Mit welchen Sprüchen oder Zitaten können Sie nichts anfangen?
Ralf hat heute früh getwittert: „Das Leben findet JETZT statt. Nicht gestern. Nicht morgen. In einem Jahr kann es schon vorbei sein. Jetzt ist der Zeitpunkt. Jetzt!“
Und das stimmt natürlich. Nichts gegen den Spruch und ich bewundere jeden, der das so auch lebt. Aber mir sagt das nichts Besonderes: „Im Augenblick leben.“, „Im Jetzt sein.“ – das sind „Jaja“-Sprüche für mich: Sie kommen im Gehirn an, aber sie lösen nichts aus. Ich kann damit nichts anfangen. Genauso geht es mir mit ...
Wenn Du es eilig hast, gehe langsam.
Konfuzius hin oder her. Wenn ich es eilig habe, dann gehe ich schneller!
Nun gibt es ja ganz unterschiedliche Faktoren, warum man mit Sprüchen nicht wirklich warm wird:
- Sie sagen einem einfach nichts. Wie mir das mit dem JETZT.
- Sie stimmen mit der eigenen Überzeugung nicht überein. Wie das mit dem Langsamgehen.
- Sie machen einen richtiggehend aggressiv. Vielleicht, weil Sie mit irgendeiner Weisheit groß geworden sind, jemand Sie damit lange traktiert hat oder weil es etwas ist, das so inflationär im Umlauf ist, dass es Ihnen zu den Ohren rauskommt.
- Sie erzeugen Druck oder gar ein schlechtes Gewissen. ... weil Sie den Spruch richtig und hilfreich finden, aber nicht danach handeln.
Wir kennen ja alle die Macht von Sprüchen, Redewendungen und Zitaten, die uns positiv berühren. Etwas, das wir von ganzem Herzen unterschreiben, was uns auf Kurs bringt oder einfach motiviert.
Heute bin ich mal neugierig auf die andere Seite:
Mit welchen Sprüchen können Sie nix anfangen?
... und warum?
Seien Sie nicht politisch korrekt. Es geht nicht um Sprüche-Bashing, sondern um Ihre eigene Meinung. Vielleicht macht es Sie ja aggressiv, wenn Sie von mir alle Nase lang lesen „Von nichts kommt nichts!“
Ich bin gespannt.
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Anmerkungen & Kommentare
mir fällt dazu ein: "Das haben wir schon immer so gemacht".
Was ich aber erschreckender finde, ist dass ich mit zunehmenden Alter Sprüche bringe, die ich früher selbst gehasst habe wie die Pest.
Gruß Mario
"Solange du deine Beine unter meinen Tisch stellst, hast du zu tun, was ich dir sage!"
(...und wenn ich sie auf den Tisch lege..?
"Wenn du nicht sofort parierst, dann...!" (Oh, oh...!)
"Von nichts kommt nichts!" (Häää?! Wer bringt mir denn dieses Nichts, von dem dann nichts kommt...?)
"Dat hebbt wi schon früher nich mokt, dat mokt wi och hüt nich. Basta!" (Nee, is' schon klar: Nur nich' ännern, könnt' ja was Besseres bei rauskommen...)
"Wenn dir nichts Besseres einfällt, dann halt den Mund, wenn Erwachsene reden!" (...Erwachsene reden auch oft Unsinn. Wer sagt ihnen, daß sie den selbigen halten sollen?)
Und so weiter...
Ach so:
"Und so weiter, et cetera p(erge) p(erge)!"
"Nur der frühe Vogel fängt den Wurm!" (Ja, bin ich denn ein Vogel? ...und mag ich Würmer?)
Willkommen im Club! (...oder Klub!)
Mir geht es fast genauso. Ich lasse manchmal auch Texte / Sprüche raus, die ich oft von den Alten gehört und nicht gemocht habe.
Jetzt bin ich in deren Alter...
Dabei fällt mir ein Spruch ein, der Erich Kästner zugeordnet wird:
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."
