8. “Ich gebe jederzeit 110 %!”
Heute geht es im Adventskalender der Floskeln um Hochprozentiges. Jürgen berichtet von einem früheren Kollegen, der im Gespräch mit aufgebrachten Kunden oft behauptete “Ich gebe jederzeit 110 %!“
Prozentspielereien sind ja beliebig einsetzbar ... und nach oben sind keine Grenzen gesetzt:
“Den kann ich empfehlen: der gibt 200 Prozent!“
„Ich stehe tausendprozentig dahinter!“
Natürlich: Mehr als 100 Prozent gibt es einfach nicht. Und so mancher rollt da mit den Augen.
Gleichzeitig ist die Übertreibung auch ein gutes Stilmittel, die durchaus gut kommt, wenn
- ... sie zu Ihnen passt (Übertreibungen sind auch Persönlichkeitssache)
- ... zur Zielgruppe passt (es gibt durchaus Berufsgruppen, die eher wild mit den Augen rollen, wenn man ihnen so unlogisch kommt).
- ... zum Kontext passt. Im obigen Beispiel mit dem aufgebrachten Kunden ist ein engagiertes „Ich gebe 110 %, damit wir die Sache schnell aufklären“ durchaus geeignet, dem Kunden zu versichern, dass sich da jemand dahinterklemmt. Und es würde in diesem Fall weitaus mehr bringen als ein neutrales „Ich gehe der Sache nach.“ – Wenn Sie ein Mailing verschicken und neben lauter Werbegeplapper verkünden, „Sie werden fünfhundert Prozent zufrieden sein!“, löst es eher ein müdes Gähnen aus.
- ... Sie sie nicht inflationär nutzen. Gewohnheitsmäßigen Sprüchen merkt man an, dass sie schon oft gesagt wurden beziehungsweise Leute, mit denen man häufiger zu tun hat, haben die gewohnten Sprüche auch schon ewig oft gehört. Eine Übertreibung wirkt immer dann, wenn Sie dosiert eingesetzt wird. Das ist wie bei einem Text, bei dem alles fett gedruckt ist: die Hervorhebung geht in den Hervorhebungen unter.
Wenn Sie ein Freund von Übertreibungen sind, dann machen Sie die Übertreibung zu einem Hingucker. Entweder, indem Sie merkwürdige Zahlen nutzen: „Ich gebe 183 %!“ oder indem Sie maßlos übertreiben „Ich gebe zwanzigtausend Prozent!“ Da guckt Ihr Gegenüber zweimal und wird sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können.
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