Passt der Schuh? – Oder drückt das Business?
Achtung, es wird philosophisch! Eben dachte ich mir, dass unser Unternehmen wie ein Schuh ist: Wenn er uns gut passt und wir uns darin wohlfühlen, können wir mit viel Freude und Selbstbewusstsein nach außen gehen.
Sind wir trittsicher und ist das Schuhwerk fest, lohnt es sich, sich in neues Gelände zu wagen. Wir können auch bei unsicherem Boden einen guten Stand behalten, ohne wegzurutschen oder unterzugehen. - Jeder von uns hat in seinem Leben schon die unterschiedlichsten Paar Schuhe gehabt. Ich finde, es ist oft einfacher, seine Lage abzuchecken, wenn man sich einer Analogie bedient. Insofern lade ich Sie ein, Ihr Business mit Schuhen zu vergleichen.
Wenn Ihre Selbstständigkeit ein Schuh wäre, wie ist dann das Gefühl dafür?
Passt wie angegossen!
Sie fühlen sich rundum wohl. Der Schuh sitzt. Sie haben ein sicheres und bequemes Gefühl: Das ist genau Ihres. „Da fehlt sich nichts!“, wie wir in Bayern sagen.
Passt prinzipiell gut, nur da hinten drückt’s.
Der Schuh sitzt „eigentlich“. Alles ist gut … na ja, fast alles. Hier an dieser einen Stelle drückt’s. Da müssten Sie noch irgendeine Lösung für finden.
Aaaaaah, eine Blase!
Drückt oder reibt es doch etwas mehr? Sind Sie nicht so ganz sicher, ob Sie den Schuh so hinbekommen, dass die Druckstelle verschwindet – oder ob der Schuh in dieser Form vielleicht doch nicht das Wahre ist?
Zu groß! Ich schwimme.
Hui. Irgendwie scheint der Schuh zu groß zu sein. Rutschen Sie hin und her, haben das Gefühl, zu schwimmen oder sogar hin und wieder hinten rauszuflutschen?
Vorausschauend: Bequem und mit etwas Spielraum.
Der Schuh passt gut und sitzt exzellent. Gleichzeitig haben Sie etwas Spielraum eingeplant – da ist Freiraum, da gibt es schon Pläne, diesen Freiraum nach und nach auszufüllen.
Billigschuh. Nur für eine Saison gedacht.
Es gibt Schuhe, die sind aus keinem guten Material gemacht, oft irgendwie lieblos zusammengeklebt anstatt genäht. Nicht immer passen die Nähte und der Schnitt exzellent. Ein Billigschuh ist eine Hauruck-Aktion. Da wurde gehudelt und auf den Markt geworfen.
Ungewohnt: Ich habe noch nicht recht damit laufen gelernt.
Ist Ihr Business ein Schuh mit hohen Hacken? Oder ein Rollschuh? … also ein Schuh, auf dem Sie noch nicht ganz sicher stehen und souverän gehen können?
Ist noch etwas neu, läuft sich bestimmt bald ein.
Neue Schuhe fühlen sich oft noch etwas „unrund“ an, und doch weiß oder spürt man: Das gibt sich. Das Material wird weicher, es will nur erst eingelaufen werden.
Ist noch neu … ob sich das einläuft?
… und dann gibt es die Schuhe, bei denen man alles andere als zuversichtlich ist, ob sie sich einlaufen oder vielleicht immer an einer bestimmten Stelle drücken werden.
Ein guter, verlässlicher Schuh. Ich will ihn etwas aufpolieren!
Die verlässlichen Treter: Bequem, unverwüstlich und seit Langem zu den Lieblingsschuhen mutiert. Etwas Pflege täte ihnen gut. Alte Schnürsenkel auswechseln oder eine neue Schnalle anbringen.
Ist schon ziemlich ausgelatscht.
Manche Schuhe – das müssen gar nicht mal Lieblingsschuhe sein – trägt man einfach so oft, bis sie regelrecht ausgelatscht sind. Dann sind sie nicht mehr richtig bequem, das Material lässt nach … und wenn man in ein neues Paar schlüpft, merkt man erst, welchen Halt und welche Struktur ein neuer Schuh im Vergleich zu den alten Latschen gibt!
Eine Naht geht auf und es kommt Wasser durch die Sohle.
Der Schuh ist hin! Wenn es regnet, kommt Wasser durch. Ins Loch im Absatz verwirren sich Kieselsteine, die klackern, und vorne löst sich eine Naht auf.
Sehr bequem! Aber schon ziemlich abgewetzt.
Ist Ihr Schuh bequem, aber eigentlich gar nicht mehr vorzeigbar? Haben Sie sich nie die Mühe gemacht, ihn zu pflegen? Ist der Lack verkratzt und die Farbe ausgeblichen? Hat Ihr Schuh eine Runderneuerung bitter nötig … und wirkt er sich vielleicht auf Ihr Selbstbewusstsein aus, weil er zu „abgefuckt“ wirkt?
Ich bräuchte längst neue, aber ich will mich nicht trennen.
Es gibt Schuhe, die gibt man nicht so schnell her. Eigentlich wissen Sie: Das geht nicht mehr mit diesen Schuhen, aber die Gewohnheit und die vielen Jahre, die Sie die Schuhe schon haben, verhindern, dass Sie sich neue Schuhe kaufen und sich von den alten verabschieden … auch wenn Sie wissen, dass es Ihren Füßen schadet.