Fand ich früher blöd. Mit dem Lebenswissen von heute, finde ich den Text passend.
erst einmal Danke für das Thema nervige Sprüche/Zitate. Na, dann stehe ich zum Glück nicht alleine da, wenn ich mit manchen Zitaten und Sprüchen nichts anfangen kann.
Sprüche/Zitate, die meine Füße sich reflexartig in zwei Rennautos verwandeln und mich zur POSITIVEN Revolutionärin werden ließen, sind die folgenden:
„Das Leben ist kein Wunschkonzert! Hörst du!“
(wurde mir sehr oft gesagt mit dem Zusatz „Man kann nun mal nicht immer alles so haben wie man möchte. Merk dir das ein für alle Mal! Haben wir uns richtig verstanden!?“)
„Das eine will man, das andere muss man aber. Da geht aber nun mal kein Weg dran vorbei!“
(wurde immer dann gesagt, wenn ich keine Lust hatte auf Familientreffen, bei denen leider allzu oft nur über Nicht-Anwesende getratscht wurde)
„Der Klügere gibt nach. Also komm, sei du die Klügere und gib nach.“
„Das geht nicht, weil (dies und das und jenes).“
„Wenn das alle machen würden! Wo kämen wir denn da hin!“
„Neeeiiin, neinneinneinneinnein, sooo darfst du nicht denken! Wenn alle so denken würden wie du.“
„Neeeiiin!!! Neinneinneinneinnein! Kommkommkomm! Wir wollen man nun keine neuen Methoden einführen.“
(oft mit dem Zusatz „Wir haben das schon immer so gemacht. Hab keine Widerworte! Haben wir uns richtig verstanden!?“)
„Das hat „X“ und „Y“ nicht geschafft, dann schaffst du das schon lange nicht. Man muss auch auf dem Teppich bleiben.“
„Man muss auch bescheiden sein können. Nimm dich nicht so wichtig. Nun sieh nicht immer nur dich. Sieh doch auch mal uns.“
„Du mit deinen Plänen! Hoffentlich fällst du mal ganz gewaltig auf die Nase. Denk dran, Hochmut kommt vor dem Fall!“
„Mensch, sei nicht immer so eigenwillig.“
„Wer eigenwillig ist, ist egoistisch.“
Und zu guter Letzt ein Spruch, den ich in meinem Poesiealbum vorfand - grusel, grusel, grusel:
„Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein, und nicht wie die Rose, die bewundert will sein.“
Warum kann ich mit diesen Sprüchen nichts anfangen?
Als mir diese Sprüche – im wahrsten Sinne des Wortes – nur so um die Ohren gehauen wurden, spürte ich schon in sehr jungen Jahren sofort und ganz deutlich, ich sollte auf keinen Fall ich selbst sein, keinen eigenen Willen haben, keine Wünsche haben, mich nicht weiterentwickeln. Stattdessen – so spürte ich ganz deutlich – sollte ich „schön“ lieb-brav-artig angepasst und unter meinen Möglichkeiten bleiben.
Obwohl mich diese Sprüche zutiefst verletzt und wütend gemacht hatten, mich so manches Mal mit mir selbst haben hadern ließen, gab es für mich letztendlich nur einen einzigen Weg. Dieser Weg hieß für mich: Kurs nehmen auf meine Wünsche, Ziele und persönliche Weiterentwicklung. Ich bin eine eigenständige Persönlichkeit, deshalb darf ich auch ich selbst sein, Wünsche und Ziele haben. Volle Kraft voraus! Niemand funkt mir dazwischen. Das dulde ich auf gar keinen Fall.
Während ich diesen Weg ging (ohne andere einzuweihen), war ich mir selbst meine allerbeste Freundin. Und ja, der Weg hat sich gelohnt
"Iß fein auf, dann scheint morgen auch die Sonne!"
20 kg mehr und Jahre später hat es ja dann geklappt...
...um den Gürtel herum.
"Ein Löffel für Papi, ein Löffel für Mami, ein Löffel für Onkel Hans..."
Komisch nur, daß alle Löffel in meinem Mund landeten...
" 'Geht nicht!' liegt auf dem Friedhof. Und 'kann ich nicht!' nebenbei."
