Ist es wichtig, einen Plan zu haben?
Normalerweise bin ich nicht so ein Fan von Business-Plänen. Ich habe es immer mal wieder mit einem Business-Plan versucht, aber sobald die Tinte trocken ist, ist der Plan schon veraltet und die Wirklichkeit hat einen überholt.
Bisher konnten Wissenschaftler wohl auch keinen Zusammenhang zwischen dem Erstellen eines Business-Plans und dem Erfolg einer Selbstständigkeit nachweisen.
Ich habe jedenfalls keine positiven Studien dazu gefunden, nur welche, die eben keinen Zusammenhang nachweisen konnten. Jedenfalls gilt das für die umfangreichen, mehrseitigen Business-Pläne, die von der Konkurrenz-Analyse bis hin zur Drei-Jahres-Umsatz-Projektion alles enthalten.
Hier habe ich eine andere Art von Business-Planung für Sie und zwar eine, die auf eine A4-Seite passt. Die Idee dazu stammt aus dem Buch:
The One Page Business Plan von James Horan
Die Idee ist, dass Sie auf einer A4-Seite die wichtigsten Fragen und Antworten für Ihre Selbstständigkeit oder Ihr Unternehmen festlegen und beschreiben.
Dazu beantworten Sie auf einer A4-Seite 5 Fragen.
Zukunft: Wie stelle ich mir meine Selbstständigkeit / mein Unternehmen in der Zukunft vor? Wo will ich hin? Wovon will ich mehr? Wovon weniger? Wie sieht mein Ideal aus?
Nutzen: Wozu ist mein Business da? Welchen Nutzen will ich meinen Kunden bringen? Was ist der Zweck meines Unternehmens?
Ziele: Was sind die nächsten konkreten Meilensteine auf meinem Weg? Was genau und im Detail will ich in diesem / nächsten Jahr erreichen?
Strategie: Was ist meine allgemeine Herangehensweise, um meine Ziele zu erreichen?
Plan: Wie will ich die Strategie konkret umsetzen? Welche Aufgaben muss ich dazu bewältigen?
Diese Fragen eignen sich allerdings in erster Linie für Geschäfte, bei denen die Grundlagen stimmen und die bereits ein wirtschaftlich tragfähiges Business-Modell haben.
Was in diese Art der Planung fehlt, sind einige Fragen, die gerade bei der Existenzgründung oder bei der Einführung eines neuen Produkts oder einer neuen Leistung wichtig sind. Diese Fragen kann man ja auf der Rückseite beantworten:
Produkt: Was genau ist mein Produkt oder meine Leistung?
Produkt-Nutzen / USP: Was ist der Nutzen meines Produkts oder meine Leistung? Was ist das besondere an meinem Produkt / meiner Leistung?
Rentabilität: Wie viel nehme ich für mein Produkt? Was habe ich für fixe Kosten und Stückkosten? Wie viel “Stück” muss ich verkaufen, damit ich gut davon leben kann?
Verkauf: Wie gewinne ich meine ersten Kunden? Wie komme ich an die ersten Aufträge?
Probieren Sie die Fragen einmal. Ich persönlich finde es immer sehr beruhigend, wenn ich einen Plan habe und ungefähr weiß, in welche Richtung ich mich bewegen werde. Und auch wenn die Wirksamkeit von Plänen nicht genau nachgewiesen ist, so beobachte ich es bei erfolgreichen Selbstständigen, dass sie gerne und oft über ihr Geschäft nachdenken. Und dieser 1-Seiten-Business-Plan ist eine schönes Werkzeug dazu.
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Anmerkungen & Kommentare
na klar, es das ist es, was ich mit einem funktionierendem Business-Modell meine. Ich denke, es ist wichtig, seine Zahlen zu kennen (Siehe auch den Punkt: Rentabilität), sonst kann es schnell passieren, dass man Geld verliert. Ich muss wissen, ob ich rentabel arbeite und wie viel Profit ich denn mache. Alle anderen Zahlen (außer vielleicht noch der Cash-Flow, wenn ich keine Kapitaldecke habe), sind wir für mich persönlich ziemlich unwichtig.
