Erfolgsprinzipien

Kooperationen: In der Planung versumpft

Gitte Härter • 09.07.2009 • email Weiterempfehlen

Ach, das hört sich doch immer alles großartig an: Dann könnten wir. Und wir könnten. Und das könnten wir auch noch! Das wird bestimmt toll! Und dann wird geplant und sich getroffen und gemailt und telefoniert und entworfen. Es macht Spaß! Es fühlt sich im Idealfall so richtig dynamisch an. Wie schön, mit anderen am gleichen Strang zu ziehen und Ideen zu entwickeln.
Die Wochen und Monate ziehen ins Land.

Oh, ich habe noch eine gute Idee! Ja genau, das könnten wir auch noch. Ich habe hier die dritte Version vom Entwurf, erstmal als Diskussionspapier. Jeder geht das jetzt mal zu Hause durch und macht sich Notizen. Das besprechen wir dann ausführlich beim nächsten Treffen. Lasst uns vorher nochmal per E-Mail und Telefon alles grob abstimmen. Nach dem Treffen machen wir dann aus, was die nächsten Schritte sind – und dann feintunen wir das.

Schau mal: Ich habe die zehnte Version eines möglichen Logos gezeichnet. Und ich finde, der Flyer sähe besser mit der anderen Schrift aus! Ich mach das mal alles nochmal. Kein Problem. Dann kann man sich das auch viel besser vorstellen.

Das wird toll!

Die nüchterne Realität

Meiner Erfahrung nach – der eigenen und der vieler meiner Kunden – sind die meisten Kooperationen Zeitverschwendung. Erst recht, wenn Sie sich davon erhoffen, dass die Kooperation der einzige Auftragbringer ist. Höchste Alarmstufe gilt, wenn sich lauter Existenzgründer zusammentun und die viele Arbeit, die sie in Planung stecken, damit verwechseln, dass sie gerade ihr Geschäft aufbauen. Mal abgesehen vom Alptraum, dass unterschiedliche Ansichten, Meinungen, Strategien ewig ausdiskutiert werden müssen.

Ich empfehle Ihnen für Ihr Business den Grundsatz „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Kümmern Sie sich immer in erster Linie um sich selbst!

Nutzen Sie Kooperationen strategisch für Ihr Marketing und gehen Sie strikt nur Kooperationen ein, die Sie wirklich Ihrer Zielgruppe nahebringen und bei denen Aufwand und Ergebnis im richtigen Verhältnis stehen (und damit meine ich nicht „das Prinzip Hoffnung“).

Ist das zynisch? Nö. Wenn Sie andere/bessere Erfahrungen gemacht haben, gratuliere ich Ihnen! Auch ich selbst habe über die Jahre einige wunderbare Kooperationen gehabt - aber selten. Denn nennen wir’s beim Namen: Damit eine Kooperation klappt, brauchen Sie die richtigen Kooperationspartner - sowohl, was die Rahmenbedingungen und das Know-how angeht, als auch, was die gleichen Ziele betrifft (zumindest für die gemeinsame Aktion). Aber noch viel wichtiger: die richtige Einstellung und persönlichen, zielgerichteten Einsatz für die gemeinsame Sache.

Wenn Ihr Business läuft und Sie „obendrauf“ dann Kooperationen – wie gemeinsame Leistungen – anleiern wollen, ist das wunderbar. Aber versumpfen Sie bitte nicht in Planung. Denn das fühlt sich wie Arbeit an. Es klingt vielversprechend. Aber es kann in Wirklichkeit eine fette Handbremse für Ihr Business sein.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Hans-Gerd Staschewski am 09.07.2009
Hallo Frau Härter,
Sie sprechen mir aus der Seele. Diese Erfahrungen teile ich mit Ihnen. In meinem Betrieb habe ich inzwischen einen kleinen Fragenkanon eingeführt, den wir zu beginn eines neuen Projektes oder einer Kooperation beantworten müssen.
Was ist eigentlich das Ziel?
Was wollen wir damit (für unseren Kunden) erreichen ?
Woran merken wir, dass wir dass Ziel erreicht haben?
Bis wann wollen wir das Ziel erreichen?
Wie feiern wir es, wenn wir das Ziel erfolgreich erreicht haben?
Herzliche Grüße
Hans-Gerd Staschewski
Von: Norbert Jothann am 09.07.2009
Hallo, Gitte!