"Das kleine Wort ich 'will' ist mächtig. Sprichts einer leis' und still, die Sterne reißt's vom Himmel, das kleine Wort ich 'will' "
ich habe einige Male laut gelacht! Es ist ja schon erstaunlich, was es mitunter für dämliche Sprüche gibt! ... und noch erstaunlicher, wie viele man selbst wiedererkennt.
Die Beobachtung, plötzlich selbst diese Sprüche zu benutzen, ist auch lustig, oder? Ich habe mich auch gleich ertappt gefühlt, weil ich beim Anblick des kleinen Sohnes meiner Freundin alle Nase lang völlig erstaunt sage "Bist Du aber groß geworden!" Furchtbar!
Ich finde es sehr spannend, wie unterschiedlich einem Sprüche etwas bedeuten können - das "Leben ist kein Wunschkonzert" beispielsweise, finde ich in der Variation "Das Leben ist kein Ponyhof" wahnsinnig witzig.
Liebe Sabine:
Das hört sich ziemlich gruselig an, was Du Dir da ständig anhören musstest. Und es zeigt auf erschreckende Weise, wie solche Sprüche sich mit dem Kontext verändern - und so wirklich von allen Seiten auch negativ auf einen einprasseln können.
Umso toller, dass es bei Dir eher Rebellion ausgelöst hat und Du Dir Deiner selbst bewusst warst - und Deinen Weg gegangen bist (und gehst). Gerade bei so Kleinhalte- und Kleinmachersprüchen geht mir das Messer in der Tasche auf :-(
Und den Spruch hatte ich auch in meinem Poesiealbum! Ist einer dieser Klassiker! Da fällt mir gleich noch ein, was mir meine Mutter eingetragen hat:
Fange nie an, aufzuhören.
Höre nie auf, anzufangen.
Fand ich damals und find ich noch immer gut.
Einen schönen Sonntag allerseits
Gitte
PS @Norbert: "20 kg mehr und Jahre später hat es ja dann geklappt ..." hihi
bei deinem Beitrag oben habe ich eher so an die aktuellen "Eso- Sprüche" gedacht, in den Kommentaren kommen ja eher die klassischen Grusel- Sprüche aus Erziehung und Poesie- Alben hervor, Killerphrasen etc.
Da sehe ich einen Unterschied- glaube ich.
Überholte konservative und einschränkende Sprüche und Killerphrasen sind ätzend und haben uns sicher alle gequält.
Die "Eso- Sprüche" (ich nenne sie jetzt mal so) beinhalten eigentlich was positives, wollen einen ermuntern oder einen zum "lernen" bringen. Und das ist mein Hauptkritikpunkt. Ich hasse es, wenn mir ANDERE solche Sprüche um die Ohren hauen,oft auch ungefragt!)
auch wenn sie womöglich stimmen.
Aber mitten in einer Krise, einer Krankheit und ähnlichem, will ich erst mal schlichtes menschliches Mitgefühl und Trost wie "Ach, du arme Socke!" - statt:
"Oh, wovon hast du die Nase voll?"(=Bei Schnupfen) oder "Warst du nicht in deiner Mitte (Sturz und Arm gebrochen)...
Wenn es einem gerade Scheiße geht, dann ist es auch ganz klasse so Sprüche gesagt zu bekommen wie:
"Hält das Leben eine saure Zitrone bereit, dann mache daraus eine Limonade" oder "Mit den Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du eine Treppe bauen."
Dabei nervt mich zweierlei:
zum einen eben, wenn es einem ungefragt von außen gesagt wird,
zum anderen wenn man diese Sprüche schon hundert mal gelesen und gehört hat.
Es gibt solche Sprüche, die ich beim ersten Mal klasse fand- weil sie etwas in mir anrührten.
Am dööfsten ist, dass sie(für mich) durchaus richtige Botschaften enthalten. Aber ich sie nicht mehr wahrnehmen kann, wenn sie eben als "blöder Spruch" daher kommen.
