Gruppen, Kooperationen, Netzwerke etc.: Laufen Sie in diesen Fällen bitte ganz schnell weg!
Annja Weinberger hat einen Aufruf zum Mit-Bloggen gestartet zur Frage: Wie können Einzelunternehmer Kraft in der Gruppe finden?
Bestimmt kommen jede Menge guter Tipps dort zusammen.
Ich habe viel mehr Lust auf eine Warnung, kremple die Frage also um. Bitte laufen Sie in den folgenden Fällen ganz schnell weg, wenn Ihr Ziel ist, von einer Gruppe zu profitieren:
Stammtisch-Flair
Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich die Runde bei den typischen Veranstaltungen gemacht: Business-Frühstücke, Netzwerktreffen, Verbände und sonstige Zusammenschlüsse. Für mich ist das nichts! Mir ist das zu viel Stammtischgeplauder und zu wenig Tun bei so größeren Gruppen.
Wenn Sie eine Gruppe suchen, um ein wenig unter Leute zu kommen, okay. Wenn Sie aber wirklichen Mehrwert oder echte Sparringspartner suchen, das aber in der Gruppe, in der Sie aktiv sind, nicht an der Tagesordnung ist, dann sparen Sie sich die Zeit.
Jammergruppen
Mitunter sind (Einzel)Unternehmergruppen nichts anderes als unproduktive Selbsthilfegruppen, die sich andauernd nur selbst bemitleiden. Da findet man zwar Rückhalt, weil jeder jammert, was schief läuft, und das tröstet ja irgendwie auch. Aber: Es nützt nicht nur nichts, sondern zieht auch noch runter. Jammergruppen – oder auch einzelne Jammerköpfe – sind wie Treibsand. Schnell weg!
Erfolglose und/oder Bequeme
Wenn ich Sport mache, orientiere ich mich automatisch an meinen Sportpartnern. Sind diese eher bequem, haben kein Durchhaltevermögen oder lustlos, springt das automatisch auf mich über. Trainiere ich mit Sportbegeisterten, die die Ärmel hochkrempeln und sich immer noch ein wenig mehr anstrengen, bin ich ambitionierter, strenge mich mehr an und werde leistungsstärker.
Bei Business-Gruppen ist der gleiche Effekt: Von wem wollen Sie lernen, von wem wollen Sie sich mitziehen lassen, wenn sich in Ihrer Gruppe nur Anfänger oder Erfolglose befinden? Ich meine das nicht gemein: Es ist nur sehr viel schlauer, sich Leute zu suchen, die das, was Sie erreichen möchten, schon erreicht haben – als sich beispielsweise mit lauter blutigen Anfängern zu umgeben. Und natürlich ist es klug, sich Antworten und Tipps von Leuten zu holen, die von der Sache eine echte Ahnung haben und nicht von Leuten, die man beim Businessfrühstücken kennengelernt hat und sie „nett findet“.
Schwätzer und Planer
Es gibt eine endlose Anzahl von Kooperationspartnerschaften, Erfolgsteams und wie sie alle heißen, wo viel geplant und geredet wird. Das sind oft sogar höchst engagierte Leute. Doch ständiges Reden und Planen kann ein richtiger Zeitfresser sein. Das Gemeine: Es fühlt sich nach fleißiger Arbeit an. Es entstehen toll klingende Projekte und Logos und Flyer und und und, man rechnet sich die Einnahmen, die das Projekt bringen wird, hoch und höher ... und dabei ziehen die Monate ins Land. Aber das nächste Projektmeeting ist ja schon geplant ...
Trödler
Sie haben eine kleine, feine Gruppe, in der sich jede/r einbringt. – Theoretisch zumindest. Denn Pappenheimer X und Y hatten „leider noch keine Zeit“, „so viel anderes um die Ohren“ oder kommen bei jedem Treffen zu spät, müssen absagen oder früher gehen? Wenn sich einzelne Leute oder eine ganze Gruppe als Bremse erweist, dann trennen Sie sich – von der Bremse oder von der ganzen Gruppe.
Eigenwerber und Für-sich-Vorteile-Rausholer
Boah, das hat mich an solchen Gruppen immer am meisten genervt: Die heftigen Eigenwerber und als Info-Vorträge gestalteten Heizdeckenveranstaltungen. Verbringen Sie Ihre Zeit bei Gruppen-Treffen damit, sich zulabern zu lassen? Bluten Ihnen vor lauter Elevator Pitches schon die Ohren? Und sind die informativen Podiumsveranstaltungen und Vorträge nichts anderes als ein extra langer Werbeblock? Nichts wie weg! Da finden Sie doch sicher sinnvolleren Zeitvertreib.
Sie sind der Einzige, der was tut.
Sie haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen, um Synergieeffekte zu nutzen? Aber jetzt haben nur Sie auf Ihrer Website auf „Partner“ hingewiesen und nur Sie haben zur gemeinsamen Veranstaltung alle Ihre Kunden eingeladen und nur Sie haben die gemeinsam erstellten Flyer in der Stadt verteilt?
Hmmm ...
