Selbstmanagement

Home-Office macht fett

Gitte Härter • 11.07.2011 • email Weiterempfehlen

imageMich zumindest. Ich bin in den letzten zwölf Jahren schleichend schwerer geworden.

Keine Sorge: Das wird kein Sport- und Ernährungsratgeber-Beitrag. Ich will trotzdem mal näher beleuchten, was das Home-Office genau damit zu tun hatte. Denn es ist ja nicht nur das Gewicht!

Vielmehr geht es um eine wichtige Frage, die wir als EinzelunternehmerInnen im Fokus behalten müssen: Wie gut halte ich mich selbst im Blick?

  • Wie gut kümmere ich mich?
  • Wie sehr erhalte ich mir Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und sorge für mein Selbstvertrauen?
  • Und wie schnell steuere ich gegen, wenn ich merke, da geht etwas in meinem Business in eine ungute Richtung?


Das Gewicht ist hier nur ein Beispiel für viele andere Dinge, die in Ihrer Selbstständigkeit falsch laufen können, ohne dass es Ihnen bewusst ist ... oder ohne dass Sie rechtzeitig handeln.

Letztes Jahr war ich also plötzlich bei 70 kg angekommen. Es ist ganz komisch für mich, das zu schreiben, weil ich Schwarz auf Weiß sehe, wie viele Kilos sich da angesammelt haben. Vor meiner Selbstständigkeit wog ich meistens um die 55 kg. Im Jahr habe ich also etwas mehr als ein Kilo zugelegt und weil man sich ja selbst jeden Tag sieht, ist dieses schleichende Mehrwerden ziemlich lange an mir vorbeigegangen. Bis mich die 7 auf der Waage so geschockt hat, dass ich den Rückwärtsgang eingelegt habe.

Der Übeltäter ist eindeutig: Das Home-Office. Oder besser gesagt: Ich im Home-Office. Und ganz sicher geht es nicht nur mir so. Einge von Ihnen greifen sich vermutlich auch gerade verstohlen an den Rettungsring.

Wie konnte das passieren?

Ich habe nicht zu viel gegessen. Ich habe als Angestellte genauso wie im Home-Office mehrere Stunden Sport pro Woche gemacht.

Die Ursachen sind schnell benannt:

Viel weniger Bewegung!

Ich habe zwar das gleiche Sportpensum beibehalten, mich aber im Alltag viiiiel weniger bewegt! Alleine mein früherer Arbeitsweg hin und zurück sowie das Rausgehen mit Kollegen zum Mittagessen und zurück machte ungefähr eine Stunde pro Tag aus. Dazu kam, dass wir ein großzügiges Büro im ersten und zweiten Stock hatten. Ich bin an den meisten Tagen viele Male die Treppen rauf- und runtergefetzt, meist zwei Stufen auf einmal genommen und zackig durch die Büroräume hierhin und dahin gelaufen. Dieses Gehen und Laufen x 5 Tage an zusätzlicher Bewegung ist nicht von Pappe.

Im Home-Office bin ich die ersten Jahre ständig gesessen (damals noch mit Kabeltelefon, heute geh ich beim Telefonieren durch die Wohnung) und gerade mal wenige Meter in die Küche oder mal ins Bad gegangen. Da ich im fünften Stock ohne Aufzug wohne, habe ich mir zweimal überlegt, ob es sich „lohnt“ zum Einkaufen zu gehen.

Ich habe zu wenig gegessen.

Das hing in erster Linie mit der Faulheit zum Einkaufen zusammen und zweitens damit, dass ich nicht koche. Gefördert durch ungute Angewohnheiten: ich habe mein ganzes Leben nie gefrühstückt, oft erst mittags oder sogar noch später etwas gegessen, und zwar oft erst dann, wenn ich plötzlich angenervt war oder gemerkt habe, dass ich hungrig bin. Über der Arbeit habe ich schlichtweg oft die Uhrzeit gar nicht wahrgenommen!

Ich habe das Falsche gegessen.

Da ich nicht regelmäßig einkaufen war, waren Obst und Gemüse und sonstige “Standards” einfach nicht parat. Im Kühlschrank fand sich oft nur die Milch für den Kaffee.

Wenn ich dann schließlich hungrig war und zum Einkaufen ging, dann wollte ich JETZT was Unkompliziertes und Schnelles essen. Das waren dann oft belegte Semmeln, ein Schokoriegel oder eine inhalierte Packung Kekse.

Ich habe nebenbei gegessen.

