6. „Ich bedanke mich ...“
auch:
Seien Sie gegrüßt.
Hochachtungsvoll.
... und ähnliche nicht mehr zeitgemäße oder gestelzte Ausdrücke
Die heutige Floskel ist keine spezielle Floskel, sondern eine Ausdrucksweise: Manchmal schleichen sich Formulierungen ein, die überhaupt nicht zeitgemäß sind – und Ihnen (und mir) einen angestaubten, unechten oder gar gestelzten Touch verleihen. Ja, auch mir rutscht sowas natürlich immer mal durch. Die Gewohnheit!
Ich zucke zum Beispiel immer zusammen, wenn jemand sagt „Der Herr (oder: Die Dame) war vor mir.“ Auch das „Hochachtungsvoll“ ist bei den Grußformeln nicht totzukriegen. Das „Ich bedanke mich“ oder „Ich grüße Sie“ ist natürlich völlig unnötig: einfach grüßen oder Danke sagen.
Sie stellen bei der „normalen“ Variante auch den Empfänger viel mehr in den Mittelpunkt und nicht sich selbst. Und: Sie haben viel mehr Möglichkeit, zu variieren und so Ihre Botschaft auch echt ankommen zu lassen:
Vergleichen Sie:
„Ich bedanke mich für Ihre Hilfe.“
oder
- „Herzlichen Dank für Ihre Hilfe!“
- „Tausend Dank, dass Sie mir so unkompliziert aus der Patsche geholfen haben!“
- „Vielen Dank für Ihre Unterstützung.“
Es ist sooooo viel netter und glaubwürdiger, wenn Sie sich so ausdrücken, wie Sie normalerweise auch sprechen.
Das gilt natürlich auch für alles Schriftliche! Darum ist der bewährte Tipp: Lesen Sie laut. Dann merkt man nämlich oft erst so richtig, wie merkwürdig etwas klingt ... und wie schwer einem so manche Formulierung von der Zunge geht.
——
Das ist ein Beitrag aus dem Adventskalender der Floskeln.
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Anmerkungen & Kommentare
Ich zucke zum Beispiel immer zusammen, wenn jemand sagt „Der Herr (oder: Die Dame) war vor mir."
Ich denke, wenn man z.B. in einer Reihe an der Kasse steht, ist es wohl angebracht, das zu sagen.
Soll das bedeuten, es wäre besser
"der Mann / die Frau" zu sagen?
?
Maria
der "Adventskalender der Floskeln" dient ja in erster Linie dazu, überhaupt aufmerksam darauf zu werden, was veraltet ist (oder eventuell falsch verstanden oder unaufrichtig wirken könnte).
Das "Der Herr/die Dame" lässt mich deshalb zusammenzucken, weil kein Mensch das heutzutage sagt: "Die Dame." "Der Herr." - außer eben in dieser Situation. Und wie ich schon mehrfach betont habe: die Floskeln werden ja genutzt und es ist nichts gegen sie zu sagen.
Ersatz: "Der Mann"/"die Frau" ist natürlich unhöflich. Eine zeitgemäße Variante ist zum Beispiel die direkte Ansprache. Ich mache zum Beispiel eine Armbewegung zu der anderen Person und sage "Sie waren vor mir." oder, etwas eleganter "Sie sind vor mir dran." So interagiere ich mit dem Kunden und dem Verkäufer. Oder Du kannst Dich auch nur auf Dich beziehen: "Ich komme noch nicht dran." oder auch, je nach Situation, "Ich warte gerne."
Oder natürlich den Namen nennen, wenn es eine Situation mit bekannten Leuten ist: "Herr Meier ist vor mir -"
Einen schönen Tag, die Dame!
Viele Grüße
Gitte
So schön hilfreich, den Spiegel vorgehalten zu bekommen, den in einigem hier finde ich mich leider wieder.
Danke, liebe Frau Härter, ganz doll Danke für die Idee und die Umsetzung.
Herzlichen Gruß
Martina Bloch
Ich glaube jeder findet sich im einen oder anderen wieder (ich mich ja auch!). Und es macht auch Spaß, mal ein wenig bewusster damit umzugehen.
Herzliche Grüße
und einen schönen Tag
Gitte Härter
Ich habe einen Kunden, der das Gespräch immer mit "Ich grüße Sie" beginnt.
Muss mir jedesmal das Lachen verkneifen, weil mir dann immer Asterix einfällt und Juliua Cäser "Bürger, Landsleute, Römer..."
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