Noch mal: diese Sicht finde ich oft durchaus richtig und hilfreich. Ich habe oft genug in meinem Leben Krisen aller Art erlebt- und die Lösung liegt für mich immer darin, in der Krise auch wiederum Ansatzpunkte für Veränderung zu sehen, sei es im Verhalten oder Denken. Sie haben immer Lernpotenzial und es kann sich oft im Nachhinein als ein "Segen" erweisen.
Aber wenn ich mitten drin stecke, dann kann ich mir das nur selbst so sagen- und von anderen will ich Trost oder aktive Hilfe- so ähnlich
Für mich nenne ich solche Phasen (wo oft mehreres Gleichzeitig zusammenkracht) meine "Shiva-Phase", Shiva, der Gott der Zerstörung. Der Altes, Überholtes zerstört, damit Neues wachsen kann.
Dieses Bild hilft mir persönlich: aus Erfahrung zu wissen, danach kommt wieder Gutes bzw. Besseres. Es ist sozusagen ein "Reinigungs- Ritual". Und ich trage maßgeblich zur Erneuerung bei.
Aber "Sprüche" helfen mir da wenig.
Hey, da hast du ja was angestoßen
bei Twitter fand ich gerade noch diesen Spruch:
"Eine Minute kann verschieden lang sein. Je nach dem auf welcher Seite der Toilettentür man steht."
Tja, Eso-Sprüche können auch Grusel-Sprüche sein. Stimmt.
Im Laufe eines Lebens bekommt man eine ganze Menge davon um die Ohren gehauen. Gaaaaaaaaanz toll!
Interessanter Weise oftmals von Menschen, die selbst nicht danach leben.
Ich ordne hier auch die christlich angehauchten Sprüche in die "Eso-Sprüche"-Sammlung ein.
"Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Englein her." - "Der Mensch denkt, Gott lenkt." - "Der große Lenker der Welten hat gewollt, daß du jetzt hier bist und dies erlebst. Also füge dich in deine Aufgabe."
Na, Klasse!
Mir gefällt da schon eher die Vorstellung, wonach man heute erlebt, was man gestern im übertragenen Sinne gedacht hat. Das ist mir schon öfters passiert. Erst vor kurzem hatte ich verstärkt an eine Person gedacht, die ich rund 20 Jahre nicht mehr gesehen habe. Jetzt habe ich sie in einer anderen Stadt in einem Einkaufzentrum "zufällig" gesehen. Und anfangs des Monats auf einem Autobahnrasthof zwischen Berlin und Hamburg dann erneut.
Einen Eso-Spruch mag ich auch nicht besonders: "Wenn eine Tür zu fällt, geht woanders eine neue Tür auf." Allerdings muß ich zugeben, daß mir dieser Spruch oftmals schon geholfen hat, mich daran zu erinnern, meine Wahrnehmung für neue, andere Wege zu öffnen und zu schärfen, wenn eine Sache plötzlich beendet oder auf welche Weise auch immer nicht erfolgreich war.
Auch die (scheinbar) blödesten Sprüche können einem in manchen Momenten, in denen man emotional etwas dunkel eingefärbt ist, helfen, Wege "zum Licht" ("Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her") zu finden. Immer in der Hoffnung, daß es nicht der herannahende D-Zug aus Sankt Dingsda ist, der sich auf einen selbst mit 110 km/h zu bewegt, während man gerade auf den Gleisen des unbeschranken Bahnüberganges steht.
Mein Großvater hatte oft den Spruch auf den Lippen: "Wer fragt, ist ein Narr für fünf Minuten. Wer nicht fragt, ein Leben lang." Dieser Spruch hat mich damals zunehmend angeödet. Meine Großmutter hatte diesen Spruch in konstruktiver Weise für sich umformuliert: "Denkst, fragst' mal!"
Als ich vor einiger Zeit den von meinem Großvater gebrauchten Spruch in einem Seminar zitierte, fand er allerdings bei den Zuhörenden dankbares Interesse, um die Scheu vor dem sich Blamieren in Gruppe ("Nachher denken die noch, daß ich dumm bin.") abzulegen. Wie oft hat man selbst es schon erfahren, daß eine scheinbar dumm klingende Frage auch gerne von vielen anderen gestellt worden wäre, wenn, ja, wenn man nicht die Angst gehabt hätte, als dumm gebrandmarkt zu werden.