Es ist ja viel praktischer, am Computer nebenbei was reinzuschieben. Dazu kommt das Alleine-essen. Wer keine Kollegen hat, mit denen er die Mittagspause verbringt oder sich nicht mit Freunden oder Familie hinsetzt, ist eher verführt, nebenbei zu essen.  Ich setze mich jedenfalls nicht an einen hübsch gedeckten Tisch und starre ins Leere, während ich langsam und bedacht etwas esse.

Ich habe mich übrigens nicht krank oder schlecht gefühlt, aber dass das auf Dauer nicht gesund ist, war auch mir klar.

Ich habe bequeme Kleidung getragen.

Die ersten fünf zusätzlichen Kilos sind mir gar nicht großartig aufgefallen. Und auch danach hat die bequemlegere Michsiehtjaniemandhomeoffice-Kleidung immer gut gepasst. Man kann auch mit einer Speckrolle ziemlich lange in die normale Hosengröße passen. Stoff gibt erstaunlich lange nach bis der Ernstfall eintritt. Erschwerend (hehe) kommt hinzu, dass die Kilos mit steigendem Alter hartnäckiger kleben bleiben.

Vor einem Jahr habe ich dann – gemäß meinem Jahresmotto “radikaler Wandel” - meine Lebensweise komplett geändert: Ich habe mich selbst viel mehr in den Fokus gestellt, esse komplett anders, mache weniger Sport als früher, aber dafür schwerpunktmäßig Krafttraining, was einen Riesenunterschied macht und 10 kg sind schon wieder weg.

Nicht jeder ist von Haus aus homeofficetauglich

Das Arbeiten im Home-Office stellt für viele EinzelunternehmerInnen eine Herausforderung dar: die einen vereinsamen, die anderen fühlen sich nicht „echt“ oder „professionell“. Vielleicht sind Sie dauernd von Hausarbeit oder dem Fernseher abgelenkt. Oder aber Sie lassen Ihre Arbeit voll und ganz ins Privatleben rüberschwappen.

So oder so: Seien Sie ehrlich mit sich, damit Sie diese Hürden lösen können. Gute Lösungsansätze finden Sie in den Büchern “Homeoffice” und “Kollege Ich”. Details auf der Website kollege-ich.de.

Na, können Sie davon auch ein Lied singen? Oder fallen Ihnen gerade andere Angewohnheiten des Zuhausearbeitens ein, wo Sie sich persönlich hintanstellen oder Raubbau an Ihrer Leistungsfähigkeit betreiben?

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Karin am 11.07.2011
nein, das Gewicht ist nicht das Problem! Allerdings fiel es mir anfangs schwer, bei meinen Arbeiten zu bleiben: schnell noch die Wäsche in die Waschmaschine, das eine weggeräumt, beim Postholen die Nachbarin getroffen und ein "paar" freundliche Worte gewechselt, da ist doch gestern noch was (Privates) liegengeblieben, das sich schnell erledigen lässt (bloß nichts aufschieben!), usw. Immer, wenn es anstrengend, langweilig, "zäh",... im homeoffice wurde gab es der Ablenkungsmöglichkeiten genug. Es braucht schon eine Menge Selbstdisziplin und eine gute Struktur um mit dem Arbeitsplatz daheim effektiv zu sein. Allerdings: die Ablenkungen, die ein "normales" Arbeitsumfeld bietet (KollegInnen, die was loswerden wollen, Telefonate der anderen, jemand, der mal schnell bei dir reinschaut,...) fallen weg. Das ist z.t. ein (Zeit)Gewinn, andererseits natürlich der Vereinsamung Weg bereitend. So wie immer hats auch hier Vor- sowie Nachteile, und man muss seinen Weg finden.
Von: Angela Stahlhacke am 11.07.2011
Hallo Frau Härter,

