Lieber nicht mit Bekannten arbeiten?
Ich war ja eigentlich schon immer ein Verfechter davon, mit Leuten zu arbeiten, die man kennt und mag. Doch ich scheine immer mehr Pech zu haben. Da war im letzten Jahr zum Beispiel mein Drucker, den ich zuerst privat kannte und menschlich überzeugt von ihm war. Die Druckerei wirkte sehr modern und so gab ich ihm den Auftrag, Briefpapier und Visitenkarten für Schreibnudel zu drucken.
Erst haben wir uns getroffen und den Auftrag besprochen: ich wollte zwei Versionen vom Briefpapier. Dann war ich vor Ort und habe Papier ausgewählt. Dann hat es gedauert bis das Angebot kam. Dann hat es gedauert bis der Andruck kam.
Der Andruck war falsch: die Farbe der Nudel war viel zu blass und ein anderer Teil war überhaupt nicht mitgedruckt. “Am besten nochmal vorbeikommen und besonders diese eine Farbe für die Nudel nochmal am Farbfächer aussuchen”. Ich also wieder durch die Stadt gegurkt. Gemeinsam das Gelb für die Nudel ausgesucht. Lang und breit diskutiert. Ich: “Wird es dann auch wirklich so?” – “Ja.”
Dann hat es wieder gedauert und es kam eine ätzende E-Mail eines Mitarbeiters, dass mit meiner Datei was nicht stimmt. Ich falle aus allen Wolken, dass nach WOCHEN von Diskussionen und Besuchen plötzlich die Datei nicht stimmen soll. Rumgestritten, weil ich den Tonfall unmöglich fand. Beschwichtigende E-Mail meines Bekannten: wir korrigieren das inhouse. Endlich wird gedruckt.
Ich fahre erneut hin, um die fertigen Sachen abzuholen und sage: “Ist jetzt alles drin, auch die zwei Versionen für das Briefpapier?” – “Ja, müsste alles drin sein.”
Mein Fehler Nr. 1: nicht nachschauen!
Daheim mache ich die Schachtel auf:
- Das Gelb ist genauso blass wie zuvor.
- Die zwei Varianten des Briefpapiers sind natürlich nicht drin.
- Auf der Rechnung steht zusätzlich das, was mir als “machen wir dann inhouse” angeboten wurde. Von “gegen Geld” war nie die Rede.
Es ist abends. Ich schicke eine stocksaure E-Mail. Am kommenden Morgen bekomme ich eine lächerliche E-Mail zurück mit der Info “Das mit der Farbe GING NICHT ANDERS!” Man erklärt mir aber gerne, warum es nicht ging, wie ich es wollte und wie gemeinsam wochenlang diskutiert wurde.
Darum nicht mit Bekannten!
Als ich das einer Freundin erzähle, sagt sie: “Darum soll man nie mit Bekannten arbeiten!” Sage ich irritiert: “Hä? Aber wenn alles gut läuft, dann ist es ja wunderbar!” Sagt sie: “Ja klar, aber wenn alles gut läuft, hast Du mit Fremden auch kein Problem. Nur wenn es Probleme gibt, hast Du bei Bekannten mehr Hemmungen. Schau: bei diesem Drucker, denen hättest Du normalerweise schon wegen der langen Bearbeitungszeit und ewigen Diskussionen und Besuchen den Auftrag entzogen.”
Wissen Sie was? Recht hat sie!
Ich hätte tatsächlich den Auftrag lange vorher zurückgezogen und mir dadurch viel Zeit, Ärger und Geld erspart. Der Ärger währt übrigens sehr viel länger: die Visitenkarten habe ich sofort in den Müll geworfen und das Briefpapier brauche ich zwar auf, bekomme aber jedes Mal, wenn ich es in die Hand nehme, den Hass.
Und dieses Beispiel ist nicht das Einzige. Ich habe weitere sehr unerfreuliche Aufträge mit oft langatmigen oder schlechtem Ergebnis mit Bekannten erlebt und tatsächlich muss ich meiner Freundin zustimmen: in allen Fällen war ich geduldiger, freundlicher und manchmal auch gehemmter in meiner Reaktion oder Forderungen als ich es bei fremden Dienstleistern gewesen wäre. Leider leidet dann natürlich auch die persönliche Beziehung.
Wie ist Ihre Erfahrung?
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Anmerkungen & Kommentare
Ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht und meine Schlussfolgerung lautet: Man sollte sich gut kennen, bevor man Aufträge an Freunde/Bekannte vergibt. Jemanden nett zu finden, reicht nicht, man sollte auch eine Vorstellung davon haben, wie der-/diejenige arbeitet. Und vor allem, wie sie mit Konflikten umgeht - denn das ist ja immer der Punkt, an dem es kritisch wird.
Trotzdem bleibt es heikel. Wenn es gut läuft, ist es halt sehr toll, vielleicht versucht man es deshalb immer wieder? Oder weil man bei manchen Dienstleistungen am liebsten jemanden nimmt, den man kennt, oder weil man andernfalls lange rumsuchen müsste?
