Noch besser werden. Oder: Wie kann man sich ändern?
Wenn Sie sich mithilfe eines Fachbuchs, eines Seminars oder eines Coachings weiterbilden, dann machen Sie das ja meistens nicht nur aus Neugier, sondern Sie versprechen sich auch konkrete Resultate davon. Sie wollen zum Beispiel lernen, wie Sie besser akquirieren können, wie Sie mit Ihren Leistungen mehr Profit machen können, wie Sie sich selbst besser organisieren können oder wie Sie besser mit Ihren Mitarbeitern zurechtkommen.
Und jede Art der Weiterbildung läuft letztlich auf eines hinaus, wenn Sie von der Weiterbildung profitieren wollen:
- Sie müssen das neu erworbene Wissen umsetzen,
- Sie müssen dazu vielleicht Ihre bisherige Vorgehensweisen ändern,
- Sie müssen Ihre Denkweisen ändern,
- Sie müssen Ihre Gewohnheiten ändern,
- ja, meistens müssen Sie sich auch ein bisschen selbst ändern.
Und da zieht sich einem schon der Magen zusammen, wenn man das liest, oder? Sich ändern … Oha … Ich bin nun mal, wie ich bin. Was Hans nicht lernt … und so weiter und so fort.
Seien wir ehrlich: Sich selbst zu ändern gehört wohl zu den schwierigsten Dingen überhaupt und die meisten Menschen, die ich kenne, haben einen ziemlichen Unwillen dagegen.
Normalerweise ändern wir uns nur, wenn uns das Wasser schon bis zum Hals steht. Die meisten müssen erst durch das Tal der Tränen, bevor sie wirklich bereit sind, sich zu ändern. Und das bekannte Leid oder die bekannte Unzufriedenheit ist immer noch besser als das Unbekannte da draußen, was kommen könnte, wenn ich über meinen Schatten springe und mich ändere.
Dazu kommt noch, dass die meisten keine Idee haben, wie man sich eigentlich ändert. Einfach eine Entscheidung zu fällen, sich zu ändern, reicht leider nicht. Wir können nicht einfach sagen:
Ab morgen habe ich meine Angst vor dem Verkaufen überwunden, und dann wird alles gut.
Es wäre prima, wenn das so einfach wäre, aber die Wirklichkeit ist eben anders. Selbst wenn wir das ein paar Tage mit Willenskraft durchhalten, ziehen uns unsere Automatismen zu schnell wieder zurück in die alten Gewohnheiten.
Ok, wie kann man sich aber nun ändern? Dazu habe ich eine Reihe von Tipps und Ideen für Sie zusammengestellt, die Sie vielleicht dabei unterstützen können, sich da zu ändern, wo es für Ihre Selbstständigkeit nützlich oder notwendig ist.
(1) Klein anfangen
Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Fragen Sie sich: Wie wäre der Idealzustand? Und wie wäre es, wenn ich dem Idealzustand um 10 bis 20 Prozent näher gekommen wäre? Diesen 10-bis-20-Prozent-Zustand setzen Sie sich dann als Ziel. Wenn Sie nach ersten Erfolgserlebnissen Ihr Ziel erreicht haben, können Sie Ihr Ziel vergrößern. Aber fangen Sie lieber klein an und überfordern sich nicht selbst.
(2) Entscheiden Sie sich ausdrücklich
Treffen Sie eine wirkliche Entscheidung und dokumentieren Sie diese schriftlich.
Schreiben Sie konkret und detailliert auf:
- was genau Sie erreichen wollen,
- woran ein Außenstehender konkret erkennen könnte, dass Sie Ihr Ziel erreicht hätten,
- was die vielen beruflichen, finanziellen, privaten und gefühlsmäßigen Vorteile sind, wenn Sie erst Ihr Ziel erreicht haben und
- was die Nachteile sind, wenn Sie Ihr Ziel nicht erreichen.
Dadurch geben Sie Ihrem Vorhaben mehr Energie und Triebkraft und Sie gehen über das übliche und nutzlose „Ich sollte mal“ hinaus.
(3) Verantwortung übernehmen
Übernehmen Sie die volle Verantwortung für Ihre Veränderung. Übertragen Sie die Verantwortung keinem Experten, Guru oder sonst jemandem. Machen Sie sich bewusst, dass es nur einen Menschen gibt, der für Ihr Vorankommen verantwortlich ist, und das sind Sie selbst.
Nur wenn Sie sich selbst voll verantwortlich fühlen, werden Sie die Veränderung aus eigener Kraft durchziehen können.
(4) Widerstände einkalkulieren
Kalkulieren Sie Widerstände, Bequemlichkeit, Ängste, Zweifel und andere Stolperfallen von vorneherein mit ein. Treffen Sie im Vorfeld die Entscheidung, sich von den Widerständen nicht aufhalten zu lassen. Treffen Sie im Vorfeld die Entscheidung, wieder aufzustehen, falls Sie in Ihren Veränderungsbemühungen einmal hinfallen. Vereinbaren Sie mit sich selbst, dass Aufgeben keine Option ist.
