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Kommen Kunden zu Ihnen? – Sprechen wir über Hygiene

Gitte Härter • 29.07.2010 • email Weiterempfehlen

Gestern in einem Restaurant. Meine Freundin kommt zurück an den Tisch und sagt: „Also mich beunruhigt es immer, wenn die Toiletten nur so halb sauber sind.“ Ich: „Echt? Ist es nicht sauber? Letztens habe ich mir noch gedacht, wie schön die Klos hier sind.“ Sie: „Schon, aber oben am Abzug schimmelts und auch das Fensterbrett ist total dreckig.“

Als ich aufs Klo gehe, sehe ich, warum ich das Fensterbrett nicht bemerkt habe: Ich bin zu klein und sehe es nicht. Die Putzfrau anscheinend auch.

Hygiene ist für viele Einzelunternehmer ein großes Thema: Friseure, Masseure, Kosmetiker, Nagelstudios, Restaurants, Heilpraktiker, Ärzte und und und

Auch wenn ich es nicht den Bringer finde, wenn ein Büro unhygienisch ist, so ist es in manchen Bereichen einfach ein noch sensibleres Thema.

Erstaunlich oft wird das aber nicht richtig beachtet. Dabei sind es natürlich Extremfälle, wenn es richtig dreckig oder klebrig ist (aber auch das gibt’s leider nicht zu knapp).

Doch das muss nicht einmal sein.

Schon ein nicht so gutes Gefühl reicht aus:

  • Eine Freundin ist bei einer Massage und bekommt ein kleines Handtuch gereicht, auf das sie sich legen soll. Große Teile ihres unbekleideten Körpers liegen direkt auf der Massageliege. Iiih, wer da wohl vorher gelegen hat? – Als sie mehrere kleine Handtücher verlangt, bekommt sie diese nur mit einem bösen Blick ausgehändigt.
  • Bei der Fußpflege liegen die ganzen Werkzeuge und Aufsätze für die Maschinen kreuz und quer direkt auf der Ablage. Ob die irgendwann desinfiziert werden? Ob wirklich für jeden Kunden ein neuer Aufsatz genutzt wird? Lieber nicht näher darüber nachdenken, wer unmittelbar vorher dran war.
  • Im kleinen Café wird die Milchdüse mit einem Lappen abgewischt, der dann wieder achtlos neben der Spüle abgelegt wird. Ob damit immer mal die Ablage gesäubert wird und dann wieder die Milchdüse ...  big surprise
  • Es reichen aber auch schon die uralten, versifften Zeitschriften, die offenbar schon durch Tausende von Händen (und Fingerbefeuchtumblätterer) gegangen sind.

Alleine solche Fragen können verunsichern und dazu führen, dass man als Kunde beim nächsten Mal lieber woanders hingeht.

Selbst wenn Sie Ihr Handwerkszeug und die Umgebung sauber machen, ist es immer eine gute Idee, das deutlich zu machen. Indem Sie es vor den Augen des Kunden machen. Ihr Werkzeug sauber geordnet bereitlegen und nicht kreuz und quer auf dem Tisch oder in einem staubigen Wagen liegen haben. Oder einfach, indem Sie Einmalwerkzeug auch vor den Augen der Kunden aus der Verpackung nehmen.

Ich weiß, das klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Aber ich weiß nicht, wie es in Ihrer Welt so aussieht – wenn ich als Kunde unterwegs bin, sind leider sehr viele Räume und Werkzeuge eher fraglich, was die Hygiene angeht. Manchmal sind es gerade die Details, wie das Fensterbrett, die Bedenken schüren.

 

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Bernd Klaus Achter am 02.08.2010
Es geht noch schlimmer. Selbst gesehen: Als ich mal am Pissoir eines Restaurants mein kleines Geschäft verrichtete, kam der Koch des Restaurants aus der Zelle, wo er sein großes Geschäft verrichtet hatte und verschwand ohne sich die Hände zu waschen in Richtung Küche. Selbst erlebt: Beim Frisör bekommt man ja allerlei angeboten. Bei größerem Programm ein Glas Sekt, bei kleinerem Programm einen Kaffee. Grauslich nur, wenn man an der Oberfläche Haare schwimmen sieht, die aber nicht von einem selbst sind. Ich habe mir schlußendlich einen Haartrimmer gekauft.
Übrigens, Ihre Anekdote mit der Milchdüse ist ein Klassiker.
Von: Gitte Härter am 03.08.2010
Hallo Herr Achter,

uääääh: der Koch ohne Händewaschen! Schlimm genug bei Verkaufspersonal (ich habe mal an der Fischtheke einen Verkäufer beobachtet, der erst Sandwiches machte, sich die Finger abschleckte und damit dann den nächsten Fisch anfasste), aber übelst bei einem Koch!

