungen!
Sie schneiden sich von guten Ideen und Tipps ab, die Sie erhalten – anstatt sie als Sprungbrett für eigene gute Einfälle zu nutzen.
Sie probieren weniger oder gar nichts aus, weil Sie eh schon glauben, dass es nichts bringt.
Sie lehnen von sich aus eine Zusammenarbeit oder Aufträge ab, weil Sie glauben, dass das eh nichts wird oder dass Ihr Gegenüber es nicht ernst meint. Sie urteilen schneller, und das führt beispielsweise auch zum Gießkannenprinzip: Ob es sich um Akquise- oder Selbstmanagement-Themen handelt – Sie testen Vorgehensweisen nicht aus oder lassen Sie nach einer Einmalaktion gleich wieder fallen.
Und das war leider noch nicht alles: Die Menschen, mit denen Sie zu tun haben – ob beruflich oder privat –, bekommen auf Dauer kein gutes Bild von Ihnen. Wer will schon immer abgeschmettert werden oder seine Meinung oder Ideen zerpflückt bekommen? „Dem erzähle ich nichts mehr! Der zerpflückt eh nur alles.“ „Sie will meine Meinung offensichtlich gar nicht hören.“
Wie bringt es Ihnen mehr?
Es ist eine gute Fähigkeit, genau hinzusehen. Und es ist durchaus wichtig, kritisch zu sein. Wirklich nützen tut Ihnen das jedoch nur, wenn Sie das zielgerichtet tun:
- Ich habe die oder die konkreten Bedenken …
- Ich habe etwas Ähnliches schon einmal gemacht. Damals existierten diese und jene Rahmenbedingungen, und das Ergebnis war xy …
- Bei meiner Zielgruppe ist das anders, fürchte ich, denn … Darum denke ich …
- Ich tue mich mit dieser Anregung schwer, weil …
- Ich glaube, dass ich das in dieser Form nicht kann, weil …
Der Clou ist, wirklich konkret zu werden. Wenn Sie das tun, lernen Sie, Ihr Wissen auf den Punkt zu bringen, und Sie wirken auf andere sehr viel konstruktiver, offener und kompetenter.
Der noch viel größere Gewinn liegt darin, dass Sie und Ihr Business davon profitieren, den Dingen auf den Grund zu gehen:
- Sie werden sich noch klarer, was Sie schon können, und bekommen Bestätigung.
- Sie können sich die Bereiche rauspicken, die Sie ausprobieren möchten.
- Sie erkennen genau, wo Sie Stärken oder Schwächen haben und inwiefern Sie sich weiterentwickeln können.
- Sie kommen Befürchtungen und Vermeidungstaktiken auf die Spur.
- Sie können aus früheren Erfahrungen lernen und beispielsweise Ihre Akquise-Strategie oder vergebliche Selbstmanagement-Versuche optimieren.
... und das bringt Sie richtig voran!
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Anmerkungen & Kommentare
Ganz unangenehm habe ich noch in Erinnerung als ich in einer Firma eingestellt wurde, um dort frischen Wind hineinzubringen und ich nach einiger Zeit merkte, dass ausser der Geschäftsleitung keiner wirklich an frischem Wind interessiert war. Anstatt "ja, aber" kam dort "es war immer so und soll auch so bleiben". Das finde ich genauso anstrengend wie die Zerpflücker.
Einen schönen Abend und herzliche Grüße
Beatrice Legien-Flandergan
vielen Dank für die Kommentare. Besonders das "weiß ich genau, wen ich von meinen Freunden ansprechen muss" ist auch so eine Sache: Man weiß genau, wie die jeweiligen Leute so reagieren. Das gezielt zu nutzen, wie Maria schreibt, erstmal "rumspinnen" und danach jemand suchen, der abklopft, ist nützlich. Manchmal tut man das auch, um sich in einer nicht so nützlichen Richtung bestätigen zu lassen - wenn man Angst vor etwas hat oder sich nicht recht rantraut.
So nervig es ist, mit "solchen Leuten" umzugehen, die alles gleich abtun oder zerpflücken, so ist dieser Rückzug natürlich ein weiterer Nachteil für die Zerpflücker.
Ich finde es in Coachings oder Trainings immer schön zu sehen, dass dieses "Ja, aber" häufig nur an der Oberfläche ist: manchmal ist es wie ein Reflex. Aus Gewohnheit oder aus Unsicherheit, wie und ob es andere Sichtweisen oder Möglichkeiten geben könnte.
Das Traurige: Als "normaler Mensch" fehlt einem schnell die Geduld, sich dem langfristig auszusetzen.
Viele Grüße
Gitte
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Gitte Härter •
diese Art von Leuten nerven, weil sie NUR diese Denke drauf haben und IMMER und ALLES mit dieser - für sie sicher sinnvollen - Lösungsstrategie angehen.
Wenn ich Teams z.B. über den Disney-Circle erkläre, dass SOWOHL der Träumer WIE der Realist/Realisierer WIE der Kritiker gebraucht werden, wenn Lösungen erarbeitet, Projekte umgesetzt werden sollen, fühlt sich jede und jeder mit seiner Art gewertschätzt.
Ich z.B. frage bei neuen Ideen, bei denen ich vor Begeisterung sprühe, ERST jemanden, der auch rumspinnen kann und will. Und irgendwann, wenn mein Projektpflänzchen schon etwas stärker ist, weiß ich genau, wen ich von meinen Freunden ansprechen muss, der dat Janze nochmal realitisch abklopft und hyperkritisch hinterfragt. Umgekehrt gehandhabt,habe ich manch schöne Idee gleich in die Tonne getreten. Schad drum.
Und: IN jedem von uns gibt es ja auch alle 3 Positionen. Ich träume z.B. gerne und kritisiere mich mitunter selbst zu viel.
Die beiden Positionen sind also schon mal da. Ich arbeite am Realisier
Maria Ast