Selbstlernkurse im Internet anbieten
In einem anderen Beitrag hat Elisabeth in einem Kommentar einige Fragen zu Selbstlernkursen im Internet gestellt. Da wir kürzlich über Geldverdienen im Netz diskutiert haben, hier ergänzend unsere Erfahrungen mit Selbstlernkursen.
Da Elisabeth ganz konkrete Fragen gestellt hat, will ich diesen Artikel mal im Frage-und-Antwort-Format aufbauen.
Entstehung
Da ich ebenfalls Bücher schreibe, würde mich interessieren, wie Sie beim Schreiben von Selbstlernkursen vorgehen, wie lange recherchieren Sie, wie lange schreiben Sie?
Also recherchieren tue ich persönlich nie. Da bin ich viel zu faul dazu und möchte mir die Zeit auch nicht dafür nehmen. Deshalb schreibe ich (ob bei Büchern oder Selbstlernkurse) immer nur über Dinge, die mich selbst interessieren und wo ich Bescheid weiß und Praxiserfahrung habe.
Zu Themen, die begleitend wichtig sind, wo ich aber kein Fachmann bin, hole ich mir dann einfach einen Interviewpartner dazu, der da weiter in die Tiefe geht. Das ist vom Ergebnis her auch viel besser für die LeserInnen, weil sie dann Informationen von Fachleuten bekommen und für mich ist es gut, weil ein Interview spannend ist und viel weniger Arbeit macht als selbst zu recherchieren. Dazu kommt, dass es bei manchen Themen fast unmöglich ist, sichere Informationen zu recherchieren – beispielsweise Rechtsthemen.
Zum Schreibprozess: Ich persönlich schreibe schnell, da ich besser schreibe, wenn ich das, was ich gerade be-schreibe, im Kopf habe. Bücher schreibe ich geballt in wenigen Wochen. Bei Selbstlernkursen kommt es darauf an: Wenn das Thema klar ist, schreibe ich es konsequent durch. Selbstlernkurse fallen mir persönlich aber schwerer als Bücher, weil sie einen anderen Aufbau erfordern: Man muss viel schlüssiger, mit Übungen und Checklisten etc. vorgehen und das Ganze mit Leseransprache und ineinander verzahnen – denn beim Selbstlernkurs ist man ja als Leser auf sich alleine gestellt und muss nicht nur alles genau verstehen, sondern auch die Übungen wirklich tun (eine Herausforderung für die Selbstdisziplin bei vielen Menschen).
Wenn ich ein Thema klar habe und auch Lust darauf habe, dann geht es zackig am Stück. Wenn es hakt, dann quäle ich mich einige Wochen damit rum. Dann liegt es aber meistens daran, dass die Struktur noch nicht passt.
Schreiben ist aber ein sehr individueller Prozess. Das macht jeder anders.
Ich gehe so vor, dass ich mir ein Thema suche, das mich gerade interessiert und das ich schreiben möchte – und von dem ich glaube, dass es von hohem Interesse für unsere Zielgruppe ist, in diesem Fall: Selbstständige, Freiberufler und kleine Firmen.
Und dann überlege ich mir ein ungefähres Inhaltsverzeichnis, lege mir entsprechende Ordner pro Lektion an, strukturiere dann die einzelnen Lektionen durch – und fange an, das Stück für Stück zu füllen. Bei den Selbstlernkursen ist das Blöde (für mich), dass ich fast immer von vorn bis hinten vorgehen muss, weil das aufeinander aufbaut. Lieber schreibe ich nämlich durcheinander.
Verkaufen
Darüber hinaus würde mich interessieren, ob sich die Selbstlernkurse auch wirklich verkaufen.
Selbstlernkurse verkaufen sich dann, wenn man eine Plattform hat, die auch genügend Leute besuchen, die genau den Bedarf an diesem Kurs haben. Ralf hat im oben schon verlinkten Beitrag „Mein bester und wichtigster Tipp“ erzählt, dass zeitzuleben.de wöchentlich einen Newsletter an über 50.000 Abonnenten schickt – und ein Teil der Produkte, die zeitzuleben verkauft, sind zum Beispiel Selbstlernkurse. - Und 50.000 Abonnenten muss man erstmal über viele Jahre kontinuierlich gewinnen.
unternehmenskick.de haben wir Ende März gestartet – unsere Selbstlernkurse (bisher sind es ja erst fünf, in Kürze kommen zwei neue dazu) verkaufen sich sehr gut. Das liegt aber daran, dass wir nicht einfach eine Website mit ein paar Selbstlernkursen ins Netz gestellt und dann gewartet haben, sondern dass wir parallel wie die Irren Maßnahmen ergreifen, die unsere Plattform bekannt machen.
