Planen, auf die natürliche Art und Weise
Vielleicht erinnern Sie sich noch an unsere Umfrage von neulich. Darin ging es um die Frage, was uns Selbstständige straucheln lässt. Und 33 Prozent von Ihnen waren der Meinung, dass eine fehlende Strategie, ein fehlendes System und ein fehlender Plan uns am meisten ausbremsen. Ich für meinen Teil teile diese Einschätzung. Ich glaube auch, dass die meisten von uns mehr System und mehr Planung in ihrem Geschäft brauchen könnten.
Ich möchte Ihnen heute eine andere Art der Planung vorstellen, die wesentlich natürlicher, vor allem aber auch robuster ist und auch deutlich schneller Ergebnisse hervorbringt.
Wenn es um Strategie und Planung geht, denken die meisten an den typischen Top-Down-Ansatz. Man überlegt sich ein Ziel und plant dann, welche Schritte in diese Richtung führen. Dann überlegt man sich Teilziele und bricht diese Teilziele so lange herunter, bis man bei machbaren Handlungen angekommen ist.
Für Themenbereiche, in denen man bereits viel Erfahrung hat, klappt diese Art der Planung meistens auch ziemlich gut, weil man eben weiß, welche Schritte zum Erfolg führen. Wenn wir dagegen noch nicht so genau wissen, welcher Weg zu einem Ziel führt, ist diese Art der Top-Down-Planung eher frustrierend, weil sich so ein Plan innerhalb von Tagen als überholt herausstellen kann.
Wo wollen Sie hin?
Auch bei dieser Art zu planen müssen Sie zuerst einmal festlegen, wo Sie hinwollen.
Was ist also Ihr Ziel? Wo wollen Sie hin? Was wollen Sie erreichen?
- Wollen Sie mehr Umsatz machen? Wie viel Umsatz genau? Und wie viel davon soll Profit sein?
- Oder wünschen Sie sich mehr Balance zwischen Beruf und Freizeit? Wie wäre das, wenn Sie mehr Balance hätten? Was wäre dann anders als jetzt?
- Oder wollen Sie mehr Spaß und Freude bei der Arbeit? Wie sähe das genau aus? Was wäre dann anders als heute? Woran genau würden Sie erkennen, dass Sie Spaß und Freude an Ihrer Arbeit haben?
- Oder wünschen Sie sich mehr Anerkennung, positive Rückmeldungen Ihrer Kunden und ein Gefühl, dass Ihre Arbeit richtig und sinnvoll ist?
- Wahrscheinlich wollen Sie noch etwas ganz anderes: Was genau ist es?
Der erste Schritt beim Planen besteht darin festzulegen, wo Sie gerne hinwollen und wovon Sie sich mehr wünschen würden.
Erst mal Möglichkeiten finden, statt zu planen
Im zweiten Schritt überlegen Sie sich Möglichkeiten, wie Sie Ihrem Ziel näher kommen können. Dazu fragen Sie sich einfach:
„Was könnte dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen?“
Und dann brainstormen Sie vielleicht zwei, drei oder vier Antworten auf diese Frage.
Was dabei herauskommt, sind mögliche Vorgehensweisen oder auch Strategien.
Nehmen wir an, Ihr Ziel wäre, in den nächsten sechs Monaten drei neue Kunden für Ihre Leistung zu gewinnen. Also fragen Sie sich: „Was würde dabei helfen, in den nächsten sechs Monaten drei neue Kunden zu gewinnen?“
Und Ihre Antworten könnten sein:
- Messen besuchen, wo sich Entscheider rumtreiben, und Kontakte knüpfen.
- In meinem Netzwerk rumfragen, ob jemand einen passenden Kontakt herstellen kann.
- Werbebrief schreiben und 30 Entscheider in meinem Bereich schicken und telefonisch nachhaken.
- Auf meiner Website eine Aktion starten, die thematisch zu meinen Leistungen passt, dort Nutzen bieten und so passende Interessenten anlocken, die dann auf mich zukommen.
Als Nächstes wählen Sie eine Möglichkeit aus, die Ihnen aus dem Bauch heraus am sinnvollsten vorkommt. Hier ist es wichtig, auch der eigenen Intuition zu vertrauen.
Seien wir ehrlich: Unser Verstand ist eine mächtige Waffe, wenn es darum geht, Probleme zu lösen, zu denen wir genug Informationen vorliegen haben. Aber meistens bewegen wir uns in Bereichen, in denen wir nicht mal einen Bruchteil aller Informationen haben, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Hier sind unsere Intuition und unser Bauchgefühl wesentlich hilfreicher. Natürlich können Sie auch darüber nachdenken, was die beste Möglichkeit ist. Erlauben Sie sich aber auch, aus dem Bauch heraus zu entscheiden.