Volltreffer! Da sitze ich in meinem Homeoffice, lese den Beitrag und denke Ja! Ja! Ja! Regelmäßig kochen und essen klappt Dank Familie noch, dafür fällt fast alles an Pause (Schnell ne Maschine Wäsche!) tagsüber flach...Und das ständige Rechtfertigungs-Gefühl, dass ich tatsächlich arbeite, obwohl ich zuhause bin...Mit Familie ist Homeoffice brilliant (finde ich) - aber dieses "alles unter einen Hut kriegen" kann einen auch auffressen. Also, vielen lieben Dank für die Denkanstöße - ich fange gleich heute an, nämlich mit einer Mittagspause, die ihren Namen verdient (und mit Sport, morgen, ehrlich wink
Viele Grüße, Angela
Von: Martin Kramer am 11.07.2011
Ja, das HomeOffice ist schon schön bequem und gerade das sind die Gefahren die lauern. Da stimme ich Karin gern zu, was die Selbstdisziplin und die guten Strukturen angeht. Da ist es dann auch ganz gut, wenn im Job mal eine Abwechslung auftaucht. So freue ich mich dann doch auf den einen oder anderen "unbequemen" Kundenbesuch, den ich erledigen darf oder wenn ein Bildungsträger wieder ein Seminar bucht.
Ich empfinde die Kombination aus HomeOffice und "hin und wieder rausmüssen" als recht optimal.
Von: Karin am 11.07.2011
Noch so ein Killer ist mir eben eingefallen: arbeiten am Abend und an den Wochenenden. Nur schnell die mails anschauen ........, das eine Konzept braucht nur mehr den letzten Schliff,.....
Und schon hast du es übersehen und dein Familien (Beziehungs-)leben leidet, deine privaten Sozialkontakte nehmen ab, Zeit zum Ausspannen und Abschalten wird aufgefressen. Warnung vor dem "schnell noch!, dem "nur mal kurz" und all ihren VErwandten!!:-)
Von: Sabine am 11.07.2011
Ja, das Gewichtsproblem beim Arbeiten zu Hause kenne ich. Oftmals war das Essen auch ein vorgeschobener "Grund", um mir eine Pause zu gönnen. Seit mir das bewusst wurde, frage ich mich selbst, ob ich jetzt wirklich Hunger habe oder nur eine Pause benötige, die ich mir dann bei Kaffee oder Tee gerne gönne.

Vielleicht ist auch folgendes Problem anderen bekannt: Zu Anfang meiner Tätigkeit, die ich nur zum Teil im Home-Office erledige, hatte ich Schwierikeiten mit der Akzeptanz durch meine Umwelt. Noch heute erhalte ich manchmal Reaktionen, als sei das Arbeiten zu Hause keine "richtige" berufliche Tätigkeit. Ich bereite meine Seminare und Schulungen dort ja "nur" vor, gearbeitet wird nur während des Seminars.

Das Arbeiten zu Hause funktiniert bei mir nur, wenn ich die privaten Dinge wie schnell mal die Spülmaschine ausräumen, private Telefonate führen usw. außen vor lasse. Wäre ich an einem externen Arbeitsplatz ginge das während meiner Arbeitszeit ja auch nicht. Arbeiten für den Broterwerb stehen i. d. R. für mich immer an erster Stelle. Alles andere in den Pausen oder nach Arbeitsende.
Von: Martina Fuchs am 11.07.2011
Liebe Gitte,

als erstes musste ich bei dieser Headline herzhaft lachen und im zweiten Anlauf Dir 100% Recht geben.

Auch ich bin gerade bei der Notbremse angelangt, habe mich im Fitness-Studio inklusive Personal-Coach angemeldet (mein Schweinehund pfeift, ich mags trotzdem) , gehe morgens als erstes mal ne Runde um den Block und versuche gerade mehr Struktur in meinen Tagesablauf und mein Essen zu bekommen. Statt bis Nachmittags nix essen und dann abends volle Kanne lieber doch 3 x täglich. Bin gerade mitten in der Struktur-Findung und hoffe, ich schaffe es so gut wie Du!

Die beiden Bücher kann ich übrigens nur empfehlen!

Beste Grüße

Martina
Von: Cornelia Knösel am 11.07.2011
Liebe Gitte und alle "Home-Office" geschädigte,

du hast alle Fallen notiert (wunderbar!!), in denen wir Homeoffice Menschen hineintappen können.
Ich kann zu folgenden Tricks raten:
1. 1- 2 Flaschen Mineralwasser plus Glas sichtbar aufstellen. Jede Stunde 1 Glas Wasser trinken (gut gegen das Essen nebenbei und Heißhungerattacken)
2. Pausen machen (im Tagesplan mit einbeziehen: Selbstmotivation: Pausen fördern Leistung)
3. Gut und regelmäßig essen (morgens Obst oder Müsli/ oder Brötchen/Brot möglichst Vollkorn, mittags vollwertige Kohlenhydrate, abends eiweißhaltige Nahrung)Selbstmotivation: Gutes Essen gibt Energie, Leistung und Konzentration! Fördert mein Wohlbefinden und erhält schlank.
4. Es hilft alles nichts!! Mehr Bewegung - besonders Krafttraining (fördert Grundumsatz), beim Joggen und Walken Intervalltraining mit einbauen (wichtig für Fettverbrennung)
5. den Schlabberlook zwischendurch mal ablegen und in z. B. enge Jeans schlüpfen.
6. Ich koche meistens früh morgens oder abends vor - weil ich mich ja kenne!
Friere einen Teil ein Für "heute habe ich keine Lust zu kochen Tage".
7. Ich muss nicht jeden Tag warm essen, aber ausgewogen.
8. es darf auch mal einen Tag geben, in dem es nicht so ausgewogen zugeht. (max.1 x die Woche)
9. Achtsam sein! Was verhindert, dass ich gut für mich sorge?
10. Atmen!!! Viele vergessen, wie wichtig eine tiefe Bauchatmung ist. Hilft auch gegen Stress!!!!

