12. LG
Silke schreibt in den Kommentaren: Mir sind in den letzten Tagen öfter diese Grüße untergekommen von Leuten, mit denen sich selten leichter Kontakt ergibt: “Liebe XX, ganz liebe und herzlichste Grüße…., Dein/Deine XZ” Sind Steigerungen jetzt In?
Das ist auch so ein Thema, wo mir entweder das Herz aufgeht oder der Blutdruck steigt. Was ich superschlimm finde, ist das Abkürzen von Grüßen. „MfG” heißt, dass ich dem Absender nicht einmal das Ausschreiben dieser Höflichkeitsfloskel wert bin, aber „LG“ ist für mich so richtig unerträglich, weil „Liebe Grüße“, die ja eigentlich noch viel netter sind, zu einem achtlosen “LG” werden. Uäh.
Die andere Seite ist das, was Silke anspricht: die Überverherzlichung, die einen mitunter ganz schön stutzen lässt. Denn wenn die Beziehung nicht entsprechend ist, wirkt es nicht nur dahingesagt, sondern auch distanzlos - im schlimmsten Fall anbiedernd.
Es muss passen!
Damit wir uns richtig verstehen: Ich finde „Liebe ...“ oder „herzliche Grüße“ oder auch ein „Dein“ sehr schön, wenn
- ... es zur Person passt. Wenn jemand herzlicher, sprudeliger (oder übertriebener) formuliert, weil er/sie eben so ist, dann ist es glaubwürdig und ein netter Ausdruck der Persönlichkeit.
- ... es zur Beziehung passt. Die Beziehung ist immer Kern. Denn auch wenn jemand noch so herzlich ist, darf es nicht distanzlos sein. Vielleicht kennen Sie Leute, die einen ständig umarmen, küssen oder antatschen? Das ist einem jedoch nur angenehm, wenn man die andere Person auch wirklich gerne mag und so nahe an sich herankommen lassen möchte. Ansonsten empfindet man es, auch wenn das Gegenüber es noch so nett meint, als unangenehmes Auf-die-Pelle-rücken. Auch Anreden oder Grußformeln können zu nah sein. Damit kann man zwar besser leben: ist ja nur auf Papier oder auf dem Bildschirm. Aber man zieht schon die Augenbraue hoch und ist mitunter vielleicht sogar etwas abgetörnt.
- ... es zum Kontext passt. Der Zusammenhang ist natürlich ebenso wichtig. Kein Anwalt der Welt würde eine Abmahnung schicken und „Liebe Grüße“ drunterschreiben.
Anrede + Grußformeln variieren
Es ist schon schön, wenn Sie die üblichen Anrede- und Grußfloskeln variieren und vor allen Dingen persönlicher gestalten. Das macht das Korrespondieren mit Ihren Kunden und Geschäftspartnern auch abwechslungsreicher. Ich schreibe auch schon mal gerne „Guten Morgen ... oh, ist ja schon 11 Uhr!“, „Huhu Frau Maier“ oder “Muskelkatergrüße” – weil es mir entspricht UND wenn es zur Beziehung und zum Anlass passt.
Auch die Variationen mit „Eiskalte Grüße aus Wien“ oder „Sonnige Grüße aus Hamburg“ finde ich immer wieder schön – je variationsreicher, desto mehr fällt es auf und desto netter ist es. Wenn Sie mit mir mailen und es gerade frühmorgens ist, kann es sein, dass ich mit „Viele Grüße ... jetzt erstmal Kaffee!“ unterschreibe. Damit lasse ich den Empfänger sozusagen ganz aktuell “an meinem Leben” teilhaben.
Gerade solche Grüße zaubern dem Empfänger oft ein Lächeln aufs Gesicht und sind meistens Initialzündung für einen kleinen weiteren Dialog. Das macht die Beziehung enger - und eine nettere, engere Beziehung macht allen viel mehr Freude.
PS: Der einzige Platz, wo “MfG & Co.” meiner Meinung nach Daseinsberechtigung haben, sind SMS.
noch ein PS: Wenn Sie zu den Leuten gehören, die den Gruß fest in ihrer E-Mail-Signatur hinterlegt haben - womöglich noch in einer anderen Farbe! - dann ändern Sie das bitte gleich. Das ist die schlimmste Form des “Grußes”. Noch schlimmer, als wenn Sie Ihre Mails grußlos beenden würden.
——
Das ist ein Beitrag aus dem Adventskalender der Floskeln.
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Anmerkungen & Kommentare
ich fand gerade die "Eiskalten Grüße" extrem witzig, die mir erst vor wenigen Tagen ein Leser aus Wien geschickt hat.
Wie immer gilt: Jeder kann genau das draus machen, wie es für ihn gut klingt. Und wenn Dir die "eiskalten Grüße" zu unterkühlt klingen, sind die "Warmen Grüße aus dem eiskalten Luxemburg" eine schöne Alternative.
Viele Grüße
Gitte
dickes Danke für den Adventskalender, auch wenn ich den jetzt erst lese. Vieles daraus hab ich mit Schmunzeln gelesen, mich wiedererkannt und werde das jetzt ändern. (Es fällt einem soooo oft gar nicht auf ...)
Mit den abgekürzten Grüßen hast Du einen Punkt getroffen, der mich ganz besonders nervt - speziell "LG" empfinde ich als "Leck mich grade ..." ('tschuldigung für die derbe Formulierung ...) Eben: Wenn es nicht mal zu einem ausformulierten Gruß reicht, dann kann der-/diejenige sich den glatt ganz verkneifen. Eine andere, nur schwer auszurottende Formulierung, die ich grade hier im "wilden Osten" oft lese, ist "Werte/r ...". Dabei muss ich fast zwanghaft die Steigerung bilden: "Werterer, Allerwertester". Tsesss - schon wieder ein Gesäß ...
Garstig auch: "wir dürfen Sie bitten", bevorzugt von Ämtern oder Anwälten geschrieben, die eh nicht bitten, sondern ihren Forderungen durchaus sehr nachdrücklich nachhelfen können. Da sträubt sich mir das Fell. Zwar befürchte ich, dass mir aus der Richtung etwas à la "Das ist nur netter formuliert als 'Los jetzt!'" entgegenschallt - aber man kann's ja mal versuchen.
Dritter Punkt (hoffentlich hab ich mich dabei jetzt nicht verzählt): (inflationärer) Einsatz von Smileys.
Fazit: Der Adventskalender könnte meiner Meinung nach als lose Folge weitergeführt werden. Vielleicht sogar als Kategorie "Schöner schreiben" oder ähnlich?
Ich wünsche eine gute und erfolgreiche Arbeitswoche und einen sonnigen Tag!
Herzliche Grüße,
BProbst
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... mit denen Selbstständige
meistens danebenliegen
Gitte Härter •
nur:
eiskalte Grüße...
vielleicht doch besser:
warme Grüße aus einem eiskalten Luxemburg (?)
von
Maria