Da fällt mir noch so ein Sinnspruch ein:
"Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dummerhaftige Antworten."
Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag. Die Arbeit ruft...
Und noch'n Spruch aus der Gruselkammer:
"Wenn es schön war, war es Arbeit."
Wir hatten nie viel, aber durch diesen Spruch kann ich mich niemals an Geldmangel erinnern.
Und er ist fest verankert und ich hatte echt noch nie Geldsorgen.
Liebe Grüße
Edeltraud
tolle Idee, mal nach Sprüchen zu suchen, die einem NICHT gefallen!
Ich bin mit 2 Sprüchen groß geworden:
1. Nach Lachen kommt Weinen! Den hatte meine Oma immer auf den Lippen, sobald ich mal loslachte. Leider hatte sie vergessen zu sagen, nach Weinen kommt auch wieder Lachen..
2:
Wie's da drin aussieht, geht niemand was an. Diese Stelle aus Lehars DAs Land des Lächelns!! war so der zweite Spruch, der mich in Jugend begleitete.
Beide hatten verheerende Folgen: NIE traute ich dem Glück und dem damit verbundenen Lachen, tja, und bei Unglück... da zeigt man/frau/kind seine Gefühle ja doch wohl nicht!
Es hat vieler Tränen, Krisen, Persönlichkeits-FORTbildungen gebraucht, um mich aus diesen Mustern zu befreien und den Altvorderen zu verzeihen.
Nun erarbeite ich als Coach individuelle Zielfindungs- und/oder Lebens-Mottos mit den Kunden, eben in dem Wissen, DASS und WIE SCHWER jedes Wort zählt.
So schließt sich ein Kreis manchmal auf sehr seltsame Weise.
Wo ich vielen anderen zustimme ist, dass nicht jeder Spruch zu jeder Tages- und Nacht- oder Lebenszeit und -phase passt. Feddich.
Einen, den ich schon sehr universell bis genial finde, ist das "Panta rhei" von Heraklit. Alles fließt, alles verändert sich ständig - so auch die Sprüche, gell.
Lieben Gruß
Maria Ast
Ich wurde in meiner Jungend (und auch danach) größtenteils von derart toxischen Sprüchen - wie nach dem Lachen kommt das Weinen - verschont (oder habe sie verdrängt) und kann jetzt viel besser verstehen, warum manche Menschen heftig auf sogenannte Sprüche der Weisheit reagieren können.
"Aber es ist ja noch nicht aller Tage abend!"
Du liebe Güte: Es gibt wirklich ganz, ganz schlimme "Sprüche"! Und dann noch so richtig eingetrichtert -> "Nach Lachen kommt Weinen" zum Beispiel. Furchtbar!
Stimmt, Hueseyin: Da kann man noch viel besser nachvollziehen, warum so mancher regelrecht allergisch auf einen "harmlos gemeinten" Spruch reagiert.
Es ist wirklich schwierig. Mir fällt gerade der Spruch "Wer weiß, wozu's gut ist!" ein, den ich zum Beispiel sehr richtig finde und für mich auch automatisch parat habe, wenn was Blödes passiert. Für jemand anderen ist das ein dummes Trivialisieren eines Problems.
Bei den "Eso-Sprüchen" von Zamyat habe ich einige Male laut gelacht: da geht's mir so ähnlich.
Das Schöne ist ja, sich mal Gedanken darüber zu machen, was einen auf die Palme bringt (und man vielleicht auch wegen einschlägiger Erfahrungen oder Einstellung überreagiert oder den Sprüchemacher in eine Schublade packt) - und andererseits sich dessen bewusst wird, wie nützlich wieder andere Redewendungen oft sind: Denn das, was uns total bescheuert oder nervig erscheint, ist genau das, was anderen sehr viel gibt - und umgekehrt.
In diesem Sinne: "Lebe jeden Tag, als ob es Dein letzter wäre" - erks ...