Gutes gelingen!Sonnige Grüße

Cornelia
Von: Maria Ast am 11.07.2011
Ich ergänze mal um meine These: Selbständigkeit macht fett und die im home-office besonders.

Egal, ob zu Zeiten, wo ich ein superchices Außenbüro unterhielt oder jetzt, wo ich im home-office arbeite, es gibt immer wieder Phasen, wo ich aus vermeintlich unerklärlichen Gründen zunehme. Mittlerweile habe ich den Grund rausgefunden: wenn's Geschäft gut läuft, kann ich quasi essen, was ich will und meine Bewegung gen Null schrauben, ich nehme wie von selbst ab.
Läuft 'es' nicht so gut, setze ich Fett an: wohl archaische Angst, die Büffelherde könne vorbeiziehen und mich ohne Nahrung zurück lassen.

Seitdem arbeite ich mich nicht mehr am äußeren Fett ab, sondern an innerer Zuversichtshaltung. Das wirkt schneller und effektiver auf vielen Ebenen.

Ein anderes Thema im Home-office ist für mich auch das Gefühl des Einzelkämpfertums oder der Vereinsamung.
Da haben mir Rituale geholfen. Ich habe ein Ehrenamt übernommen, da MUSS ich raus - und anschließend gibt's nen Tee (und Kuchen grin) im Lieblings-Café. Simple Dinge eigentlich. Mir haben diese 'Zwangsaußentermine' aber viel geholfen. Gegen Vereinsamungsgefühle und gegen das Gefühl, in der Selbständigkeit zu versinken.

Urlaubsgestärkt grüßt
Maria Ast
Von: Monika am 11.07.2011
Gitte... das ist ja der Hammer. Hab große Augen bei Deinem Artikel gemacht. Herzlichen Dank für diese wertvollen Gedanken.
Klar habe ich auch seit dem Einstieg in die Freiberuflichkeit zugelegt. Öhm... die Wechseljahre spielen sicher auch eine Rolle. - Aber mir fällt es gerade wie Schuppen von den Augen:
Verwaltungsarbeit - Sitzen,
Beratungen - Sitzen,
PC-Arbeit - Sitzen,
Studium Fachliteratur - Sitzen.

Mit dem Verstand wusste ich schon lange, dass ich körperlichen Ausgleich brauche - und habe deshalb gerne auch Hausbesuche gemacht... und mich auf dem Rückweg, weil ich so tapfer war... mit Kuchen belohnt. - grins - Gleiches gilt für mein abendliches Tanzen als Ausgleichssport... äh... als Belohnung das entspannende Gläschen Wein... oder zwei...

Überhaupt Belohnungen: ich werde nun dringend darüber nachdenken, wie ich meine selbstgewählte Arbeitseinsamkeit und Risikotapferkeit mit Sachen belohnen kann, die NICHT kalorienträchtig sind.

Ich bin etwas geschockt. Aber durch Deinen Artikel ist die wichtige Botschaft in meinem HERZEN angekommen.
Danke dafür! Gesegnete Woche und liebe Grüße von Monika
Von: Monika am 11.07.2011
Nachtrag: Etwa zeitgleich ist der Kommentar von Maria Ast hereingekommen, der mir gut gefällt.
Die Sache mir der urzeitlichen Büffelherde lohnt sich zu durchdenken. wink Dankeschön.
Von: Silke Bicker am 11.07.2011
Hallo Gitte,

danke für diesen wunderbaren Beitrag!!!
Der Griff an den Bauch war da:-) und ja, es könnte weniger in der Hand sein dabei...

# Meine Pausenregelung funktioniert nur, wenn ich das Büro tatsächlich verlasse. Tee im Wohnzimmer trinken, Runde um den Block spazieren gehen (nicht zum Briefkasten um eben schnell am Rechnungen hinein zu ...), nein raus.
# Die Flasche Wasser oder eine Kanne Kräutertee steht neben dem Schreibtisch, dann trinke ich und habe weniger Schokogelüste wenn mal eine Arbeit nicht so gut von der Hand geht.
# Statt Schokolade Wasabierbsen - hilft auch bei Schnupfen, sie pusten die Nase durch:-)
# Fitnessstudio lange nicht mehr von innen gesehen, muss sich ändern - Krafttraining statt Ausdauertraining?!? Probiere ich aus.
# Das Wochenende gehört mir (wenn kein Seminar dazwischen kommt). Sonntagsmorgens früh aufstehen, gut frühstücken und loslaufen - mindestens 3 h Spazierengehen, egal wie das Wetter sich zeigt. Herrlich. Entspannend.