Kleine Schritte überlegen
Sobald Sie sich für einen Lösungsansatz (oder eine Strategie) für das Erreichen Ihres Ziels entschieden haben, stellen Sie sich die Frage:
„Was kann ich heute in 5 bis 20 Minuten tun, um diesem Ziel einen klitzekleinen Schritt näher zu kommen?“
Nehmen wir an, Sie hätten sich oben für die Aktion auf Ihrer Website entschieden. Was wären hier kleine Schritte in diese Richtung?
Hier brainstormen Sie wieder:
- Im Internet recherchieren, ob ich jemanden finde, der bereits vergleichbare Aktionen gestartet hat.
- Wenn ich jemanden gefunden habe, Kontakt aufnehmen und denjenigen interviewen.
- 20 Minuten Ideen brainstormen, welchen Nutzen ich mit meiner Aktion bieten könnte.
- Meinen Kumpel Martin anrufen, um mit ihm gemeinsam Ideen zu dieser Aktion zu sammeln.
- Gemeinsam mit meinem Erfolgsteam zu dieser Fragestellung brainstormen.
- Mit meinem Webmaster besprechen, dass er mir ein Blog auf meiner Website aufsetzt.
- 20 Minuten überlegen, wie ich mein Profil und meine Expertise auf meiner Website noch besser rüberbringe.
- 20 Minuten überlegen, wie ich einfachere Kontaktmöglichkeiten auf meiner Website schaffen kann.
- usw.
Sobald Sie fünf bis zehn Ideen zusammenhaben, hören Sie auf zu brainstormen und wählen wieder eine Möglichkeit aus Ihrer Liste aus, die spontan für Sie am meisten Sinn ergibt.
Dann fangen Sie an und gehen die ersten Schritte. Sobald Sie dann einen Schritt weitergekommen sind, überlegen Sie sich neue kleine Schritte auf Ihr Ziel zu und gehen diese. Und dann den nächsten Schritt. Und dann wieder einen. Bei dieser Art des Planens testen Sie also jeden Schritt sofort im richtigen Leben. Es ist hier natürlich wichtig, regelmäßig zu überprüfen, ob die eigenen Schritte einen auch wirklich näher an das heranbringen, was man will. Bei dieser Vorgehensweise müssen Sie oft reflektieren und den eigenen Kurs korrigieren. Denn Ihr Plan ist ja nicht die Wirklichkeit, sondern nur eine Idee, wie die Wirklichkeit sein könnte. Und indem Sie Ihren Plan ständig mit der Realität abgleichen, werden Ihre Planung und Ihr System immer wirklichkeitsnäher und realistischer. Und das spart Zeit, Aufwand, unnötige Wege und eine Menge Enttäuschungen.
Zusammengefasst
Die Vorgehensweise noch einmal zusammengefasst:
- Sie überlegen sich Ihr Ziel.
- Sie brainstormen drei bis vier Möglichkeiten (Strategien), um Ihr Ziel zu erreichen.
- Sie entscheiden sich aus dem Bauch heraus für eine der Möglichkeiten (ohne zu lange nachzudenken).
- Sie brainstormen, was für kleine, machbare 20-Minuten-Schritte in diese Richtung führen.
- Sie suchen sich einen Schritt aus, der Ihnen zuspricht, und gehen diesen.
- Sie suchen sich den nächsten kleinen Schritt aus, und gehen diesen auch.
- Sie reflektieren oft, ob Sie noch in der richtigen Richtung unterwegs sind. Falls nein, überlegen Sie sich neue Ziele oder neue Möglichkeiten, um Ihr Ziel zu erreichen
Die besondere Magie bei dieser Vorgehensweise ist, dass sie uns sehr schnell ins Handeln bringt. Statt ewig lange mit planen zu verbringen (und mit den Sorgen, ob der Plan auch funktioniert), planen Sie kurz und heftig und gehen dann experimentell in die Richtung Ihres Plans. Und wenn Sie das Gefühl haben, dass die Richtung richtig ist, gehen Sie weiter. Und wenn nicht, machen Sie einen neuen Plan.
Schnell und entschlossen zu handeln ist eine wichtige Erfolgseigenschaft für Selbstständige. Und diese Art zu planen hilft Ihnen dabei.
Ich persönliche wende diese „organische“ Art des Planens jedenfalls schon seit vielen Jahren an und habe damit nur die besten Erfahrungen gemacht. Ich hoffe, diese Idee hilft Ihnen, mehr System und Planung in Ihre Selbstständigkeit hineinzubringen.
Was ist Ihr Ziel? Wovon könnten Sie in Ihrem Geschäft mehr gebrauchen?
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Anmerkungen & Kommentare
guter Punkt mit dem Schuldigen. Ja, das ist auch nach meiner Erfahrung ein beliebtes Spiel.
Dieses Spiel kann man übrigens auch mit sich selbst spielen. Man macht einen Plan, es klappt nicht und dann fängt man an, sich selbst Vorwürfe zu machen (Ich bin selbst schuld, ich bin zu doof, ...)