Denn nur wenn Besucher kommen, können diese sich auch umsehen und für die Selbstlernkurse interessieren.
Wir sind sehr aktiv: Sichtbar ist für Sie die Arbeit, die wir hier ins Blog stecken, um die Internetseite nützlich für Sie alle zu machen – aber auch, um Ihnen zu zeigen, wie wir drauf sind und dass wir kompetent in unseren Bereichen sind (was wiederum positiv auf unsere Selbstlernkurse reflektiert ... oder reflektieren soll
). Dann bieten wir den kostenlosen E-Mail-Kurs an, die Poster etc. Darüber hinaus haben wir ein Partnerprogramm aufgebaut und bewerben das, bei dem Webseitenbetreiber an erfolgreichen Empfehlungen und Verkäufen 30 Prozent Provision erhalten, wir schalten Anzeigen, wir geben teilweise Content gegen link weiter, wir vernetzen uns mit anderen Blogs, wir tragen uns in Verzeichnisse ein und und und – Es ist also nicht so, dass wir mal eben ein paar Kurse auf die Seite stellen und dann zuschauen, was passiert. Von nichts kommt eben nichts.
Wenn Sie also überlegen, mit Selbstlernkursen Geld zu verdienen, dann ist der Dreh- und Angelpunkt (abgesehen von Thema und Qualität der Kurse), dass Sie die Plattform, auf der Sie Ihre Kurse vertreiben, massiv bei der angestrebten Zielgruppe bekanntmachen. Dass Sie – wie Sie das in einem früheren Beitrag schon angesprochen haben – eine vertrauenserweckende, technisch sichere Website haben. Dass Sie verschiedene Bestell- und (wiederum sichere) Bezahlabwicklungspartner haben.
Und natürlich, dass Sie Ihre Selbstlernkurse gut bewerben. Wir beispielsweise haben zudem auch noch eine Woche Rücktrittsgarantie: Da kauft man nicht die Katze im Sack, sondern kann sich den Kurs herunterladen, anschauen und wir buchen erst eine Woche später das Geld ab, sofern nicht storniert wurde.
Ein Selbstlernkurs ist wie jedes Produkt oder jede Leistung: Als Unternehmer ist man gefragt, das Ding an den Mann zu bringen. Und wer aktiv ist, sich bekanntmacht und mit potenziellen Kunden spricht, der verkauft auch.
Copyright
Wie schaut es aus mit dem Copyright? Ist es nicht so, dass die Selbstlernkurse bald im Internet als kostenlose Downloads auftauchen?
Da haben Sie mir jetzt vorgegriffen, Elisabeth. Zum Thema Copyright und Klau hatte ich eh schon auf meiner Liste einen eigenen Beitrag – denn die Angst vor dem Ideen- und Textklau haben viele Einzelunternehmer generell, auch was Inhalte auf ihrer Website angeht. Ich werde den Beitrag vorziehen, aber dann nochmal einen separaten Blogeintrag machen, denn ich möchte nicht, dass dieses wichtige Thema hier in einem Beitrag rein über Selbstlernkurse verschwindet. Denn die Urheberrechtproblematik ist allgemein interessant und wichtig.
Vielleicht mag Ralf ja noch was ergänzen – er hat ja noch viel mehr Erfahrungen, weil er auf zeitzuleben.de schon seit Jahren Selbstlernkurse vertreibt.
Und bestimmt haben unsere MitleserInnen auch eigene Erfahrungen gemacht: Ich freue mich über Ihre Beiträge.
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Anmerkungen & Kommentare
danke für Eure Beiträge, ich habe die Frage vor allem deshalb gestellt, weil im Netz immer wieder das Gerücht gestreut wird, dass man mit E-Books sehr viel Geld verdienen kann (Stichwort Passiveinkommen).