Viele Grüße,
Silke
Von: Claudia am 11.07.2011
... der Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf - obwohl ich zunächst etwas geschockt von der Headline war - aber so hat es bei mir das Ziel erreicht: Aufwachen, innehalten!

Ich habe auch gemerkt, dass bei mir durch das Home-Office ein wenig der Schlendrian Einzug gehalten hat. Da mein Freund meist mittags oder am frühen Nachmittag von der Arbeit nach Hause kommt, gibt es aber doch regelmäßig ein Mittagessen. Alleine für mich kochen - dafür könnte ich mich sicherlich auch schwer motivieren ...

Auch meine Körperhaltung ist schlechter geworden - viel PC-Arbeit.

Den Vorteil, den ich aber beim Home-Office sehe: Ich kann morgens (natürlich nicht jeden morgen;) ) mein privates Rückentraining (vor dem Spiegel) absolvieren, was ich morgens bei einem Angestelltenjob sicherlich nicht machen würde und abends wäre ich dafür sicherlich auch nicht mehr zu begeistern.

Vor ca. 1,5 Jahren hat ein bewegungsfreudiger Hund bei uns Einzug gehalten. Der hat mich/uns zu Anfang ganz schön auf Trab gehalten und so gab es zwangsweise Pausen (aber auch zwischenzeitliche Schulterbeschwerden - ist halt ein kräftiger Bursche).

Ja, und der "Schlabberlook" ... Der ist zwar nicht ganz so schlimm, aber so gut zurecht wie früher bei meinem Angestelltenjob mache ich mich nicht mehr ... Und so verwischt auch die Trennung Arbeit/Freizeit. Habe mir zwar vorgenommen, mich während der Arbeitszeit "optisch aufzumöbeln", aber es ist dann nur beim guten Vorsatz geblieben.

... Schön zu wissen/Tröstlich, dass es nicht nur mir so geht.smile

Viele Grüße!
Claudia
Von: Volkert Brammer am 11.07.2011
Hallo Gitte,

ich sehe es eher so: Sitzende Tätikeiten, besonders im Homeoffice, machen dick. Wir Selbstständige sind ja Sitzarbeiter: Beraten, coachen, trainieren, vorbereiten, Verwaltungskram, Kundentelefonate - alles im Sitzen, wie Monika oben schon angemerkt hat.

Und egal, ob ich im Homeoffice oder im Büro in der Stadt arbeite: Bewegung fehlt mir. Und auch die Umleitung von den Keksen oder Schokolade hin zum Obst.

Für viele Berufe gibt es einen gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsschutz. Vielleicht könnte man mal jemanden engagieren, der uns selbstständige Sitzarbeiter mal genau überprüft: Wieviele Meter legen wir tatsächlich am Tag mit körperliche Bewegung zurück? Was tun wir alles an Süßkram in uns hinein? In welcher Körperhaltung sitzen wir am Notebook?Welche menschlichen Kontakte erleben wir am Tag?

Eigentlich braucht man niemanden dafür, manchmal reichen schon solche klaren Artikel, um sich an die eigene Nase zu fassen.

Daher vielen Dank für den Stupser
Volkert
Von: Ute am 11.07.2011
Hallo in die Runde,

