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Plakatverschwendung

Gitte Härter • 12.12.2011 • email Weiterempfehlen

Letzte Woche war ich gezwungen, durch die ganze Stadt zu dackeln, weil ein Paket in der am weitest entferntesten Postfiliale gelandet ist. Am U-Bahnhof Rotkreuzplatz habe ich die Wartezeit genutzt, schnell ein paar Werbeplakate zu fotografieren.

Ich empfehle Kunden immer, einen Plakatentwurf auf die spätere Größe zu kopieren und aus einigen Metern Entfernung zu betrachten. Das machen leider die wenigsten! Doch im Kleinen sieht man die Mankos eines Entwurfes nicht:

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Auch wenn die Bilder nicht so toll sind, sieht man, wo typische Mankos liegen:

excaim Die Schrift ist zu klein! Selbst wenn ich mich an die Bahnsteigkante stelle, die Augen “zusammenkneife” und mich sehr konzentriere, ist es mir nicht möglich, alles zu erkennen.

excaim Mangelnde Kontraste: Hellgrau auf Weiß ist nicht lesbar. Nicht einmal im großflächigeren Plakat des Zahnarztes war es mir möglich, den hellgrauen Text zu entziffern. Doch auch Weiß auf Rot oder Dunkelrot auf hellerem Rot ist nicht lesbar. Erst recht nicht auf einige Meter Entfernung.

excaim Viel zu viel Text! Klar kommt es darauf an, wo Ihr Plakat hängt. Ein Schild IN der U-Bahn oder dem Bus wird schon aus Langeweile gerne studiert. Doch ein Schild, das man im Vorbeigehen lesen muss, sollte mit wenig Text auskommen. Der sollte natürlich dennoch viel aussagen.


Egal, wo es hängt: Ein Plakat sollte:

  • auch beim schnellen Blick im Vorbeigehen die Kerninformationen vermitteln, manchmal ist das Allerwichtigste eine leicht zu merkende Webadresse. Ich achte immer auf Plakate und mir fällt auf, dass eine Illustration mehr sagt als tausend Worte: beim skizzierten Zahn weiß man sofort “Das ist ein Zahnarzt”.
  • so aussagekräftig wie möglich sein (siehe auch: Je kürzer, desto dichter)
  • aus einigen Metern Entfernung komfortabel lesbar sein, also eine klare Schrift in deutlicher Größe und starken Kontrasten wählen!

Wenn Sie ein Foto abdrucken, achten Sie auf einwandfreie Qualität. Häufig werden zu kleine Bilder hochgezogen, so dass sie pixelig werden. Auch sieht man oft, dass Fotos viel zu dunkel gedruckt werden. Am Wichtigsten ist Ihr eigenes Bild: Wenn Sie sich schon auf einem Plakat zeigen, dann bitte nicht mit einem schnell-schnell selbst geknipsten Foto vor kahler Bürowand oder einer anderen merkwürdigen Kulisse. Und auch die üblichen „Ich habe den Telefonhörer am Ohr oder halte verkrampft einen Kugelschreiber in der Hand“-Bilder sind nicht der Bringer. Sollte selbstverständlich sein? Ja, finde ich auch. Sollte.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Georg Rittstieg am 12.12.2011
Man sollte denken, wer mittels Plakat werben will, arbeitet mit einem Profi zusammen. Ist aber, wie dieser wunderbare Beitrag zeigt, oft eher so:

a) "Das ist ja einfach, das mache ich eben selber."

b) "Ich lass das mal einen Grafiker machen, aber der billigste und schnellste reicht, ich würds ja selber machen...Die paar klicks, das kann und darf nichts kosten."

Das Ergebnis? Siehe oben. Es wird bei diesem Denken eines schnell vergessen: Mach ich es selbst billig oder buche ich billig, werbe ich in genau dieser Weise für mich selbst: Bin billig. Hm, ob man diese Aussage wirklich will? Man selbst will ja auch gutes Geld für seine eigene Arbeit.

Mir zeigen beide Wege, dass zu kurz gedacht wird, auch wenn es finanziell manchmal wirklich eng ist, die Not also womöglich treibende Kraft ist. Aber bevor ich billig werbe, dann lieber einen anderen Fokus, oder mein Business überdenken- ob ich es mir leisten kann.

a) Ist wie in der Computerbranche und vielen anderen. Man liest einige Male ein billiges Blatt zum Thema und glaubt, jetzt DER Profi zu sein. Das Ergebnis ist leicht mal ernüchternd und der Schaden (schlechte Werbung=Imageschaden) ist oft teuerer als der Profi es gewesen wäre.

b) Zeigt, abgesehen von zu kurzem Denken auch mangelnde Wertschätzung nicht nur dem anderen gegenüber, sondern auch sich selbst gegenüber. Diese "paar Klicks" machen ja keine gute Werbung aus. Der Denk- und Planungsprozess zuvor- DAS ist was man zahlt. Und der sollte sein wie man selbst: Gut. Nicht billig. Und Profis kosten Geld. Leben und Leben lassen.