Na ja, auch nicht ganz. Wir schauen auch nach ROI bei Marketingmaßnahmen oder Neuentwicklungen.
Eine andere Sache ist es, konkrete Zahlen für die Zukunft zu planen. Da gibt es ja in der Wirtschaft auch einen (in meinen Augen richtigen) Gegentrend (Beyond Budgeting).
Und wenn ich zur Bank gehe, um Kredite zu bekommen, dann gelten ja sowieso noch mal andere (teilweise absurde) Regeln.
diese 5 Punkte auf einer Seite gefallen mir gut -das könnte ich schön in meine Jahresplanung und Inventur aufnehmen, die ich am Jahresende immer mache. Dazu habe ich ein Mind Map mit verschiedenen Bereichen entwickelt.
Für die Inventur schaue ich mir dann die Planung vom vergangenen Jahr an und sehe, was ich davon umgesetzt habe, was alles passiert ist etc.
Deine 5 Punkte geben noch eine andere Sicht, also eine schöne Ergänzung.
Lieber Norbert,
da schlackern mir die Ohren, wenn ich lese
>>>Einnahmen, Ausgaben, Rücklagen, Umsatzvorgaben, fixe und variable Kosten, Planzahlen, private Entnahmen, Steuerrückstellungen, Entwicklungskosten, Marketingaufwendungen und so weiter.<<<
Mit Zahlen bin ich leider immer noch nicht gut, kämpfe seit Jahr und Tag um einen Überblick, habe tolle Software etc.- aber das ist mein blinder Fleck. (mathe 5)
Und das wäre der Punkt auf dem i, wenn ich da auch so eine klare Sicht und Planung hätte wie bei dem, was ich sonst noch treibe...
Schöne Grüße
Zamyat
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Auch wenn es jetzt vielleicht etwas seltsam klingt, aber ich habe mir Deinen obigen Beitrag zweimal durchgelesen, um in Deinen Gedankengang eintauchen zu können.
Ich finde die Fragen richtig und zielführend. Ähnliche Fragen stelle ich mir selbst.
Was mir bei Deiner Idee gefällt, ist, daß der Plan nur auf einer DIN-A4-Seite Platz finden soll. Dadurch ist man eher geneigt, ihn sich öfter durchzulesen, um einerseits auf dem erdachten Weg zu bleiben, aber andererseits auch jederzeit notwendige Korrekturen einarbeiten und berücksichtigen zu können.
Dennoch: Eine "Zahlentapete" halte ich für notwendig. Einnahmen, Ausgaben, Rücklagen, Umsatzvorgaben, fixe und variable Kosten, Planzahlen, private Entnahmen, Steuerrückstellungen, Entwicklungskosten, Marketingaufwendungen und so weiter.
Ein Unternehmens-Plan darf allerdings nicht zu einem Zahlenfriedhof werden, sondern muß lebendig gehalten und jeweils an die aktuelle Entwicklung angepaßt werden.
Spätestens wenn ich zu meiner Hausbank gehe, um einen Kredit zu bekommen, ist dieser Plan ein sehr wichtige Verhandlungsgrundlage. Und wenn mein Unternehmen finanziell ins Schlingern gerät, muß ich sofort wissen, wo ich die Einnahmen erhöhen und die Ausgaben kürzen muß/kann.
Ich verweise hier auf den interessanten Beitrag von Gitte:
Coaching per TV – Bringt’s das?
Hier ganz besonders der Artikel zum Beitrag:
Coaching per TV
In diesen Sendungen wird immer wieder deutlich, daß die UnternehmerInnen nicht zuletzt auch dadurch in eine unternehmerische Schieflage geraten, weil sie sich nicht mit ihren Zahlen auskennen. Sie wissen nicht, wo sie finanziell stehen, was sie sich wirklich leisten können, was wieviel kostet, welche Belastungen monatlich auf sie zukommen, wo sie "zubuttern" oder Geld schlicht und einfach "verbrennen".
Herzliche Grüße
Norbert