wie habt Ihr doch soooooo recht.
Zufälle giebt es wohl doch nichr, denn ich eschäftige mich auch gerade ziemlich intensiv mit diesem Thema...
Privat und Beruf vermischen sich.
Spülmaschine und co rufen lautstark,
Die Kilos kommen schleichend (hab sie auch auf die Wechseljahre geschoben und versuche sie mit "Koch Dich schlank" und mehr Sport zu bekämpfen. Krafttraining probier ich aus, danke!
Die Variante "nur 3 Mahlzeiten am Tag" schaffte ich nicht, da sind mir die 5 Portionen schon lieber. Was draus wird, weiß ich noch nicht, ich habe erst am Wochenende angefangen
Ich habe mir außerdem vorgenommen, mich in einem Coworking-Büro einzumieten, damit mehr Struktur reinkommt und es zu keiner Vereinsamung kommt wink
Freu mich auf noch mehr Meinungen
Ute
Von: Monika am 11.07.2011
@ Volkert Brammer:
Ich hatte mal überlegt, mir ein "Pedometer" anzuschaffen. Das Ding misst die tagsüber zurückgelegten Schritte. Empfohlen werden 10.000 Schritte täglich, um gesundheitlich einigermaßen in Form zu bleiben.
Äh - jetzt mach ichs. That´s it! Ich bestell das Ding. Parallel dazu werde ich versuchen, das Krümelmonster in mir zu verbannen. Oh weh. Scheint verbreitet zu sein. Liebe Grüße.
Von: Purzelchen am 12.07.2011
Ich habe einen "Nebenjob" in der Stadt, da laufe ich 6 km hin und 6 km zurück - das macht 2 Stunden. ABER, ganz großes ABER, im Homeoffice mache ich keinen Sport - ganz schlecht :-(
Von: Meike Holland am 12.07.2011
Ich lese den Artikel, während ich eine Tasse Tee und einen Toast vor dem Computer zu mir nehme...
Es stimmt genau, wann immer ich nicht so recht weiter weiß, gehe ich in die Küche...
Wie gut, dass ich nicht allein damit bin und wir uns gegenseitig da raus holen können!!!
In diesem Sinne danke für den Artikel!!

LG Meike
Von: Jana Böhm am 12.07.2011
Ohja! Ein typisches Frauenthema. Ich nehme zwar im Homeoffice und in Arbeitsumgebungen die ich liebe eher ab (ich bin Frustesser) aber das Homeoffice birgt für mich andere Gefahren. Mich lockt weniger die Hausarbeit als der Fernseher oder das gerade angefangene Buch. Ich brauche die Balance zwischen Menschen um mich rum und Frieden. Nicht einfach zu bewältigen als Selbstständige. Ich tue mein Bestes, für mich zu sorgen, indem ich etwas ändere, wenn ich merke, es geht mir nicht gut. Lebensqualität und Gesundheit geht am Ende vor. Deshalb bin ich schließlich selbstständig!

(Off topic: Mein Security-code für diesen Kommentar ist "wife77" - na, wenn das keine Ironie ist wink)
Von: Volkert Brammer am 12.07.2011
@Monika: Genauso ein Ding ist mir gestern auf dem Rückweg nach Hause auch eingefallen. Einfach mal die Schritte messen lassen.

Übrigens ist das Thema hier Ernährung, Bewegung, Gesundheit im Homeoffice / Büro nicht nur ein Frauenthema. Ich glaube, dass viele Männer damit anders umgehen wink Ob besser oder lösungsorientierter überlasse ich Euch hier.

Für mich ist es gerade weit mehr als ein Stupser, wie ich oben geschrieben habe. Ich werde diese Woche genau hingucken, wie ich mich hier im Gemeinschaftsbüro ernähre, bewege, Pausen machen und fange schon an, mein Verhalten zu verändern:
*Obst statt Naschis
*Ein Eis pro Woche (ist Sommerzeit und es schmeckt einfach lecker beim Italiener)
*Getränk holen, sodass ich auch nebenbei wieder mich bewege
*Zwischendurch auch mal strecken
*Mir andere Belohnungen ausdenken als im Café mit Kaffee und feisten Kuchen
*Selber Brote / Brötchen machen statt mal eben den Snack aus dem Back-Shop
*In Ruhe hier mit Kollegen essen (Es werden hier umschichtig leckere Sachen gekocht grin)

Und was ich interessant finde: Es hat positive Auswirkungen auf mein Wohlbefinden, sodass ich anfange meinen Arbeitsplatz zu entrümpeln, neue Ordnung einzuführen, lange geschobene Aufgaben erledige, den Arbeitsplatz verschönere ...

Viele Grüße
Volkert
Von: Tine am 12.07.2011
ein herzliches Hallo an Alle,

ich bemerke bei mir, das es mich zum Kühlschrank zieht, wenn ich eine Pause brauche, die ich mir dann aber oft nicht nehme.

Ich arbeite gerne im Homeoffice. Aber: mein Büro ist in meinem alten Kinderzimmer, weil ich meinen Vater betreue und pflege. Was ich brauche ist dieses "rausgehen". Die wohnliche Umgebung verlassen, korrekt kleiden, Tür zu und die Bürotür auf.
Mein Tipp: mietet Euch ein Büro an.
Dann ist das arbeiten am WE auch schwieriger.
Für mich ist es mittlerweile zum Ritual geworden, die Straßenschuhe auszuziehen und die Hausschuhe anzuziehen.