Ideensauger, die nichts einbringen, oder sogar Klauer
Ich bin ja der Erste, der dafür ist, Wissen und Tipps zu verschenken und warne vor übersteigerten Ängsten vor Ideenklau. Und doch gibt es natürlich durchaus auch Blutegel, die bewusst andere ausfragen und sich teilweise zu 100 % bedienen. Die Lösung kann nicht sein, wie mir das immer wieder Kunden erzählen, dass sie einfach nichts Konkretes mehr verraten, sondern in so einem Fall heißt es auch: den Blutegel aus der Gruppe entfernen oder sich eine neue Gruppe suchen.
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Anmerkungen & Kommentare
Gruppen bergen zuviele Hindernisse und je größer und "stärker" sie sind, desto langsamer und träger werden sie auch.
Visitenkarten-Tauschbörsen für Unternehmer sind da ein gutes Beispiel. Man unterhält sich, tauscht Kontaktdaten und beim Nachfassen kommt nichts. 3x mitgemacht und 3x nichts gebracht. Vorerst nicht wieder.
Netzwerke sind wichtig. Unbestritten. Aber man muss es sich selbst aufbauen und von denen profitieren, von denen man glaubt, dass es ein gegenseitiges profitieren wird. Synergien entstehen oft erst auf lange Zeit. Nicht bei zwei, drei Stammtischtreffen. Bei Stammtischen übrigens am wengisten.
Grüße
Klein genug, um beweglich zu sein und um gemeinsame Konzepte zu stricken, oft sogar um letztere umzusetzen.
Groß genug, um sich gegenseitig Tipps zu geben, aus unkreativen Löchern heraus zu kommen oder völlig "wuschige" Ideen zu produzieren.
Im Prinzip funktionieren diese Netzwerktreffen wie Kleingruppenarbeit in der Erwachsenenbildung:-).
Und sie bereiten Freude, bringen oft auch Nutzen.
Viele Grüße,
Silke
herrlich! Welch schöne Bilder da beschrieben sind, ich habe mich beim Lesen nicht nur gut unterhalten gefühlt sondern konnte bei einigen Punkten auch absolut zustimmen.
Es gibt aber auch positive Zusammenschlüsse. Und für mich ist es auch immer davon abhängig was das Ziel des Netzwerks sein soll, wenn jeder nur Kunden aquirieren will, wird es wohl nichts. Und manchmal kann gemeinsames Jammern ja auch befreiend sein, dann hat man als Einzelkämpfer nicht das Gefühl alleine mit seltsamen Kunden beglückt zu sein. Aber Schwätzer und Heizdeckenverkäufer bringen einen auf Dauer nicht weiter und haben auch einen geringen Unterhaltungswert.
Viele Grüße
Eva
Hilfreiche und sinnvolle Netzwerke bilden sich erst mit den Monaten, Jahren heraus. Und, das wird ja oft vergessern: Sie leben von Gegenseitigkeit und Entwicklungspotenzialen. Also kein Zwangsbeglücken, kein Abgrasen von Kollegen als Kunden, kein ständiges Jammertal. Meine Netzwerke habe sich aus Weiterbildungsgruppen, Supervision oder, seit mehreren Monaten, ganz nebenbei über ein Gemeinschaftsbüro gebildet.
Wichtig ist mir immer die Frage nach dem Ziel von Netzwerken: Wenn es klar ist, warum wir netzwerken, z.B. fachlicher Austausch, kollegiale Unterstützung, Szene-Infos weitergeben, und einen guten Rahmen finden dafür, kann netzwerken auch richtig Spaß machen. Und es ist dann für alle bereichernd.
Sie haben die Problematik sehr gut auf den Punkt gebracht und herzlich lachen konnte ich auch an der ein oder anderen Stelle. Klasse
Herzliche Grüße
Simone Happel
dankeschön für die vielen Kommentare und Ergänzungen. Ich freue mich, dass Sie beim Lesen außerdem ein wenig geschmunzelt haben.
Natürlich heißt das nicht, dass ich "anti" Netzwerken bin, sondern das sind eben so typische "Besser schnell weg"-Aspekte.
Auch ich kann bestätigen, was einige schon betont haben: 1:1 funktioniert meiner Erfahrung nach auch besser als eine größere Gruppe. Und netzwerken mit ausgewählten Leuten, was meistens ja wächst, ist auch eine gute Sache.
Wir haben dazu zwei weitere hilfreiche Beiträge:
Gemeinsam ist es einfacher – Co-Coaching für Selbstständige
Kostenloser E-Mail-Kurs Netzwerken: Wie man sich ein Netzwerk aufbaut und es pflegt.
Viele Grüße
Gitte
Im Vordergrund steht, dass man/frau sich "mit Herz" für ein Thema engagiert, zu dem es eine persönliche Beziehung gibt, wo aber auch das eigene Know How am Rande mit einfließen kann. So entstehen im Laufe der Zeit viele spannende Kontakte - und vielleicht Kooperationen und Projekte, an die man sonst nicht im Traum gedacht hätte.
leider ist das wirklich alles so wie beschrieben.
Ich habe vor geraumer Zeit damit begonnen, sämtliche Netzwerke zu verlassen.
