Ich kann das nicht!
Akquise dafür haben Sie einfach kein Talent? Vor Leuten reden das können Sie nicht? Netzwerken - dafür muss man geboren sein? Mit Gedanken dieser Art tun Sie nur eines: Sie limitieren sich selbst. Und Sie stecken sich in Schubladen. Etwas, das einem bei anderen so gar nicht gefällt. Aber selbst ist es offenbar in Ordnung.
Manchmal kann man etwas und weiß es nicht.
Sie können ganz vieles, das sich oft mühelos auf eine andere Fähigkeit übertragen lässt. Vor einigen Jahren hatte ich mal eine Kinderkrankenschwester in einem Online-Workshop, die Event-Managerin wurde. Sie war ganz verunsichert und davon überzeugt, dass ihre bisherige Tätigkeit ihr überhaupt nicht bei der neuen helfen würde: die ganze Erfahrung, alle Fähigkeiten praktisch dahin. Nichts, auf dem sie aufbauen könnte.
Das stimmte natürlich nicht: Die stellvertretende Leitung der Station, die Koordination und Logistik, die sie im Krankenhaus zu managen hatte, der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen ... alle Aufgaben und Fähigkeiten, die sie im Umfeld Krankenhaus einsetzte, waren selbstverständlich auch für das Event-Management nutzbar.
So kann es sein, dass Sie bestimmte Leistungen bisher nur für einen gewissen Kundenkreis angeboten haben und nun ein neues Marktsegment erschließen möchten. Oder aber, dass Sie sich bestimmte Fähigkeiten aneignen müssen, zum Beispiel die Kundengewinnung oder Ihre Buchhaltung.
Blockieren Sie sich nicht selbst, indem Sie sich sagen, dass Sie etwas nicht können!
Manchmal konnte man etwas nicht und kann es jetzt schon.
Als ich Teenager war, habe ich vergebens versucht, englische Bücher zu lesen. Filme gucken ging. Sich unterhalten ging auch. Aber lesen ging gar nicht. Nach einigen frustrierten Versuchen habe ich das als gegeben hingenommen. Dann fing ich in einer internationalen Firma an und hatte als Abteilungsleiterin jeden Tag mit dem englischen Haupthaus zu tun. Und trotzdem war ich nach wie vor davon überzeugt, dass ich keine englischen Bücher lesen kann. Nach einigen Jahren des täglichen Berichte- und E-Mail-Lesens dämmerte mir langsam, dass ich das eigentlich können müsste, nahm einen englischen Roman zur Hand und las ihn ohne Mühe durch.
Welche Fehlversuche oder unguten alten Erfahrungen tragen Sie mit sich herum?
Manchmal kann man etwas nicht, weil man es nicht mag ...
... oder wie war das mit der Henne und dem Ei? Nehmen wir die Buchhaltung, die ich oben schon erwähnt habe. Ich sage auch immer gerne, ich blicke das nicht und bin heilfroh, dass ich mich nicht selbst kümmern muss. Aber natürlich ist es lediglich eine Frage des Aneignens und der Übung, ob man etwas kann oder nicht.
Wovon behaupten Sie, dass Sie es nicht können, aber in Wirklichkeit mögen Sie es einfach nicht?
Und wenn Sies nicht können, dann lernen Sie es eben!
In einem früheren Blog-Beitrag habe ich einmal Terry Pratchett zitiert, der in einem seiner Bücher jemanden sagen ließ: Klar kann ich das! Ich habs nur noch nie gemacht.
Genau das ist die richtige Einstellung!
Limitieren Sie sich nicht selbst, sondern beweisen Sie sich, dass Sie es können.
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Anmerkungen & Kommentare
gell, das ist wirklich verrückt, wie man manchmal einfach nicht mehr logisch ist - das mit dem Englischlesen finde ich wirklich verblüffend, und wenn man es so liest denkt man: "Hä? Sind die blöd. Der ganze Businesskram ist ja viel schwieriger als ein 'Lesebuch'." Und dennoch ist man richtig verhaftet manchmal.
Das kann auch dazu führen, dass man etwas verpasst. Da fällt mir noch ein privates Beispiel ein: Vor einigen Jahren habe ich im Fitness-Studio zwei Jahre von außen die Step-Stunden angesehen und war voller Ehrfurcht: DAS könnte ich nie, ist viel zu kompliziert. Ich habe mich nie reingetraut bis ich einmal zu früh da war und nicht eine ganze Stunde abwarten wollte. Also bin ich rein und habe bei der Trainerin Bescheid gesagt, dass ich wahrscheinlich nach einigen Minuten gehen muss, weil ich es nicht raffe. - Und dann kam ich völlig problemlos mit und seit einigen Jahren ist das meine absolute Lieblingsstunde. Das hätte ich niemals gemerkt (dass ich es kann und dass es mir einen Heidenspaß macht), wenn ich es nicht einmal ausprobiert hätte.
Das von Herrn Staub kannte ich noch nicht, aber genau darum geht's: ausprobieren und vor allen Dingen gar nicht erwarten, etwas aus dem Stand heraus zu können.