Ich teile Deine Ansicht. Auch meiner Erfahrung nach sind die meisten Kooperationen Zeitverschwendung. Viel heiße Luft - aber kein produktiver und finanzieller Auftrieb. Aktionismus wird mit aktivem Handeln verwechselt. Gruppendynamik entsteht, aber kein Umsatz weit und breit. Man befindet sich in einem fließenden Abstimmungsprozeß mit den Kooperationspartnern, statt mit Interessenten und Kunden.

Deinen Gedanken "Ich empfehle Ihnen für Ihr Business den Grundsatz 'Jeder ist sich selbst der Nächste.' Kümmern Sie sich immer in erster Linie um sich selbst!" kann ich eindeutig unterschreiben.

Im letzten Jahr habe ich an drei "Projektideen" mitgewerkelt... Aber ich habe mich gleichzeitig (nebenbei) auf die Suche nach Fakten und Interessentenaussagen gemacht. Ergebnis: "Tolle Idee, aber..." Zeit-, Geld- und Energieverschwendung.

Klingt jetzt irgendwie negativ, ist es aber nicht. Es ist realistisch. Ich sage auch nicht kategorisch "Nein!" zu Kooperationen. Gegenwärtig bin ich in Gesprächen mit zwei möglichen Kooperationspartner, mit denen ich keine "GbR" oder eine ähnliche Zusammenarbeit anstrebe. Der eine ist ein echter PR-Profi, der andere ein Tüftler (so wie in Deinem Artikel
7 Tipps, damit Ihre Kunden Sie in Ruhe Ihre Arbeit machen lassen wunderbar beschrieben). Beides bin ich nicht. Meine Stärken liegen woanders. Wir überlegen gerade, wie wir unsere jeweiligen Stärken zum gegenseitigen Nutzen verbinden können, ohne in das von Dir oben beschriebene Muster zu geraten.

Jeder macht seins. Aber jeder bietet und erntet durch die Zusammenarbeit Nutzen. Dann klappt's auch mit dem Kunden und den Kooperationspartnern.
wink

Herzliche Grüße aus Hamburg
Norbert
Von: Gitte Härter am 09.07.2009
Guten Tag, Herr Staschewski,

herzlichen Dank für Ihren kleinen Erfahrungsbericht. Das ist eine ganz wunderbare Ergänzung: denn Sie bringen gleich ein paar simple, aber effektive Fragen, die jeden auf Kurs halten (und gleich zu Beginn den "Schmarrn" ausfiltern) ... besonders schön: Bis hin zum FEIERN!

---

Lieber Norbert,

ach, da bist Du ja genau so ein Leidgeprüfter. Ich glaube, dass jeder Selbstständige irgendwann da durch muss - denn man merkt es oft erst im Nachhinein. Und gerade, wenn etwas eigentlich gut klingt (und vielleicht sogar wirklich gut sein könnte), dann kommt man mit in den Strudel.

>>Jeder macht seins. Aber jeder bietet und erntet durch die Zusammenarbeit Nutzen.

Ganz genau!
Und Du gibst auch gleich das richtige Stichwort: Man muss nie gleich "heiraten", sondern kann auch ohne fixe Verbandelung bei sinnvollen Projekten wunderbar zusammenarbeiten.

Ich glaube, dass gerade bei so "Wir machen die Firma zusammen"-Geschichten auch die Angst vorm Alleinsein oder der Wunsch nach Verantwortungsteilung (oder gar -verlagerung) eine Rolle spielt. Durchaus nachvollziehbar: die Selbstständigkeit kann ganz schön "scary" sein.


Jetzt aber PC aus! Also ich - nicht jeder, der das jetzt in diesem Moment liest wink
Gitte

 

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