Leider habe ich diese doch oft Zeitverschwendung erst nach 4 Jahren bemerkt.
Nun stehe ich wieder relativ alleine da wie am Anfang.
Aber besser ein neuer Anfang allein als ein gemeinsamer Untergang!
Beste Grüße
Gabriele Ludek
Hatte jedenfalls sehr viel Spaß beim Lesen.
Ich hätte da sehr gern Anregungen, wie ich weiter machen könnte, um die richtigen Leute zu finden. Woran erkenne ich sie, ohne dass ich immer und immer wieder meine Zeit damit vertun muss, jede Gruppe zu testen?
Das andere, was ich mich gefragt habe ist: wenn ich z.B. gerade am Anfang stehe, dann erscheint es mir gut und logisch, mich mit denen zu umgeben, die schon weiter sind. Aber das würde ja heißen, dass diese sich gern mit Anfängern umgeben. Wie kann das funktionieren?
Danke für den sehr informativen Artikel
liebe Grüße
Lis
ganz wunderbar und sowas von treffsicher! Ich habe lange Zeit gedacht, ich bin ein Sonderling weil ich, entgegen der landläufigen Meinung wie wichtig das sei, auch nichts mehr von solchen Gruppentreffen halte. Ich schließe da für mich auch Xing, Facebook etc. ein.
In meinem Blog habe ich dazu vor einiger Zeit unter dem Titel "Netzwerken? Für mich nicht" geschrieben.
Ich muss jedoch anmerken, dass ich sehr wohl Netzwerke habe. Aber die sind mit der Zeit gewachsen und bestehen, je nach Thema, höchstens aus 3 Personen. Das ist für mich überschaubar und in jedem Fall hocheffektiv.
Barbara
Andererseits - und das zeigen andere Beiträge hier auch - ist "Einzelhaft" auch nicht so der Hit. Deshalb denke ich, das man regelmäßig seine Netzwerkaktivitäten durchforsten und Energiefresser entfernen sollte.
Für mich ist deshalb wichtig, ob ich nach einem Treffen mehr Energie habe und mich durch Ideen und Austausch inspiriert und bereichert fühle. Wenn nicht: Exit. Wobei ich das zugegebener Maßen noch nicht immer durchführe.
Im Moment habe ich aber Zusammenkünfte, die mich bereichern und das gibt mir als "Einzelkämpfer" Kraft.
Ein Gutes haben Gruppen aber auf jeden Fall: sie bieten prima Möglichkeiten, potentielle Kooperationspartner in Ruhe schon mal vorab zu betrachten - und auszusortieren. Das spart richtig Ärger. Und Energie.
Danke Frau Härter für den Input.
Jürgen
wollte nur noch mal betonen: Ich bin nicht Anti-Netzwerken.
Neben unserem kostenlosen E-Mail-Kurs Netzwerken und dem oben schon verlinkten Artikel von Ralf zum CoCoaching habe ich sogar vor einigen Jahren ein ganzes Buch dazu geschrieben: Networking: Kontakte gekonnt knüpfen, pflegen und nutzen
Der Artikel oben zeigt bewusst mögliche Schattenseiten - als Beitrag zum Mitblog-Aufruf von Annja Weinberger, die dort alle möglichen Beiträge zum Vorteil von Gruppen zusammenträgt.
Es läuft immer nur darauf hinaus, sich das Umfeld zu suchen, das einen weiterbringt (und wo man sich selbst engagiert und gerne selbst einbringt) - sich aber möglichst fernzuhalten, wenn es einem nicht bringt oder gar blockiert. Nicht jeder erkennt das auf Anhieb oder hat eine Vergleichsmöglichkeit, wie sich auch hier in den Kommentaren gut zeigt.
Viele Grüße
Gitte
Für mich habe ich die Entscheidung getroffen, nur in Gruppen/Netzwerken aktiv zu sein, aus denen ich jederzeit wieder raus kann, wenn das Geben/Nehmen nicht mehr stimmt.
Freiberuflich Kreative brauchen aber unbedingt Unterstützungsgruppen. Allerdings muß es klare Spielregeln geben und man muß regelmäßig in der Gruppe überprüfen, ob der gemeinsame Weg noch stimmig ist. Für mich entsteht gerade eine sehr spannende neue Gruppe dieser Art....
Vera Bartholomay
Ich habe Deinen Beitrag gelesen und mich dabei in manchem selbst ertappt, herzhaft gelacht (auch über mich selbst), den Kopf geschüttelt - und mich in Dankbarkeit "gesuhlt", daß ich nicht allein so denke.
Herrlich. Auf den Punkt gebracht.
Herzliche Grüße
Norbert
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Gitte Härter •
Mir war klar: In eine MasterMind-Gruppe mit Existenzgründern gehe ich nicht - da käme ich viel zu schnell in eine Beraterrolle, weil ich schon lange erfolgreich selbstständig bin.
Auch vorm Jammertal, Ideen-Saugen und Eigenwerben graust es mir.
Aber es muss doch auch anders gehen
Die Auswahl der richtigen Gruppe ist also sehr, sehr wichtig. Ich suche weiter ...