Hübsche Schuhe! Aber für das Gelände nicht geeignet.
Das ist ein wunderbarer Schuh. Sie mögen ihn gerne, er sieht toll aus, aber für das, was Sie vorhaben, ist er alles andere als geeignet. Stellen Sie sich vor, Sie machen mit Stöckelschuhen einen tagelangen Einkaufsbummel oder Sie gehen mit leichten Turnschuhen ins Hochgebirge. Je nachdem, was Sie vorhaben, brauchen Sie dafür das geeignete Schuhwerk.
Ich müsste mal die Schnürsenkel richtig anziehen.
Aha! Die Schuhe passen, aber die Schnürsenkel haben sich gelockert. Sie müssten einfach mal alles neu schnüren und fest anziehen, um wieder so richtig guten Halt zu haben.
Blöder Knoten geht dauernd auf.
Manchmal ist der Knoten das Problem: Nie bekommt man den richtigen Dreh raus, und das dumme Ding geht immer wieder auf und bringt Sie in Stolpergefahr!
Oh Mann! Skistiefel!
Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie Skistiefel tragen: Schwer sind sie, sie ziehen einen regelrecht runter und jeder einzelne Schritt erfordert sehr viel Kraft.
Konkretisieren Sie!
Na, wie geht’s Ihnen beim Durchlesen dieser Bilder? Meiner Erfahrung nach kommt man auf diese Weise oft viel näher – und ehrlicher – an das eigene Gefühl.
Doch belassen Sie es bitte nicht nur bei der Bestätigung oder der vielleicht nicht so guten Einschätzung, sondern fragen Sie sich weiter:
- Was genau meine ich damit?
- Wo passt es/warum ist es so ein gutes, bequemes Gefühl? Inwiefern ist das Schuhwerk sicher und fest?
- Inwiefern drückt es? Was ist nicht das Gelbe vom Ei? Wo ist eine Reparatur oder vielleicht sogar ein Schuhwechsel angezeigt?
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Anmerkungen & Kommentare
die Bilder zeigen sehr anschaulich, wo man sich gerade befindet. Die Metaphern kann sehr gut auf die eigene Situation übertragen.
Für mich sind gleich mehrere Bilder passend. Der Anschub, etwas zu verändern, ist es, der fehlt. Aber Sie rütteln Ihre LeserInnen ja immer wieder auf, das ist gut so.
Einen schönen Tag wünscht
Barbara
wow, so viele Analogien. Ich staune immer wieder über Ihren Einfallsreichtum und Tiefgang. Herzlichen Dank für diese ausführliche und unterhaltsame Liste.
Für mich treffen auch mehrere Punkte zu, ich werde mir gleich mal eine Liste machen. Sich auf den eigenen Schuh konzentrieren und nicht auf fremde Schuhe schielen (und sie ständig mit den eigenen vergleichen) ist wohl für mich ein besonders wichtiger Punkt.
Herzliche Grüße
Bettina Ramm
feine Symbolik, das hast Du einfach super drauf!
ich hätte da noch den:
"Boh, schweineteuer, aber hat sich gelohnt! Ist immer wieder die pure Freude, trägt sich wie angegossen und wird sicher viele treue Jahre halten..."
in diesem Sinne einen schönen Wochenstart und liebe Grüße
Ulla
über Euer/Ihr Feedback freue ich mich riesig. Mir kam die Idee erst abstrakt, dann lustig und dann selbst ziemlich schlau vor
Viel Spaß beim Hinterfragen und den Schuh verbessern, beim Bestätigtwerden .. und danke an Ulla für die Ergänzung mit dem Teuerschuh!
Einen schönen Nachmittag
Gitte
Die Schuhanalogie eignet sich gut für das jetzt anliegende Arbeitspaket Planung 2010.
Kontrollieren, auswerten, ändern oder beibehalten, oder neue kaufen?
Das Schuhetehmea ist nicht ausschließlich für Frauen gedacht, das ist sogar mal ganz was Neues, wenn Männer sich dran machen.
das ist zu lustig. Ich war am Wochenende vor der Entscheidung gestanden, den absolut richtigen Schuh für mein Corporate Identity und auch mich und meine Art gefunden zu haben, und aber auch den richtigen Schuh für meine nächsten Monate als werdende Mutter gefunden zu haben.
Sie wollten mir beide zusammen für einen günstigeren Preis geben. Aber ich habe mich dann doch für die Vernunft mit dem bequemen, alles meisternden Stiefel entschieden.
Jetzt wo ich diese Vergleiche sehe, komme ich wieder sehr ins Zögern und Nachdenken. Vielleicht sollte ich doch noch DEN SCHUH für mich als Selbständige holen.
Tolle Idee, diese Vergleiche.
Macht doch immer wieder Spass, Deine Ideen zu lesen.
Nette Grüße,
Annette
freut mich, dass Dir die Texte gefallen und die Schuhanalogie Dich inspiriert ... und gratuliere zum Baby
Viele Grüße
Gitte
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Gitte Härter •
ich empfinde diesen Beitrag und Ihre Schuh-Vergleiche sehr interessant.
Mich hat es zum Nachdenken angeregt und ich darf sagen, meine Schuhe sind noch sehr neu, drücken ein wenig aber mit der richtigen Pflege und viel darin laufen wird er bestimmt bequem.
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Gerold Sieber