Und Haare im Kaffee auch noch. Jetzt könnte man meinen, Sie sind besonders gebeutelt ... oder entsetzt vermuten, dass das noch häufiger vorkommt, als man darüber nachdenken möchte. :-(

Schrecklich, schrecklich ... und mit sofortiger Kundenkill- und Negativmundpropaganda verbunden.

Viele Grüße
Gitte Härter

PS: ... und ich fürchte, es ist auch tatsächlich ein (ausgeführter) Klassiker ist. Uäh.
Von: Bettina Ramm am 23.08.2010
Ich glaube, die Liste kann man endlos erweitern. Beim Frisör finde ich es schrecklich, wenn ich - als erste Kundin des Tages - nicht weiß, wo ich meine Handtasche hinstellen soll. Nicht nur der Fußboden, sondern auch die Ablage vor dem Spiegel - voller fremder Haare (das mit dem Kaffee ist natürlich noch schlimmer). Und alles voller Zigarettenqualm (auch daran sollten Frisöre denken, ich will doch nicht, wenn ich frisch vom Frisör komme, nach Nikotin stinken).
Oder letztens im Tante-Emma-Laden ein Brot gekauft. Die Verkäuferin hat gerade Pappen gezogen (Regale aufgeräumt). Legt die Pappe beiseite, und ich denke noch, die wird doch nicht... Doch, wirdse, ohne Handschuhe oder Tüte oder irgendwas das Brot anfassen - wer mal Pappen gezogen hat, weiß, wie dreckig die Hände danach sind.

Alles Kleinigkeiten, die nicht sein müssten...
Von: Angela Becker am 23.08.2010
Und ich dachte, nur ich wäre aus Berufsgründen so pingelig! Schön, wenn das auch von Kunden kommt. Beruflich spreche ich die Probleme immer an, aber als vor kurzem eine allergiegeplagte Eisverkäuferin nach ausgiebigem Niesen und ordentlich anerzogenem Hand vor Mund und Nase halten dann direkt zur nächsten Eistüte gegriffen hat bin ich einfach gegangen. Vermutlich müsste ich als Kundin sagen, warum ich gehe bzw. nicht mehr kommen möchte!

Viele Grüße

Angela Becker
Von: Hans-Joachim Siegmund am 24.08.2010
Es ist schon erstaunlich, wie Sauberkeit oder Unsauberkeit wirken. Meistens ist es aber ein Punkt, wo nicht drüber gesprochen wird. Als ich im Juli im Krankenhaus lag und die Putzfrau kam, sagte ich nur diese Worte: "Jetzt kommt die zweitwichtigste Person im Unternehmen, gleich nach dem Geschäftsführer." Sie hatte mich erst mal angeschaut und fragte "Warum". Ich sagt zu ihr: "Was würde in einem Unternehmen passieren, wenn es überall dreckig ist?" Sie sagte: "Das stimmt, wenn nur auch die Bezahlung entsprechend wäre." Ich denke, das ist ein Punkt, wo vielleicht auch sehr viele Unternehmer an der falschen Stelle sparen, auch wenn Sparen angesagt ist. Es ist einfach so, denn wo Dreck im Unternehmen liegt, kann auch der beste Geschäftsführer nicht punkten.
Von: Gitte Härter am 25.08.2010
Hallo zusammen,

dankeschön für die Ergänzungen! Es ist wirklich ein so wichtiges Thema - und Hans-Joachim bringt den Stellenwert richtig auf den Punkt. Gerade die Sauberkeit ist bei Kundenverkehr wichtig, erst recht, wenn es sogar um Krankheiten geht - wie Angela und Bettina auch mit ihren Beispielen so schön untermauern von wegen "Die wird doch nicht" und Rumniesen.

Ich bin wirklich kein Putzteufel, doch ich denke mir immer: Man sollte doch, selbst wenn es einem nicht als "Pass auf! Mach das nicht!" eingetrichtert wird, ein automatisches (Ekel)Empfinden haben.

So oder so zeigt es einmal mehr: Es nützt das beste Angebot und das schönste Marketing nicht, wenn man Kunden mit solchen Zuständen verschreckt - zumal man sicher sein kann, dass die Kunden garantiert nicht mehr kommen und es fleißig rumerzählen werden.

Viele Grüße
Gitte

 

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