Was mich interessiert und was mir gefallen würde, wäre ein Selbstlernkurs über das Thema Selbstlernkurse und E-Books schreiben, sei es kostenlos oder kostenpflichtig. Vor allem würden mich Techniken interessieren, komplexe Inhalte leicht verständlich darzustellen.
Zum Thema Recherche möchte ich sagen, dass meiner Meinung nach Recherche die Grundlage eines guten Sachtitels darstellt, selbst wenn man auf persönliche Erfahrungen zurückgreift, ist es wichtig und interessant, zu recherchieren. Ein kurzes Interview kann meiner Meinung nach die Lektüre eines Buches nie ersetzen. Wobei ich Interviews auch für sehr lohnend und spannend halte.
Mein Eindruck zu Euren Aktivitäten ist folgender: Ihr sagt von nichts kommt nichts, ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr wahrscheinlich mehr Geld verdienen könntet, wenn Ihr Bücher schreibt und dazu Seminare haltet. Das Thema Copyright ist übrigens tatsächlich ein Riesenproblem. Auf libri.de gibt es sogar ein Wasserzeichen, das dem Kunden zugeordnet werden kann, was mich allerdings auch wieder stört, weil tauschen und wiederverkaufen kann man ja auch Bücher und CDs, warum also nicht Downloads. Früher oder später wird es auch Tauschbörsen für Downloads geben, das lässt sich nicht vermeiden. Im Sinne der Konsumenten, die auch immer weniger Geld haben (siehe Preissteigerungen) ist es auch ganz verständlich.
danke für die Anregung von wegen Selbstlernkurs zu Selbstlernkursen ... das behalten wir mal im Hinterkopf. Zunächst stehen andere Themen auf dem Plan, die näher an allgemeineren Themen aus dem Einzelunternehmeralltag stehen.
Ich schreibe ja Bücher - mittlerweile habe ich zwanzig Bücher bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht (bis auf einen kleinen bei den großen Verlagshäusern), einige in mehreren Auflagen und einige zusätzlich als Hörbuch oder auch zusätzlich als eBook-Verwertung (seitens Verlage).
Wer Bücher schreibt, weiß, dass damit - außer man hat enorme Bestseller-Auflagen - kein Geld zu verdienen ist. Als Autor bekommst Du vom Nettopreis minus Buchhandelsrabatt einen minimalen Prozentsatz an Anteil. Von einem Buch, das im Laden 16 Euro kostet, bekomme ich beispielsweise als Autorin unter 1 Euro. Das sind Standard-Verlagsverträge. Das denken viele Leute nicht.
Dennoch ist das Bücherschreiben großartig und für jemanden wie mich, der zusätzlich Leistungen in seinem Fach anbietet, natürlich toller Image-Gewinn und Akquisewerkzeug: denn ich bekomme darüber viele Presseanfragen, bin daher ständig in den Medien und erhalte viele Kundenanfragen.
Und Christine und ich sind ja Coaches und Trainer. Das Schreiben läuft bislang nebenher.
unternehmenskick und die Selbstlernkurse, die ein wesentlicher Kern-Aspekt unserer Leistung sind und weiter ausgebaut werden, kommen nun zusätzlich dazu.
Urheberrecht ist ein großes Thema. Dazu aber, wie versprochen, demnächst ein Extra-Beitrag.
Ein schönes Wochenende!
Gitte
das Thema passt ja wieder mal klasse für mich
Denn auch ich plane gerade (angeregt durch eine Telefonkonferenz mit Monika Birkner) endlich mal all die Ideen und Materialien für Selbstlernkurse und E-Books zu veröffentlichen und anzubieten.
Danke für die vielen Tipps!
Zu Elisabeth:
Ich habe auch schon 9 Bücher veröffentlicht (und dieses Jahr sogar die erste DVD mit Methoden für Seminare) und wie Gitte Härter habe ich bisher nie Bücher geschrieben, bei denen ich viel recherchieren musste. Sondern über meine Seminarpraxis, erprobte Konzepte und Methoden geschrieben. Über Dinge, die ich jahrelang schon gemacht habe - da muss man nicht mehr recherchieren...
Auch ich schreibe sehr schnell. Bei Büchern meist im Winter drei Wochen am Stück den ersten Teil, im Sommer dann noch mal am Stück drei Wochen - und zwischendurch eben so den Kleinkram, Material zusammen sammeln, die Fotos etc. Bei manchen Büchern dauert es auch länger, bei manchen ging es schneller.
