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16. „Können Sie mir bitte sagen?“

Gitte Härter • 16.12.2010 • email Weiterempfehlen

Eben habe ich mich wieder einmal selbst dabei ertappt, wie ich ganz automatisch eine ziemlich unsinnige Formulierung benutzt habe.

Ich habe einem Seminarveranstalter gemailt und gefragt „Können Sie mir bitte sagen, wie viele Anmeldungen es bisher gibt?“ – So ein Schmarrn! Natürlich kann man mir das sagen.

Heute dreht es sich also um angewöhnte Formulierungen, die allesamt unnötig sind, weil man es viel direkter sagen kann (und sollte)! Im Privatleben tun wir das meistens besonders häufig, zum Beispiel:

  • Haben Sie xy für mich? (z. B. im Kaufhaus: „Haben Sie eine Tüte für mich?“)
  • im Lokal: „Kann ich noch was bestellen?“, „Kann ich dann zahlen?“
  • jemanden mit erkennbarer Armbanduhr fragen: „Wissen Sie, wie viel Uhr es ist?“

Natürlich, wie wir das auch schon bei zahlreichen anderen Floskeln hatten: Es ist nicht tragisch und solche Formulierungen fallen meistens gar nicht mehr auf. Hin und wieder merkt man es, wenn der andere spöttisch sagt “Können würde ich schon ...” oder “Ja, ich weiß es” oder die Bedienung im Restaurant gut drauf ist und sagt: “Nein, auf keinen Fall!”

Es gibt eine kleine Gefahr, und das ist die, dass sich bei häufiger Ausdrucksweise diese Formulierungen auch in andere Bereiche einschleichen. Und wer im Beruf andauernd drumherum redet oder ständig Formulierungen nutzt, bei denen das Gegenüber stutzt, weil etwas unsinnig wirkt, der riskiert hochgezogene Augenbrauen.
——
Das ist ein Beitrag aus dem Adventskalender der Floskeln.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Jürgen am 16.12.2010
Das Allerschlimmste: Wir halten dieses Herumgeeiere auch noch für ausgesprochen höflich.
Von: Renate am 16.12.2010
Ich persönlich finde an diesen Äußerungen nichts, was mich stört. Ich empfinde sie nämlich tatsächlich als höflich und respektvoll.

Was wären die direkten Alternativen? "Bitte geben Sie mir eine Tüte." Ist natürlich möglich, aber klingt für meine Ohren zu hart. Ebenso "Ich möchte noch etwas bestellen." Sicher hat die Verkäuferin oder der Kellner gar keine Alternative als mir eine Tüte zu geben bzw. meine Bestellung aufzunehmen, das ist deren Job. Und trotzdem erscheint es mir beiden gegen über respektvoller, sie zu fragen, ob es möglich ist. Auch wenn es nur eine rein rhetorische Frage ist.

Auch ein beigefügtes "bitte" ändert nichts dran, dass die beiden genannten Sätze letztlich Befehle/Anordnungen sind.

Müssen wir an Worten sparen? Ich finde "Nein!". Kostet doch nichts und macht die Welt m.E. etwas menschlicher.
Von: Gitte Härter am 16.12.2010
Die Höflichkeitsform wäre dann ja der Konjunktiv, also "Könnten Sie mir bitte sagen, wie spät es ist?", "Hätten Sie eine Tüte für mich?" (der Konjunktiv kommt eh auch nochmal separat dran).

Es geht auch keineswegs darum, Worte zu sparen, sondern lediglich ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wann Formulierungen schlichtweg nicht stimmen. Mein "Können Sie mir sagen, wie viele Anmeldungen es gibt" wurde direkter zu "Sagen Sie mir bitte, wie viele Anmeldungen es gibt" - ich finde daran nichts Unhöfliches.

Dazu kommt ja schönerweise, dass wir jede Menge an Alternativen haben - und nicht vergessen: Blickkontakt, Ton und Mimik spielen eh die größte Rolle. Auch der allerschönst formulierte Satz voller Höflichkeitsfloskeln kann völlig daneben ankommen.

Ansonsten gilt: Jeder macht es so, wie er es möchte. grin

Viele Grüße
Gitte
Von: J. Ploemer am 17.12.2010
"Heute dreht es sich also um angewöhnte Formulierungen, die allesamt unnötig sind, weil man es viel direkter sagen kann (und sollte)!"

Wie Gitte sagt, nicht nur der Ton macht die Musik. Zudem, diese direkte Ausdrucksweise, die sie ansprechen ist allerdings nicht immer leicht durchzusetzen. Es kommt auch auf den Kontext an, in dem man sich bewegt. Ist man Chef, Untergebener oder Selbstständig. Das sind Dinge, die eine Rolle spielen.
Von: Gitte Härter am 17.12.2010
... ich bin übrigens nicht der Meinung, dass das Gegenüber einen Unterschied macht (und ich war viele Jahre selbst sowohl Angestellte als auch Chefin mit Mitarbeiterführung - und auch als Angestellte in Vertrieb und Kundenbetreuung tätig). Meine Devise ist durchaus: Man kann jedem alles sagen - es kommt nur drauf an, wie.

Übrigens bin ich überrascht, dass die Beispiele oben als (zu) direkt ankommen, nur weil man das Umständliche der Formulierung rausnimmt. Direkt im Sinne von "zu direkt" oder "brutal" sieht doch ganz anders aus. grin
Von: J. Ploemer am 17.12.2010
Da haben Sie natürlich recht. Aber die Bandbreite des zwischen "zu direkt" und "brutal" ist natürlich auch weitläufig.

 

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