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„Leider kommen wir nicht zusammen.“

Gitte Härter • 23.05.2011 • email Weiterempfehlen

Dieses “Dann kommen wir leider nicht zusammen” ist für mich der allerwichtigste, vielseitig einsetzbarste Satz in der Selbstständigkeit. Sie können ihn - in etwas unterschiedlichen Variationen - sehr gut brauchen.

Nämlich:

  • wenn Sie eine Anfrage bekommen, die Sie nicht erfüllen können oder wollen.
  • wenn sich herausstellt, dass Ihr Gesprächspartner etwas anderes möchte als Sie.
  • wenn Sie ein Angebot abgegeben haben, aber nicht zum Zug kommen.

Sie sagen von sich aus ab

Manchmal erhält man eine Anfrage, die man nicht erfüllen kann oder die man in der angefragten Form nicht erfüllen möchte: weil Sie das Angefragte nicht leisten können oder aber, weil Sie Bedenken haben.

Ein Beispiel dafür, das mir oft begegnet, sind Anfragen für Trainings, bei denen viele unheimliche große Themen an einem einzigen Tag untergebracht werden sollen. Als Trainer weiß man sofort, dass das nicht zielführend ist. Es wäre unklug, es dann trotzdem zu machen, denn das würde dazu führen, dass Sie die Themengebiete viel zu oberflächlich behandeln und damit das Ergebnis für alle Beteiligten suboptimal ist.

Wenn Sie Ihre Argumente dazu nennen, es aber klar wird, dass die Vorstellungen differieren beziehungsweise dass Sie das Gewünschte in dieser Form nicht bieten können/wollen, dann ist ein freundliches “Dann kommen wir leider diesmal nicht zusammen” eine klare Ansage, die die Türe für eine künftige Zusammenarbeit offen lässt.

Sie möchten in einer Verhandlung eine Grenze ziehen

Sie stärken Ihre Verhandlungsposition sehr, wenn Sie von sich aus die Grenze klar definieren. Wenn Sie also bereits über Geld oder weitere Konditionen gesprochen haben und Ihr Gesprächspartner immer noch mehr möchte - etwa ein Extra obendrauf oder einen weiteren Nachlass -, dann ist ein “Dann kommen wir leider nicht zusammen.” ein klares Signal.

Das Gleiche gilt, wenn Sie von Haus aus nicht am Preis rütteln. Wir beispielsweise stehen hinter unserem Honorar und lassen unseren Stundensatz nicht runterhandeln, weil wir ihn für angemessen halten. Darum gibt es am Preis nichts zu verhandeln. Wenn es doch versucht wird, sage ich das ganz offen und begründe es. Und wenn das nicht akzeptiert wird, beende ich die Verhandlung, indem ich von mir aus ganz klar sage, dass wir dann leider nicht zusammenkommen.

Meiner Erfahrung nach dreht sich an dieser Stelle übrigens meistens das Gespräch urplötzlich: Jetzt bemüht sich Ihr Gesprächspartner, der eben noch versucht hat Sie runterzuhandeln, plötzlich intensiv um Sie.

Wichtig ist auch hier: Seien Sie freundlich, aber klar.

Sie bekommen eine Absage

Nicht immer bekommt man eine direkte Absage. Oft geben Sie Angebote ab und hören einfach nie wieder von den Interessenten. Manchmal erreicht einen aber doch eine Absage. Egal, ob schriftlich oder mündlich: Nehmen Sie das nicht einfach hin! Und lassen Sie es vor allen Dingen nicht einfach dabei bewenden.

Zeigen Sie Engagement, vermitteln Sie deutlich, dass Sie es schade finden. Vielleicht hatten Sie sich auf das Projekt schon sehr gefreut, dann sagen Sie das (aber nur, wenn Sie das ehrlich so empfinden).

Und auch hier ist ein “Schade, dass wir diesmal nicht zusammenkommen” eine schöne Brücke für ein “Hoffentlich nächstes Mal” oder “Bitte denken Sie an mich!”

 

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Sandra Schuhmann am 23.05.2011
Hallo!
Toller Artikel. Ich sehe das auch so. Je lockerer man auch mit Absagen umgeht, auf beiden Seiten, desto besser geht es einem doch selbst auch. Ich stelle immer wieder fest, wie komisch sich manche Leute verhalten, wenn man sich nach einer Absage (ihrerseits) wieder begegnet. Und wie die sich wundern, wenn ich ganz offen und freundlich auf sie zu gehe. Wenn man nämlich selbst die Erfahrung gemacht hat, wie unwohl man sich dann bei Aufträgen fühlt, die einfach nicht passen,dann möchte man sowas nicht nochmal erleben. Und der Zusatz "diesmal" lässt ja wirklich alle Türen offen.
Gruß Sandra
Von: Günther Ratz am 24.05.2011
Hallo Gitte,
danke für die Klarheit die du mit deinem Artikel für den Umgang mit solchen Situationen aufzeigst. Ich habe diesen Satz schon einige Male praktiziert - aber jetzt finde ich auch diese klare innere Haltung dazu.
Herzliche Grüße - Günther
Von: Gitte Härter am 24.05.2011
Hallo Sandra und Günther,

das freut mich! Und das sind auch zwei wichtige Ergänzungen - einerseits die Klarheit, die man selbst hat, und dann das Auf-den-anderen-zugehen. Gerade bei Absagen fühlen die sich oft selbst komisch und da kann man wirklich "atmosphärische Störungen" wunderbar beilegen. Damit geht - von beiden Seiten - alles lockerer und die Türen stehen offen ...

Viele Grüße
Gitte
Von: Antinéa am 24.05.2011
Liebe Gitte,

herzlichen Dank für diesen Artikel. Das ist wirklich ein Super-Satz!


Viele Grüße


Antinéa
Von: Monika Polk am 27.05.2011
Liebe Gitte!
Sie sprechen mir aus dem Herzen! Aus Aufträgen, die man trotz schlechtem Gefühl annimmt, erwächst kaum etwas Gutes - weder für einen selbst noch für die Teilnehmer.
Ich glaube, dass langfristig Ihr beschriebener Weg auch finanziell der erfolgreichere ist - man braucht nur langen Atem.
Herzliche Grüße

Monika Polk
Von: Gitte Härter am 27.05.2011
Huhu Antinéa, hallo Monika,

das freut mich! - Und das stimmt: die Haltung und das souveräne "dann diesmal nicht" hat weitere positive Konsequenzen.

Ein schönes Wochenende
Gitte Härter

 

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