Selbstlernkurse habe ich erst einen geschrieben (aber das war für ein anderes Institut mit konkreten Vorgaben, da war für mich vor allem der Kampf mit der Dokumentenvorlage zeitraubend).
Selbst habe ich bislang zwei Online- Seminare konzipiert (bei der damaligen Workshop- Welt durchgeführt) - das fand ich auch fast genau so viel Arbeit wie ein Buch zu schreiben. Zumal ich hier das Layout auch komplett selbst erstellt habe, was sonst der Verlag übernimmt.
Themen:
Bisher haben sie mich immer "angesprungen". Ich habe nie überlegt: "Was könnte ich denn mal schrieben", sondern das war plötzlich da. Durchaus auch auf Anfrage, wo ich dann schaue, ob es mich interessiert und ob es ein Thema ist, womit ich jetzt in die Öffentlichkeit möchte.
Denn das ist unter Marketing- Gesichtspunkten auch eine Überlegung: Das die Produkte und die Seminare, die ich gebe und die Vorträge auf Kongressen etc. thematisch zusammen passsen. Das Ganze ist wie ein großes Puzzle - und es würde die Menschen nur verwirren, wenn ich über das eine schreibe und das andere trainiere etc.
Mich interessiert natürlich auch, ob sich solche Produkte lohnen- ich werde es einfach mal testen. Denn soo viele Besucher wie zeitzuleben habe ich ganz sicher nicht. Aber in meinem Newsletter kann ich drauf hinweisen und auf meinen Seminaren.
Über Copyright und Klau habe ich mir nie so viele Gedanken gemacht. Ich verrate auch in meinen Bücher härchenklein meine Methoden. Das kann auch jeder abkupfern. Aber ich denke, dass es trotzdem was anderes ist, wenn ich diese im Seminar einsetze oder jemand anders. Jeder hat seine eigene Färbung. Und ich gebe da ja nicht nur, sondern ich bekomme ja ebenfalls von anderem im Internet sehr viel (siehe hier beispielsweise). Ich habe da einfach so eine Einstellung, dass sich das ausgleicht.
Was mich auch noch interessieren würde, wie man das rein technisch macht mit Verkauf und Bezahlung. Aber da habe ich mit meinem Webmenschen schon eine Light- Version zum ersten Testen geplant. Wenn es dann läuft, kann ich ja weiter sehen, wie man einen richtigen Shop einrichtet etc.
Vielleicht lernen wir das hier ja auch noch:-).
Also, erst mal vielen Dank für die interessanten Infos und Gedanken.
Zamyat
Eine große Angst, die viele Selbstständige haben, ist, dass Konkurrenten bei ihnen abschauen dass gute Ideen oder auch Texte geklaut oder plagiiert werden.
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Das ist das Grundprinzip:
1. Du brauchst ein gutes Produkt, in dem Fall ein Selbstlernkurs.
2. Du brauchst eine Seite im Web, wo den Kurs bewirbst und zwar so, dass deine Besucher auch genug Infos haben, um zu entscheiden, ob der Kurs etwas für einen ist. D.h. viel über das Produkt erzählen und den Nutzen überzeugend darstellen.
3. Du brauchst viele, viele Leute auf deinen Seiten.
Mit viele, viele Leute meine ich wirklich viele, denn man kann ungefähr rechnen, dass je nach Produkt und Qualität des Marketings zwischen 3 und 0,5% der Leute, die eine Seite besuchen, auch wirklich ein Produkt kaufen.
D.h. wenn unser Marketing wirklich gut ist und ich eine Umwandlungsrate von 3% habe, dann brauche ich trotzdem noch 33 Leute auf meiner Produktinfo-Seite, bis ich einen Verkauf habe.
Das heisst die Formel für Geldverdienen mit Selbstlernkursen ist relativ einfach und sie lautet:
Gutes Produkt + überzeugende Produkt-Beschreibung + viele Besucher auf der Seite der Produkt-Beschreibung
Aber wie das eben so ist: Jeder der Punkte erfordert Arbeit, Arbeit, Arbeit, Arbeit, Arbeit ...
Oder wie Gitte so schön gesagt hat: Von nichts kommt nichts