(5) Verbindlichkeit schaffen
Schaffen Sie sich gezielt Druck von außen. Erzählen Sie anderen von Ihrem Vorhaben. Reißen Sie den Mund auf. Schließen Sie eine Wette ab, dass Sie es schaffen werden. Lassen Sie sich von anderen Menschen belohnen, die auch Vorteile von Ihrem Wachstum haben, wenn Sie es schaffen.
Falls Ihnen diese Vorstellung nicht gefällt, dann wollen Sie sich wahrscheinlich noch ein Hintertürchen offen lassen und haben sich noch nicht 100-prozentig entschieden.
(6) Sich selbst erinnern
Erinnern Sie sich täglich (!) daran, was Sie erreichen wollen. Arbeiten Sie mit PostIts, Ihrem Kalender, dem Alarm Ihres Handys oder E-Mail-Programms und mit allem, was Sie daran erinnert, was Sie erreichen wollen.
Unsere inneren Widerstände sind trickreich und lassen uns eins drei fix unser Vorhaben aus den Augen verlieren und vergessen. Sorgen Sie dafür, dass das nicht passiert.
(7) Erfolge dokumentieren
Dokumentieren Sie Ihre Erfolge, auch die ganz kleinen. Führen Sie dazu ein Erfolgsjournal. Reflektieren Sie schriftlich über Ihre Fortschritte oder Schwierigkeiten, die Sie überwunden haben. Indem Sie den Fokus auf Ihren Erfolgen halten, motivieren Sie sich selbst und sehen, dass es vorangeht.
(8) Den Fokus halten
Arbeiten Sie mit täglichen Affirmationen, Autosuggestionen, Visualisierungen und anderen Methoden, um Ihren Fokus auf Ihrem Vorhaben zu halten. Schreiben Sie Ihr Ziel einmal täglich auf. Stellen Sie sich vor, wie es sein wird, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben. Stellen Sie sich die vielen Vorteile bildlich vor.
Es heißt ja so schön, dass wir das im Leben bekommen, womit wir uns am meisten beschäftigen. Also beschäftigen Sie sich ausgiebig damit, was Sie erreichen wollen.
(9) Suchen Sie nach Unterstützung
Es liegt zwar allein in Ihrer Verantwortung, Ihr Ziel zu erreichen, aber das schließt Hilfe von außen nicht aus.
Holen Sie sich Unterstützung bei Freunden, Bekannten oder Kollegen. Nutzen Sie das CoCoaching.
Oder lassen Sie sich von einem guten verhaltens- oder hypnose-therapeutischen Coach helfen, Ihre Ziele zu erreichen und innere Widerstände aus dem Weg zu räumen. Der große Bereich der energetischen Psychologie kann auch hilfreich sein, um innere Blockaden zu lösen.
Das waren einige Ideen, die Ihnen vielleicht dabei helfen können, sich systematisch zu ändern. Sie denken vielleicht: Wow, was für ein Aufwand! Aber Veränderung ist nicht einfach und braucht ein gewissen Einsatz an Zeit, Energie und Fokus.
Ein Nachsatz noch: Statt sich selbst zu ändern ist es oft auch eine Alternative, sich andere Umstände zu suchen oder zu schaffen oder seine Ziele neu zu definieren, so dass das eigene Verhalten oder die eigene Schwäche kein Problem mehr ist. Wenn ich zum Beispiel im persönlichen Kontakt ein schlechter Verkäufer bin, dann ist es vielleicht sinnvoller, wenn ich mich aufs Verkaufen per Brief und E-Mail konzentriere, wenn mir das mehr liegt.
Aber wenn Sie eine persönliche Schwäche zu sehr einschränkt und ausbremst, dann versuchen Sie doch mal die neun Ideen von oben.
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Anmerkungen & Kommentare
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Das hört sich vielleicht komisch an, aber nach meiner Erfahrung ist der Weg zum Wachstum der eigenen Persönlichkeit, dass wir zuerst einmal akzeptieren, wer und was wir sind.
Und mit Akzeptieren meine ich jetzt nicht unbedingt sich toll zu finden.
Sondern eher zu sich selbst zu sagen:
Ich bin im Augenblick, wie ich bin und wenn ich mich deswegen verurteile und dann
* ändere ich damit nichts, nichts und gar nichts zum Positiven
* und außerdem frißt das Verurteilen die Energie weg, die ich bräuchte, um an meiner Situation etwas zu ändern.
Wenn ich mich also selbst verurteile, sorge ich dafür, dass ich länger so bleibe, wie ich nicht sein will.
Und wirklich tiefgreifende Änderung ist ein längerer Prozess. Ich kenne niemanden, der von heute auf morgen ein anderer geworden ist. Ich persönlich kenne keine Abkürzung. Und ich kenne auch keinen, der wirklich eine kennt.
Und der Weg sich zu ändern ist: Verantwortung für sich übernehmen, überlegen, wo man hinwill, anfangen, dranbleiben, Erfolge feiern, dazulernen, aufstehen, wenn man hinfällt, wachsen, sich helfen lassen, anderen helfen und dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben.
Ich wünschte, ich könnte dir einen einfacheren Weg zeigen, aber ich kenne keinen. Bin mir auch nicht sicher, ob es einen einfacheren Weg gibt.