Hier mal ein paar Fragen, die unter anderem auch mir helfen:
Warum esse ich jetzt?
Geht es hier um Hunger?
Was will hier gerade genährt werden?
Gibt es etwas, was mich besser sättigen würde?

herzliche Grüße,
Tine
Von: Wencke am 12.07.2011
Hallo zusammen,

da ich den Newsletter tatsächlich immer ganz lese inkl. der Kommentare!
und sowohl Impulse als auch einige Schmunzler aus dem Lesen ziehe - ein herzliches Dank für diese kleinen, netten Momente in die Runde.

Da zum Homeoffice und die verbundene "Schwere" bereits viel gesagt worden ist, hier nur 3 ergänzende Punkte von mir:

1. Walk & Talk - ich verabrede mich zum Austausch mit Kollegen oder Kunden gerne zu einem Spaziergang. Das geht natürlich nicht bei jedem Thema, aber beim Weiterentwicklen von Gedanken, Konzepten, Problembesprechungen passt das meiner Erfahrung nach super und wird gern angenommen (auch im externen Büro wird oft gesessen) und frische Luft + Bewegung tut in jeder Hinsicht gut.

2. Wo wir beim Homeoffice sind - hier kann auch Kreativität durch Gegenstände entstehen, z.B. die Zeitmanagementmethode "Pomodore Technique", die aus der Nutzung einer Küchenuhr in Tomatenform entstand und sich leicht anwenden lässt
http://www.pomodorotechnique.com

3. Fürs Sitzen empfehle ich einen "Untergrund", der stetig wackelt, so dass man gerade sitzt und nicht verspannt.Ich habe eine tolle Auflage, die mir dabei hilf ("Agile dondola").

Das wars - Euch allen ein frohes Schaffen + "auf die Leichtigkeit des Sein" smile

Wencke
Von: Barbara Steldinger am 12.07.2011
Ich finde, dass die o.g. Tipps alle gut und anwendbar sind. Sie gehen aber an der Ursache vorbei. Maria Ast hat es mit ihrer "Büffelherde" schon ganz treffend beschrieben.

Als Selbständige sind wir für uns selbst immer in jeder Hinsicht verantwortlich. Die Angestellten sind das eigentlich auch, aber die merken es nicht so deutlich.

Wenn das Business läuft, haben wir Ängste, ob es so bleibt und tun alles dafür. Wenn es nicht läuft, haben wir Frust weil unsere Anstrengungen nicht das gewünschte Ergebnis bringen und Angst, weil es um die Existenz gehen könnte.

Gedankenketten, die uns vor unsrem geistigen Auge unter der Brücke landen lassen, kennt wohl jede/r von uns. Also haben wir eigentlich immer erhöhten Stress.

Und Stress macht dick. Das ist inzwischen erwiesen. Kommt dann noch falsche Ernährung, zu wenig Wasser, mangelnde Bewegung und, ja auch, das Thema Wechseljahre dazu, ist es vorprogrammiert immer runder zu werden.

Da hilft nur, sich seine Themen im Innen anzugucken. Eventuell sich dazu eine gute Unterstützung zu suchen und die anderen guten Tipps im Aussen können das begleiten. Ohne Innen bleibt das Aussen symptomatisch.

liebe Grüße

Barbara
Von: Tine am 13.07.2011
Schönen Guten Morgen in die Runde,

@ Barbara

Dem kann ich nur zustimmen.
Ich kenne auch das Gefühl der Existenzangst.
Für mich ist es wichtig herauszufinden, worum es gerade geht, wenn sich ein Thema an der Oberfläche zeigt. Das Gewicht ist hier eher ein Sypmtom genauso wie die Existenzangst auch.
Ich habe gelernt mich eingebettet ins Leben zu fühlen. Das hilft mir mich in herausfordernden Zeiten trotzdem die Spannung in den Schultern los zu lassen und mir immer wieder freie Räume zu erschaffen. Und dann läuft es auch wieder. Dann kommen Aufträge, ich schaffe ein hohes Pensum, bin sehr fokussiert....
Wenn ich mein "ich" loslasse indem ich den Blickwinkel ändere, dann komme ich in diesen Zustand. Die Frage lautet dann nicht mehr: Was muß/will ich tun, sondern wird zu: Was möchte das Leben von mir gerade? Bzw: Bin ich am richtigen Ort zur richtigen Zeit?
Oder steht eine Veränderung an?

einen schönen Tag wünsche ich allen
Tine
Von: Meike Holland am 13.07.2011
Mir fiel noch etwas ein zum Thema Schlabberlook:

Als ich früher fürs Studium für Prüfungen gelernt habe, bin ich dann manchmal so durch die Wohnung gegangen und wenn ich nicht vor dem Kühlschrank landete, dann vor dem Spiegel im Bad.
Obwohl ich mich sonst nie schminke, habe ich mich dann oft geschminkt. Obwohl ich ja allein zu hause war und mich keiner sehen konnte. Aber es hat mir geholfen. Zuerst habe ich es ganz unbewußt getan, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass ich mich danach viel besser, selbstbewußter fühlte und mir das Lernen leichter fiel.
Kleider machen Leute - warum soll ich mich nicht für mich allein schön anziehen? Wenn mir das den nötigen Auftrieb gibt?! Und mir hilft, erfolgreich zu sein?!
Irgendwann habe ich angefangen, den Kleiderschrank auszumisten und die "Arbeitsklamotten" wegzuwerfen. Einen Malerkittel habe ich behalten. Das reicht vollkommen!!!

Liebe Grüße
Eure Meike
Von: Nadine am 13.07.2011
Hallo!

Vielen Dank für den tollen Blog und herzlichen Glückwunsch für die schon abgespeckten 10 Kilos! Mögen die restlichen überschüssigen Fettpölsterchen folgen.

Viele liebe Grüße aus Köln!
Von: Gitte Härter am 13.07.2011
... oh, so eine lebendige Diskussion mit so vielen verschiedenen Aspekten hat sich da ja schon ergeben. Wie schön!

Viele Grüße an alle
(im Telegrammstil, weil ich diese Woche noch Urlaub habe)
Gitte

@Nadine: Danke! grin
Von: Kadna Greve am 14.07.2011
Hallo!

Mein Tipp für PC-Sitzpotatoes ist der 1-Minuten-Körpercheck. (Bei Amozon - der Link war zu lang) In seeeeeehr kurzer Zeit (nämlich 1 Minute) kann ich mit einfachsten Übungen sämtliche Muskeln ansprechen! Einfach, schnell, effektiv, zwischendurch und überall. (Geht auch im Liegen grin)

Mein 2. Tipp heißt "Struktur" - bis vor kurzem noch ein Graus für mich! :mrgreen: Genau genommen bis zu Gittes Schreibwerkstatt (supertoll und effektiv mal wieder! Danke Gitte! Ich weiß, Klammern stören den Lesefluss, aber das musste jetzt sein! wink) Struktur für meinen Arbeitstag entwickle ich mit einer Art Stundenplan. Für alles ist ein fester Zeitrahmen vorgesehen. Es gibt Zeiten für Emails und Internet, für einzelne Projekte, für Texte, für... und natürlich für Pausen! grin So eine Pause ist dann auch berechtigt, steht ja schließlich im "Stundenplan". Und den "Was machst du denn eigentlich so den ganzen Tag?" - Frager überrasche ich mit einem kompletten Stundenplan!

Ein gaaaaanz großer Vorteil ist, dass ich "Sperriges" leichter angehe und bei "Zwischendurch-Blockaden" nicht gleich zum Kühlschrank renne - schließlich ist ja ein Ende schon in Sicht. grin

Liebe Grüße aus dem stürmischen Osnabrück!
Kadna
Von: Regina Lehdorfer am 14.07.2011
Liebe Frau Härter!

Den Schreibnudel-Newsletter erhalte ich schon länger und ich lese ihn auch wirklich, weil er jedesmal wertvolle Hinweise für mich enthält, die ich richtig gut gebrauchen kann.
Über diesen Newsletter bin ich soeben hier gelandet.
Homeoffice ist als Einzelunternehmerin natürlich ein großes Thema für mich. Bei der Überschrift dachte ich im ersten Moment, es geht um die Kilos an Büromaterial, Bücher, Infomaterial, nicht zu vergessen die Daten im Computer, die über die Jahre anwachsen.
Ich habe einen Praxisraum und ein Wohnzimmeroffice. Oft sind die Unterlagen, die ich brauche genau dort, wo ich gerade nicht bin. Vielleicht haben Sie da auch ein paar nützliche Tipps auf Lager.
Bezüglich körperlicher Bewegung: das klappt bei mir am nachhaltigsten, wenn ich mehrere Fliegen mit einer Klappe erwische. Z.B.: mit dem Rad zum Nebenjob fahren oder Kundinnenakquise machen beim sporteln im Fitnesscenter.
Danke für Ihre wertvollen und bereichernden Ideen und den spritzigen Schreibstil.
Sonnige Grüße aus Wien
Regina
Von: Gabriele Haupert-Augustin am 17.07.2011
Da mir jetzt wegen eines Sportunfalls mehrere Wochen Homeoffice bevorstehen, finde ich alle Anregungen und Kommentare sehr nützlich. Ich werde versuchen mich zu disziplinieren, was Essen, Ablenkungen etc betrifft.

Beste Grüße

 

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