Ich glaube, dass man das als Angestellter oft leichter lernt: Denn da fängst Du in einer neuen Position oder Firma an oder bekommst eine Aufgabe übertragen und dann arbeitest Du Dich halt rein. Da ist klar, dass das anfangs etwas dauert. Als Selbstständiger alleine mit sich ist das, besonders wenn man kritisch mit sich ist, sicherlich öfter von Frust und Aufgeben (oder erst-gar-nicht-ranwagen) gekrönt.
So, und jetzt geh ich in die Step-Stunde
Einen schönen Tag
Gitte
mir fällt spontan eine Lebensweisheit meiner Großmutter ein:
"Probieren geht über studieren und es kostet nichts, was hat man schon zu verlieren?" empfahl sie, wenn eine Mensch meinte, dass er etwas nicht könne.
Vielleicht weiß man manchmal nur nicht so recht, *WIE*.
Talent allein reicht nicht aus, die Übung macht den/die Meister/in, so meine Devise.
Aqusia zum Beispiel ist auch Übungssache. Ein Ausprobieren und hinzulernen, Erfahrung machen und sammeln.
Unser Leben besteht aus "Trial and Error Funktion". Das beginnt bereits in dem Moment, in dem wir geboren werden.
Wenn ein Baby meint es könne nicht krabbeln oder laufen, wird es nie voran kommen.
Ich sag gerne "Nur Mut" Einfach ausprobieren und üben.
*Wageste nix - gewinnste nix*
Schöne Grüße
Ursula
genau: ausprobieren, trial & error und üben.
Schwierig ist das natürlich für Leute, die sehr kritisch mit sich sind oder ungeduldig und dann gleich wenn es nicht auf Anhieb klappt, das Handtuch wieder werfen. Die Ausdauer, die fast jeder am Anfang braucht, um überhaupt gut werden zu können - und das von Norbert auch schon beschriebene "sich erlauben, Fehler zu machen, weil das halt dazu gehört", das ist für viele auch Trainingsfeld.
(Was dazu) gewinnen ist die beste Aussicht
Schöne Grüße
Gitte
ich denke, dass es manchmal auch einfach ein bequemes Alibi ist, einfach zu sagen: Das kann ich nicht. Denn so hat man einfach eine gute Begründung. Ich muss zugeben, hin und wieder geht es mir auch so. Und oft ertappe ich mich dabei und dann mache ich es erst recht.
Ich tanze, habe ich bestimmt schon mal erzählt
Was soll ich sagen, wir tanzen Turnier...
In Gedanken habe ich mich genau mit diesem Phänomen auseinander gesetzt.
Ich bin immer wieder verblüfft, wie oft wir uns selbst Fallen stellen und uns aber die Dinge gelingen, die wir gezielt, durchdacht, auf den Körper und Geist vertrauend, und oft durchgeführt gelingen.
Der Mensch ist wirklich ein phantastisches Wesen.
Ich wünsche Euch allen einen schönen Abend.
Maria
Mir fiel bei Deiner Schilderung auch das Beliebte "Machst Du das bitte? Du kannst das doch viiiiel besser!" ein
Und das mit der Geduld, dem Üben und Besserwerden ist auch so eine Sache (ich vermute jetzt mal, das "Akros" akrobatische Einlagen sind??): Man sieht wie's soll oder man hat viel zu hohe Ansprüche an sich.
Das ist auch ohne Akrobatik so ein Phänomen. Ich erlebe es oft in Trainings, dass Leute Sachen wollen (oder auch ihren Mitarbeitern audrücken), wo doch die Grundlagen fehlen.
Was soll ich jemandem lernen, wie er am Telefon akquiriert oder Beschwerdemanagement macht, wenn er die Grundlagen fürs gute Telefonieren noch gar nicht draufhat. Aber nein: Das hört sich so selbsverständlich an, dass man es "eh kann" oder einfach abkürzen will und gleich zum Fortgeschrittenen übergeht.
Dass die Leute, die etwas wirklich gut können, auch wirklich viel üben, sieht man nicht oder will nicht oder hat die Zeit nicht - oder will sich selbst die Zeit nicht geben ...
Endloses Thema.
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Gitte Härter •
Die Sache mit dem Lesen eines Buches in englischer Sprache kommt mir bekannt vor. Mitte der Neunziger Jahre war ich für das Kontakthalten zu den Geschäftspartnern in den USA zuständig und als Ansprechpartner für Kunden aus den USA, die in Europa unterwegs waren, tätig. Ich las jeden Tag Briefe, Faxe und Mails in englischer Sprache. Aber einen Roman in dieser Sprache konnte ich natürlich nicht lesen... Das war Unsinn. Eine Kollegin köderte mich mit einem Fachbuch in englischer Sprache, das ich freilich gut lesen konnte...
Beim Lesen Deines Artikels kam mir ein Text in den Sinn, den ich vor einiger Zeit gelesen habe. Es ging um unternehmerisches Denken und Handeln. Darin sagte der Gedächtnistrainer Gregor Staub, daß er den Führungsstil des "management by falling on your nose" propagiere, statt der durch die Schule anerzogenen Denkungsweise des "Ich habe es probiert, bei mir geht es nicht" zu folgen.
Wenn ich das richtig wiedergebe, beschreibt Gregor Staub es in etwa so: "Schauen wir doch mal, wo du heute auf die Nase fällst..., wo du stolpern wirst, wo du was brauchst, um weitermachen zu können, wo du weitermachen wirst..."
Herzliche Grüße
Norbert