Alles Gute,
Ralf
Es gibt keine Abkürzung auf dem Weg zu sich selbst. Es gibt "Heilsbringer", die dies "Verkünden", aber auch hier führt der angebliche Weg zu sich selbst eher von einem selbst weg.
Ich sehe das auch so: Der erste Schritt zur Veränderung beginnt damit, sich selbst so zu sehen und zu akzeptieren wie man ist. Das ist oftmals der schwerste Schritt, weil wir damit unsere erlernten Masken, die wir der Welt draußen von uns zeigen, erkennen lernen müssen.
Es mag uns nicht gefallen, was wir dann sehen und erkennen, aber wir sind dann auf dem Weg zu mehr Ehrlichkeit mit und zu uns selbst.
Der nächste Schritt liegt darin, zu lernen, mit sich selbst leben zu können. Sich selbst so zu nehmen wie wir sind.
Es gibt diesen Orakel-Spruch: "Sei du selbst!" Das herauszufinden, kann oftmals ein ganzes Leben lang dauern.
Meines Erachtens bringt es auch nichts, sich in seiner gelebten Vergangenheit auszutoben. Nach dem Motto: Ich bin so wie ich bin, weil... Das wäre der Einstieg in das Neudefinieren und Neubewerten des Gelebten. Zwar sind wir heute das, wozu uns unsere Entscheidungen in der Vergangenheit gemacht haben, aber in dem Moment, wo wir uns entschieden haben, etwas zu tun, oder lieber nichts zu machen, hatten wir nur die Informationen zur Verfügung, die es aktuell für uns in diesem Moment gab.
Besser ist es, nach vorne zu schauen. Wo bin? Wo will ich hin? Welche Schritte muß ich dorthin unternehmen? Wen kann ich bitten, mich auf diesen Weg zu begleiten? (Das kann schon ein guter Freund sein, dem man nicht das Wort "Co-Coach" umhängt.)
Eine Übung, die mir hilft, wenn es so richtig gar nicht weiterzugehen scheint, es gleichzeitig draußen stark regnet, das Tageslicht irgendwie überhaupt nicht durch die Wolkendecke dringen will und in mir alles auf die emotionale Bremse treten will, ist: Die Schuhe anzuziehen, den Regenschirm zu schnappen - und raus aus der Situation. Bewegung in die aktuelle Situation bringen. Gedanken und Emotionen verändern sich schon durch Bewegung, weil man in Bewegung kommt. Danach geht es mir besser.
Veränderung beginnt in ganz, ganz kleinen Schritten. Erst aufstehen, dann stehen und danach erst gehen.
Es bringt auch schon viel, wenn man sich täglich daran erinnert, wirklich aufrecht zu gehen und gleichmäßig zu atmen.
Wer auf dem Stuhl noch vorne übergebeugt sitzt, kann nicht frei atmen und optimistische Gedanken entwickeln. Und wer steht und die Arme noch oben streckt und dabei laut "Ich lebe!" ruft, kann in diesem Moment auch keinen traurigen oder trüben Gedanken nachhängen.
Ich merke gerade, daß ich hier richtig in einen Gedankenfluß gerate..., den jedoch hier beende, weil meine Uhr mich mahnt, einen Termin einzuhalten.
Vielleicht konnte ich ja eine erste Idee vermitteln, daß jeder sich jeden Tag, ja, in jeder Stunde seines Lebens zu dem Menschen verändern kann, der er sein möchte. (Ich meine hier realistische Ziele!
Herzliche Grüße
Norbert
jetzt komm ich auch noch dazu:
_Ein Mensch mit wenig selbstbewusstsein und wenig freunden z.b ich würde so etwas nie machen eine coach besorgen!_
Warum würdest Du Dir NIE jemanden holen, der Dir dabei hilft, an Dir zu arbeiten? Was ist denn so schlimm daran, Dir dafür Unterstützung zu holen? Warum muss das unbedingt alleine geschehen?
Gerade wenn Du wenig Selbstbewusstsein hast und unzufrieden mit Dir selbst ist, würde es Dir wahnsinnig helfen, wenn Du nicht alleine "an und mit Dir herumdokterst" (und nichts anderes ist es ja oft, wenn man eh schon unzufrieden und "klein mit sich" ist), sondern Dir Unterstützung dazunimmst. Ich halte es sogar für sehr schwer, mit sich alleine auf einen guten Weg zu kommen, wenn man sehr kritisch mit sich ist und sich unbedingt ändern möchte.
Viele Grüße
Gitte
PS: Wenn das LOL die Internetabkürzung ist, dann hast Du ja einen sehr extrovertierten und positiven Nick gewählt
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meistens danebenliegen
Ralf Senftleben •
Einfach bewusst wahrnehmen: "Aha, jetzt hab ich das wieder gemacht. Ich wollte doch eigentlich xy tun."
Durch das konstruktive Damit-auseinander-setzen passiert viel mehr (auch durch das Bewusstmachen und in Gedanken ggf. korrigieren) als wenn man sich selbst schimpft und sich ärgert.