Markus´Einschätzung teile ich vollauf. Am Anfang meiner Selbständigkeit habe ich noch mit einigen "Laiendarstellern" zusammen gearbeitet und es kostete meist sehr viel mehr Zeit, Nerven und Aufwand als mit fremden Profis. Eine Freundin ist ein Vollprofi auf ihrem Gebiet und wir haben dieses Jahre gemerkt, dass wir sehr gut sowohl privat als auch geschäftlich miteinandern können. So reibungslos ging es lang nimmer.
Allerdings habe ich vor einem Jahr sehr viel Nerven, Fahrtkosten, Zeit gelassen bei einem guten Bekannten. Für einen Auftrag benötigte ich spezielle Tonbecher, die ich bei ihm, dem Töpfer, in Auftrag gab. Es würde ca. 6 Wochen dauern sie herzustellen, wegen der Trocknungsphase. Nun gut, ich war eh 1/2 Jahr vorher dran weil ich nicht wusste wie lange sowas braucht. Nach 7 Wochen wollte ich meine Becher holen. Nix fertig, nix begonnen. Auftrag total vergessen.. Nach 14 Wochen hatte er den Auftrag noch im Hinterkopf und schon mal eine Model erstellt. Keine Becher, weder feucht noch trocken. Bei mir wurde es langsam eng. Ich gab den Auftrag weiter an eine mir unbekannte Töpferin, die noch weiter als er von mir entfernt lebt und arbeitet. Nach satten 5 Wochen kam ein Anruf "Ihre 20 Tonbecher sind fertig! Soll ich sie Ihnen ohne Aufpreis vorbeibringen, ich fahr eh in die Stadt?" Superschöne, schlichte Keramik zu einem guten Preis haben mich total erfreut. Gerade rechtzeitig und glücklicherweise mit einem kleinen Zeitpuffer geliefert. Puh.
Weitere 3 Wochen später (Herbst) rief mein Bekannter an "deine Becher sind fertig. wann holst du sie, ich benötige den Platz."... Und das, obwohl ich ihm den Auftrag nach dem 2. Vergessen-Versuch entzogen hatte. Schriftlich. Keine Abnahme und ein gekränkter Bekannter.
Mittlerweile achte ich auf Referenzen und Erstgespräche. Verlaufen diese nicht professionell lass ich Freunde Freunde sein und vermenge Privates nicht mit Geschäftlichem. Diese Trennung funktioniert bei obiger Freundin übrigens perfekt.
Viele Grüße,
Silke
viele grüße
monika
für mich hat sich - nach Erfahrungen in der einen und der anderen Richtung - bewährt, mich zuerst fragen, WARUM ich den Auftrag an einen (und genau diesen) Bekannten vergebe.
Ist der Grund, dass der auf diesem Gebiet mit Abstand die tollste Arbeit macht, die man kennt? Dann nur zu.
Möchte ich nur gern "etwas mit diesem Menschen zusammen machen"? Dann vielleicht doch lieber den Mut aufbringen und etwas von vornherein Privates vorschlagen, anstatt sich über die Hintertreppe in Form eines Auftrags anzupirschen.
Oder handelt es sich um eine Art karitatives Engagement? Auch ok, wenn es sich um eine bewusste Entscheidung handelt. Aber dann weiß ich genau, worauf ich mich einlasse und dass das Ergebnis so, aber auch so sein kann. Mache ich allerdings nicht mehr, wenn das direkte Auswirkungen auf einen Kunden haben könnte.
Interessante Nebenbeobachtung: Einige Freundschaften sind in Umkehr der Fragestellung aus erfolgreicher professioneller Zusammenarbeit entstanden.
Beste Grüße
Petra
ich möchte noch einen Aspekt hinzufügen.
Bitte nicht mit ehemaligen "Klienten" arbeiten. Also mit welchen, die bei einem selbst Coaching odgl. genommen haben und einen als "Berater" mit Empathie etc. kennengelernt haben.Da habe ich leider sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Die Rollen, die vorher aus Coach und Coachee bestanden ändern sich in Auftraggeber und Auftragnehmer - die sind dann so verschieden, dass es im Anschluss eigentlich nur ärgerlich werden kann. Die "Brille" die ich als Coach auf habe ist gekennzeichent von Einfühlungsvermögen etc. - und der andere denkt, dass geht immer so weiter, nur er hat dann eine ganz andere auf. Finger weg!
Lieben Gruß Christiane
Stimme sehr zu, dass die WARUM-Frage viel klärt. Ich hab's anfangs häufig mit "Ach, lass uns was zusammen machen"-Motivation gemacht - und bin gescheitert. Deren Motiv war nämlich: Geld sparen. Ich schmiss freudig mit Wissen um mich, coachte sie auch am Wochenende noch durch Trennung, Liebeskummer, Selbstzweifel, während im Umkehrschluss jedes gezeichnete Erstentwurfblättchen gegengerechnet wurde.
@Christiane
Selbe Erfahrung wie Du: Arbeite nicht mit ehemaligen Coachingkunden - und ich ergänze: mach sie auch nicht zu deinen Freunden, denn nur hauchdünn wenige raffen den Rollenwechsel von Coach zu Businesspartner oder zu Privat-Maria.