Viele Menschen fangen an, Ideen basierend auf ihren Erfahrungen und Vorstellung zu kritisieren, bevor sie diese Ideen überhaupt ausprobiert haben.
Dies birgt natürlich die Gefahr, Ideen von vornherein zu verwerfen, die durchaus Erfolg hätten produzieren können, wenn man sie ausprobiert hätte, statt selber schon die "geht-nicht" Keule herauszuholen.
Das Testen des Plans an das "richtige Leben" zu deliegieren, gefällt mir also sehr gut. Irgendwie sehr befreiend und arbeitserleichternd.
Beste Grüße
Hüseyin
da ist ein guter Punkt, denn es bringt einen tatsächlich deutlich schneller ans Handeln. Und da man ja auch ständig die Ergebnisse seines Handelns überprüft, erreicht man dann auch wesentlich schneller messbare Ergebnisse.
Ich habe selber schon so viele Stunden, Tage, Wochen, Monate damit vertrödelt, perfekte Pläne auszuarbeiten, die nach kürzester Zeit des Handelns bereits komplett überholt waren.
Ich habe für mich über die Metapher der Seefahrt einen Weg gefunden, das zu umgehen: Wenn ich zu neuen Gefilden, zu neuen Kontinenten aufbreche, dann habe ich natürlich irgendwie den Punkt im Kopf, den ich erreichen möchte, und vielleicht auch messbare Wegpunkte, an denen ich mich entlang hangele. Aber genau planen tue ich letztlich nur bis zum Horizont, also so weit, wie ich im Augenblick gerade schauen kann.
Manchmal passiert es, dass man in dichtem Nebel fäht, und beinahe die eigene Hand vor Augen nicht sieht. Da hilft es dann meistens, sich einfach für irgendeine Richtung zu entscheiden, und ihr so lange zu folgen, bis man aus dem Neben heraus findet, und wieder klarer sehen kann, weiter planen kann, und so auch die Richtung wieder findet. Denn wer im Neben ständig die Richtung wechselt, der dreht sich letztendlich nur im Kreis, und wird kaum aus dem Nebel heraus finden.
Ich finde die Metapher der Seefahrt sowieso sehr schön, um die Reise des Lebens und der persönlichen Weiterentwicklung zu beschreiben.
Und manch einer ist verliebter in seine Pläne, als in die Ergebnisse, die er schaffen will
Im Grunde ist das Ganze eine Anwendung des Prinzips
"Schau was funktioniert und mach mehr davon. Und wenn etwas nicht funktioniert, versuche etwas anderes."
Und bei dieser Vorgehensweise hält man die Feedbackschleife extrem kurz, so dass man sehr schnell Rückmeldung bekommt, ob etwas funktioniert oder nicht.
Und es ist oft tatsächlich wichtiger, in Bewegung zu bleiben, statt in die richtige Richtung zu gehen. Denn auch wenn die Richtung nicht richtig ist, kommt man so vielleicht an einen anderen Punkt, an dem man die richtige Richtung erkennt
eine wirklich wichtige Botschaft für alle, die als Selbstständige unterwegs sind. Sehr lange habe ich keine richtigen Pläne gemacht oder mich von dem, was auf mich zukam, leiten lassen.
Seitdem ich angefangen habe, mit Zielen und Plänen zu arbeiten, fühle ich mich selbst auch bedeutend wohler. Es ist das Gefühl der Selbststeuerung. Ich kann so bestimmen, wohin die Reise geht oder an welcher Stelle ich die Richtung ändern möchte.
Und ich habe festgestellt, erst dadurch, dass ich eine Idee ausprobiert oder mit jemanden durchgespielt habe, erkannte ich, ob sie für mich passte oder nicht.
In diesem Sinne wünsche ich allen noch einen schönen, ideenreichen Tag.
Herzliche Grüße
Beatrice Legien-Flandergan
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ihre Empfehlung kann ich zu 100% unterschreiben, da sie auch Teil meiner Praxis ist und (für mich) bestens funktioniert.
Ein weiteres Argument für diese Art des Vorgehens ist eine, nicht nur bei uns in Deutschland weit verbreitete schlechte Angewohnheit. Geht irgendetwas schief nach einer Planungsphase, dann wird sofort nach nach einem Schuldigem gesucht, der dafür zur Verantwortung gezogen wird. Keine sehr schöne Erfahrung und ein Killer für den Mut zu Herausforderungen. Wenn ich allerdings ihrem Beispiel folge, und einen Plan im Dialog mit der Realität entwickle, dann geht es eben nicht um Schuldfragen, sonder um das Lernen von der Realität. Ich habe endlich die Chance, mein Vorhaben an die Realität anzupassen, und nicht die Realität an mein Vorhaben.
Herzliche Grüße
Hans-Gerd Staschewski