Peinlichkeiten ...
... sind meistens in der Situation nicht so der Brüller, aber rückblickend geben sie ja doch das eine oder andere Schmunzeln her. Sind Ihnen auch schon peinliche Dinge passiert, über die Sie heute herzlich lachen können, aber damals am liebsten im Boden versunken wären?
Mir persönlich sind wenige Dinge peinlich (was nicht heißt, dass ich mich nicht wie jeder andere immer mal zum Horst mache oder in einen Fettnapf steige, aber ich komme da meist schnell drüber hinweg – shit happens).
Ich finde, das ist auch ein wichtiges Erfolgsprinzip: Mit peinlichen Momenten umgehen zu können, den Dingen auch eine humorvolle Seite abzugewinnen - und die Gewissheit, dass Ihnen auch im Berufsleben immer wieder mal was Peinliches passieren wird und das überhaupt kein Drama ist.
Im Gegenteil: oft ist es sogar sehr sympathisch. Selbst wenn es nichts Erheiterndes, sondern was Ungutes war, so heißt es auch -> drüberwegkommen und weitermachen. Sonst lähmt man sich am Ende noch selbst oder traut sich nichts mehr.
Vielleicht haben Sie ja Lust, ein paar Peinlichkeiten zum Besten zu geben. Ich mache mal den Anfang, weil mir zwei peinliche Momente besonders gut im Gedächtnis sind:
Mein erstes Live-Interview im Fernsehen.
Zum Glück war das im tschechischen Frühstücksfernsehen! Wir waren noch nicht lange selbstständig und als in einem Newsletter stand, dass Vortragende für eine Konferenz in Prag zum Thema „Mobbing“ gesucht werden, haben wir das einfach mal mitgemacht. Vor Ort fragte dann der Veranstalter, ob eine von uns für ein Fernsehinterview bereit wäre. – Ja, warum nicht! Da alles auf Tschechisch vereinbart wurde, habe ich nicht wirklich verstanden wo-wie-was. Ich habe mich zwar gewundert, warum wir da in aller Herrgottsfrühe sein mussten, aber dass es live sein könnte, auf die Idee bin ich damals nicht gekommen.
Erst wenige Minuten vor der Sendung, bei einem kurzen Vorgespräch mit den beiden Moderatoren, reimte ich es mir zusammen. Die Frau sollte mich interviewen, der Mann den anderen Gesprächspartner. Die Frau sagt mir, wozu sie mich ungefähr befragen würde und ich sage: „Alles klar, aber zum Thema MOBBING kann ich Ihnen nichts sagen.“ – „Okay, dazu befrage ich Sie nicht!“
Rein ins Studio. Verkabelt. Dolmetscher ins Ohr. MODERATORENTAUSCH! Das Interview beginnt. Der männliche Moderator spricht mich an. Die Kamera auf mich. Ich mache ein schlaues Gesicht bis ich die deutsche Übersetzung auf’s Ohr bekomme, die da lautet: „Frau Härter, was können Sie uns zur Mobbingsituation in Tschechien sagen?“
Schlagartig schaue ich so: ![]()
... und sage mit einer Stimme voller Entsetzen: „Ja, zur Mobbingsituation in Tschechien kann ich Ihnen nichts sagen!!!“
Der arme Moderator! Ich sehe sein Gesicht heute noch vor mir. Das war seine schwärzeste Stunde.
Ich frage mich, ob sie im tschechischen Frühstücksfernsehen auch diese Einblendungen haben:
Gitte Härter kann zur Mobbingsituation in Tschechien nichts sagen
Mein erster Vortrag.
Der Raum war gut gefüllt: bestimmt so um die 50 Leute. Es ging irgendwie um Bewerbungen. Nach etwas Theorie wollte ich anhand eines praktischen Beispiels erläutern, wie man das Gehörte am besten umsetzt.