Fazit: Eigentlich wissen wir ja,was wir wollen und was geht. Hin und wieder brauchts scheinbar noch mal ne Erfahrung, quasi als reminder, die uns dran erinnert.
Lieber nicht mit Bekannten/Freunden arbeiten !!
Daher verstehe ich auch nicht diesen Wahn mit den ganzen (Sozialen?)-Netzwerken.
Auch die angeblichen Synergie-Effekte, beim Arbeiten in einem Businesscenter (Werbeslogan: Arbeiten unter Freunden)sind kritisch zu sehen, da fast jeder sich verpflichtet fühlt , dem Büro-Nachbarn den Auftrag zu geben, auch wenn der die grösste Null ist.
ich habe verschiedene Erfahrungen gemacht. Bei mir waren schon zahlreiche Bekannte zum Business Coaching, die ich auch privat treffe. Ganz selten kommt es in geselliger Runde zum Ansprechen der Coachingthemen. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass ich in meiner ersten Sitzung immer sehr auf meine Schweigepflicht poche und denen sage, dass ich Sie niemals im Beisein von anderen auf Ihre Themen ansprechen werde. Sie tun das dann auch nicht.
Allerdings habe ich ähnlich schlechte Erfahrungen damit gemacht, wenn es um Leistungen ging, die ich eingekauft habe. Mein Firmenschild zum Beispiel. Im Grunde hatte ich es selber gemacht, ich brauchte nur die Hilfe einer bekannten Grafikerin, um die Datei zu konvertieren. Natürlich gegen Bezahlung. Diese bot mir dann aber auch an, konzeptionell nochmal drüber zu gucken. Da sie ja eigentlich der Profi war und ich gelernt haben sollte mit Feedack umzugehen, beauftragte ich sie auch dafür. Dann kam es aber dicke für mich, denn sie ließ nichts Gutes an dem Schild. Sagte dies und das und hat mir angeboten einen neuen Entwurf zu machen. Ok, auch das. Dann kam der neue Entwurf - er war ziemlich schäbig, das i-Tüpfelchen war, dass sie nicht einmal meinen Namen richtig geschrieben hatte. Ich war enttäuscht und verärgert und habe es auch ziemlich deutlich gesagt. Ich habe einfach einen anderen Anspruch an Professionalität.
Mich entschuldigen für mein "aus der Haut fahren" und zahlen mußte ich trotzdem und habe weitestgehend meinen eigenen Entwurf genommen.
Aber eins geht gar nicht:
Wenn Freunde eine Dienstleistung übernehmen und aus Freundschaft "billiger" machen oder gar umsonst. Das habe ich mehrfach bei anderen erlebt und IMMER davon abgeraten. Denn dann haben sie Hemmungen, auf Pünktlichkeit und Professionalität zu drängen, weil "der macht das ja so preiswert". (Beispielsweise Freunde, die einem die Webseite machen und die dann ewig völlig veraltet vor sich hindümpelt- grässlich).
Da also lieber einen Profi normal bezahlen und auf Fristen festlegen.
Ansonsten freunde ich mich als Trainerin eben öfter mit Teilnehmerinnen, Kolleginnen an. Mit meiner besten Freundin habe ich jahrelang zusammen Seminare durchgeführt. Das war nicht immer unproblematisch, hat aber weder unserer Arbeit noch unserer Freundschaft geschadet.
Ich bin mit Trainerinnen befreundet, die dennoch auch als Teilnehmerin in einem Seminar bei mir sind oder als Mitarbeiterin in meiner Online-Akademie mitarbeiten wollen.
Auch diese Mischung geht.
Aber es geht in der Tat nicht immer: Ich habe mal eine Bekannte gecoacht aus der Nachbarschaft, das war dann doch schwierig und würde ich nicht wieder machen.
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meistens danebenliegen
Gitte Härter •
Dass man nicht mit Freunden oder Bekannten arbeiten soll, sagt eigentlich jeder Berater.
Ich handhabe es anders:
Ich arbeite nur mit ganz wenigen Freunden und setze an diese höhere Anforderungen als an Menschen "von außen".
Es ist wichtig, dass es Menschen sind, mit denen ich ganz direkt und offen sprechen kann.
Und eben Menschen, die 100 Prozent professionell und kunden-orientiert sind. Ein Freund als Kunde verleitet schnell dazu, mittelmäßige Arbeit abzulifern, aber eben nicht bei den richtigen Profis.
Ich habe sowohl Freunde als Geschäftspartner wie auch Partner von außen.
Ich mag die Mischung. Beides hat etwas für sich. Aber ganz klar hat die Zusammenarbeit mit Freunden eine ganz eigene Qualität. Wir entwickeln zusammen Dinge, tauschen uns viel offener aus und haben eine gute Zeit beim zusammen Geld verdienen.
Fazit: Extrem viel Augenmerk auf die Auswahl der Geschäftspartner legen, sowohl bei fremden Partner als auch bei Freunden. Nur mit Vollprofis macht Arbeit Spaß. Und nicht für jeden Bereich gibt es Vollprofis unter den Freunden.