Und doch sind beide und weitere Wege die zu obigen Plakaten führen all zu menschlich und verständlich. Jeder Selbständige macht diese Erfahrung früher oder später- jeder will Dein Geld mit dem Argument, dass DEIN Business besser läuft.
Nicht umsonst ist die gute Planung und sichere Budgetierung so wichtig in meinen Augen.

Diese Erfahrung musste ich auch erst selbst machen, daher kann ich ja auch sooo klug (?) reden ... wink
Von: Gitte Härter am 16.12.2011
Hallo Georg,

herzlichen Dank für die vielseitigen Ergänzungen und persönliche Erfahrung. - Der letzte Satz gehört ganz fest zur Selbstständigkeit dazu: Versuch und Irrtum sozusagen. Immer präsent. Und immer sehr gut, wenn man Manöverkritik macht und vor allem auch den Erfolg misst: Marketingmaßnahmen: Gefühlter Erfolg vs. Erfolgskontrolle

Viele Grüße
Gitte
Von: Angela Braun am 17.12.2011
Wie wahr, wie wahr!

Ich mache die Erfahrung, dass Kunden sich oft nicht darüber klar sind, welchen WERT sie von einem Profi bekommen und dass der Profi erst einmal lernen muss, das auch zu kommunizieren.

Und manch einer ist sich auch nicht bewusst, was für einen Schaden "selbst gezimmert" bezüglich des Image anrichtet. Man selbst ist so stolz auf sein Baby, dass man es nicht mehr schafft, das Ganze aus Kundensicht zu bewerten.
Genau dabei hilft das Know-how des Profis (unter anderem)!

Viele Grüsse

Angela Braun
Von: Ursula Paulick am 09.01.2012
Ich kann Euch nur beipflichten! Grafikdesignerin und Texterin gruselt es mich regelmäßig, wenn ich solche Plakate sehe - das gilt aber auch für Websites oder Visitenkarten, hergestellt von einem der vielen Cousins, Onkels und dergleichen, "die das auch können und es umsonst machen".

Ich frage mich immer, ob die Leute, die auf diese Art und Weise und leider nur vermeintlich Geld sparen, sich Ihre Haare auch von einem Cousin schneiden, ihre Kleider von der Oma nähen, oder ihre Briefe von Grundschulkindern schreiben lassen.

Die Geschäftsausstattung, die Werbemittel und die eigene Website sind - als grafisches Bild und Textaussage - unser Aushängeschild nach außen. Wir werden damit identifiziert und man bildet sich ein Urteil über uns oft zu einem Zeitpunkt, zu dem man uns noch gar nicht persönlich kennt. Wer möchte da schon "billig" rüberkommen?

Leider mache ich immer wieder die Erfahrung, dass gerade Existenzgründer überhaupt kein Budget für die Außendarstellung/Werbung einplanen. Oft höre ich den Satz: "Wenn ich mal gut im Geschäft bin, mache ich das alles schön und richtig...". Es ist schwer, den Leuten zu erklären, dass es genau so eben nicht funktioniert und dass unprofessionelle Werbung vielmehr ganz massiv schadet.
Von: Silke Bicker am 09.01.2012
Hallo Ursula,

genau Ihren letzten Absatz kann ich total unterstreichen. Selbst erst seit einigen Jahren pure Freiberuflerin kenne ich sowohl das Jonglieren mit Mini-Budget als auch die Überlegung "wie kommt meine Werbung am Besten rüber". Anhand der vielen, unaufgeforderten, positiven Meinungen von Interessierten und späteren Kunden weiß ich: es ist richtig jemanden mit Knowhow zu beauftragen. Und es gibt so viele Wege auch mit kleinen Budgets gute Werbung für sich zu machen. Nur so völlig ohne fachliche Hilfe, wenn man selbst nicht aus dem Bereich kommt, wird meist nix Gutes draus.
Heute gehört meine Grafikdesignerin zum Kooperationsnetzwerk:-).
Von: B. Küppers am 09.01.2012
Sag's mit Goethe:
"Der Mensch, der recht zu wirken denkt, muss auf das beste Werkzeug halten."
Und dazu gibt es Experten auf allen Gebieten, oder ein Coaching, oder meinen eigenen Verstand. Je nachdem, was gerade notwenig ist. Die richtige Investition lohnt sich, für die, die rechnen kann. Und das Ergebnis sagt alles aus.

 

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