Auf wiederlesen
Gitte
Den Spruch: "Lebe jeden Tag so, als ob es Dein letzter ist", finde ich auch nicht gerade dolle. Ich finde da die Redewendung: "Lebe jeden Tag als ein kleines Leben für sich." besser.
Allerdings kam mir der Spruch mit dem letzten Tag des Lebens gerade in diesen Tagen wieder in den Sinn. Meine Frau hat morgen, am 23. Juni, Geburtstag. Mein Bruder ist genau an ihrem Geburtstag vor neun Jahren mit 36 Jahren im Krankenhaus verstorben...
Und ein guter Bekannter und langjähriger Kollege meiner Frau, der immer optimistisch in die Welt geschaut und das Leben jeden Tag aufs Neue angepackt hat und seine Ziele aktiv angegangen ist, hat jetzt mit 45 Jahren die Diagnose Krebs im Endstadium erhalten. Manchmal bekommen eben auch wenig geliebte Sprüche eine Aktualität und Nachvollziehbarkeit, die man lieber nicht hätte.
Und wer weiß, welcher der oben nicht gemochten Sprüche plötzlich, in einer konkreten Lebenssituation, für einen selbst eine Krücke zum Besseren und imaginären Festhalten an etwas werden können.
Fröhlichen, aber dennoch heute nachdenklichen Sinnes grüße ich aus Hamburg
Norbert
dass das Leben schneller vorbei sein kann, als man denkt, ist eine Sache.
Bei dem Spruch finde ich den Anspruch einfach so gewaltig: Ich weiß nicht, wie andere Leute das machen. Bei mir herrscht der Alltag. Wenn ich aber denke "Das wäre jetzt mein letzter Tag, dann würde ich den vermutlich sehr bedeutungsvoll oder wichtig etc. machen wollen" - das als ALLTAGSANSPRUCH zu haben, ist für mich selbst einfach absurd. -> Das geht jetzt genau in die Schiene des Ausgangsspruches mit dem "Im Jetzt"-Leben.
Viele Grüße
Gitte
Ja, in dem von Dir hier aufgezeigten Sinne finde ich diesen Spruch auch viel zu gewaltig und übertrieben.
Da stimme ich mit Dir überein.
Wahrscheinlich hätte ich jeden Tag Frust, wenn ich morgens aufwachte, um dann jeden Tag wie meinen letzten zu celebrieren. Meine Reaktion wäre vielleicht, daß ich einfach im Bett bliebe...
Beim Leben "im Jetzt" habe ich das für mich so umgedeutet, daß ich mich in diesem Moment auf das konzentriere, was ich gerade mache. Also in etwa "konzentriere dich auf das, was du jetzt gerade machst, denkst, siehst, willst..."
das "Fatale" ist für mich, dass in vielen dieser "Eso"- Sprüche wirklich Wahres steckt- es nur eben nicht so funktioniert, dass man das durch hören, sagen oder lesen tatsächlich schlagartig so fühlen und vor allem umsetzen kann.
Beispielsweise das im "Hier und Jetzt" leben ist wunderbar, wenn man es denn "so einfach" könnte. Es erfordert vielmehr viel Übung- quasi permanente Zen-Meditation. Und wer kann und macht das schon außer ein paar Mönchen?
Da ich mich für das weltliche Leben entschieden habe, schwirrt mein Geist für gewöhnlich in Vergangenheit und Zukunft - und partiell auch in der Gegenwart
Ich habe zwischendurch mal sekundenweise eine entsprechende Erkenntnis auf einer tieferen Ebene, beispielsweise:
Wenn ich wirklich total im Hier und Jetzt leben würde/ könnte, hätte ich beispielsweise vor Nichts Angst.
Denn ein aufregender Vortrag oder eine Prüfung oder was auch immer finden ja erst in der Zukunft statt- und ich grusele mich Wochen vorher.
Der Zeitpunkt IN der Prüfung ist dann vergleichsweise kurz- und wenn ich IM Seminar oder Vortrag bin, dann bin ich wirklich da.
Keine Ahnung, ob das klar wurde
Abend-Philosophie
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