Eine Frau meldet sich, und ich sage: „Bitte sagen Sie mir doch mal kurz in Stichpunkten Ihren bisherigen Werdegang.“
Sie sagt: „Von da bis da Ausbildung zur Bankkaufrau, dann mehrere Jahre in der Bank angestellt und dann Familienarbeit.“
Ich kann mir nicht vorstellen, was genau „Familienarbeit“ sein soll. Aber eine frühere Nachbarin war bei der Caritas und hat immer Familien betreut. Also vermutlich meint die Frau soetwas im sozialen Bereich.
Damit ich mich besser auf ihre Bewerbungsfrage beziehen kann, frage ich lieber nochmal nach: „Sie sagen ja ‚Familienarbeit‘. Was genau haben Sie denn da gemacht?“
Die Frau ist deutlich irritiert und erklärt ...
... und endlich fällt bei mir der Groschen und ich platze raus: „Achsooooo, und ich dachte, das wäre Arbeit!“
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Anmerkungen & Kommentare
Hallo, schön Sie bei uns zu lesen, Frau Klein, wir haben vor einiger Zeit schonmal sehr nett miteinander gemailt.
Das mit dem rausgefallenen Provisorium ist ein Alptraum, denn genau das befürchtet man ja (und Sie wussten schon, dass sie nicht so gut hielten!) Das haben Sie dann ja mit Bravour gemeistert und souverän wieder eingeklebt.
Mir ist bei Ihrer Schilderung eingefallen, dass ich mal Teilnehmerin in einem Englischkurs war, bei dem genau das auch der Lehrerin passiert ist. Fand gar niemand schlimm.
@Slo
Ooooh, das kann ich mir vorstellen, wie peinlich das war.
Mir ist beim Lesen eingefallen, dass vor einigen Jahren mal in einer großen Publikumszeitschrift so eine Statistik drin war, wo man so mit Balken aufzeigt, wie sich z. B. irgendwelche Absatzzahlen im letzten Jahr verhalten haben. Da steht dann ja immer klein die Quelle dieser Zahlen. Und da stand von dem Grafiker hingeschrieben: "Quelle: von [Name der Zeitschrift] erfunden".
Da hab ich auch gedacht: Das hat der bestimmt nur intern als Gag gemacht, und dann wurde es veröffentlicht!
Andererseits sind es genau solche kleinen Begebenheiten, die auch das Selbstmanagement verbessern, oder? Vermutlich vergeben Sie gar nicht mehr solche Dateinamen ... was ja auch der Motivation dienlich ist.
Ich hatte es eilig.
Auf dem Weg zur Kantine musste ich dann eine Straße überqueren und schaute auf die Bordsteinkante - und sah dann die Bescherung. Ich musste zwar laut lachen, aber ich hätte mir am liebsten meine Füße abgesägt...
Ab diesem Moment hatte ich den Eindruck, dass alle Leute, die mir begegneten, mich so irritiert lächelnd ansahen. Was wir uns doch selbst alles vorgaukeln!
haha! Großartig!
Das ist wirklich verrückt, wie wir uns oft gedanklich Dinge zurechtrücken:
_Anstatt runter zu schauen - als ich noch daheim war und zum Auto ging - hatte ich einfach nur eine Lösung erfunden_
Einfach ein Blick zu Boden - aber nein, man biegt sich's im Kopf zurecht!
Aber rückblickend ist es dann umso lustiger ...
Viele Grüße
Gitte
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Gitte Härter •
Woran ich mich spontan erinnere ist, dass ich mal eine ewig lange Zahngrundsanierung hatte und zeitweise mit Provisorien rumlaufen musste. Die nicht immer so richtig hielten.
Und in einem Seminar ist mir dann mitten im Vortrag ein Zahn rausgefallen. Aber ich habe es schon in der Situation mit Humor genommen (kannte die Gruppe ja schon zwei Tage) und ihn wieder reingeklemmt - in der Pause dann festgeklebt. Und habe an Erich Fried gedacht, der mal bei einem Besuch bei uns seinen Zahn mit Uhu einklebte. Und wenn so ein berühmter Mensch das kann...